Die dämlichsten Filmtitel

  • Sarah Polleys "Away from Her" (2006) heißt auf Deutsch - warum auch immer - "An ihrer Seite".
    "Now You See Him, Now You Don't" (1972) mit Kurt Russell hat man hierzulande übersetzt mit "Es kracht, es zischt, zu seh'n ist nischt".
    Der schwedische Film "Pojken i trädet" (1961) müsste übersetzt "Der Junge im Baum" heißen. Der deutsche Verleih hat mit dem völlig idiotischen Titel "Der Wilderer vom Teufelsmoor" wohl gehofft, dass sich auch ein paar Heimatfilm- und Edgar-Wallace-Fans ins Kino verirren.
    "Die rote Lola" sucht man in Hitchcocks "Stage Fright" (1950) vergebens - sie existiert nur im deutschen Titel.
    Graf Dracula hat nicht einmal in der deutschen Fassung von "Draculas Hexenjagd" ("Twins of Evil", 1971) die Absicht, Hexen zu jagen - worum sollte er auch? Dafür beißt er in "Dracula jagt Mini-Mädchen" tatsächlich junge Frauen, deren zeitgemäße Miniröcke (daher der Titel) die deutschen Verleiher zu ihrem kreativ-dämlichen Titel inspiriert haben. In dem Zusammenhang sei auch der zu recht vergessene Film "Graf Dracula (beißt jetzt) in Oberbayern" (1979) erwähnt.
    Darüber hinaus ist diskussionswürdig, ob Nicholas Rays "Rebel without a Cause" (1955) so moralisierend ist wie sein biblischer deutscher Titel "...denn sie wissen nicht, was sie tun".
    Die Frage "Was nützt dem toten Hund ein Beefsteak" (1975) dürften die kreativen Titelübersetzer von "Mr. Ricco" (so das Original) nicht beantworten können.
    Der Preis für den kuriosesten Titel geht von mir aus aber an "Oh Dad, Poor Dad, Mamma's Hung You in the Closet and I'm Feelin' So Sad" (hierzulande ebenso korrekt wie blöd betitelt mit "Oh, Vater, armer Vater, Mutter hängt dich in den Schrank und ich bin ganz krank".

  • Bei allem Kult der Spencer-/Hill-Filme sind die Filmtitel nicht besonders originell und theoretisch jederzeit gegeneinander austauschbar, von ein oder zwei Ausnahmen mal abgesehen. Im italienischen Original hat man sich bei der Betitelung mehr Mühe gegeben. "Zwei sind nicht zu bremsen" heißt im Original "Gerade oder ungerade", ein Spiel, das im Film gleich zweimal vorkommt.


    Auch bei Louis de Funés hießen die Filmtitel immer Louis, Oscar oder Balduin. Da hat sich selbst die DDR mehr Mühe gegeben, die treffendere Titel fand, meistens auch an das französische Original angelehnt. Dafür war die Synchro im Westen besser. ;)

  • Also: "Stranger than Fiction" hätte auch nicht bleiben können - genauso primitiv

    "Schlimmer als ein Hirngespinst" wäre eine Alternative und kein deutsch-amerikanisches Kauderwelsch

    Hätte aber auch nicht so ganz gepasst, denn es ist Fiktion im Sinne einer fiktiven Geschichte gemeint. Hirngespinst klingt da wiederum zu abwertend, bzw. wird ja eher mit etwas Negativem assoziiert. Gemeint ist aber eher literarische "Fiction", entsprechend der deutschsprachigen Belletristik / fiktionalen Literatur. Der englischsprachige Buchmarkt ist grob in „Fiction“ und „Non-Fiction“ unterteilt. Das schwingt beim Originaltitel neben der Bedeutung von „Fiction“ als „Erdachtes“ mit. Daher finde ich den Originaltitel auch nicht primitiv.


    Und auch "schlimmer" trifft es nicht. "strange" ist ja nicht "schlimm", sondern seltsam, kurios, eigenartig.
    Daher würde der von Dir vorgeschlagene Titel meiner Meinung nach nicht passen. Er mag nicht so furchtbar klingen wie "Schräger als Fiktion", trifft aber den Inhalt weniger und ist auch sehr weit vom Originaltitel entfernt.
    Dann schon eher "Kurioser als ein Roman/Buch" oder etwas in der Art. Das klingt aber auch nicht besser.

    Irgendwer wird immer unzufrieden sein, wir sollten das akzeptieren. So bleibe ich immer happy. (Dr. House)

    2 Mal editiert, zuletzt von Claudia K. ()

  • Strangers in the Night - heißt doch "Fremde in der Nacht" - Dann wäre doch Wort zu Wort -> "Fremder als Fiktion" passender (Die fremde Fiktion / Das fiktive Fremde) - Schräg - ist da total Fehl am Platz.

    „stranger“ heißt Fremder, das ist richtig, „strange“ hat aber mehrere Übersetzungen. Und gemeint ist hier eben nicht fremd oder fremdartig, sondern eher kurios/merkwürdig/seltsam.


    Du gehst hier von „stranger“ als Singular von „strangers“ aus. Gemeint ist aber „stranger“ als Steigerungsform von „strange“. So ähnlich „strange“ und „stranger“ klingen, gibt es doch feine Bedeutungsunterschiede.


    Also „Fremder als Fiktion“ passt auch nicht. Da wäre „schräger“ im umgangssprachlichen Sinne näher an der Bedeutung des Originaltitels. Da sagen manche ja auch „Das ist total schräg“, wenn sie etwas kurios oder seltsam finden.

    Irgendwer wird immer unzufrieden sein, wir sollten das akzeptieren. So bleibe ich immer happy. (Dr. House)

  • sondern eher kurios/merkwürdig/seltsam.

    Also etwas "Bekanntes", das "aus der Art geschlagen" ist. (Eine Frau, die als einzige bei lauter schwarzen Klüften im bunten Kleid zur Beerdigung kommt und ne fröhliche Mimik unter all den Tränenden ziert.)


    Dann fällt mir nur noch "schlimmer" ein oder "ärger". Denn "Kurioser als Fiktion" - da könnte ich jetzt so nix mit anfangen, obwohl mir durchaus klar ist, was gemeint sein soll. "Kurios" hat für mich noch sowas wie Qualität (kuriose Antiquitäten).




    Der Film "Hairspray" war mir "schräg" - Der einzige Film mit Michelle Pfeiffer, den ich nicht sehen konnte. Ich habs versucht. Sogar mit durchzippen, vor und rück Lauf. Es ging nicht. Sonst hab ich restlos alle gesehen, die es zu sehen gab, selbst den alten von 1980.


    Deshalb kam ich ja auf "fremd" - Das ist weit von mir entfernt, nicht meine Kragenweite, mir fremd.


    Ansonsten steh ich auch auf dem Schlauch.