Der Kongreß tanzt (D 1931)

  • Der Kongreß tanzt (D 1931, Regie: Erik Charell)


    Inhalt laut filmportal: "Einer der größten Publikumserfolge des frühen deutschen Tonfilms mit dem "Traumpaar" Lilian Harvey und Willy Fritsch: Während des Wiener Kongresses, auf dem die europäischen Regenten 1814 die Neuordnung des Kontinent aushandeln, erlebt die Handschuhmacherin Christel ihr ganz privates Abenteuer. Zunächst wird sie als vermeintliche Attentäterin verhaftet, dann verdreht sie dem russischen Zaren Alexander gehörig den Kopf. Doch als die Nachricht von Napoleons Landung in Frankreich eintrifft, müssen die Herrscher wieder ans Herrschen denken. Der Kongress ist vorbei, und Christel bleibt ohne ihren Alexander in Wien zurück."


    Wer kennt den Film und kann mir sagen, ob es darin eine große Revueszene gibt?

  • Nein, es gibt keine große Revueszene im Stile etwa eines Marika Rökk-Films (obgleich es eine kleine Bühnenperformance gibt), aber das ist angesichts dieses in jeder Hinsicht großartigen Films auch gar nicht nötig. Lilian Harveys berühmte Kutschenfahrt ist wohl so ziemlich das Wunderbarste (und von der Kameratechnik her sicherlich 'choreographischste'), was es im frühen deutschen Tonfilm jemals zu sehen gab. Und ich fang jetzt besser gar nicht an, hier von den großartigen Sets, der Inszenierung, dem Skript, den Schauspielern und der Musik zu schwärmen... wenn es ein 'must see' im frühen deutschen Film gibt, dann ist es dieser Film. Das gab's nur einmal...

  • Danke für die Auskunft und die Empfehlung Carry Klips


    Wird denn wenigstens gesungen? - Ich las irgendwo, es handele sich um einen Operetten-Tonfilm ?( Ich las ferner, Charell wäre Revue-Spezialist gewesen, doch dies war laut Filmportal seine erste große Regiearbeit beim Film.
    Ist hier vielleicht ein Charell-Spezialist unter uns, der mir sagen kann, wann genau Charell zum Film kam, ob Pommer ihn protegiert hat und was Charell Ende der 20er Jahre getrieben hat?

  • Wird denn wenigstens gesungen? - Ich las irgendwo, es handele sich um einen Operetten-Tonfilm


    Natürlich wird gesungen, deshalb wurde der Film ja auch zu einem Klassiker des frühen deutschen Tonfilms. :) So wie z.B. "Die Drei von der Tankstelle"...


    -----------


    "Wer mit seinem Volk nicht Not und Tod teilen will,
    der ist nicht wert, dass er mit ihm lebe."

    (Jean Paul, 1763-1825, deutscher Schriftsteller)



  • Wird denn wenigstens gesungen? - Ich las irgendwo, es handele sich um einen Operetten-Tonfilm ?( Ich las ferner, Charell wäre Revue-Spezialist gewesen, doch dies war laut Filmportal seine erste große Regiearbeit beim Film.
    Ist hier vielleicht ein Charell-Spezialist unter uns, der mir sagen kann, wann genau Charell zum Film kam, ob Pommer ihn protegiert hat und was Charell Ende der 20er Jahre getrieben hat?

    Das Genre des Films wird zumeist als 'Tonfilm-Operette' angegeben; das bezeichnet aber nicht eine Operettenverfilmung im engeren Sinn, sondern war damals in etwa das deutsche Äquivalent zum Musical, so daß etwa auch "Die drei von der Tankstelle" oder "Ein blonder Traum" unter diese Genrebezeichnung fallen. Die beiden zentralen Lieder in "Der Kongress tanzt" sind "Das gibt's nur einmal" von Lilian Harvey und "Das muß ein Stück vom Himmel sein" von Paul Hörbiger. Das klingt erstmal nicht besonders viel, aber hier macht's die Qualität, nicht die Quantität; und durch das historische Setting im alten Wien und die Handlung hat der Film tatsächlich etwas 'operettenhaftes', aber im ursprünglichen Sinn: das ist kein harmloser Kitsch, sondern ein Film, der die perfekte Balance zwischen Romantik und ebendiese Romantik aufbrechender Satire erreicht.


    Charell war in der Tat damals ein gefeierter Bühnen- und Revueregisseur und wurde von Pommer speziell für diesen Film engagiert, weil er ihm eben der richtige Mann zu sein schien (und natürlich hatte Pommer recht). Die UFA hat für diesen Film alles aufgeboten, was ihnen an Geld und an besten Leuten zur Verfügung stand. Das geht vom Skript von Robert Liebmann bis zur Kameraarbeit von Carl Hoffmann und der Musik von Werner R. Heymann. Auch die Schauspieler der Hauptrollen waren die damals wichtigsten Stars des deutschen Kinos: Lilian Harvey, Willy Fritsch, Conrad Veidt, und viele große Namen mehr.


    Charell ist 1933 emigriert und hat dann noch einen Film gemacht "Caravan", eine französisch-amerikanische Co-Produktion.

  • Ist jemandem bekannt, ob es eien vernünftige Charell-Biographie gibt?


    Nicht, dass ich wuesste. Immerhin gab es 2010 eine Ausstellung zu Charells Leben und Werk (im Schwulen Museum Berlin, of all places). Ich vermute, dass sich der Kurator Dr. Kevin Clarke umfassend mit Charell auseinandergesetzt hat, hier ein Interview zur Ausstellung mit ihm:
    http://www.ralph-benatzky.com/…at=1&task=3&art_id=000330
    (auch wenn seine Auffassung von Operette, ihrer Darbietung und Rezeption seit 1933 ...diskussionswuerdig ist)


    Ich erinnere mich an eine Charell-Anekdote von den Dreharbeiten zu DER KONGRESS TANZT. Charell hatte eine bestimmte Vorstellung von Szene und Bildausschnitt, der Kameramann sagte: "Das geht so nicht." Charell widersprach, fuehlte sich wohl als Regisseur angegriffen und demontiert: "Woher wollen Sie wissen, was geht und was nicht?!" Da zeigte der Kameramann Charell den Bildausschnitt im Sucher... Charell soll danach mehr durch den Sucher geschaut haben als sein Kameramann.
    Vermutlich habe ich das in DAS GAB'S NUR EINMAL von Curt Riess gelesen - also nicht unbedingt historisch verbuergt :)

  • @ Willi Forst:
    Danke für die hilfreichen Anmerkungen. Die Ausstellung im Schwulen Museum Berlin war mir unbekannt, und das auch das Interview liest sich sehr interessant (zumal ich keine eigene Meinung zum Thema Operette habe).
    Ich habe inzwischen auch im Cinegraph nachgeschaut - wo es nach wie vor aber keinen Eintrag zu Charell zu geben scheint. Ist das zu fassen?

  • Ja, wirklich sehr schön! Sowas findet man auch selten, dass Leute nicht nur schöne Ausschnitte zeigen, sondern noch eine Eigenleistung erbringen. Das kenne ich bisher eher bei Stummfilm-Themen (von oftmals eher jungen Menschen, die Fan-Artige Bezüge haben zu den Filmen, meist auch eher Leute aus den USA).

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

    Einmal editiert, zuletzt von Vogel Specht ()

  • In der Tat und unverständlicherweise ist dieser bedeutende frühe Tonfilm mittlerweile nur noch als "Restbestand" erhältlich. Danke Carry Klips für den Hinweis.


    https://amzn.to/2L6hKpV [Anzeige]


    https://amzn.to/2L5zWzU [Anzeige]

    Ja auf Amazon aber auf Ebay nicht:


    https://www.ebay.de/itm/Der-Ko…4dba60:g:t6wAAOSwTfdbOorj


    https://www.ebay.de/itm/DVD-De…9311cb:g:XAIAAOSwQPlV9ud~


    "Wer mit seinem Volk nicht Not und Tod teilen will,
    der ist nicht wert, dass er mit ihm lebe."

    (Jean Paul, 1763-1825, deutscher Schriftsteller)


  • Ich habe den Film leider noch nicht. Ich werde ihn mir bald mal zulegen, solange es noch Exemplare gibt. Einige Szenen aus dem Film kenne ich auch schon, weil ich mir auf Youtube mal probeweise ein paar Fragmente angesehen habe. Unter anderem Paul Hörbigers "Das muss ein Stück vom Himmel sein..." - Ein unterhaltsames Lied, dass, meiner Meinung nach, gut in Szene gesetzt wurde :)


    Mathias77 schrieb:

    ...auch meine Wenigkeit - trotzdem irgendwie bedenklich, wenn es in Richtung "Restbestände" geht. ;)

    Das ist leider bei vielen Filmen der Fall. Besonders bei US-Filmen, aber auch immer mehr bei deutschen Filmen. Das ärgerliche daran ist besonders, dass der Preis dann in die Höhe geht. Am Anfang ist das ja noch im Ramen, aber dann steigen die Preise. Ich habe innerhalb des letzten Jahres fast nur DVDs gekauft, die nur noch in Restbeständen vorhanden sind, um dort überhaupt noch preiswerte Exemplare zu ergattern. Und für so manchen Film musste ich schon das Doppelte bezahlen, manchmal leider auch noch mehr, aber ab einem gewissen Preis ist bei mir in den meisten Fällen auch Schluss...

  • Das seh ich auch ein, es hängt ja auch immer vom jeweiligen Budget ab bzw. seit wann man die Filme sammelt. Mir fällt übrigens in diesem Zusammenhang auch auf, dass das Zurückgehen der TV-Ausstrahlungen auch mit den mangelnden DVD-Veröffentlichungen einhergeht. Das sieht man beim dt. Film (UFA) genau so, wie bei den amerikanischen Streifen (zB Warner Bros.) Nachdem die Filme aus dem Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen und den Privaten so ziemlich raus waren, gab es noch einmal einen DVD-Aufschwung, dann ging es aber stetig zurück...Ich will ja jetzt nicht den Strang hier sprengen, aber ich hab fast den Eindruck, dass noch nie so wenig alte Filme gezeigt wurden wie 2018 und wir sieht es bzgl. DVD´s aus? X/