Sprachpflege

  • Die deutsche Sprache kennt wunderschöne Wörter, die schützenswert sind, fällt mir nur gerade so ein. In einem Buch wurde das Wort "zaudern" als schönstes Wort überhaupt bezeichnet, ich konnte es erst nicht verstehen, aber eigentlich ist es schön. Oder Nebelschwaden, Weltschmerz, Mondenschein, das sind Begriffe, die sind pure Poesie. Da würde ich auch nie ein anderes Wort für haben wollen. Es gibt aber ebenso schöne Begriffe, die nicht deutschen Ursprungs sind. Zum Beispiel Melacnholie, eines meiner absoluten Lieblingswörter.

    Wir wissen wohl, was wir sind, aber nicht, was wir werden können. (William Shakespeare)

  • Ich finde Worte wie Gemütlichkeit bzw. Gemüt toll. Kann Dir von daher nur zustimmen. Oder auch Worte mit alten Ursprüngen wie Buchstabe oder unzählige geflügelte Worte.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Gemeinsamkeiten mit dem niederländischen Dialekt oder der Schwedischen Sprache sind noch deutlich zu sehen. Man versteht die Sprachen sogar streckenweise. Von daher können sie sich nicht zu sehr voneinander entfernt haben die letzten Jahrhunderte. Selbst im Englischen sind noch viele germanische Begriffe (damit meine ich nicht die Übernahme der deutschen Begriffe wie Beerfest, Blitzkrieg oder Poltergeist/Kindergarten), sondern Begriffe die aus der Zeit stammen, als die Angelsachsen auf die Insel kamen. Also z.B. das Wort Swine als Alternative zu Pig. Ebenso muss ich stets schmunzeln wenn in norddeutsche Dialekte höre, die sehr an das Englische erinnern. Die also zeigen, welch großen Einfluss deutsche Dialekte auf die englische Sprache hatten.


    Niederländisch ist eine Sprache und kein Dialekt. Die Ähnlichkeit mit dem Deutschen ist zwar sehr groß und die Grammatik ist großenteils identisch, es gibt dann aber doch einige Unterschiede, die als nicht sprachkundiger zu kuriosen oder peinlichen Mißverständnissen führen können. Das Niederländische ist noch am ehesten mit dem Niederdeutschen verwandt.


    Richtig ist, daß Sprachen wie Englisch, Niederländisch und die skandinavischen Sprachen germanische Sprachen sind. Aber man kann die germanischen Vorläufer dieser Sprachen nicht als "deutsche Dialekte" bezeichnen. Die Angeln und Sachsen haben kein "Deutsch" gesprochen, Deutsch ist selbst eine von mehreren Sprachen mit germanischen Wurzeln. Es sind also eher gemeinsame Wurzeln als gegenseitige Beeinflussung. Wobei das Englische auch keine rein germanische Sprache ist, sondern auch viele romanische Elemente enthält.


    Was den französischen Einfluß in der deutschen Sprache betrifft, so bin ich mir auch nicht sicher, ob sich das erst in der napoleonischen Zeit oder nicht doch schon früher durchgesetzt hat. Vor allem in Herrscherkreisen war es in der Zeit des Absolutismus in Mode, französisch zu sprechen. Und das war nicht nur im deutschsprachigen Raum so, sondern z. B. auch in Rußland. Übrigens gibt es auch in der russische Sprache viele Wörter, die aus dem Französischen, aber auch aus dem Deutschen stammen, z. B. "Butterbrod", "Landschaft", "Perikmacher" (Friseur), "Fejerwerk" (Feuerwerk), "Buchgalter" (Buchhalter) usw.

  • [quote='Sebastian',index.php?page=Thread&postID=109540#post109540] Übrigens gibt es auch in der russische Sprache viele Wörter, die aus dem Französischen, aber auch aus dem Deutschen stammen, z. B. "Butterbrod", "Landschaft", "Perikmacher" (Friseur), "Fejerwerk" (Feuerwerk), "Buchgalter" (Buchhalter) usw.


    Oder Halstuch für Kravatte :)

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    André Gide


  • Das macht besonders Sinn in Anbetracht des großen militärischen Sieges, den die Franzosen über uns Deutsche im Sommer 1940 errungen haben. :D Oder bin ich jetzt auf eine politische Mine getreten?

    Das war allenfalls das Viertelfinale. ;)


    Kommen die französischen Begriffe nicht in erster Linie aus der napolionischen Zeit, also um 1806 und nicht aus den "Niederlagen" gegen Frankreich in den Jahren 1870/71 und 1940? :-)


    Ich denke die wenigsten würden wollen, dass so etwas gesetzlich vorgeschrieben wird. Fakt ist, dass ich die deutsche Sprache mit all ihren Eigenheiten und auch Einflüssen sehr liebe, auch wenn ich niemals behaupten würde, sie perfekt zu beherrschen und auch der letzte bin, der gar keine fremden Worteinflüsse zulässt. Gerade bei den Texten die ich für TV-Kult z.B. schreibe, mag ich es sehr ein wenig mit den verschiedenen Worteinflüssen zu spielen und durch die verschiedenen Worten auch Abwechslung in die Texte rein bekomme. Also ich schreibe sowohl Regisseur als auch Spielleiter, sowohl Lustspiel als auch Komödie und glaube damit den deutschen Begriffen damit etwas gutes zu tun, ohne dabei die anderen Begriffe außer acht zu lassen. Der Beitrag von Prof. Abronsius liest sich ein wenig so, als hätten die Deutschen eigentlich kaum eine Berechtigung auf eine eigene Sprache, weil die heutige Sprache kaum noch etwas mit den ursprünglichen germanischen Sprachen zu tun hat. So eng würde ich das nicht sehen. Gemeinsamkeiten mit dem niederländischen Dialekt oder der Schwedischen Sprache sind noch deutlich zu sehen. Man versteht die Sprachen sogar streckenweise. Von daher können sie sich nicht zu sehr voneinander entfernt haben die letzten Jahrhunderte. Selbst im Englischen sind noch viele germanische Begriffe (damit meine ich nicht die Übernahme der deutschen Begriffe wie Beerfest, Blitzkrieg oder Poltergeist/Kindergarten), sondern Begriffe die aus der Zeit stammen, als die Angelsachsen auf die Insel kamen. Also z.B. das Wort Swine als Alternative zu Pig. Ebenso muss ich stets schmunzeln wenn in norddeutsche Dialekte höre, die sehr an das Englische erinnern. Die also zeigen, welch großen Einfluss deutsche Dialekte auf die englische Sprache hatten.

    Die meisten französischen Begriffe dürften tatsächlich bereits im 19. Jahrhundert ihren Weg in die deutsche Sprache gefunden haben, das ist natürlich richtig.
    Ich will niemandem "ein Recht" auf eine Sprache absprechen. Weder den Deutschen noch einer anderen Nation. Fakt ist nur, dass sich Sprachen immer verändert haben und von anderen Sprachen beeinflusst sind - Deine Beispiele aus dem Englischen belegen dies ja. Wir werden den Genitiv nicht retten und sicher auch nicht den "Klapprechner" populär machen. Wenn Worte aussterben, dann ist das ein natürlicher Vorgang. Ich tendiere dazu, geläufige Begriffe zu verwenden und mich sprachlich nicht zu verbiegen: also "Regisseur" statt "Spielleiter", aber auch "Taschenbuch" statt "Paperback". Was "geläufig" ist, empfindet aber sicher jeder anders.

  • Aber gerade Taschenbuch ist weiterhin ein geläufiger begriff, genau wie bei den Meisten noch Dauerlauf, Mobiltelefon oder Rechner (für PC). Von daher würde ich diese Begriffe immer favorisieren. Und bei den nicht mehr so geläufigen Begriffen: Wie gesagt, ich bin gerne Nonkonform und trete gerne Dinge los. Auch wenn ich Worte nicht etablieren kann: Wenn ich sie benutze trage ich meinen Teil dazu bei, dass sie nicht aussterben. Und gerade in ironischer Form oder als Alterantiven z.B. Texten oder Gesprächen mehr Farbe zu geben oder etwas zu unterstreichen, eignen sich solche Worte wunderbar.


    Ich würde es schade finden wenn durch die "Weltsprachen" die Kulturen kaputt gehen. Genau wie die Weltwirtschaft unsere Innenstädte zum Großteil schon zerstört haben. Wenn Minderheiten in verschiedenen Ländern ihre Sprache und somit ihre Kultur nicht über Jahrhunderte gepflegt hätten, gäbe es die Vielfalt auf dieser Welt nicht mehr. Seien es die Slaven in Mitteldeutschland oder die deutschen Aussiedler in den USA (auch wenn es sich oft um sektenähnliche Glaubensgemeinschaften handelt), die Donauschwaben, die Elsässer, Südtiroler, Schlesier,... oder eben die vielen Naturvölker, die es oft schon gar nciht mehr gibt oder nur noch im kleinen Maße. Vielfalt und somit Kultur und kultureller Reichtum wird nur durch die Pflege der eigenen Wurzeln auf Dauer gesichert.


    Ebenso ist es spannend zu sehen welche Worte sich in welchen Sprachen so gefestigt haben. Das ist auch Kultur. Nur sollten sie die Sprachen bereichern und nicht zerstören. Wenn ich da an die "Wirtschaftssprache" und "Marketingsprache" in der heutigen Zeit denke, wird mir oft nur übel. Wenn Leute englische Begriffe verwenden und selbst nicht wissen, was sie da jetzt genau gesagt haben.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Ich würde es schade finden wenn durch die "Weltsprachen" die Kulturen kaputt gehen. Genau wie die Weltwirtschaft unsere Innenstädte zum Großteil schon zerstört haben. Wenn Minderheiten in verschiedenen Ländern ihre Sprache und somit ihre Kultur nicht über Jahrhunderte gepflegt hätten, gäbe es die Vielfalt auf dieser Welt nicht mehr. Seien es die Slaven in Mitteldeutschland oder die deutschen Aussiedler in den USA (auch wenn es sich oft um sektenähnliche Glaubensgemeinschaften handelt), die Donauschwaben, die Elsässer, Südtiroler, Schlesier,... oder eben die vielen Naturvölker, die es oft schon gar nciht mehr gibt oder nur noch im kleinen Maße. Vielfalt und somit Kultur und kultureller Reichtum wird nur durch die Pflege der eigenen Wurzeln auf Dauer gesichert.

    Zustimmung. Sprache ist nationales Gut. Nur weil die Amerikaner zwei Weltkriege und den Kalten Krieg gewonnen haben, heißt das nicht, dass sie nachhaltig unsere Sprache zersetzen müssen. Ich denke, die Reaktionen zu diesem Thema zeigen schon recht deutlich, dass es eine große Anzahl Personen gibt, denen die Anglizismen auf die Nerven oder sogar gegen den Strich gehen. Irgendwann kommt sicherlich der große Überdruss und die Rückbesinnung auf echtes Deutsch ;) Mich würds nicht wundern und ich fände das gut. Und wenn schon ausländische Einflüsse, dann doch lieber Französisch - das klingt in Kombination mit dem Deutschen wenigstens höfisch --- und irgendwie nach Perücken, Puder, Quasten und Kostümen :)

  • Wobei - mit Ausnahme von einigen etablierten Worte - sich das Französische auch immer mehr verabschiedet. Von meiner Großmutter kenne ich einige Begriffe, die keiner heute mehr verwendet - nur ich manchmal weil es so schöne Begriffe sind. Mein Französisch ist leider unter aller Sau (hatte nur ein paar Stunden in einem Kurs Französisch - was mir aber übrigens viel Spaß machte), deswegen schreibe ich sie mal hin, wie ich sie Ausspreche ;-) Für Gehsteig/Gehweg z.B. Trotoa oder für einen Sessel das Wort Scheslong. Kanabe ist ein Wort das ich von meinem Großvater noch kenne, das hat glaube ich auch französische Wurzeln. Mein Großvater stammt aus dem Schlesischen, was ja schon ein großer Abstand nach Frankreich ist. Meine Großmutter kommt aus dem Fränkischen. Meine Freundin aus dem Badischen - die haben dort noch mehr Worte aus dem Französischen, die selbst heute noch verwendet werden.

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    André Gide

  • Wobei - mit Ausnahme von einigen etablierten Worte - sich das Französische auch immer mehr verabschiedet. Von meiner Großmutter kenne ich einige Begriffe, die keiner heute mehr verwendet - nur ich manchmal weil es so schöne Begriffe sind. Mein Französisch ist leider unter aller Sau (hatte nur ein paar Stunden in einem Kurs Französisch - was mir aber übrigens viel Spaß machte), deswegen schreibe ich sie mal hin, wie ich sie Ausspreche ;-) Für Gehsteig/Gehweg z.B. Trotoa oder für einen Sessel das Wort Scheslong. Kanabe ist ein Wort das ich von meinem Großvater noch kenne, das hat glaube ich auch französische Wurzeln. Mein Großvater stammt aus dem Schlesischen, was ja schon ein großer Abstand nach Frankreich ist. Meine Großmutter kommt aus dem Fränkischen. Meine Freundin aus dem Badischen - die haben dort noch mehr Worte aus dem Französischen, die selbst heute noch verwendet werden.


    Trottoir hat Peter Alexander noch in den 70ern in "Die kleine Kneipe" verwendet. Ja, französiche klingt einfach schöner als englisch, leidet aber - wie du schon richtig feststellst - erheblich an dem Unterschied zwischen Schreib- und Sprachweise.


    Vielleicht dienen Fremdwörter dazu, etwas zu beschreiben, was zwar mit einem deutschen Wort zu übersetzen wäre, aber gefühlt doch noch etwas anderes bedeutet. Auch hier kann uns Peter Alexander weiterhelfen. In einer seiner Shows (muss 1984 gewesen sein) erklärt er das Wort Entertainment:




    Quote

    "En-ter-tain-nent. Ist englisch, ich weiß, das... tut mir leid. Bitte, man... man könnte es ja auch übersetzen, nicht? That's Entertainment - Det is Unterhaltung! Es geht nicht. Es ist doch was anderes. Genauso wenig, wie man Champagner einfach mit Schaumwein übersetzen kann."


    Ich glaube im übrigen auch, dass unterschiedliche Sprachen seit jeher zu Missverständnissen geführt und so zu Kriegen beigetragen haben.


  • Ich glaube im übrigen auch, dass unterschiedliche Sprachen seit jeher zu Missverständnissen geführt und so zu Kriegen beigetragen haben.

    Im Gegenteil haben sie Kriege verhindert, weil Sprache seit jeher Ausdruck den nationalen Kulturwillens ist und zu sein hat und darum bewahrt werden muss.

  • nettes Gedicht, Sebastian. Ein kleiner Goethe :)


    "Ein Deutscher, der sein Vaterland abstreift, wie einen alten Rock, ist für mich kein Deutscher mehr."
    (Otto von Bismarck, 1815-1898, erster Reichskanzler des Deutschen Reiches)


  • Ui das freut mich. Ja, das mit Wilhelm Busch hat auch schonmal jemand anderes gesagt. Liegt vielleicht einerseits daran, weil Max und Moritz genannt wird, andererseits weil das von der Sprache und von der Art her ein wenig in die Richtung geht. Von daher würde ich sagen, dass mich da wohl Busch und Hoffmann inspiriert haben. Aber das sind ja auch eine der wichtigsten Vertreter, was die Autoren von alten "Kinder"büchern angeht.

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    André Gide

  • IM ZDF bei Peter Hahne wird das Thema gerade besprochen. Zu Gastsind ist u.a. Bastian Sick.


    Dort wurde gerade auch Philipp von Zesen angesprochen, der im 17. Jahrhundert deutsche Wörte erfand, die heute ganz normal sind: http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_von_Zesen


    Dabei gefällt mir von den nicht angenommenen Wörtern "Lotterbett" für Sofa besonders schön :-)

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