Das Boot (BRD, 1980/81)

  • Zu Das Boot kan ich, wie gesagt wenig sagen. Aber "Es geschah am hellichten Tag" hat mich irgendwie nicht mitgenommen. Der Film ist überall hoch gelobt, wirkt auf mich aber so "gewollt" und typisch bider-50er Jahre. Da kann ich nicht so richtig eintauchen.


    Was "M" betrifft... ich habs sicher schon einige Male im Forum erwähnt. Er ist seit ca. 2003 mein Lieblingsfilm und wirds wohl auch bleiben. Der Film war für mich etwas, was kaum zu beschreiben ist. "Urknall" wäre der falsche Begriff. Der Film gibt mir aus künstlerischer Sicht unendlich viel, er ist unglaublich faszinierend und inspirierend und für mich ist die Kindermordgeschichte (obwohl das ein Thema ist was mich schon enorm mitnimmt) kein wichtiger Aspekt. Die Bilder, die Erzählweise, der Stil, die Rhetorik, die Zeitreise in die frühen 30er Jahre.... die Autehntizität - da wurden ja auch - wie ich später erfahren habe - viele Aspekte aus der realen Welt übernommen (Gennat, die Kiminologie der damaligen Zeit, die Berliner Unterwelt usw.)... da könnte ich Romane schreiben und werde der Sache nicht gerecht.

    Viele Jahre habe ich gespürt, dass der deutsche Film ein Universum mit - für mich - vielen unentdeckten Perlen ist, von denen ich kaum etwas kenne. "M" hat mir gezeigt, dass ich absolut recht hatte. "Das Testament des Dr. Mabuse" hat mir dann einen zweiten fast gleichwertigen Film liefern können. Mein persönlicher Höhepunkt war dann 2010 in Frankfurt als ich die Uraufführung der rekonstruierten Originalfassung vo "Metropolis" sehen konnte.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Von M habe ich zum ersten Mal in den 80er Jahren bei Joe Hembus gelesen. Dass der Film mich wirklich so fasziniert, ist mir aber erst in den letzten Jahren so bewusst geworden.

    Das Testament des Dr. Mabuse hat auch tolle Szenen finde ich. M beeindruckt mich aber noch deutlich mehr. Es kann aber auch sein, dass ich dem Film noch nie eine richtige Chance gegeben habe, weil er durch William K. Eversons "amerikanischer Brille" gesehen etwas schlecht wegkommt. Grauenvoll finde ich allerdings Wera Liessem. Auf die könnte ich gut verzichten ^^ Aber sie macht ja nur einen kleinen Teil des Films aus.

    Mit Metropolis bekomme ich interessanterweise zunehmend Probleme. Die rekonstruierte Fassung habe ich zwar mit großem Interesse gesehen, aber seitdem habe ich den Film kein einziges Mal mehr zuende gesehen. Er kommt mir mittlerweile etwas zu konstruiert vor. Bei allen Qualitäten, die der Film hat, ist das wohl letzten Endes der Grund, warum ich ihn nur noch ausschnittsweise gesehen habe.

  • Das mit Metropolis und "konstruiert" kann ich nachempfinden. Ich fand bei Metropolis krass wie aus den gefundenen Szenen der Film erst rund wurde. Und wie sehr das Ende dann doch ein modernes Hollywood-Ende war (noch krasser als in der vorherigen Fassung). Der Film hatte schon alles was den modernen Popcorn-Kino-Film ausmacht. Er hat auch etwas konstruiertes, aber gleichzeitig viel faszinierendes.


    "Das Testament des Dr. Mabus" finde ich auch nicht ganz so gut wie "M" und ja auch mir gefällt Werra Liessem in dem Film so gar nicht. Die Szenen mit ihr sind kitschig, von ihr schlecht gespielt (aber wahrscheinlich wollte Lang sie so darstellen - ggf. eben als naives Liebchen?) und nehmen das Tempo raus.


    Tur mir leid, dass ich zu "Das Boot" nicht viel mehr sagen kann... welche "Wellen" der Film international geschlagen hat ist unabhängig vom Inhalt aber absolut bemerkenswert.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Aber "Es geschah am hellichten Tag" hat mich irgendwie nicht mitgenommen. Der Film ist überall hoch gelobt, wirkt auf mich aber so "gewollt" und typisch bider-50er Jahre.

    Siehst Du - und genau ‚das‘ finde ich so gruselig. Diese verklemmte, biedere Atmosphäre und heile Welt, und dann läuft da dieser Kindermörder mit der weißen Weste rum.


    Bzgl „Das Boot“ - am Mittwoch saß ich zufällig mit einer jungen Videoregisseurin zusammen, erzählte ihr von dem Forum und unserer Diskussion. Und fragte dann: würdest Du sagen, Das Boot ist ein Actionfilm oder ein Psycho-Drama? Woraufhin sie wie aus der Pistole geschossen meinte: ein Psycho-Drama! Ihr Freund meinte dann: nee, ein Actionfilm!

    Wo ich dann so dachte: vielleicht gucken Frauen den ja auch anders?

  • Siehst Du - und genau ‚das‘ finde ich so gruselig. Diese verklemmte, biedere Atmosphäre und heile Welt, und dann läuft da dieser Kindermörder mit der weißen Weste rum.


    Bzgl „Das Boot“ - am Mittwoch saß ich zufällig mit einer jungen Videoregisseurin zusammen, erzählte ihr von dem Forum und unserer Diskussion. Und fragte dann: würdest Du sagen, Das Boot ist ein Actionfilm oder ein Psycho-Drama? Woraufhin sie wie aus der Pistole geschossen meinte: ein Psycho-Drama! Ihr Freund meinte dann: nee, ein Actionfilm!

    Wo ich dann so dachte: vielleicht gucken Frauen den ja auch anders?

    In diesem Film spielten unglaubwürdige Darsteller mit: Günter Lamprecht, Uwe Ochsenknecht, Martin Semmelrogge und vor allem Grönemeyer.

    Dieser Film wurde künstlich hochgeputscht.

    Ein zweites Mal sehe ich ihn mir nicht mehr an

    Allseitiger Unbeliebtheit erfreuen sich Deutsche, die über ein Gedächtnis verfügen und Geschichtskenntnisse besitzen.


    © Wilhelm Schwöbel (1920 - 2008), deutscher Zoologe und Aphoristiker

  • Günter Lamprecht unglaubwürdig ?

    Ganz neuer Gedanke ...


    :/

    OK - ich mag ihn nicht

    Vielleicht erklärt das einiges

    Allseitiger Unbeliebtheit erfreuen sich Deutsche, die über ein Gedächtnis verfügen und Geschichtskenntnisse besitzen.


    © Wilhelm Schwöbel (1920 - 2008), deutscher Zoologe und Aphoristiker

  • Das ist ehrlich :) - aber - nicht objektiv ...


    (Ich mag Heinz Rühmann nicht aber daß er ein großer Darsteller war streite ich nicht ab ...)


    Ich habe Lamprecht mal persönlich erlebt in einer menschlich berührenden Angelegenheit. Sehr, sehr sympathisch. Seitdem hat er einen kräftigen Bonus ... außerdem ist er wirklich ein sehr guter Darsteller.

  • Das ist ehrlich :) - aber - nicht objektiv ...


    (Ich mag Heinz Rühmann nicht aber daß er ein großer Darsteller war streite ich nicht ab ...)

    mhmmmmmmmmhmmmmmmm.... :cursing:


    "Ein Deutscher, der sein Vaterland abstreift, wie einen alten Rock, ist für mich kein Deutscher mehr."
    (Otto von Bismarck, 1815-1898, erster Reichskanzler des Deutschen Reiches)


  • Was gibt's denn da böse zu werden ...


    Wenn ich geschrieben hätte daß er ein subalterner Schmierlapp usw. war könnte ich es ja noch verstehen ...

    Aber in dem Sinne hatte ich mich ja schon einmal in einem anderen Thread ausgelassen und unbeliebt gemacht und wollte mich daher ganz bewußt heute ein wenig zurückhalten ...


    :D:saint:

  • Gottseidank verstehst du Spaß und Ironie :D Jeder mag halt andere Schauspieler. Gottseidank :thumbup:


    "Ein Deutscher, der sein Vaterland abstreift, wie einen alten Rock, ist für mich kein Deutscher mehr."
    (Otto von Bismarck, 1815-1898, erster Reichskanzler des Deutschen Reiches)


  • Fräulein G.

    Irgendwann mal im Knast ist gut :D :D Mein Vater hat in München als Polizist gelernt und kennt Geschichten über ihn.. :) Ein Schauspieler hat mir mal erzählt, dass er für nen Tatort angefragt wurde in jungen Jahren. Am Telefon stellte sich heraus, dass er Auto fahren muss in der Rolle, er meinte dann so nach dem Motto "Ja aber die Bullen ham mir den Führerschein wegjenommen!" :D


    Quax
    Aus Deiner Zeile kann man 0,0 Spaß und Ironie herauslesen. Aber beides ist so überhaupt nicht mein Ding, von daher passt das schon ;) :D [Bitte auf die letzten zwei Smileys achten ;-) ]

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    André Gide

  • Auch da bin ich komplett anderer Meinung. Semmelrogge war danach nie wieder so gut (war ja auch irgendwann im Knast dann, oder?). Und Grönemeyer spielt genial.

    Da bin ich absolut deiner Meinung. Meine Kritik bezog sich ja auch nicht auf die Schauspieler. Wenn wir tatsächlich von einem Psycho-Drama reden wollen, dann denke ich bei diesem Film zuerst an Grönemeyer.

    Semmelrogge ist auch toll...


    Nein, an der Besetzung hab ich nichts rumzumäkeln ;)