Wird Deutschland ein Land der Hilfssarbeiter?

  • Schon in 20 Jahren wird Polen wirtschaftlich deutlich besser dastehen als Deutschland. Dies ergab eine Studie des Centre for European Policy Studies (CEPS) in Brüssel, das von der EU-Kommission unterstützt wird. Deutschland sei “alt, satt und behäbig geworden.” Die Deutschen seien selbst in der Krise nicht gezwungen gewesen, radikal umzudenken. Dank der weisen Politik unserer “Eliten” sei Deutschland auf dem Wege, ein Land der Hilfsarbeiter zu werden.
    Die positiven Eigenschaften, die Deutschland noch bis Mitte der Neunziger Jahre hatte, schwinden rapide.
    "Die Deutschen lieben die Freiheit immer weniger - sie bevorzugen immer mehr die Gleichheit." Besonders bei Jugendlichen ist der Drang zum Totalitarismus sehr ausgeprägt, weil das eigene Denken abhanden gekommen ist. Der Staat soll es richten - gewählt wird der, der das "Blaue vom Himmel" verspricht.
    Ich merke es auch in meiner Firma - die Fähigkeit, ein etwas längeres und ernsthaftes Gespräch zu führen, ist sehr schwierig geworden - sie können keine vollständigen Sätze mehr bilden.
    Sehr ausgeprägt ist ebenfalls die "Englisch-Neurose". Durch das Hochschaukeln von MTV, SAT1, RTL und Pro7, das mediale Sektenkartell, glauben viele wirklich, sie brauchen keine anderen Qualifikationen mehr.
    Das neue deutsche Wirtschaftswunder mit "Superstars"?
    DEPPEN MIT ENGLISCHKENNTNISSEN.


    Wie ist Eure Meinung?

    „Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst.“


    (Voltaire)

    Edited once, last by Bruno ().

  • Mich beschleicht schon seit längerem das Gefühl, einer gefährdeten und zum Aussterben verdammten Spezies anzugehören. Denn immerhin bin ich in der Lage, Sätze in grammatikalisch korrekter Form zu schreiben und zu sprechen. Ich spreche Personen mit "Sie" oder "Du" an, nicht mit "ey Alder". In meinem üblichen Wortschatz fehlt das Wort "krass" - benötige ich auch nicht. Und während des Sprechens gestikuliere ich nicht wie die Rapper derart mit gespreiztem Daumen, Zeigefinger und kleinem Finger herum, als wäre ich ein Torero und wolle einen Stier anstechen. Des Weiteren stehe ich für eigene Fehler gerade, anstatt andere als Schuldige auszumachen (Volkssport: über Telekom meckern). Zu den weiteren Kenntnissen und Fähigkeiten gehört sogar Mathematik, für die meisten undenkbar. Im Gegensatz zu den Möchtegern-Superstars bin ich stolz darauf, vieles mit meinen eigenen Händen bewerkstelligen zu können, anstatt stolz darauf zu sein, nichts zu können. Kein Witz! ;(


    Ich hatte einen Schulkameraden, der nach Rückkehr aus dem Büro sich aufs Sofa hinlegte und Sendungen wie BB, DSDS, Lindenstraße etc. ansah. Als ich ihn fragte, ob er nicht mal eine Sendung wie Welt der Wunder oder Galileo einschalten könnte, erhielt ich glatt zur Antwort "Wie? In der Freizeit denken? Nä! Aber nicht bei mir!" Er machte sich an jedem Arbeitstag vier Schnitten Brot mit Edamer Scheibenkäse für die Arbeit, niemals etwas anderes z. B. Marmelade, Leberwurst, Salami, Mortadella o. ä. - immer nur Brot mit Edamer. Und das schon seit über einem Jahrzehnt. Ich könnte längst keinen Edamer mehr sehen, geschweige denn essen, wenn ich so wäre. :(


    Er konnte/wollte nicht kochen (warum auch, wenn 8 Menükarten von Bringdiensten im Flur hängen?), keine Wäsche waschen (dafür war ja seine Mutter da, der er die Wäche brachte), nicht einmal im Flur die Lampe öffnen, um die Birne zu wechseln. Englischkenntnisse? Natürlich hatte er Englischunterricht in der Schule, ebenso wie ich. Aber da er ja nach Feierabend nicht denkt und während der Arbeit scheinbar auch kein Englisch brauchte, wusste er schon nach kurzer Zeit kaum noch die Grundkenntnisse. Depp? Ganz klar, er war einer. Aber dann auch noch ohne Englischkenntnisse! :D


    Und er war sogar echt stolz darauf, dass er nichts zustande brachte. Ich konnte es kaum glauben und dachte wirklich, ich bin im falschen Märchen unterwegs. Während ich anfangs noch dachte, er wäre ein tragischer Ausnahmefall, musste ich nach und nach die schmerzliche Erfahrung machen, dass von dieser Sorte (ja was denn nun, ist kein Mann, aber auch keine Frau) offensichtlich immer mehr und mehr zu finden sind. Typen, die sich nach Feierabend vor den Fernseher oder Computer packen und vom Rest der Welt nichts mitbekommen. Sie betten sich morgens vom Bett ins Büro um, spätnachmittags vom Büro aufs Sofa, abends dann vom Sofa ins Bett. Nach dem Tod werden sie in die Kiste umgebettet und werden König der Unterwelt im kleinsten Eigenheim der Welt: 3 Meter senkrecht, 2 Meter waagerecht. :whistling:


    Glücklicherweise werden Charaktereigenschaften nicht über die Nahrung weitergegeben. Wie sollten denn künftig die armen Maden und Würmer versorgt werden, wenn die demnächst auch nur auf Bringdienste warten würden anstatt selbst die Verblichenen anzubohren? ;)


    Wenn also selbst die älteren Mitmenschen derartige Verhaltensweisen an den Tisch legen, was sollte man dann von den Jüngeren erwarten, denen täglich im TV erzählt wird, dass man nur einfach mal eben locker ein Superstar werden muss, um ein goldenes Leben zu führen? Da ihnen ja oft schon das Denken abgewöhnt wurde, bekommen sie gar nicht mit, in welchem Verhältnis die Bewerber zu den Siegern stehen. Und selbst die Sieger sind meist schon nach wenigen Jahren wieder vergessen. Paradoxerweise halten sich alle noch für umso intelligenter, je dümmer sie tatsächlich sind - klar, wenn die Gehirnzellen zur Registrierung der Realität fehlen. Ich bin schon längst dahintergekommen, dass ich nur meine eigene Dummheit gut genug verstecken muss, um für intelligent gehalten zu werden - heutzutage eigentlich kein Problem. Aber Dummheit gilt inzwischen ja schon als positive Eigenschaft. Das erinnert mich an ein Lied aus früheren Zeiten:
    "Wir bild'n ein' Idiotenclub und laden dazu ein.
    Bei uns wird jeder gern geseh'n, nur blöde muss er sein.
    Bei uns geht die Parole: Sei doof bis in den Tod!
    Und wer bei uns der Dööfste ist, ist Oberidiot!"


    :D :D :D


    "RTL macht im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht mehr Fernsehen, sondern Gewinn. Das Programm wird nur billigend in Kauf genommen."

    (Geert Müller-Gerbes, Journalist & TV-Moderator)


    "Die Zuschauer sind gar nicht so dumm, wie wir sie mit dem Fernsehen noch machen werden."
    (Hans-Joachim 'Kuli' Kulenkampff, Schauspieler & Quizmaster)


    Edited 2 times, last by gh ().

  • ...wie beeinflußbar die Leute geworden sind.
    Es reicht eine gezielte Kampagne aus Politik und Medien, um die Masse für eine bestimmte Sache zu mobilisieren.
    Wie gefährlich es ist, das "eigene Denken" auszuschalten, hat die Geschichte schon mehrfach bewiesen.
    Aktuell die weltweite Kampagne gegen die kath. Kirche. Hier zeigt sich, wie einfach es ist, ein Feindbild zu schaffen, wenn eine veröffentlichte Meinung ohne eigene Recherche angenommen wird.
    Hier hat der "Beschuldigte" keine Chance, sich zu wehren.
    ..und das bei den zahlreichen medialen Möglichkeiten.

    „Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst.“


    (Voltaire)

  • Wir brauchen 40 Jahre, um Ostdeutschland aufzubauen - und das wirtschaftlich noch schwächere Polen soll uns in schon 20 Jahren überholt haben? Da habe ich meine Zweifel, ob das gelingt.


    Die Probleme im Bildungsbereich hätte ich im übrigen schon vor 30 Jahren bestätigen können.

  • Moinsen zusammen. Interessantes Thema.


    Hab mir die Beiträge eben mal alle durchgelesen. Und kann da bei fast allem nur zustimmen. ich finds ebenfalls erschreckend was Bildungsmäßig bei der jüngeren Generation so läuft.


    Aber, und das sollte auch erwähnt sein, sindas nicht nur die.Denn leider gibts genug "älteren semesters" die irgendwann einmal stehen geblieben sind, und sich nicht mehr weiterbilden...was ich damit sagen will ist...diese leute gabs früher auch schon. Zur bildung und zur allgemeinen aufklärung, wird morgens vor arbeitsbeginn die bild zeitung studiert...und das schlimme ist, was dann da im aufmacher steht, wird direkt umgesetzt.


    Letzte woche auf der arbeit erlebt: ein arbeitskollege (über 50) sitzt da, liest die bild(wie jeden morgen). der Aufmacher: ARBEITEN WIR UNS DUMM oder so, jedenfalls thema harz 4.


    Da ich ja noch bis Montag Harz 4 empfänger bin, wartete ich ja schon die ganze Zeit darauf, das was kommt, - kahm auch und zwar vom aller übelsten, das es so was früher nicht gab, das es zeiten gab, wo´s überhaupt keine arbeitslosigkeit gab, und die die nix schaffen wollten wurden...naja ich wiederhole jetzt nicht, was er für ne lösung parat hatte.


    jedenfalls entwickelte sich ne ziemlich heftige diskussion daraus, und hier kann man es deutlich sehen, ...ich arbeite genau so viel wie die anderen in diesem betrieb, stehe morgens um fünf auf, fahre dann 1 1/2 H mit der bahn, arbeite 8 1/2 h und gehe wieder nach hause. Die verdienen ca 15oo netto ich 490...aber trotzdem taug ich nix, und lieg" helden der arbeit", wie meinem kollegen auf der tasche.


    was ich damit sagen will ist...zum thema hetzkampagne+wenig bildung+kleinkariertes denken+stagnierung in der weiterbildung....das funzt...und es fruchtet


    Herr Koch und Herr Westerwelle waren und sind, sich dessen voll bewußt...den letzten satz wollte ich ja ursprünglich nicht schreiben, aber das thema bringt mich immer soo zum kochen...das es jetzt auch sein MUß ;)

  • Aus dem Wohlstand vergangener Dekaden heraus, wurde eine Generation von Minderbemittelten erzogen, die ihre Unfähigkeit dementsprechend an die Nachkommenschaft weitergibt. Tagtäglich kann ich das im Job, der mich mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen konfrontiert, erleben. Das fängt bei der einfachen Fähigkeit sich zu artikulieren an, durchzieht Gebote der Höflichkeit im Umgang mit Mitmenschen und Betragen in der Öffentlichkeit, endet bei den viel zu oft beschworenen (angeblich) dt. Tugenden oder dem Anspruch endlich selbst etwas auf die Beine zu stellen. Doch wie soll ich von einem Kind/Heranwachsenden etwas erwarten, das meist schon beim Elternteil scheitert? Und ja, ich weiß es gibt Ausnahmen - und ich weiß das auch nicht immer nur die Eltern Schuld sind. Aber das Prinzip der Verantwortung ist nunmal dem Elternhaus in oberster Instanz gegeben. Ich bin absolut der Meinung, dass man einen Sprössling ausreichend auf diese Welt vorbereiten kann, trotz aller Verführungen durch die Umwelt. Doch dazu gehört natürlich ein gewisses Selbstverständnis seitens der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten.
    Technischer Forschritt nimmt uns immer mehr Eigenleistung, im Sinne von Denken und Schaffen, ab. Demnach verkümmert auch das entsprechende Potenzial beim Einzelnen. Wenn Jugendliche nicht mehr im Kopf den Preis für den Kinoeintritt + Popcorn und Cola errechnen können, sondern ihr Mobiltelefon, mit entsprechender Rechenfunktion, zücken müssen - in einer Zeit, in der Briefe und elektronische Nachrichten (Firmen- sowie Privatpost) auf meinem Schreibtisch landen, die innerhalb von zwei Zeilen mehr Rechtschreibfehler aufweisen als mein ganzer Beitrag, man gezwungen ist, die Intention des Senders anhand der einzelnen Worte zu erraten, da Grammatik zum Fremdwort wurde - in dieser Zeit darf man sich berechtigt fragen, wohin der Weg der Gesellschaft führt.
    Das Schlimmste an der Sache scheint mir, dass ich mich selbst, von diesem Hergang, nicht ganz freisprechen kann ...
    Ach, das Thema zieht so weite Kreise. Sicherlich ist da auch die mediale Vermittlung, das Bildungssystem, die gesellschaftliche Haltung, etc. beteiligt.

    Ein Wolf ist vielleicht nicht so stark wie ein Bär oder ein Löwe ... aber ein Wolf tanzt niemals im Zirkus! (anonym)

    Edited once, last by cs ().

  • Mir gehts da ähnlich, freisprechen?? wer kann sich schon von allem freisprechen, aber es ist doch wichtig das man sich dessen bewußt ist und wenigstens auf bestimmte sachen achtet. wenn ich z.B. einige meiner arbeitskollegen sehe, wie die sich einfach damit abfinden...echt, ich kann so was nicht verstehen. wie man jahrzehnte schon in diesem trott lebt, und das auch weiterhin so tut.


    ich finde auch ,das eltern in dieser beziehung noch das meiste erreichen können, wenn ich meinem kind kleinkariertheit und intoleranz vorlebe,wird das mit größter wahrscheinlichkeit auch hier so sein.
    wenn ich meinem kind vormache, alles aufzusaugen was medial so geboten wird oder in der werbung so läuft, wird sich auch das widerholen...und ich befürchte beides und noch ein paar andere dinge... gekoppelt, geben ne echt üble mischung


    freisprechen von allem, kann sich glaub ich niemand mehr...es sei denn du versuchst völlig in askese zu leben.
    was auch wieder ein anderes extrem wäre und ich für meinen teil halte nix von extremen...die Mischung machts. :)

  • Wenn man will, kann man sich auch selbst etwas beibringen. Natürlich habe ich von meinen Eltern gelernt, wie ich meine Meinung vertreten kann. Sie haben mir aber auch gezeigt, wo was angebracht ist. Dass ich nicht mit Sportsachen ins Theater oder in die Oper kann, brauchten sie mich nicht lehren - soviel Verstand hatte ich selbst. Ebenso, dass ich auf andere Menschen Rücksicht nehmen kann/soll, denn jeder Mensch macht mal Fehler und die wenigsten sind perfekt. Ich muss daher nicht auf jedes kleine Versehen anderer Menschen gleich agressiv reagieren, wie es heute leider oft passiert. Keiner denkt noch darüber nach, dass es ohne Weiteres auch umgekehrt sein könnte - was würde man denn dann machen? :S


    Ich habe mir das Krawattenbinden selbst beigebracht, weil mir der Knoten, den mein Vater band, nicht zusagte. Ich habe gelernt, wie man mit großem Besteck ißt und welche Gabel zu welchem Gericht gehörte. Das konnte ich zuhause nicht lernen, weil wir so große Gelage nie hatten, dass mehrere Gabeln auf dem Tisch lagen. Es gibt noch vieles andere, was ich mir selbst beigebracht habe, neben dem, was mich meine Eltern gelehrt hatten. War für mich nicht nur selbstverständlich, ich war einfach neugierig darauf, etwas zu wissen und zu können, was andere nicht konnten. Viele sind einfach zu bequem (Eltern wie Kinder), um selbst etwas lernen zu wollen. Ist ja auch so anstrengend, das Gehirn einzuschalten. Viele scheinen es schon verlernt zu haben, denn oft vermeine ich das Klackern im anderen Schädel zu hören, wenn sich dort das offensichtlich mechanische Gehirn in Bewegung setzt. Andere verfügen nur noch über einen Patentkopf: Vorne Stroh, hinten Wasser. Wenns vorne brennt, genügt ein Kopfschütteln. X(


    Mit 18 hatte ich eine Gleichaltrige kennengelernt, die war nicht einmal in der Lage, einfachste Aufgaben im Kopf zu lösen. Vorher hatte ein Freund von mir versucht, ihr was beizubringen. Zufällig kam ich dazu, als er mit ihr die letzten Minuten Kopfrechnen übte. Leider war sie so doof, wie sie hübsch war - und sie sah wirklich verdammt gut aus. Warum, erzähle ich mal kurz:
    Er: "500 durch 5?" - Sie: "10?" - Er: "Nein, 100! Nächste Aufgabe: 36 durch 18?" - Sie (nach zwei Minuten und Finger abzählen: "2?" - Er: "Das ist richtig! Nächste Aufgabe: 300 durch 3? Aber sag jetzt nicht 10!" - Sie: "Oh, woher wusstest du, was ich sagen wollte?" - Er: "Zufall. Na?" - Sie (10 Sekunden Pause, dann): "100?" - Er: "Ja! Wieder richtig!" - Sie: "Ich bin gut, nicht?"
    Das war der Moment, wo ich aufstand und in die Küche ging, sonst hätte ich laut losgeschrieen. Drei Tage später fragte er mich, ob ich jemandem Buchführung beibringen könne. Ich bejahte und wollte wissen, wer darin Nachhilfe benötigen würde. Er meinte: "Du kennst doch noch G., die vor ein paar Tagen bei mir ..." Ich unterbrach ihn: "Sag mal, habe ich dir was getan? Was habe ich gemacht, um so bestraft zu werden? Bist du irgendwie sauer auf mich? Wieso?"


    Kurz und gut, ich habe mich breitschlagen lassen. Scheinbar hatte ich einen besseren Draht zu ihr, jedenfalls lernte sie tatsächlich sehr gut, was meine Nerven dankbar registrierten, denn ich befürchtete anfangs, dass sie nichts begreifen würde. Dem war aber nicht so. Und sie lernte bei mir nicht nur Buchführung, sondern sogar Mathe. In der Prüfung schrieb sie schließlich sogar eine 2, was nicht nur sie und mich überraschte, sondern sogar ihren Arbeitgeber (einem Tierarzt, der auch ein Freund des Vaters meines Freundes war). Von dem bekam ich dann als Bonus sogar einen großen Blauen zugesteckt. :D


    Damals war es durchaus üblich, Nachhilfe zu nehmen. Heute will es keiner, wird ja fast als 'Schande' angesehen. :thumbdown:


    Ich wollte immer Individualist sein, schon als Kind. Andere wollten immer das haben, was auch andere hatten, damit sie auch 'cool' waren: Einen Geha-Füller mindestens, am besten einen Montblanc, denn der war das Nonplusultra, Pelikan benutzten schließlich nur die 'Gewöhnlichen'. Ein doppellagiges Etui mit mind. 15 Buntstiften und 15 Filzstiften und sonstigem Firlefanz. Einen Farbkasten, der mindestens 2 Lagen haben musste und von FaberCastell sein musste, wenn man zu den 'Coolen' dazugehören wollte.
    Genau das wollte ich schon damals nicht. Ich fand bei meinem Vater ein altes Holzkästchen mit Schiebedeckel, das nahm ich als Etui, es war sogar stabiler als die labbrigen Etuis der anderen - und hatte damit "die Show im Kasten", wie wir damals sagten. Als Füller hatte ich einen 'Lamy' - den kannte keine Sau, also war ich damit out. Heute weiß ich, dass ich damit eigentlich der Obercoolste war, weil der Lamy aus dem Ausland kam und zudem ein echt edles Teil war. Das Schöne daran war, dass ich meine Sachen so nicht nur jederzeit und schnell wiedererkannte, weil sie einmalig waren, es kam auch keiner auf die Idee, mir die Sachen zu klauen. Eben weil sie so einmalig waren, wären sie sofort aufgefallen. Ich kann heute noch kein Skat, weil das früher jeder spielte, also wollte ich das nicht. Und ich will es immer noch nicht. Ich habe zwar einen Führerschein, ebenso wie fast alle, aber mit Klasse 1 (heute: A unbeschränkt) war ich damals der Einzige weit und breit (außer meinem Bruder), weil alle bequem Auto fahren wollten (da blieb man auch im Regen trocken).


    Diese ganze Markenjagd war also schon damals vorhanden. Und die Kids heute machen das immer noch mit Freuden mit, weil sie unbedingt 'dazugehören' wollen. Haben gar kein Rückgrat, sich dem Gruppendruck zu widersetzen. Keine(r) zieht sich so an, wie er/sie möchte, sondern nur noch so, wie es "Bravo", "Mädchen", "Wendy" und die anderen Freunde/Freundinnen vormachen. Sie sagen zwar, dass sie es anziehen wollen, weil sie es selbst so möchten, aber sie möchten tatsächlich nur so sein wie die anderen - also auch das Gleiche anziehen. Wo ist da der Individualismus? Wieso wollen sie eigentlich keine Schuluniform? Sie sind doch bereits uniformiert, nur mit anderen Mitteln - in Jeans, T-Shirts und Tops. Würde jemand eine Stoff- oder Cordhose tragen, wäre er ein Ausnahmefall. Und so etwas will keiner mehr sein. Schade, denn gerade diejenigen, die sich von der Masse abheben, sind eigentlich diejenigen, die später auch im Job mit guten Ideen auffallen. Und i.d.R. auch mehr Leistung bringen als die anderen, die auch für den Rest des Lebens immer der gleichmachenden Masse (also dem Durchschnitt) angehören werden. :whistling:


    Wir wollten damals selbst möglichst weit kommen, heute ist es oft das Ideal, vom Staat schmarotzen zu können. Irgendwie ist das alles doch sehr traurig. ;(


    So, musste mal wieder Luft machen. ;)


    "RTL macht im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht mehr Fernsehen, sondern Gewinn. Das Programm wird nur billigend in Kauf genommen."

    (Geert Müller-Gerbes, Journalist & TV-Moderator)


    "Die Zuschauer sind gar nicht so dumm, wie wir sie mit dem Fernsehen noch machen werden."
    (Hans-Joachim 'Kuli' Kulenkampff, Schauspieler & Quizmaster)


    Edited 2 times, last by gh ().