Gedichte

  • Schreibt von euch jemand gedichte? Oder hat von euch jemand lieblingsgedichte? Also mein Lieblingsgedicht ist "Des Dichters Berufung" von Nietzsche.


    Aber hier erstmal eins von mir. Ist aus dem Jahr 2004 glaube ich. Habe von 2005 - 2007 ein paar Gedichte geschrieben, habe aber in letzter zeit nicht mehr so sehr die Muse dazu.



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    Aus alten Tagen


    Wer kennt sie nicht,
    Aus alten Tagen,
    Die Märchen, Geschichten
    Mythen und Sagen
    Vom armen Reinhold,
    den jungen Riesen
    oder den beiden
    welche Max und Moritz hießen


    Ach welch schöne Stunden
    Haben wir daheim gefunden
    Wenn man nicht ins Bette wollte
    Die Mutter dann ein Buch herholte
    Man ganz brav in der Stube saß
    Während Mutter die Geschichten laß


    Das Büchlein aus den Kindertagen
    Wird heute mißhandelt und geschlagen
    Wird gekürzt und wird geschmäht
    Weil’s das Kinde nicht verträgt
    Da politisch nicht korrekt
    Nimmt man es der Jugend weg!


    Dieser schlimmen Hetze wegen
    Sollte man entgegen
    Allen Schein und allen Trug
    Das gute Kinderbuch
    Sowie Kultur und Sprache
    Wahren und behüten
    Damit es jeden
    - vom Knaben bis zum großen Mann –
    belehren und erheitern kann.



    Sebastian Kuboth / 25.XII.2004


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    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Hatte mal meiner Schwester ein Gedicht per Telegramm geschickt zur Geburt ihres ersten Kindes. Meine Mutter meinte, sie hätte geheult. Als ich ein paar Jahre später noch eines machte und einer guten Freundin zur Geburt ihres zweiten Kindes im Krankenhaus persönlich abgab, fing sie auch an zu heulen. War mir etwas peinlich. Sie hatte das Gedicht später von einem Kalligraphen auf besonderem Papier schreiben lassen und dann eingerahmt. Würde die Gedichte aber jetzt nicht mehr hinbekommen, müsste sie anfordern.


    "RTL macht im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht mehr Fernsehen, sondern Gewinn. Das Programm wird nur billigend in Kauf genommen."

    (Geert Müller-Gerbes, Journalist & TV-Moderator)


    "Die Zuschauer sind gar nicht so dumm, wie wir sie mit dem Fernsehen noch machen werden."
    (Hans-Joachim 'Kuli' Kulenkampff, Schauspieler & Quizmaster)


  • Ich liebe die Gedichte von Erich Fried und Shakespeares Sonette, besonders das 116.
    Selbst habe ich schon lange keine mehr geschrieben, eine Zeit lang dafür aber recht viele, alle ohne Reime, weil mir Reime nicht liegen.
    Sind aber alle eher düster, weil mir irgendwie das Talent dafür fehlt, über positive Dinge zu schreiben.
    Beispielsweise das hier:
    Worte
    Sie sagten ihr
    sie solle ihre Probleme
    für sich behalten
    und sie häufte sie
    in ihrer Seele
    zu unüberwindbaren Bergen an


    Sie sagten ihr
    sie solle nicht weinen
    vor ihnen
    und sie sammelte
    ihre Tränen in sich
    in unendlich tiefen Seen


    Sie sagten ihr
    sie könne keine Hilfe
    von ihnen erwarten
    und sie verzweifelte
    an ihrer Seelenlandschaft
    durch die kein Licht mehr drang


    Ihnen fehlten dann
    schließlich die Worte
    als sie ihren kalten Körper fanden
    mit der Spritze
    voller tödlichem Vergessen
    noch im Arm



    Inzwischen habe ich aber festgestellt, dass mir Prosa mehr liegt als Lyrik und schreibe eher Geschichten. Wobei mir daran während eines Schreibkurses zeitweise die Lust vergangen ist.

    Irgendwer wird immer unzufrieden sein, wir sollten das akzeptieren. So bleibe ich immer happy. (Dr. House)

  • Ich bin kein Freund von Gedichten - selber schreiben kann ich sie nicht, Gedichtinterpretation in der Schule habe ich abgrundtief gehasst und zu den allerwenigsten Gedichten finde ich einen Zugang. Gedichte sind einfach nicht meins.

  • Gedichte - eines meiner Lebenselixiere!


    Was bleibt ...


    Dichtkunst fasst ein Stück vom Leben


    willst Reimen Klangestalt nun geben


    Verse nun in Strophen paaren


    und Dich im Rückblick selbst erfahren




    Die Feder ihre Bahnen zieht


    Worte, Klang, Erinnerungen liebt


    durch Bildersturm und Reflexion


    ergießt sich im poetischen Lohn


    und lässt zurück der Zeilen Schrei:




    "Vorbei, vorbei - alles vorbei ..."



    Stirb und werde


    Von Geburt an


    alle Zeit


    Alles flieht zur Endlichkeit




    Nur nach dem Morgen


    kein Zurück


    Gegenwart bleibt Augenblick




    und zwischen Streben


    Sterben und Sein


    stehst Du - Kreatur


    schaudernd - allein




    Bist lichtgeboren


    aus Ewigkeit


    doch Knecht Deiner Geworfenheit




    Kannst doch niemals aus Dir zieh'n


    alles


    auch Du


    muss verblühen

    Ein Wolf ist vielleicht nicht so stark wie ein Bär oder ein Löwe ... aber ein Wolf tanzt niemals im Zirkus! (anonym)

  • Eins geht noch.


    Wunderbare Jahre


    Am Fenster hat es einst begonnen
    geschmiegt an einen Teddybär
    wurden aus den Wolken Schlösser
    Schätze galt es da zu finden


    Zwischen Sandkasten und Fussball
    verlor sich das erste Gold
    und mit dem Fahrrad begann das Ende
    fuhr man der Unschuld schnell davon


    Noch heute weiß ich um Deinen Duft
    um Sonnenschein und Regentanz
    Der Geschmack des ersten Kusses
    wird die Schule überdauern


    Ich spüre fern noch Deinen Schweiß
    und alte Lieder kann ich summen
    Bier und Salzwasser auf der Zunge
    nackt und frierend nachts am See


    Stadt, die mich zum Manne machte
    Licht und Schatten auf Deinen Gassen
    Ideen kamen - Träume gingen
    neue Gesichter und neue Welten


    Weißt Du wohin die Reise führt?
    Fort, nur fort aus Kindestagen
    ungewiss sind unsere Wege
    ich glaube, es war eine gute Zeit

    Ein Wolf ist vielleicht nicht so stark wie ein Bär oder ein Löwe ... aber ein Wolf tanzt niemals im Zirkus! (anonym)

  • Ah, wir lesen aus den Zeilen zwei verschiede Geschichten. Deshalb wusste ich auch nicht wovon Du sprachst.
    Die Perspektive des Erwachsenwerdens habe ich nocht gar nicht gesehen. Ja, das weiß zu gefallen.

    Ein Wolf ist vielleicht nicht so stark wie ein Bär oder ein Löwe ... aber ein Wolf tanzt niemals im Zirkus! (anonym)

  • Richtig!


    Und deshalb gibt es gleich noch eine Zulage:




    Flügelschlag


    Schweigt der Menschen stummes Sehnen


    dieser Leere leuchtend Launen


    nie


    wehen einst der Träume Flügel


    mir


    das Herz wohl aus der Brust ...

    Ein Wolf ist vielleicht nicht so stark wie ein Bär oder ein Löwe ... aber ein Wolf tanzt niemals im Zirkus! (anonym)

  • Gen Abend


    Die Sonne sinkt


    der Mittag weit


    da lege ich ab das Wortekleid


    dem Versucher-Gott zu Füßen




    Habe seine Ohren


    in seinem Labyrinth


    die Feder schwer und leer nun find


    Der Grieche lächelt mit smaragder Schönheit




    Die Sonne sinkt


    letztes Glück und Licht


    mir ist's, als ob mein Saitenspiel bricht


    Dunkler Gott, reiche mir den Wein des Vergessens




    Hier bin ich - nun kein Dichter mehr

    Ein Wolf ist vielleicht nicht so stark wie ein Bär oder ein Löwe ... aber ein Wolf tanzt niemals im Zirkus! (anonym)

  • Heimstatt


    An vielen Feuern saß ich still


    und hab' so manchem Wort gelauscht


    mit Freund, mit Fremden - einerlei


    lag ich im Rauch, lag ich berauscht




    Und allerorten harrte Sehnsucht


    wechselte nur ihr Gewand


    bald schon sang sie mir ihr Lied


    wehmütig mich das Fernweh fand




    So führten weit mich meine Pfade


    nie blieb lang das Sehnen still


    freudlos scheint Dir jede Bleibe


    wenn Herz stets weiter will




    Rastlos zieh' ich meine Runden


    Jahreskreis um Jahreskreis


    der Wind nimmt mit sich meine Klage:


    Weh' dem, der nichts von Heimat weiß

    Ein Wolf ist vielleicht nicht so stark wie ein Bär oder ein Löwe ... aber ein Wolf tanzt niemals im Zirkus! (anonym)

  • Ein herrliches Gedicht zu einer Geburt vom 1. Januar 1907, das ich in einem Brief gefunden habe, möchte ich Euch nicht vorenthalten. Der Stil, wie das Gedicht verfasst wurde, trifft genau meinen Geschmack. Einfach, positiv und eindringlich:


    http://www.geschriebene-geschi…13/1900-1913-gedichte.htm


    Ich selbst habe schon lange kein Gedicht mehr geschrieben.


    Schreibst Du noch, cs? Deine Gedichte habe ich sher genossen.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Ja, immer mal wieder packt mich die Muse, ist jedoch seltener geworden. Den Grund hierfür habe ich selbst schon öfters gesucht. Zu sehr lenkt mich das Leben wohl ab. Aber für Dich ziehe ich eines aus der Tasche! :D
    Wunderbare Jahre II
    Ich weiß wohin die Reise führt
    immer fort ins Ungewisse
    in neue Träume – zu neuen Zielen
    neue Wege – neue Welten


    Tage werden grauer sein
    leerer wird das Glas Dir scheinen
    doch ich weiß der Pfad führt weiter
    niemals lasse Dich beirren


    Nur Du weißt um das eigene Glück
    Du allein kannst heim Dich führen
    verliere nie den Mut zu wagen
    auch wenn die Zeiten einsam walten


    Auf rauer See lernst Du das Schwimmen
    Du bleibst nicht heil – so lernst Du heilen
    Narben tragen sich mit Stolz
    wenn man aufrecht mit ihnen steht


    Auf allen Vieren musst Du kriechen
    Dich einmal gar selbst verleumden
    Lug und Trug werden Deiner harren
    halte immer fest an Dir


    Denn Du kannst die Saat austragen
    kannst gestalten – kannst einlenken
    fass' den Augenblick stur im Herzen
    bleibe Dir der treueste Freund


    Ich weiß, wohin die Reise führt
    fort, nur fort aus Kindestagen
    unbeschwert wirst Du nicht bleiben
    aller Wandel dient der Zeit

    Ein Wolf ist vielleicht nicht so stark wie ein Bär oder ein Löwe ... aber ein Wolf tanzt niemals im Zirkus! (anonym)