Klaus Kinski

  • Als Familienangehöriger ist es kaum möglich die Vorwürfe zu widerlegen, weil man ja nicht immer dabei war. Die Aussage des Sohnes " Ich habe ihn nie so erlebt." ist eine Aussage, die eher "für Kinski" spricht, aber Beweise sind das natürlich alle nicht.


    Charlies Vergleiche mit ihren Onkel finde ich sehr interessant.


    Ich glaube in Bezug auf den Nationalsozialismus meinte Detlef, dass Kinski mit dem Bekanntheitsgrad, den er später hatte, im Nationalsozialismus nicht soweit gekommen wäre.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Jap, der Eindruck täuscht dich nicht. Der stimmt. Es ist natürlich ein schwieriges Thema und gerade hat mich Joey bei SternTV wieder daran erinnern lassen, selbst wenn er sagt "Es ist nicht so schlimm und man muss nach vorne schauen", dass dieses Thema mehr als aktuell ist - es ist wahrscheinlich niemals abgesackt. Was mich stört ist, dass von heute auf morgen eine Tochter von Klaus auftaucht, etwas sagt und sofort jeder ihn hasst wohingegen 24h vorher alle von ihm schwärmten (das ist jetzt mal metaphorisch gemeint. Nicht jeder "hasst" ihn und nicht alle "liebten" ihn). Nastassja hat zum Beispiel nie etwas gesagt und hätte sicherlich auch nie etwas gesagt. Sie wurde so oft schon über ihren Vater interviewt und hätte doch die Chance gehabt zu sagen, dass er sehr grob mit ihr Umging - ich glaube nicht, dass Klaus, wenn er das denn getan hat, sich nur an Pola verging, sondern es dann mindestens auch an Nastassja abließ - doch das Einzige was ich - und ich besitze (prahlen will ich nicht, ich sammel halt gern) hunderte verschiedener Interviews mit Nastassja über ihren Vater - jemals von ihr gelesen bzw. gehört habe ist "Mein Vater war tagelang bzw. Monate lang kaum zu Hause und hatte uns sonst auch kaum besucht. Wenn er dann kam brachte er uns Geschenke mit und überhäufte uns schon fast. Seine Liebe kannte keine Grenzen, aber konnte genauso schnelle wieder verfliegen. Zumindest kam es mir so vor." was sagt das jetzt über Klaus aus? Bestimmt nicht dass er ein Kinderschänder ist. Ich frage mich, warum Nastassja nichts gesagt hat, wenn sie doch wusste, dass Pola so etwas passiert ist. Und da kommt nun mein Zweifel hoch.


    Ich finde man muss wirklich vorsichtig sein, was man glaubt und was nicht. Logisches Denken ist glaube ich auch sehr wichtig. Mehr als darüber diskutieren kann man ja sowieso nicht. Aber um einen wirklich guten Film zu nennen: Fitzcarraldo ist zum Beispiel einer dieser Filme, der mich immer sehr berührt. Besonders wenn man ja die Hintergrund-Infos von Herzog mit dazu zieht und sich erinnert wie die Eingeborenen ihm vorgeschlagen haben Kinski zu ermorden damit er seine Ruhe hat.

    :D

    Er hätte den Schmetterling auf seinem Gesicht doch einfach zerquetschen können, aber so behutsam wie er mit ihm umging, so zerbrechlich wie der Schmetterling war, genauso schätze ich ihn im Umgang mit seinen Kindern ein. Ich habe immer das Gefühl gehabt, egal was ich über ihn las und egal welches Interview ich mit ihm sah, dass seine Kinder ihm heilig waren. Vielleicht Nanhoi mehr als die Mädchen, aber seine Kinder gingen ihm über alles.



    Das ist zumindest mein Eindruck.

  • Genau so hat er das gemeint ;)

    Was mich stört ist, dass von heute auf morgen eine Tochter von Klaus auftaucht, etwas sagt und sofort jeder ihn hasst wohingegen 24h vorher alle von ihm schwärmten (das ist jetzt mal metaphorisch gemeint. Nicht jeder "hasst" ihn und nicht alle "liebten" ihn).

    Stimmt. Das regt mich genauso auf und ist meiner Meinung nach symptomatisch für unsere medien-gelenkte Gesellschaft. Da den Zombies da draußen das eigenständige Denken seit Jahrzehnten systematisch aberzogen wurde, saugen sie begierig auf, was man ihnen vorsetzt. Dazu kommt die sittliche Verrohung, das gestiegene Bedürfnis, andere mit Dreck zu bewerfen oder sich über ihre menschlichen Schwächen, ihre demütigenden Erfahrungen und ihre Entmenschlichung zu amüsieren - siehe "Dschungelcamp" und ähnlichen Dreck!


    Wenn dann jemand sagt *Der Kinski war Kinderschänder*, folgt sogleich der Ruf *Steinigt ihn!*


    Ich habe mich ja schon zu dieser Frage geäußert, ob man nicht jetzt Kinskis Stern vom berliner "Walk of Fame" entfernen müsste ... Was für ein himmelschreiender Unsinn! Wo kämen wir dahin!


    Ich will eigentlich nur sagen, ich kann verstehen, dass Dich die Medienresonanz aufregt. Geht mir genauso.

  • Ich will eigentlich nur sagen, ich kann verstehen, dass Dich die Medienresonanz aufregt.

    Ist auch das Eigentliche worauf ich hinaus wollte. Ich wollte mich nicht irgendwie in etwas hineinreden um dann krampfhaft zu versuchen Kinski in ein gutes Licht zu rücken. Ich kann sehr gut damit umgehen, dass andere ihn jetzt weniger, bzw. gar nicht mehr mögen. Letztenendes muss jeder selber entscheiden was er von diesen Gerüchten hält und wie er in Zukunft damit umgeht. Es gibt auf meinem anderen Forum wo ich bin Menschen die schreiben "Jetzt kann ich mir niemals mehr einen Kinski Film ansehen". Dann sitz ich immer vor meinem Computer und grinse ein bisschen, weil ich merke, dass es genau diese Menschen sind auf die die Medien und alles was damit zusammenhängt anspielen und von denen sie abhängig sind. Schon allein so ein Satz kann eine Lawine an Menschen auslösen die genauso denken.


    Aber es ist gut zu sehen, dass es immer noch Menschen gibt die alles von einem gesunden Abstand betrachten.

  • Im von Detlef Fischer verlinkten Spiegel-Artikel legt in der Kommentarspalte übrigens eine ehemalige Schulkameradin von Pola Kinski das Vater-Tochter-Verhältnis aus ihrer Sicht dar (was natürlich nichts beweist): Link
    In der Doku "Mein liebster Feind" wird Kinski von Eva Mattes als sehr warmherzig beschrieben, daher kam mir der Gedanke, dass er u.U. nicht die richtige Distanz zu seiner Tochter gefunden haben könnte, möglicherweise als Partnerersatz miss-braucht hat. Hinzu kommt, dass solche Familienbeziehungen zwischen Vater und Tochter gemeinhin mit anderen Augen gesehen werden, als dasselbe zwischen Mutter und Sohn.
    Über die Art des sexuellen Missbrauchs habe ich bisher nichts Konkretes vernommen, obwohl ich das in solchen Fällen für nötig halte, so unangenehm das für Opfer sein mag. Hatte er tatsächlich Geschlechtsverkehr mit ihr, oder fand Sexualität auf einer subtilen Ebene statt? Beides wäre schlimm und traumatisierend, aber ersteres wiegt um Weiten schwerer.


    Ich zweifele nicht deshalb an den Vorwürfen, weil ich ihn als Schauspieler schätze. Doch so wie es eine Dunkelziffer von verschwiegenen, tatsächlich erfolgten Missbrauchsfällen gibt, dürfte es genug erfundene oder von Psychologen/Medien eingeredete geben, welche wirklichen Opfern immens schaden.

  • Quote

    Pola Kinski ging mit mir in München aufs Gymnasium, wir haben alle für Winnetou geschwärmt und uns mit Glasperlen Indianerzeug gestickt. Das war unsere wichtigste Tätigkeit in der Pubertät, Pola hat rückblickend nie den Eindruck gemacht, als ob sie von Ihrem Vater zu etwas gezwungen worden wäre, was sie nicht wollte. Aber sie war schon ein bisschen exaltiert und sehr liebebedürftig, was sie ja sympathisch machte. Sie war enttäuscht, dass sich ihre Eltern getrennt hatten und sie nun in dem langweiligen München bei ihrer Mutter leben musste. Berlin und ihr Vater hätten ihr besser gefallen. Kein Wort des Hasses, der Verachtung, des Zweifels, stattdessen Bewunderung und (unerfüllte) Liebe zum Vater. Wäre sie in diesem Maß von ihm missbraucht worden, hätte sie die räumliche Trennung doch als sicher und beruhigend empfunden, aber dem war ganz offensichtlich nicht so. Ich weiß nicht, diese Enthüllungen scheinen mir doch sehr merkantil geprägt zu sein.


    Quelle: http://forum.spiegel.de/f22/mi…79855-3.html#post11734450


    Hier das Zitat. Vielen Dank für den Hinweis! Sehr sehr interessant. Die "Art" des Missbrauchs ist wirklich ein Punkt, der nicht unwichtig ist.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Im von Detlef Fischer verlinkten Spiegel-Artikel legt in der Kommentarspalte übrigens eine ehemalige Schulkameradin von Pola Kinski das Vater-Tochter-Verhältnis aus ihrer Sicht dar (was natürlich nichts beweist): Link

    Ich stimme Dir in vielen Punkten zu, aber wenn ich daran denke, was meine Schulkameraden an Auskünften über meine Gemütslage in dem Alter geben könnten, dann stehen mir die Haare zu Berge! Nicht annähernd würde die Außenperspektive mit der Innenansicht in Deckung zu bringen sein.


    Du hast sehr richtig darauf hingewiesen, dass sich sexueller Missbrauch auf verschiedensten Ebenen und in der verschiedensten Intensität abspielen kann.
    Meiner Meinung nach ist Missbrauch nicht gleich Missbrauch - ebenso wie Vergewaltigung nicht gleich Vergewaltigung ist. Leider lassen sich die qualitativen Unterschiede in der Benennung schlecht kenntlich machen.

  • Ich stimme Dir in vielen Punkten zu, aber wenn ich daran denke, was meine Schulkameraden an Auskünften über meine Gemütslage in dem Alter geben könnten, dann stehen mir die Haare zu Berge! Nicht annähernd würde die Außenperspektive mit der Innenansicht in Deckung zu bringen sein.

    Das glaube ich dir sofort!


    Es geht mir nur darum, dass bei solchen Vorwürfen alle Stimmen von Bedeutung sein können - und wenn es nur die Theorie stützen würde, dass man einem Missbrauchsopfer im Alltag eben nichts davon anmerkt. Wenn es ein Mädchen von klein auf nicht anders kennt, kann sie ja sogar Gefallen daran finden, und merkt erst später, was ihr angetan wurde.

  • Die Indizienlast wird langsam erdrückender.

    Auch hier ist es wieder schade, dass solche Erlebnisse erst im Zuge eines medialen Enthüllungsskandals berichtet werden.
    Dass die junge Moderatorin das Interview nach diesem Vorfall dennoch führte, legt für mich den Schluss nahe, dass bei "Persönlichkeiten" oder evtl. Narzissten generell ein solches Verhalten eher mit Nachsicht bedacht wird.


    Dennoch wirkt auf mich die Berichterstattung über Kinski total unglaubwürdig, solange ein Cohn-Bendit bei ARD und ZDF sein Gesicht in die Kamera halten darf, das Bundesfamilienministerium (!) in seiner Broschüre Körper, Liebe, Doktorspiele Anleitung zu pädophilen Handlungen gibt und unser Bundesverteidigungsminister (Bilder sagen mehr als tausend Worte!) in seiner damaligen Funktion als Innenminister von Sachsen die Ermittlungen gegen seine mutmaßlichen "Brüder" blockiert hat.


  • Bei dem verlinkten Artikel lohnt es sich, die Kommentare zu lesen. Unter anderem findet man da auch folgendes:

    Quote

    Charles Duchemin, 8.2.2013, 17:38: Klang damals noch ein wenig anders:
    http://www.rollingstone.de/mag…und-desiree-nosbusch.html


    Ein Ausschnitt aus dem verlinkten Artikel:

    Quote

    (...) Als Klaus Kinski mit der 17-jährigen Désirée Nosbusch kuschelte, hielt der Kameramann drauf. Längst ein YouTube-Classic (edit durch mich: gelöscht in D), gibt's die berühmte Folge "Zeit zu Zweit" nun auf DVD.

    Es beginnt wie ein Siebziger-Softsexfilm. Désirée Nosbusch, 17, gleitet im dunkelroten Golf-Cabrio über die kalifornische Landstraße, die Haare im Wind, und sinniert aus dem Off schwül über ihr Treffen mit Klaus Kinski: "Von Anfang an lag Spannung in der Luft. Eine besondere, aufregende Spannung."


    Höflich untertrieben – der 55-jährige Kinski schien 1982 den Dreharbeiten zum Fernsehspecial "Zeit zu zweit" vor allem zugestimmt zu haben, um völlig legal mit der jungen Reporterin Hasch-mich spielen zu dürfen. "Das ist ja geradezu rührend, wie dumm du bist", kommentiert er Nosbuschs wackere Interview-Versuche, während sein Kopf auf ihrem Schenkel ruht.


    Diese wirklich unglaubliche Bizarr-TV-Perle, von der ARD einmal ausgestrahlt, gibt es jetzt endlich auf DVD ("Kinski Talks 2", Universal), ergänzt durch Ausschnitte aus einer "NDR Talkshow" von 1984 (...)


    Diese Geschichte hat Frau Nosbusch wohlweislich verschwiegen. Sie gehört aber zum Gesamtbild dazu.


    Frau Nosbuschs Erlebnisse mit Herrn Kinski beweisen noch lange nicht, daß er sich an seiner Tochter vergangen hätte. Die Journaille, zu der sie auch gehört, zieht jedoch wieder unzulässige Querschlüsse (die von sicher nicht wenigen Lesern für bare Münze gehalten werden...)

  • Das Seltsame war, - ich hab die Talkshow mit ihr auch gesehen - dass ich diese Geschichte bereits seit Jahrzehnten kenne und mich wundere warum es heißt, sie hätte es niemals erzählt? Sogar die Interviews die sie mit ihm gedreht hat, waren jahrelang (sind es vielleicht immer noch) auf Youtube zu finden und alle fanden es amüsant und unterhaltsam und NIEMAND hatte jemals gefragt "Warum liegt er auf ihrem Schoß?" oder "Hätte sie ihm nicht sagen können, dass sie es nicht möchte, dass er auf ihrem Schoß liegt?" ... diese Fragen kommen alle erst jetzt.


    Darüber lache ich.

  • Habe gerade Kölner Treff geschaut mit Pola als Gast.


    Ich finde, wenn es doch stimmen sollte was sie sagt, dann warte ich auf den Tag - und hoffe der kommt bald - wo sie ihren Namen ablegt.


    Denn, wer meint missbraucht worden zu sein, aber weiterhin mit dem Namen des Vaters Geld macht, ist für mich nicht glaubwürdig.