Kämpfer in Gefangenschaft (DT 1942) - Geheim! Also schweig! - Lehrfilm Nr. 471 des Reichsministeriums der Luftfahrt

  • Offiziell handelt es sich bei dem Streifen um einen Lehrfilm des Reichsministeriums der Luftfahrt. Militärische Lehrfilme wie dieser wurden seinerzeit zu Hunderten hergestellt und waren inhaltlich meist so dröge wie die Filme, die wir selbst als Kinder und Jugendliche im Schulunterricht absitzen mussten.


    Doch dieser Streifen "Kämpfer in Gefangenschaft - Geheim! Also schweig! - Lehrfilm Nr. 471" von 1942 ist anders. An sich handelt es sich um einen Schulungsfilm, der Soldaten profilaktisch aufzeigen soll, wie Kriegsgefangene sich in Händen des Feindes NICHT verhalten sollen. De facto handelt es sich aber um einen richtigen, rund 53-minütigen Spielfilm mit vielen Schauspielern, die auch aus Kinofilmen bekannt sind. Da es sich um einen internen Instruktionsfilm handelt, der seinerzeit ausschließlich Angehörigen der Luftwaffe vorgeführt wurde, existieren dazu leider nirgends Stabangaben und auch der Regisseur ist unbekannt.


    Inhaltlich zeigt der Film verschiedene deutsche Kriegsgefangene, die im Verhör durch britische Militärs mit allerlei Tricks zum Reden gebracht werden sollen und dabei schließlich auch mehr oder weniger glorreich scheitern. Denn alle bis auf einen schneidigen Oberfähnrich (Erik Schumann) lassen sich von den Briten übertölpeln und geben wichtige Informationen Preis. Von der Dramaturgie her nimmt der Film ziemlich konsequent den Aufbau deutscher Fernsehspiele der späten 50er und frühen 60er Jahre vorweg (!).


    Einerseits ist der Film professionell gespielt und inszeniert, andererseits feiert hier auch die unfreiwillige Komik fröhliche Urständ. Das Drehbuch ist insoweit recht geschickt gestaltet als es versucht, eine entsprechende Bandbreite an "Charaktertypen" und deren psychologische Schwachstellen aufzuzeigen. Die angewendeten Manipulationstechniken bleiben zeitlos interessant, als sie sich vielfach nicht allzu sehr von denen unterscheiden, mit denen böse Chefs versuchen, ihre Mitarbeiter zu selbstschädigendem Verhalten zu verleiten.


    Andererseits erreicht der Film in seinem mit konsequenter Ernsthaftigkeit verfolgten Anspruch auch ganz fabelhafte "Camp"-Qualitäten. Allein wenn die vampartige Krankenschwester "Sister Gladys" mit Kippe im Mund vom Major zum Einsatz instruiert wird bleibt kein Auge trocken. Auch Karl-Heinz Peters als aggressiver britischer Vernehmungsoffizier darf hier dankbarst alle Register ziehen. Die ganz große Überraschung: neben "Himmelhunde" (1942) findet sich hier eine weitere bisher völlig unbekannte Filmrolle vor 1945 von Erik Schumann (damals 17 Jahre alt) und die ist nicht zu klein - darf er doch symbolschwanger hinter Stacheldraht den dramatischen Schluß-Appell des Films rezitieren.


    Das Bundesarchiv präsentiert uns diese kleinodhafte Fußnote der deutschen Filmgeschichte in 1080p; leider ist die Tonqualität streckenweise stark beeinträchtigt https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/344768


    Der Sinn dieses Threads liegt darin, die vollständige Besetzungsliste zusammenzutragen. Vorarbeit geleistet habe ich dazu bereits wie folgt:


    Die Engländer


    Der Major

    Charlie - Peter Elsholtz

    Sister Gladys

    Chester - Karl-Heinz Peters

    Captain Lagyn

    Postfräulein

    Registraturbeamter


    Die Deutschen


    Oberfähnrich (Nr. 116) - Erik Schumann

    Hauptmann Bergemann

    Oberfeldwebel Albrecht (Nr. 95) - Heinz Klingenberg

    Obergefreiter Schmittke (Nr. 107) - Willy Witte

    Leutnant Müller (Nr. 98)

    Unteroffizier Richter



    Hier nun zur Vervollständigung des Cast mit Bildern:



    DIE BRITEN


    Der Major


    Charlie - Peter Elsholtz


    Sister Gladys


    Chester - Karl-Heinz Peters


    Captain Lagyn


    Postfräulein


    Registraturbeamter

  • c.n.-tonfilm

    Changed the title of the thread from “Kämpfer in Gefangenschaft (DT 1942) - Geheim! Also schweig! - Lehrfilm Nr. 471 des Reichsministriums der Luftfahrt” to “Kämpfer in Gefangenschaft (DT 1942) - Geheim! Also schweig! - Lehrfilm Nr. 471 des Reichsministeriums der Luftfahrt”.
  • c.n.-tonfilm Korrektur: Sister Gladys wird gespielt von Anna Dammann.


    Anna Dammann könnte es tatsächlich sein; es ist eine große Ähnlichkeit vorhanden. Aber bist Du Dir wirklich sicher?

    Anna Dammann war damals schon eine sehr berühmte Theaterschauspielerin und verkörperte am Deutschen Theater nahezu alle großen klassischen Frauengestalten. Im Film beschränkte sie sich gezielt auf wenige Rollen. Es mag nicht recht passen, daß eine Schauspielerin dieses Formats ungenannt in einer banalen Rolle in so einem militärischen Lehrfilmchen mitspielt.


    Den Major kenne ich auch irgendwoher aber habe die richtige Fährte bislang nicht gefunden.

  • Den Major kenne ich auch irgendwoher aber habe die richtige Fährte bislang nicht gefunden.

    Ja, genau, den kennt man. Ich kriege die Fährte leider auch nicht hin, und KI ist total nutzlos in diesem Fall.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Anna Dammann könnte es tatsächlich sein; es ist eine große Ähnlichkeit vorhanden. Aber bist Du Dir wirklich sicher?

    Frank Noack tippt auch auf Anna Dammann.


    Auf YouTube ist Die Reise nach Tilsit. Da kannst du einen Vergleich anstellen.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

    Edited 2 times, last by Austernprinzessin ().

  • Ich habe jetzt mal direkt mit "Mein Leben für Irland" verglichen in Optik und Dialog sowie mir noch weitere Fotos angesehen. Beim Dialog ist leider nicht viel zu wollen wegen der schlechten Tonqualität. Ich bin der Meinung es ist nicht Anna Dammann. Die Sister hat ein schmaleres Gesicht und eine viel schmalere Nase. Sie sieht in den Großaufnahmen eher "riefenstahlig" aus. Anna Dammans Gesicht ist weicher, runder, fraulicher.


    Der Film ist durch die Bank besetzt mit Kleindarstellern und Chargenspielern, die kontinuierlich für all die Kellner, Portiers, Ärzte, Kofferträger usw eingesetzt werden, die man beim Film braucht und spielten diese Rollen nach Tagesgage. Sie mußten also sehr viel filmen um ein Auskommen zu haben und konnten sich freuen, wenn sie in einem Film mal ein paar Tage länger zu tun hatten. Dem Publikum waren sie in der Regel allenfalls vom Sehen ein Begriff. Kleindarsteller kamen auf Tagesgagen von 20 bis 50 RM; Chargenspieler mit etwas größeren Rollen bewegten sich hauptsächlich in einem Korridor von 50 bis 150 RM; bei außergewöhnlichen Aufgaben bis maximal 300 RM.


    Anna Dammann war ein Theaterstar und spielte Anfang der 40er Jahre mit einer Tagesgage von 900 RM (Drewniak) beim Film in einer ganz anderen Liga. Sie befand sich damit auf einem Level mit Filmstars wie Fita Benkhoff, Karin Hardt oder Grethe Weiser. Für so ein Unterfangen wäre sie bereits schlichtweg zu teuer gewesen und hätte sich für eine namenlose Rolle in einem solchen Lehrfilm auch ebensowenig hergegeben wie z.B. ein Heinrich George oder andere große Stars.


    Es ist eine der vielen Chargenspielerinnen die es damals in Hülle und Fülle gab; ihren Namen kennt man möglicher Weise überhaupt nicht.










    Dazu wie schwierig es ist, solche Identifkationen zweifelsfrei durchzuführen, siehe beispielhaft auch hier https://www.nitrateville.com/viewtopic.php?f=4&t=38922

  • Im Zweifelsfall lass sie dann natürlich lieber raus. Vielleicht war die Ähnlichkeit ja auch gewollt aus Marketinggründen. Damit meine ich, dass die Rolle absichtlich optisch ähnlich besetzt wurde. Die Möglichkeit gibt's ja auch noch.


    Wobei sie mir persönlich für eine reine Chargenspielerin zu professionell spielt. Vollkommen namenlos bleibt sie bestimmt nur solange bis man ihr keinen Namen zuordnen kann.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Im Zweifelsfall lass sie dann natürlich lieber raus. Vielleicht war die Ähnlichkeit ja auch gewollt aus Marketinggründen. Damit meine ich, dass die Rolle absichtlich optisch ähnlich besetzt wurde. Die Möglichkeit gibt's ja auch noch.


    Wobei sie mir persönlich für eine reine Chargenspielerin zu professionell spielt. Vollkommen namenlos bleibt sie bestimmt nur solange bis man ihr keinen Namen zuordnen kann.

    Also nach gestriger ausgiebiger Sichtung muss ich zu 100% sagen dass es sich NICHT um Anna Dammann handelt. Da ich auch Mein Leben für Irland sehr oft gesehen habe und gestern nochmals muss ich sagen dass sie es nicht sein kann. Die optische Ähnlichkeit ist frappant aber alleine von der schauspielerischen Leistung her kann man sagen dass sie nicht Anna Dammann ist. Auch ihr Gesicht weißt eine ganz andere Mimik und Gesichtszüge beim Sprechen auf.


    "Mein wichtigstes Lebensmotto war immer: Treue. Auch mir selbst gegenüber."
    (Heinz Rühmann, 1902-1994, Schauspieler)


  • Also nach gestriger ausgiebiger Sichtung muss ich zu 100% sagen dass es sich NICHT um Anna Dammann handelt. Da ich auch Mein Leben für Irland sehr oft gesehen habe und gestern nochmals muss ich sagen dass sie es nicht sein kann. Die optische Ähnlichkeit ist frappant aber alleine von der schauspielerischen Leistung her kann man sagen dass sie nicht Anna Dammann ist. Auch ihr Gesicht weißt eine ganz andere Mimik und Gesichtszüge beim Sprechen auf.

    Sehr spannend! Gerade dann wäre es natürlich super, wenn wir ihr einen Namen zuweisen könnten. Ich hab KI drüber laufen lassen, und die kam zum gleichen Schluss wie ihr: eindeutig NICHT Anna Dammann. Allerdings konnte sie auch keinen Namen zuweisen. Da wäre also die gute alte Archivarbeit von Nöten!

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Sehr spannend! Gerade dann wäre es natürlich super, wenn wir ihr einen Namen zuweisen könnten. Ich hab KI drüber laufen lassen, und die kam zum gleichen Schluss wie ihr: eindeutig NICHT Anna Dammann. Allerdings konnte sie auch keinen Namen zuweisen. Da wäre also die gute alte Archivarbeit von Nöten!

    Ich glaube dass es sehr schwierig sein wird ihr einen Namen zuzuordnen da sie einfach sehr unbekannt ist und eventuell auch nur eine Leihendarstellerin war. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir ihren Namen wohl nie herausfinden.


    "Mein wichtigstes Lebensmotto war immer: Treue. Auch mir selbst gegenüber."
    (Heinz Rühmann, 1902-1994, Schauspieler)


    Edited once, last by Quax ().

  • Man müsste entsprechende zeitgenössische Branchen-Adressbücher mit Darstellerfotos für die Besetzungsbüros durchgehen. Ich weiß nicht, was es dahingehend damals mit Bebilderung im einzelnen gab.


    Die Pausibilität muß man bei solchen Fragen in jedem Fall immer mit heranziehen. Mit Kriegsbeginn wurden durch die Kriegswirtschaftsverordnung strenge Deckelungen für Löhne und Gehälter eingeführt; das betraf auch die Künstlergagen. Niemand sollte an der Heimatfront zum "Kriegsgewinnler" werden. Nur bei den ganz großen Top-Stars gab es natürlich Ausnahmen.


    Wenn man für die meisten Mitwirkenden im Film aufgrund der überwiegend recht umfangreichen Rollen den Tagesgagen-Höchstsatz von 300 RM annehmen möchte, entspricht das inflationsbereinigt für 2025 1.460,- €. Anna Dammann kommt hier mit Ihren 900 RM auf die stattliche Summe von 4.380,- €. Zum Vergleich: ein normaler Arbeiter oder Angestellter verdiente zu Beginn des Krieges im Monat etwa 150 bis 200 RM. Dagegen wirken natürlich auch die Gagen der Chargenspieler enorm hoch, aber dafür waren es keine geregelten Einkommen. Wer im Monat nur wenige Drehtage an Land ziehen konnte, mußte sich einschränken oder anders behelfen.


    Der Film selbst ist gar nicht darauf ausgelegt, besonders unterhaltsam zu sein (was seinen Unterhaltungswert dann gerade so immens steigert) oder das Thema durch Humor oder Wiedererkennungseffekte besonders aufzuwerten. Bei einem Film fürs breite Kinopublikum hätte man da ggf. eher etwas mehr Aufwand betrieben. Niemand hätte also auf diese Weise anonym eine Anna Dammann derart "verheizt".


    Unterm Strich ein ungewöhnlicher Film; es stellt sich die Frage, ob es noch mehr Filme dieser Art gibt, die nahezu wie ein reiner Spielfilm daherkommen.

  • Die Kinokarriere von Michael von Newlinsky war zu Beginn der 40er Jahre in völliger Bedeutungslosigkeit versandet. Ich bin noch nicht dazu gekommen einen Mini-Auftritt in einem zeitgenössischen Film für einen Screenshot heraus zu suchen.


    Hier in "Die Büchse der Pandorra" (1929) - die Alterung entsprechend berücksichtigt könnte er es ganz gut sein.


  • Ich bin jetzt wieder der Meinung daß - wenn überhaupt - meine ursprüngliche Zuordnung richtig war:

    Leutnant Müller (Nr. 98) - Heinz Klingenberg


    Oberfeldwebel Albrecht (Nr. 95) könnte Friedrich Maurer sein; hier in "Mein Leben für Irland" (1941)



    Für Leutnant Müller (Nr. 98) hingegen sehe ich da ggf. Heinz Klingenberg aber ohne absolut sicher zu sein - hier ist er auf einer Postkarte von 1940

  • Oberfeldwebel Albrecht ist 100% Heinz Klingenberg der Hauptdarsteller aus SA-Mann Brand. Schau mal in den FIlm rein. Ich bin mir da wirklich total sicher. Das würde ich jederzeit sogar beeiden. Er war damals halt 10 Jahre jünger.






    "Mein wichtigstes Lebensmotto war immer: Treue. Auch mir selbst gegenüber."
    (Heinz Rühmann, 1902-1994, Schauspieler)