Kinder und Jugendfilm

  • Guten Tag alle zusammen,


    Da ich mich nun Beruflich wieder etwas mit Münchhausen auseinandersetzen darf ist mir die Frage gekommen, ab wann gibt es die bezeichnung Kinder bzw Jugendfilm? Gab es im frühen Tonfilm, bzw auch schon im Stummfilm extra für Kinder hergestellte Filme in Deutschland?

    Mir fällt gerade die erste verfilmung von den Kleinen Muck aus den Jahr 1944 ein, und natürlich den die Gerhard Lamprecht Verfilmungen von Emil und die Detektive.

    Sicher hatte Münchhausen, als [wenn man so möchte] Märchen, Farbfilm, auch eine hohe beleibtheit bei Kindern. Trotzdem ist er Primär ja nicht für Kinder gedreht worden.

    „(Gaertner lehnt sich zurück und lacht lautlos.)

    Bauer: Was lesen Sie denn da Komisches?

    Gaertner: Ein Trauerspiel.

    Campe: Und ich freute mich schon! Ich dachte, Sie hätten über'n Lustspiel gelacht. -Mit Trauerspielen haben uns unsere Klassiker ja auf Jahrhunderte versorgt." (Die Frau nach Maß, S. 22f.)

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  • Kinder- und Jugendfilme gab es bereits in der Stummfilmzeit. Häufig wird zwar "Emil und die Detektive" (1931) als erster deutscher Kinderfilm bezeichnet, aber auch in der Stummfilmzeit wurden bereits Kinder- und Jugendfilme gedreht.


    Bereits 1928 wurde der Kinder-/Jugendfilm "Der Kampf der Tertia (1928) mit Ilse Stobrawa und Gustl Stark-Gstettenbaur in den Hauptrollen gedreht. Im Jahr darauf wurde der Jugendfilm "Die Räuberbande" (1929) gedreht, an dem auch Gustl Stark-Gstettenbaur mitgewirkt hat.


    Außerdem halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass es bereits zuvor erste Kinderfilme gegeben hat. Über viele frühe Stummfilme ist leider wenig bekannt. Ich habe schon öfter zu Stummfilmen recherchiert und bei vielen Filmen nicht einmal ein Programmheft oder eine Inhaltsangabe gefunden. In solchen Fällen kann leider nur der Filmtitel Orientierung bieten, wenn nicht in Archiven weiteres Material zu den Filmen existiert.


    Bei dem Film "Willys Streiche- Klebolin klebt alles" (1909) mit dem Kinderdarsteller Curt Bois halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass es sich um einen Kinderfilm handelt. Falls meine Einschätzung zutrifft, wäre das der älteste mir bekannte deutsche Kinderfilm.


    Bei meinen Nachforschungen liegt der Schwerpunkt ja eher auf den 1930er, 1940er und 1950er Jahren. Die Stummfilmzeit finde ich zwar auch interessant, aber aus Zeitgründen bin ich bisher nicht dazu gekommen, da viel nachzuforschen. Auf die genannten Kinder- und Jugendfilme bin ich vor allem deswegen aufmerksam geworden, weil Gustl Stark-Gstettenbaur und Curt Bois später als Erwachsene sehr bekannt geworden sind und ich sie aus ihren späteren Tonfilmen kenne. Als ich ihre Filmografien angesehen habe, habe ich entdeckt, dass sie auch Kinderdarsteller waren.


    In den 1930er Jahren wüsste ich aus der Zeit der Weimarer Republik natürlich vor allem "Emil und die Detektive" (1931) zu nennen. Darüber hinaus würde mir nur noch "Hänschen fährt ins Spielzeugland" (1932) einfallen, ein später Stummfilm, der heutzutage fast vollständig in Vergessenheit geraten ist.


    In der Zeit des Nationalsozialismus wurden einige Jugendfilme gedreht, wenn auch deutlich weniger als in späteren Jahrzehnten. Die meisten dieser Jugendfilme waren Propagandafilme, die bekanntesten waren "Hitlerjunge Quex" (1933), "Kopf hoch, Johannes" (1941) und "Jakko" (1941).


    Es gab aber in der NS-Zeit auch ein paar Kinderfilme ohne politische Inhalte, wie beispielsweise die Jugend-Kurzfilme "Der Fußball" (1937) und "Der Fünfzigmarkschein" (1938). Den Kinder-/Jugendfilm "Bravo, kleiner Thomas" (1944) habe ich bisher leider noch nicht gesehen. Nach allem, was mir bisher über den Inhalt des Films bekannt ist, ist er aber auch kein Propagandafilm.


    Gerade bei den Jugend-Kurzfilmen gibt es viele Filme, die auch in der Literatur zu historischen Jugendfilmen kaum thematisiert werden und heutzutage fast vollständig in Vergessenheit geraten sind. Den Film "Der Fußball" (1937) habe ich mal gesehen und fand ihn sehr gut. Hier habe ich auch ein Thema zu dem Film eröffnet: Der Fußball (1937)


    Dennoch würde ich sagen, dass in den 1920er, 1930er und 1940er Jahren weniger Kinderfilme gedreht wurden als in den Jahrzehnten danach. Vor allem ab den 1960er Jahren wurden, meiner Einschätzung nach, sehr viel mehr Kinder- und Jugendfilme gedreht.

  • Außerdem halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass es bereits zuvor erste Kinderfilme gegeben hat. Über viele frühe Stummfilme ist leider wenig bekannt. Ich habe schon öfter zu Stummfilmen recherchiert und bei vielen Filmen nicht einmal ein Programmheft oder eine Inhaltsangabe gefunden. In solchen Fällen kann leider nur der Filmtitel Orientierung bieten, wenn nicht in Archiven weiteres Material zu den Filmen existiert.


    Bei dem Film "Willys Streiche- Klebolin klebt alles" (1909) mit dem Kinderdarsteller Curt Bois halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass es sich um einen Kinderfilm handelt. Falls meine Einschätzung zutrifft, wäre das der älteste mir bekannte deutsche Kinderfilm.

    Der Film ist zumindest fragmentarisch erhalten.

    https://www.filmforum-bremen.d…ion-der-komische-kintopp/

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Der Film ist zumindest fragmentarisch erhalten.

    https://www.filmforum-bremen.d…ion-der-komische-kintopp/

    Vielen Dank für den Hinweis! Mir war noch gar nicht bekannt, dass der Film auf DVD erschienen ist. Auch die DVD-Edition "Der komische Kintopp", in der der Film veröffentlicht wurde, schaut sehr interessant aus. Die werde ich mir auf jeden Fall bestellen, und bin bereits gespannt darauf, die Filme zu sehen!