QuoteOssi Wittgenstein geht auf ein Lyzeum und ist ein Wildfang und freches, junges Mädel, das gern Schabernack mit ihrer Umwelt treibt und damit die Konventionen pflegenden Mitmenschen ihres gesellschaftlichen Umfelds, vor allem ihre Tante und ihren Onkel, herausfordert. Derlei Normen gefallen Ossi überhaupt nicht, und sie rebelliert gern dagegen. Eines Tages wird ihr Nonkonformismus auf eine starke Probe gestellt, denn aus der frisch-kessen Schülerin wird dank einer Erbschaft eine reiche junge Dame: das titelgebende Millionenmädel...
Das Millionenmädel (D, 1919)
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"Das Millionenmädel" stellte den verheißungsvollen Auftakt zu einer Ossi-Oswalda-Serie dar und kam 1919 in die Kinos.
Wenn man sich den Film heute ansieht, muss man sich zunächst klar machen, dass die Filme in erster Linie unterhalten wollten und zudem um ihren Star Ossi Oswalda herum aufgebaut waren. Und beides gelang in dieser Produktion in jeglicher Hinsicht.
Natürlich wollte man kein überzeitliches Kunstkino schaffen, und selbstverständlich atmet "Das Millionenmädel" auch den Geist der Zeit, was man zum Beispiel an der übertriebenen Darstellungsweise insbesondere einiger Nebendarsteller sieht oder dem überzogenen Augenrollen einer Emilie Kurz, die in der Rolle von Ossi Wittgensteins Tante eigentlich eine sehr gute Leistung bietet. Erkennbar ist dies zudem an Momenten, in denen Ossi Oswalda bewusst die Zuschauer vor der Leinwand durch Gestik und Augenzwinkern mit ins Boot holt, etwas, das bereits einige Jahre später vollkommen veraltet war und ein typisches Merkmal für den Unterhaltungsfilm der 10er Jahre ist.
Und trotzdem hebt sich "Das Millionenmädel" deutlich über die Durchschnittsproduktionen der damaligen Zeit heraus und ist auch heute noch voller Elan und komischer Atemlosigkeit, und der Grund ist: Ossi Oswalda! Selten sieht man Komikerinnen aus der Zeit, die so in ihrer Rolle aufgehen wie sie! Wie ein Wirbelwind fegt sie vom ersten Moment an über die Leinwand, klatscht regelrecht alles, was sich ihr in den Weg stellt oder stellen könnte, mit einer unvergleichlichen Verve an die Wand und schert sich einen Dreck um Konventionen irgendeiner Art, etwa, wenn sie die Zähne ihrer Tante versteckt oder fast brustfrei sekundenlang über die Leinwand schwebt. Sie dominiert vom ersten bis zum letzten Moment alles mit einer Leidenschaft, die auch heute noch mit einer Lebendigkeit zu spüren ist, dass sie häufig die Möglichkeiten der stummen Darstellungskunst bis an die Grenzen ausreizt. Darüber vergisst man leicht, dass der Film auch unabhängig von seiner Hauptdarstellerin einiges zu bieten hat, etwa einige interessante Kameraeinstellungen, die von Kurt Richter entworfenen Bauten oder wie bereits oben erwähnt, Emilie Kurz als leicht vertrottelte Tante, die in zwei äußerst komischen Einstellungen ihre Zähne sucht.
Insofern: absolute Empfehlung - mit einer kleinen Einschränkung: Die Voraussetzung ist, das man mit der überdrehten, vor Energie sprudelnden Ossi Oswalda klarkommt. Wem so jemand leicht zu hektisch wird, der sollte sich lieber die zurückgenommene, "reifere" Ossi Oswalda in ihren späteren Jahren anschauen.
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....und wo kann man das Wunderwerk herbekommen???
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Am besten per dm

Zum "Wunderwerk" Fregola! Du musst natürlich, wie bereits erwähnt, mit der exaltierten Darstellungsweise von Ossi Oswalda klarkommen. Damit steht und fällt der Eindruck, den der Film bei einem hinterlässt. Hier ist sie nämlich dramaturgisch nicht so in das Gesamtwerk eingebettet, wie das bei "Die Austernprinzessin" der Fall ist, die ja de facto ein verfilmter Comic ist.