Wahlen in der Usa

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    25.02.2004


    Als Kerry noch Kohn hieß


    Wurzeln in Europa: Der aussichtsreichste Herausforderer von George Bush stammt aus einem Ort in Nordmähren
    Von Daniel Brössler



    Horní Benešov, im Februar – Tapfer hält ein sowjetischer Soldat auf dem Friedensplatz die Stellung. Die Lage ist ruhig im Gebirgsstädtchen Horní Benešov, ein paar Großmütterchen tragen ihre Einkäufe nach Hause – vorbei am hellblauen Schaukasten der Veteranen vom Freiheitskämpfer-Verband. Es hängen Zeitungsausschnitte darin mit Überschriften wie: „Die USA führen einen terroristischen Krieg“ und „Bush is a children killer“. Horní Benešov ist ein ganz gewöhnlicher nordmährischer Flecken – mit 2440 Seelen, einem stillgelegten Bergwerk und einem sowjetischen Bronze-Soldaten auf dem Friedensplatz. Gleich dahinter sitzt Bürgermeister Josef Klech in seinem gelben Rathaus und schmiedet Pläne. „Der ganze Platz wird restauriert. Wir stellen die alte Johannes-von-Nepomuk-Säule wieder auf, und dann kommt auch das Denkmal für die sowjetischen Befreier weg“, verspricht er.



    Gut möglich, dass Imageberater aus dem Weißen Haus im fernen Washington dem Tschechen das einmal danken werden. Eines Tages nämlich könnte ein amerikanischer Präsident namens John Kerry auf dem Friedensplatz Hände schütteln müssen, und da würde der bronzene Rotarmist sich nicht gut machen auf den Fernsehschirmen. Erst einmal muss der Demokrat Kerry natürlich Präsident werden, und dann müsste er auch noch der Einladung des Bürgermeisters Klech folgen. In beiderlei Hinsicht ist der Tscheche zuversichtlich. Schließlich hat er an Kerry eine E-Mail geschickt: „Wir grüßen Sie aus Horní Benešov, wo Ihre Familie herkommt. Im Wahlkampf drücken wir Ihnen die Daumen.“



    Lange Zeit hat der Senator aus Massachusetts wohl selber geglaubt, seine Familie stamme – wie der Name Kerry vermuten lässt – aus Irland. Doch der Wiener Ahnenforscher Felix Gundacker fand im Auftrag des Boston Globe heraus, dass Kerrys Großvater ursprünglich Fritz Kohn hieß und am 10. Mai 1873 in Benisch in Österreichisch-Schlesien, dem heute tschechischen Horní Benešov, zur Welt gekommen ist: als Sohn des jüdischen Brauereipächters Benedikt Kohn und seiner Frau Mathilde.



    Der Bleistift fiel auf Irland



    Der lange Weg des Fritz Kohn von Benisch nach Boston begann früh. Als der kleine Fritz kaum drei Jahre alt war, starb der Vater. Die Witwe Mathilde verließ mit ihren drei Kindern Schlesien und zog nach Wien. Ein Vierteljahrhundert später stand Fritz Kohn mit seiner Frau Ida und seinem ersten Sohn Erich in Mödling bei Wien vor einem Priester. Die Taufe allein aber genügte ihm nicht, auch seinen alten Namen wollte er nicht mehr. Kohn klinge zu jüdisch, schrieb er in seinem Gesuch an die Behörden in Wien, seiner angestrebten Laufbahn beim Militär sei das nicht förderlich. Wie die Wahl auf den für mitteleuropäische Breiten ungewöhnlichen Namen Kerry fiel, davon weiß Ahnenforscher Gundacker eine Familienlegende zu erzählen, die wenn nicht wahr, so doch gut erfunden ist: „Fritz ließ mit seinem Bruder Otto einen Bleistift auf eine Landkarte fallen. Die Spitze traf die Grafschaft Kerry in Irland.“ Ende 1904 schifften sich die Kerrys in Triest ein – nicht nach Irland, sondern nach Amerika.



    Bis vor kurzem wusste John Kerry von alledem nichts. Über den Großvater wurde kaum gesprochen in Kerrys Elternhaus, was mit einem Ereignis des 21. November 1921 zusammenhängen dürfte. An jenem Tag betrat ein Mann mit Geldsorgen einen Waschraum des Copley Plaza Hotels in Boston und schoss sich in den Kopf. Es war Frederick Kerry, Sohn eines Braumeisters aus Benisch, Großvater eines späteren Senators aus Boston.



    Sollte sich Kerry zur Suche nach Spuren dieses Mannes in Horní Benešov entschließen, so müsste er sich auf gewisse Enttäuschungen gefasst machen. Die einstige Brauerei steht nur noch zum Teil; das leicht verfallene weiße Häuschen beherbergt heute eine Sauna. Wo früher Kohns Geburtshaus stand, ist nur ein Garten mit Hollywood-Schaukel zu sehen. Zum Trost könnte Bürgermeister Klech dem Präsidenten lediglich das alte Fotoalbum mit dem Titel „Unsere Heimatstadt Benisch im Bilde 1937“ und dem schönen Motto „Liebe Deine Heimat. Mache sie groß und schön“ überreichen. Es enthält auch das Bild eines eher unauffälligen zweistöckigen Hauses in der Kronesgasse, dem einstigen Heim der Kohns. „Das ist es“, sagt Klech, „mehr haben wir nicht.“



    So ist es. Es gibt in Horní Benešov keinen beflissenen Stadtarchivar, keinen Verein rühriger Heimatforscher und schon gar keine Greise, die sich noch an die Brauerei, an irgendwelche Kohns oder überhaupt an Juden im Ort erinnern könnten. Es ist nämlich so, dass das kollektive Gedächtnis der Stadt Horní Benešov nicht weiter zurückreicht als bis 1945. Bis zu diesem Jahr lebten hier fast nur Deutsche, und fast alle von ihnen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben. Von Kerrys Altersgenossen in Horní Benešov hat mit Sicherheit niemand einen Großvater aus Benisch. Klech selbst wurde 1947 in Horní Benešov geboren, seine Eltern kamen aus Südmähren.



    „Sie schreiben doch hoffentlich nicht, Kerry war Sudetendeutscher“, sorgt sich der Bürgermeister. Den Menschen in seiner Stadt falle es ein wenig schwer, Kerry als Landsmann zu sehen, erklärt er. Das Verhältnis der Bürger zur Stadt sei „nicht so wie dort, wo seit Jahrhunderten die Vorfahren leben. Lokalpatriotismus haben wir hier nicht.“ Ein wenig könnte das auch mit der tristen Gegenwart zu tun haben. Nicht nur das Bergwerk hat längst dicht gemacht, auch auf dem einstigen Staatsgut tut sich nicht mehr viel. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 17 Prozent, im Landesschnitt sind es knapp elf. Kurzum: Horní Benešov ist eine Stadt „im Abstieg“, wie der Bürgermeister sagt.



    Da kann ein mächtiger und noch dazu reicher Freund in Amerika nicht schaden. „Es ist klar, dass Horní Benešov dadurch sichtbarer wird. Davon können wir nur profitieren“, meint Klech. Einstweilen steht eine Antwort auf die nette E-Mail an Kerry zwar noch aus, aber das nimmt der Bürgermeister sportlich: „Ich bin für ihn. Er ist mir sympathisch, und ich glaube, dass er Präsident wird.“ Und irgendwann, da ist er sicher, werde er auch die alte Heimat besuchen. Kerry winkt dann in Horní Benešov die Ehrenbürgerwürde und vielleicht auch eine Kerryova – eine Kerry-Straße.



    Das alles natürlich nur, wenn er wirklich Präsident wird, und vor allem, wenn er wirklich eines Tages zu Besuch kommt. „Wir wollen uns nicht anbiedern“, stellt der Bürgermeister klar. Und zu große Hoffnungen will er auch nicht schüren: „Ich bin Realist. Auch, wenn er kommt, wird hier nicht alles über Nacht besser.“



    Das glauben Milan Vajda und seine Freunde auch nicht. Sie sitzen vor Bier und Schnaps in einem Lokal, das schlicht „Restaurace“ heißt, obwohl es hier nur Würste zu essen gibt. „Kerry? Dem wünsche ich, dass er Präsident wird“, sagt Vajda. Er trägt ein graues Sweatshirt mit US-Flagge. Gegen einen Besuch Kerrys hat er nichts. Nur, ob er dann selbst noch da ist, das weiß Vajda nicht. Im Pass habe er schon den richtigen Stempel, sagt er – „das amerikanische Visum“.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Dieses Wochenende wird es richtig heiss in Amerika. Ich bin mal gespannt ob die Jungs in Amerika das wählen diesmal wenigstens einigermassen auf die Reihe kriegen....

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Vergiss nicht Michael Moore ;-)


    Bis vor nem Monat war ich mir sicher, dass Kerry gewinnt, jedoch muss man mal bedenken was wieder alles vorgefallen ist... Bin laden hat zuuufälliger weise kurz vor der wahl n video veröffentlicht, im irak puffts mal wieder kräftig und ansonsten läuft die wahl auch wieder sehr komisch ab und die amis sind einfach ein "anderes" völkchen... die ticken alle ein wenig anders und mich würds nicht wundern, wenn bush es wieder schafft.
    Dies muss aber nicht nur nachteile haben. Wenn bush bleibt wird der kontakt zu europa gleich bleiben - bei kerry besteht die gefahr, dass ma sich ausspricht und am ende vielleicht sogar die bundesdeutschen im irak die suppe mitauslöffeln dürfen.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Michael Moore hat ja angekündigt, über 10.000 Überwacher in verschiedensten Wahlbezirken aufzustellen, um zu gewährleisten, dass bei der diesjährigen Wahl alles mit rechten Dingen zugeht.


    Davon abgesehen bin ich mir ziemlich sicher, dass Bush wieder gewinnt. Mittlerweile habe ich es aufgegeben, die Amerikaner verstehen zu wollen. Die große Masse dort ist meiner Meinung nach einfach zu blöd, um zu verstehen, was für ein Verbrecher George Bush ist.


    Kuroi

  • Hey, danke für den Hinweis. :-)



    Um folgende Uhrzeiten erfahren wir die Wahlergebnise:




    Deutsche Zeit:


    1.00 Uhr
    Georgia, Indiana, Kentucky, South Carolina, Vermont, Virginia
    (bis auf Vermont alles klare "Bush-Staaten").


    1.30 Uhr
    North Carolina, Ohio, West Virginia


    2.00
    Alabama, Connecticut, Delaware, District of Columbia, Florida, Illinois, Maine, Maryland, Massachusetts, Mississippi, Missouri, New Hampshire, New Jersey, Oklahoma, Pennsylvania, Tennessee


    2.30
    Arkansas


    3.00
    Arizona, Colorado, Kansas, Louisiana, Michigan, Minnesota, Nebraska, New Mexico, New York, North Dakota, Rhode Island, South Dakota, Texas, Wisconsin, Wyoming


    4.00
    Iowa, Montana, Nevada, Utah


    5.00
    California, Hawaii, Idaho, Oregon, Washington


    6.00
    Alaska

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    André Gide

  • ich bin froh, dass ich keine entscheidung treffen muss. denn beide sind für mich ungefähr gleich... ungefähr... ich glaube nicht, dass der eine es besonders anders machen wird als der andere... aber wie die meisten sehe ich es auch so, dass man eher eine bushgegenwahl vorziehen sollte. aber wie gesagt, eine wahl möchte ICH nciht fällen müssen... und nader wird eh nicht präsident, das wurde er die letzten male ja auch nicht :D

  • Momentan steht Bush bei 274. Wir haben ihn also wohl noch weitere 4 Jahre am Hals. Hat schon jemand ´ne Ahnung, welches Land als nächstes unter einem fadenscheinigen Vorwand angegriffen wird? Vielleicht Kanada?

    "Monica Lewinsky had more president in her mouth than George W. Bush has in his whole body".

  • Tja, ich hat's auch irgendwie im Gefühl, das es der Bush, dieser Affe, wieder werden würde. So fortschrittlich ("Weltmacht") dieses Land einerseits sein mag, so rückständig ist es in vielen Dingen aber auch noch. Das Wahlsystem ist ein krasses Beispiel dafür. Wahlmänner? Ich blick' da nicht durch, das geht doch alles nicht sauber zu. Demokratie kann man das wirklich nicht nennen, genauso wenig wie Deutschland eine Demokratie sein will. "Das Volk entscheidet", wer's glaubt... Terrorismus mit Krieg (Irak) zu bekämpfen, also Gewalt mit Gewalt, halte ich nicht gerade für die beste Lösung. Na ja, jedenfalls darf der Bush nach jetzt weiteren 4 Jahren nicht noch mal wiedergewählt werden, dann muss jemand anderes ran.

  • Bei Bush wissen wir wenigstens woran wir sind und die gefahr einer aussprache besteht nicht so sehr wie bei kerry. Am ende hätten dann noch Bundesdeutsche Soldaten im Irak die suppe der amis auslöffeln dürfen.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • dass nicht jeder einsieht, dass bush schlecht ist, liegt an der amerikanischen kultur. für viele extreme christen ist er wie gott, denn er betet jeden tag ne stunde, da kann gott ja nur an seiner seite stehen. zudem informieren die medien sehr fragwürdig, genauso wie die demokratie fragwürdig ist. der wichtigste grund scheint mir jedoch: george w. bush IS the american dream. er verkörpert den menschen, die die amerikaner wuenschen. kurze sätze, coole oneliner, humor, cowboyhut und dieses grinsen, das ronald r. auch hatte: der durchschnittsami, wie der durchschnittsami sein möchte. dazu niedrige steuern und ne menge aktionsbereitschaft, wie am 11. september. ob es wirkt oder nicht: bush reagiert immer sofort. die welt wird dadurch nicht sicherer, aber ma fühlt sich sicher. mehr will man nicht: charakter geht vor inhalt.
    außerdem sind die amis total hysterisch, hat man ja bei fahrenheit 9/11 gesehen. ;)