Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens (D, 1922)

  • Jens Spahn war es auf jeden Fall nicht klar. Der hat noch im Oktober gesagt, dass es keinen Lockdown wie im Frühjahr mehr geben würde.


    Naja, mir egal! Wir werden ja sehen ob das Buch dieses Jahr rauskommt... X/

    Wie sich zeigte hatte Herr Spahn Unrecht und war einer Täuschung erlegen. Wenn Herrn Spahn das im Oktober noch nicht klar war, dann ist das sehr traurig. Jeder vernünftig und logisch denkende Mensch wusste was kommt. Pandemien funktionieren schon seit tausenden Jahren gleich.


    Eine öffentliche Veranstaltung, zur Veröffentlichung des Buches im September 20, wäre nur mit sehr begrenzter Anzahl von Besuchern möglich gewesen. Und eine Vorführung vor mehreren hundert Besuchern nicht möglich.


    Selbstverständlich kommt es dieses Jahr.

  • Wie gesagt, wir werden ja sehen ob das Buch dieses Jahr rauskommt... :/ X/

    "Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden." (Martin Luther King)


  • Wie gesagt, wir werden ja sehen ob das Buch dieses Jahr rauskommt... :/

    Es kommt. Warum soll es nicht kommen? Es ist völlig normal im Verlagswesen, das bei wissenschaftlichen Publikationen ein Termin allein schon deshalb verschoben wird, da neues Forschungsmaterial auftauchte.


    Es ist jetzt fertig. Wird gedruckt und damit ist es da.


    Ich bringe jeden Monat einen historischen Bildband, jeweils zu deutschen Städten. Die erscheinen stets pünktlich, aber da gibt es auch das Problem mit dem Virus nicht.


    Das Nosferatu-Buch ist eine völlig andere Dimension und wird weltweit erwartet. Da ist es schon nötig eine große Veranstaltung mit wichtigen Gästen zu bringen.

  • Etwas zur vollständigen Musik zu "Nosferatu" von Hans Erdmann Guckel.


    Die bekannte "Fantastisch-romantische Suite" von Erdmann, welche erhalten ist durch einen Druck bei Bote und Bock 1926 veröffentlicht, aber eben unvollständig.

    Diese Suite ist aber nicht alles, denn mit den Stücken können nur ca. 60 % des gesamten Filmes bespielt werden. Die Restauration der Erdmann Musik durch Heller enthält dadurch natürlich Fehler, durch die damals notwendige Flickschusterei.

    Die Restaurierung der Nosferatu-Musik entspricht nicht dem Original-Arrangement der Uraufführung. Zudem entspricht auch die Restaurierung des Nosferatu Filmes selbst nicht der Uraufführungsfassung. Das hat mehrere Gründe. Bei der Restaurierung wurde Szenen eingefügt, welche in der deutschen Ur-Fassung nie enthalten waren.

    Dazu kommt die völlig falsche Laufzeit des Filmes, durch die fehlerhaft eingesetzten 18 Bilder/sec.. Dies ist viel zu langsam. Keiner der damals entstandenen Stummfilme lief mit 18 Bildern.

    Ein Stummfilm muss schneller laufen, da es ein Stummfilm und kein Tonfilm ist. Der Rhythmus der Stummfilme wird durch den zu geringen Ablauf vollständig gestört. Das bemerkt man schon an den Zwischentiteln, welche bei 18 Bildern viel zu lang erscheinen.

    Nun aber zur bisher unvollständigen Erdmann Musik.

    In unserem Archiv befindet sich eine Liste von Themen, welche für Nosferatu geschrieben, sich aber nicht in der bekannten Suite befinden. Mittlerweile sind mir sämtliche Thementitel bekannt. Die komplette Nosferatu-Komposition wurde nämlich in sehr geringer Auflage gedruckt und ist noch existent.

    Georg Fiebiger hatte ebenfalls nur Themen Erdmanns verwendet, um die Tonfilmfassung "Nosferatu der Vampyr" (1930), sowie die Stummfilmfassung der "12. Stunde" (1929) zu unterlegten. Darunter zwei längere Stücke, welche sich nicht vergleichbar in der "Fantastisch-romantischen Suite" finden lassen.

    Zudem ist die Komposition als Druck erhalten, aber nicht in der Fassung von Bote und Bock, sondern vollständig.


    Copyright by Jens Geutebrück

  • Hier in Hugo Quittner`s "Rotenturm-Kino", welches schon 1910 bestand und am Fleischmarkt 1 zu Wien lag, fand am 02. März 1923 die Österreich-Premiere von "Nosferatu" statt.

    Es hatte zu dieser Zeit einen Fassungsraum von 305 Personen. Gegründet wurde es 1910 von Stadtbaumeister Viktor Schwadron und erbaut von Arthur Baron erbaut.
    Hugo Quittner war ab 1914 Direktor.

    Ende 1939 gerät das Rotenturm-Kino in die Insolvenz. Die Photographie stammt aus dem Jahre 1920.


    Copyright by Jens Geutebrück

  • Schon allein dieser Drehbucheintrag zeigt, das Hutter und Ellen ursprünglich nur Verlobte waren und erst Murnau das Drehbuch so veränderte, das aus einem ärmlichen, glücklich verliebten Paar, ein Ehepaar wurde.

    Hutter, geplant als armer Arbeitnehmer des Maklers Knock, der nicht mal das Geld für den Ring der Geliebten im Rock hat, mutiert unter Murnau zu einem schon jungen, nicht unbedingt ärmlichen Geschäftsmann.

    Denn eigentlich folgt als fünftes Bild die Trödlerszene, welche ich gestern beschrieb und in Transkription brachte. Die Szene muss gedreht worden sein und Murnau lies sie wegfallen. Heute zählt sie als verschollen.

    Somit verändert sich einiges und wird durch Murnau`s Idee unlogisch. Denn Hutter begiebt sich auf eine sehr lange Reise, da er das Geld zur Vermählung verdienen muss. In der überarbeiteten Fassung, sendet Knock ihn nicht als eine Art Burschen, sondern schon fast als ebenbürdigen Geschäftspartner, der sich auf diese lange Reise begibt. Dies wäre ihm in dieser Stellung ein unwürdiger Dienst.

    All das verändert den Sinn zur Notwendigkeit des dringenden Geldverdienens erheblich und nimmt der ganzen Geschichte viel Sinn und Romantik.


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  • Etwas zu den drei durch Dr. Waldemar Roger bearbeiteten Fassungen des Filmes „Nosferatu“.


    • „Nosferatu der Vampyr“ (1928) Stummfilm
    • „Nosferatu der Vampyr“ (1929) Tonfilm mit Dialogen
    • „Die zwölfte Stunde“ (1930) Nadelton mit Geräuschen, Musik und Zwischentiteln


    -1928 Der entgültige Ausverkauf eines der größten Klassiker der Filmgeschichte

    Verkaufsvertrag Grau/Roger. Dieser Vertrag existiert im Original aus 1928 und in einer beglaubigten Abschrift aus 1949, welche Roger noch zu Lebzeiten anfertigen ließ. Albin Grau verkauft die dauernden Rechte zweier Filme, darunter "Nosferatu", an den Kantor und Dozenten F. Waldemar Roger.

    So verschwanden schon in den zwanziger Jahren die Rechte dieses Klassikers aus dem Besitze Albin Grau`s.

    Den Nachlass Rogers konnte ich retten und somit die durch Verschnitt entstandenen Klassiker „Nosferatu der Vampyr“ und "Die zwölfte Stunde".


    -Noch 1928 beginnt die Herstellung einer stummen Schnittfassung "Nosferatu der Vampyr".


    -1929 Verkauf dieser stummen Fassung "Nosferatu der Vampyr" nach USA. Waldemar Roger nennt die männliche Heroengestalt - anscheinend als Hommage an sich selbst - für den amerikanischen Markt Waldemar Hutter. Die Fassung wird in der New York Times am 04.06. 1929 aufgeführt.


    -1929 Bearbeitung des Urmaterials zum Lichttonfilm „Nosferatu der Vampyr“.


    -1929/30 Bearbeitung der dritten Fassung des Filmes, durch Dr. Roger, für die Phönix AG: „Die zwölfte Stunde“.

    Ursprünglich sollte der Film mit Nadelton der Firma Linguaphon unterlegt werden. Dies wurde aber nicht realisiert und man kam in Allianz mit der Organon GmbH, welche ebenso wie die Linguaphon Sprach-, Lehr- und Geräuschplatten vertrieb.


    -Ab November 1937 bis Mai 1938 Tournee Waldemar Roger`s durch deutsche Kleinstädte und Dörfer mit den beiden Nadeltonfilmen "Die zwölfte Stunde" (1930) und "Aus Liebe getan" (1937).


    - 1949 lässt Waldemar Roger eine beglaubigte Abschrift seines Vertrages mit Albin Grau aus dem Jahre 1928 anfertigen. Er bringt den Film in neuen Kopien über den sogenannten Landfilm in Umlauf. Hauptsächlich Aufführung in Dörfern.


    - 1958 stirbt Dr. Waldemar Roger.


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  • Landfilmkopien waren Filmkopien welche für den mobilen Vorführeinsatz auf Dörfern gezogen wurden. Dies hier ist eine US Landfilmkopie aus der Gegend Detroit. Im Archiv besitzen wir - neben den deutschen Ur-Fassungen aus den 20ern - auch deutsche Landfilmkopien aus den 30er und 50er Jahren.

  • Zur Restaurierung der "Nosferatu-Musik", welche keine Restaurierung ist.

    Zuvor muss bemerkt werden, das die Salonorchester-Musik welche Erdmann für die Uraufführung 1922 schrieb, nicht identisch mit der "Fantastisch-romantischen Suite" ist. Da dies nicht der Fall ist, ist eine Restaurierung aus der 1925/26 zusammengestellten Suite nicht möglich. Selbstverständlich enthält die Suite auch einige Themen der "Nosferatu-Musik", aber zu wenige um eine ausgereifte Restaurierung der Musik zu ermöglichen.

    Unter anderem wurden bisher folgende Fehler begangen:

    • Der Film wurde durch fehlerhafte Rekonstruktion an Material "vervollständigt" (Croquetspiel), welches zwar aus 1921 stammte, aber in der Uraufführungsfassung schon nicht mehr enthalten war.
    • Der Film wurde seit den 80er Jahren, entgegen der Laufgeschwindigkeits-Vorschrift für die Vorführung des Films, auf 18 Bilder pro Sekunde heruntergesetzt. Der Film soll aber mit 24 Bildern pro Sekunde gespielt werden. Es kam in dem Falle natürlich darauf an, um was für einen betriebenen Projektor es sich handelte. Schon allein deshalb ist eine Anpassung der Musik Erdmanns aus der Suite nicht möglich. Mit 18 Bildern jedoch ist der Film damals nie und nirgends gelaufen. Man kommt mit den 6 Akten des Filmes auf knapp über 60 Minuten. (Akte bezeichnen in dem Falle die damals üblichen kleineren Spulen für ca. 10 Minuten Filmmaterial.)
    • Die Suite besteht aus nicht mehr wie 10 Sätzen. Es kann allein keine Spieldauer von nicht mal 40 Minuten erreicht werden. Dies würde nicht mal genügen, um die Urfassung in einer Länge von 62 Minuten mit Musik zu unterlegen.
    • Man beging den Fehler, die Uraufführungsmusik des Filmes nur in öffentlichen Archiven zu suchen. Private Notensammler, welche in Frage kamen, blendete man komplett aus. Anfragen fanden dort nicht satt. Allein zwei Sammler - Leipzig & Greifswald - besitzen zeitgenössische Blaupausen der Original Klavierpartitur. Diese passt sich an die Laufzeit der Urfassung von 62 Minuten an.

    Zudem existieren in privater Hand mehrere deutsche und österreichische Drucke aus den Jahren 1922/23.


    Die nun existierenden, angeblichen Restaurierungen der "Originalmusik" des Filmes sind keine solchen. Erstens ist dies mit dem Material der Suite nicht möglich und zudem hat man Themen Erdmanns benutzt um die Länge der Suite von nicht mal 40 Minuten auf 96 Minuten zu strecken.

    Die Originalmusik Erdmanns funktioniert völlig anders und hat mit den "restaurierten Fassungen" der Musik nichts gemein.


    Copyright by Jens Geutebrück