Zwischen Herz und Gewissen/Das fremde Leben (1944/45-1951)

  • Heute kam bei mir eine CD an, die ich mir bei Amazon bestellt hatte und auf der auch ein von Anni Dobra gesungenes Lied aus diesem Film enthalten ist. Ich habe ihn mal vor Jahren gesehen, als er bei youtube verfügbar war. Ich habe ihn mir erstmal nur so nebenbei angeschaut, einfach, weil ich mal einen "Überläufer", also einen Film, der gegen Kriegsende gedreht, aber erst nach dem Krieg uraufgeführt bzw. fertiggestellt wurde, sehen wollte

    Auf mich wirkte der Film überraschend melancholisch und schwermütig, was ich aus Filmen dieser Zeit eigentlich nicht kannte. An manchen Stellen wirkte der Film sogar ziemlich "Zarah-Leander-mäßig". Es geht schon am Anfang los, als Winnie Markus an der Rehling steht und deprimiert ins Nichts starrt, als wolle sie sich gleich ins Wasser stürzen. Als dann auch noch ihre Cousine stirbt und sie durch Missverständnisse die Identität ihrer Cousine annimmt, bessert das die negative Grundstimmung des Films auch nicht. Selbst eine Varietészene, die in anderen Filmen meist eine heitere Abwechslung darstellt, hat in diesem Film einen sehr melodramatischen Touch, denn selbst als die Sängerin Anny (oder Anni) Dobra das Lied "Lass uns heute nicht an morgen denken" zum Besten gibt, fallen die Parallelen zum Inhalt des Films sehr ins Gewicht.

    Ich kenne ehrlich gesagt nicht viele Filme aus der Zeit des Nationalsozialismus, die mich so nachdenklich und melancholisch gestimmt hatten, trotzdem ist es einer meiner absoluten Lieblingsfilme, weil er eben nicht einer jener vielen Unterhaltungsfilmen ist, wie sie damals in Massen produziert wurden.

    Hat jemand von Euch diesen Film gesehen? Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit diesem Film bzw. mit anderen Filmen gemacht?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischen_Herz_und_Gewissen

    https://www.filmportal.de/film…dcf294ea99e004fb4cf60a60b

  • Das mag sein, nur ist mir das bisher nie so richtig aufgefallen. Ich verbinde mit dieser Zeit eher Filme, die dem Volk eine heile Welt „vorgaukeln“ sollten, wohlwissend, dass die wahrhaftige Situation eine andere war. Da fallen mir dann Rühmann mit „Die Feurzangenbowle“ oder Marika Rökk mir „Die Frau meiner Träume“ ein.

    „Das fremde Leben“ bleibt für mich aufgrund der Absenz jeglicher „Gaukeleien“ ein herausragender Film.

    Schade nur ist, dass der Film laut dem Booklet zu dieser CD auf keine große Resonanz beim Publikum stieß und daher auch schnell in Vergessenheit geriet...?(

  • Wobei ich schon auch den Eindruck habe, dass die Filme zum Teil in einer Art "Parallelzeit" spielen. Also zB schon 1940, (sieht man auch an der Mode) - aber eben ohne Krieg. Anders ist es natürlich bei den Kostümfilmen.

    "Alkohol in Maßen genossen, schadet auch in größeren Mengen nicht"


    Anderl Heckmair (1906-2005), deutscher Bergführer und Alpinist

  • Ja genau. Das wirft man diesen Filmen ja oft vor: Mittel zum Eskapismus gewesen zu sein.

    "Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden." (Martin Luther King)


  • Vielen deutsche Filme der Zeit 1943 - 1944 haben eine melancholische Grundstimmung.

    Liegt das am Drehbuch, oder mitunter eher an der Musik? So einiges bei der Filmmusik aus diesen Jahren, erinnert mich teilweise an skandinavische Volkslieder. Eventuell hat diese Grundstimmung auch damit zu tun.

    "Alkohol in Maßen genossen, schadet auch in größeren Mengen nicht"


    Anderl Heckmair (1906-2005), deutscher Bergführer und Alpinist

  • Ich kenne ehrlich gesagt nicht viele Filme aus der Zeit des Nationalsozialismus, die mich so nachdenklich und melancholisch gestimmt hatten, trotzdem ist es einer meiner absoluten Lieblingsfilme, weil er eben nicht einer jener vielen Unterhaltungsfilmen ist, wie sie damals in Massen produziert wurden.

    Hat jemand von Euch diesen Film gesehen? Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit diesem Film bzw. mit anderen Filmen gemacht?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischen_Herz_und_Gewissen

    https://www.filmportal.de/film…dcf294ea99e004fb4cf60a60b

    "Späte Liebe" (1943) fällt mir da noch ein. Dieser Kostümfilm stimmt auch nachdenklich.


    https://www.imdb.com/title/tt0240026/?ref_=fn_al_tt_1


    https://de.wikipedia.org/wiki/Sp%C3%A4te_Liebe

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    Anderl Heckmair (1906-2005), deutscher Bergführer und Alpinist

  • Bei Melancholie und 40er Jahre fallen mir sofort die Käutner-Filme "Große Freiheit Nr. 7" und "Unter den Brücken" ein, wobei ich nicht weiss, ob das der Zeitgeist im Schatten des Krieges war, die innere Emigration Käutners (was die Stimmung auch hervor gerufen haben könnte) oder ob das vielleicht einfach sowieso seine prinzipielle Grundstimmung war.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide