Wunschkonzert (D, 1940)

  • Man muß den Film im Kontext der damaligen Zeit sehen.

    Natürlich. Mir brauchst Du das nicht zu erzählen, ich höre Schlager aus den 30ern....


    Mir geht es einzig und allein um die Verharmlosung. Er ist nun mal eben "nicht nur" ein Unterhaltungsfilm. Diese Behauptung finde ich naiv und ärgerlich.


    Ich will doch gar niemandem den Spaß an dem Film nehmen. Aber das schließt doch nicht aus, dass man etwas Bewusstsein dafür hat, was man da gerade sieht. Anstatt fröhlich zu postulieren "ist doch nur ein harmloser Film, tralala".

  • Ich weis nicht ob das Lied "Wir fahren gegen Engelland" verboten ist.


    Aber "Wunschkonzert" ist es nicht. Und deshalb ist deine Argumentation mit den Nazis ein Typisches "Totschlag Argument" und damit hat sich es für mich hier auch schon mit Dir hier erledigt.


    Generell ist Erlaubt was nicht Verboten ist. Auch, in meinen Augen, eine dumme Argumentation wie die Deinige.

  • Leseempfehlung: https://www.bpb.de/geschichte/…m/153344/film-im-ns-staat


    Zitat:

    "Von Beginn an verstand die NS-Führung den Film als ein Medium zur Massenerziehung. Unterhaltende Stoffe wurden vom selbst ernannten "Schirmherrn des deutschen Films" Joseph Goebbels zusehends den offensiven Propagandafilmen vorgezogen. Diese besondere Rolle des Films gewann mit dem deutschen Überfall auf Polen 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, zusätzliche Bedeutung. "Seine erzieherische Wirkung" müsse der Film "gerade im Kriege" entfalten, so Goebbels bei einer Rede vor der Reichsfilmkammer 1941. In seinem Tagebuch notierte Goebbels im Februar 1942: "Auch die Unterhaltung ist heute staatspolitisch wichtig, wenn nicht sogar kriegsentscheidend."

    In der Folge entstanden sowohl hetzerische Dokumentarfilme wie "Feldzug in Polen" (1940) und das antisemitische Machwerk "Jud Süß" (1940) als auch propagandistische Unterhaltungsfilme wie "Wunschkonzert" (1940) sowie tendenziöse Spielfilmportraits "großer Deutscher" wie "Friedrich Schiller" (1940) und "Carl Peters – Ein deutsches Schicksal" (1941)

    ....
    Wichtige Filmtitel des Kinos des "Dritten Reiches" sind "Triumph des Willens", "Jud Süß" oder "Kolberg". Berühmt-berüchtigt als perfide Machwerke aus der Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten stellen diese Propagandafilme in der öffentlichen Wahrnehmung den Inbegriff der Filmproduktion in der NS-Zeit dar, denen mit einer Mischung aus Neugier, Distanz, Abscheu und Faszination begegnet wird. Diese Identifikation des Kinos der NS-Zeit mit seinen besonders eindeutigen Propagandafilmen ist symptomatisch und irreführend zugleich. Unbestritten ist der Wille und die Vehemenz, mit denen sich die Nazis der Suggestivkraft des Films zur Indoktrinierung und Mobilisierung der Massen bedienten. Gleichwohl sollte begrifflich stärker zwischen NS-Filmpropaganda und nationalsozialistischen Propagandafilmen differenziert werden. Wie neuere Forschungsarbeiten deutlich gemacht haben, war die Filmkultur in der NS-Zeit als komplexes System darauf ausgelegt, ihre propagandistische Wirkung durch die geschickte Kombination von Unterhaltung und Vermittlung politischer Inhalte zu entfalten. Die politisch-ideologische Indoktrination hatten – zumindest vordergründig – die Dokumentar- und Kulturfilme und insbesondere die Wochenschau zu leisten, die seit 1938 obligatorischer Bestandteil jedes Kinobesuchs war. Der Spielfilm hingegen sollte vor allem der Zerstreuung und der Unterhaltung dienen – war dabei allerdings keineswegs frei von Ideologemen und Propaganda, sondern wies die Mischung von Propaganda- und Unterhaltungselementen zumeist lediglich in anderer Gewichtung auf."


    Also ganz offiziell: Unterhaltung als Propaganda. Mir war nicht bewusst, dass dieses Konzept hier unbekannt ist.

    Man lernt nie aus.


    Dieser Film war, wie andere, als Propaganda gedacht, da muss man sich gar nichts ausdenken oder hineininterpretieren, es ist mir vollkommen unverständlich, wie man das ignorieren oder abstreiten kann. Goebbels und die Filmindustrie, das ist doch jetzt nicht wirklich neu.

  • Meinst Du denn dass die User hier Forum sich durch solchen einen Film noch politisch Beeinflussen lassen?


    Natürlich kennen wir die Geschicht zu der Entstehung des Films.


    Aber die Aufklärung von Heute ist doch viel, viel mehrschichtiger als in der Zeit von 1933-45.


    Hinzu kommt die Lehren die wir aus der Zeit von 1933-45 gezogen haben.


    Gerade das Internet, die nicht gleichschaltung der Presse und des Rundfunks (auch wenn es Einige behaupten) läßt doch bei den Menschen einen ganz anderen und erweiterten Horizont zu.


    Gerade weil dieser Film nicht mehr auf dem Index steht, also kein Vorbehaltsfilm ist, sollte man diesen Film sehen wie er zu einem Teil geplant war.

    Als Unterhaltungsfilm.

    Da die FSK diesen Film 1980 und 1997 (erweitert) Freigeben hat wird dieser Film bestimmt nicht kriegverherrlichend, rassistisch oder Volksverhetzend sein.


    Auch wenn Du es so empfindest.

  • Ah ja. Mit demselben Argument hören sich die Nazis in Schellackforen "Wir fahren gegen Engelland" und ähnlichen deutschnationalen, kackbraunen, kriegsverherrlichenden Quark an, und finden gar nix dabei.


    Ist ja nicht verboten.

    Jetzt reicht es dann mal, ja? <X<X

    "Alkohol in Maßen genossen, schadet auch in größeren Mengen nicht"


    Anderl Heckmair (1906-2005), deutscher Bergführer und Alpinist

  • Ah ja. Mit demselben Argument hören sich die Nazis in Schellackforen "Wir fahren gegen Engelland" und ähnlichen deutschnationalen, kackbraunen, kriegsverherrlichenden Quark an, und finden gar nix dabei.


    Ist ja nicht verboten.

    Engelland ist sicher nicht verboten. Gute Nacht..:P

    "Alkohol in Maßen genossen, schadet auch in größeren Mengen nicht"


    Anderl Heckmair (1906-2005), deutscher Bergführer und Alpinist