Corona als Chance?

  • Ich habe jetzt mehrfach gelesen, man müsse die Corona-Krise als Chance sehen. Da fallen dann vor allem Begriffe wie "Entschleunigung". Man könne aus dem Alltagsstress aussteigen, mal runterfahren usw.


    Also für mich ist das vor allem eine typisch intellektuelle Romantisierung einer Krisensituation und vor allem ein Zeichen dafür, dass man aufpassen muss, als Geisteswissenschaftler nicht in intellektuelle Traumwelten zu verschwinden und die Bodenhaftung zu verlieren.


    Aber bitte: Ich stelle diese These natürlich gerne zur Diskussion frei 😊

    In akteur ûnthâldt syn earste stik publisearre lof. It is op syn hert skreaun. (Conrad Veidt)


    Heuge? Myn namme is Conrad 8o

  • Natürlich entschleunigt es massiv und ich merke wie schön ruhig es inmitten einer Mehrmillionen-Hauptstadt sein kann... Auch die Luft wird langsam frischer und sauberer und der sonst alltägliche Betriebs-Lärm trägt auch ganz schön aufs Gemüt. Ich finde es wunderschön alleine auf verlassenen Straßen zu wandeln (auch mitten auf der Fahrbahn) und über leere Autobahnen zu fahren... Da hat man schon das Gefühl frei zu sein... Ein freier Mensch inmitten einer Großstadt (sowie: Berlin. Die Symphonie einer Großstadt 1927) nur ruhiger...:)


    "Ein Deutscher, der sein Vaterland abstreift, wie einen alten Rock, ist für mich kein Deutscher mehr."
    (Otto von Bismarck, 1815-1898, erster Reichskanzler des Deutschen Reiches)


  • Quote

    Ich finde es wunderschön alleine auf verlassenen Straßen zu wandeln (auch mitten auf der Fahrbahn) und über leere Autobahnen zu fahren

    Wir dürfen da im Moment gar nicht hin :( Aber in München als Stauhauptstadt Nummer 1 in Deutschland lässt sich der Verkehr auch mit den brachialsten Methoden nicht ganz lahmlegen ;)

    In akteur ûnthâldt syn earste stik publisearre lof. It is op syn hert skreaun. (Conrad Veidt)


    Heuge? Myn namme is Conrad 8o

  • Da jede Medaille zwei Seiten hat, hat auch jede Krise seine Vorteile und Chancen und die gilt es auch zu nutzen. Man sollte dabei eben bodenständig bleiben und realitätsnah. Und prinzipiell immer auf das beste Hoffen, sich aber auf die schlechteste Variante vorbereiten.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • So richtig entschleunigen kann ich nicht. Ich habe jetzt zwar fünf Tage am Stück frei, muss aber erreichbar sein, außer am Wochenende natürlich, wo so was von entschleunigt wird. :) Wenn ich zum Spazierengehen rausginge, bliebe mir nur das Tempelhofer Feld, das fußläufig erreichbar ist und wo selbst bei regem Besucherstrom jeder jedem aus dem Weg gehen kann.


    Die meisten werden sich wohl wieder durch den Mauerpark zwängen und sich dort etwas holen, was auch immer. ^^

    Ich habe es satt, die Menschen zu durchschauen. Es ist so leicht, und es führt zu nichts.

    Elias Canetti

  • Ich kann ja glücklicherweise normal weiter arbeiten - nur meine Münchenfahrten finden im Moment nicht statt (und oft sind die ja eh nicht eingeplant). Ich bin glücklich darüber, wobei etwas zwangsentschleunigung mir auch mal gut tun würde. Einfachmal ein paar Tage nichts tun (müssen) - das wärs :D Aber ich hab auch zuviel Feuer unterm Ar... als dass ich mir das selbst auferlegen würde. Vorher will ich erst noch was erreichen um mir dann nach und nach immer mehr Auszeiten zu gönnen. Aber auch nicht zuviel, denn mir macht ja auch großen Spaß was ich so treibe.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Du hast ja den Vorteil, dass du beruflich völlig freie Hand hast. Du arbeitest zu Hause, und wenn du mal keine Lust hat, bleibt die Arbeit eben liegen. 8o Wobei der Aspekt des Geldverdienens natürlich eine Rolle spielt. Aber da du eh immer drinnen arbeitest und meist wohl auch allein, ändert sich für dich nicht viel.


    Im Gegenteil - der Versandhandel boomt. :thumbup:🎁

    Ich habe es satt, die Menschen zu durchschauen. Es ist so leicht, und es führt zu nichts.

    Elias Canetti

  • Ja von daher muss ich glücklich sein erstmal weiter machen zu können und auch die Mittel zu haben ein wenig zu agieren. Nicht wenigen wird in nächster Zeit das Geld ausgehen. Nach mehreren Jahren totaler Geldknappheit (weil man ja dauernd geschröpft wird) habe ich das letzte halbe Jahr gespart um die anstehenden Kosten bis Mitte des Jahres schonmal parat zu haben, das hilft gerade sehr.

    Aber selbst wenn ich gar nichts tun könnte, hätte ich noch zwei Kinder, d.h. einfach mal 20 Stunden lang am Stück ein Videospiel spielen oder so wäre wohl erstmal nicht drin ;-)

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Auch bei mir gibt es existenziell keine Probleme, allerdings hat sich mein Arbeitsalltag völlig verändert. Anstatt dass 100 Leute vor der Tür stehen, bekommen wir jetzt täglich 100 E-Mails mit scheinbar eiligen Problemen.


    Im Grunde war Entschleunigung immer schon wichtig. Mein obligatorischer samstäglicher Wandertag ist erst einmal auf Eis gelegt. Zwar wäre es noch erlaubt, doch allzu weit fahren möchte ich deswegen nicht.


    Das klingt ein wenig, als hätte ich das selbst entschieden, was? ;)

    Ich habe es satt, die Menschen zu durchschauen. Es ist so leicht, und es führt zu nichts.

    Elias Canetti

  • Mein obligatorischer samstäglicher Wandertag ist erst einmal auf Eis gelegt. Zwar wäre es noch erlaubt, doch allzu weit fahren möchte ich deswegen nicht.

    So ist es bei mir auch, bzw. möchte ich gar nicht unnötig die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und Auto habe ich keins. Aber ich wohne zum Glück recht günstig, sodass ich auch von daheim aus eine kleine Wanderrunde machen kann.


    Ansonsten zum Thema das Threads: Ich sehe die Aussage, man solle Corona als Chance betrachten, ziemlich zwiespältig. Einerseits finde ich das zynisch gegenüber jenen, die selbst ernsthaft erkrankt sind, um ernsthaft Erkrankte bangen oder sich existenzielle Sorgen machen. Daher sehe ich die Aussage eher negativ, wenn sie von außen als Forderung kommt.


    Zugleich denke ich aber, dass es für Einzelne durchaus sinnvoll sein kann, für sich selbst zu überlegen, ob nicht auch eine Chance in der Situation liegt, für einen ganz persönlich. Zumindest in der Anfangszeit nach den Einschränkungen wird manch einer vielleicht manche Dinge mehr zu schätzen wissen, etwa die fast schon selbstverständliche Kugel Eis auf dem Heimweg. Okay, da es gerade nicht so wirklich warm ist vielleicht nicht das beste Beispiel, aber mir fällt kein besseres ein ;-) Vielleicht lernen manche solche kleinen Dinge dadurch etwas mehr zu schätzen oder manche merken, wie wenig man eigentlich braucht. Und ich denke für viele ist eine selbstgewählte (und eben nicht von irgendwem aufgedrückte!) Haltung, das Ganze als Chance zu betrachten, auch einfach ein gangbarer Weg, um die Zeit psychisch gut zu überstehen.

    Wir wissen wohl, was wir sind, aber nicht, was wir werden können. (William Shakespeare)

  • Ich habe es ehrlich gesagt nicht als Forderung empfunden, mehr als eine Ermunterung. Auf Kommando entspannt sein geht angesichts der Nachrichtenlage ohnehin kaum.

    Zugleich denke ich aber, dass es für Einzelne durchaus sinnvoll sein kann, für sich selbst zu überlegen, ob nicht auch eine Chance in der Situation liegt, für einen ganz persönlich. Zumindest in der Anfangszeit nach den Einschränkungen wird manch einer vielleicht manche Dinge mehr zu schätzen wissen, etwa die fast schon selbstverständliche Kugel Eis auf dem Heimweg. Okay, da es gerade nicht so wirklich warm ist vielleicht nicht das beste Beispiel, aber mir fällt kein besseres ein ;-)

    In Berlin würde es das Wetter durchaus noch hergeben. Ich kam am Donnerstag auch an ein Eiscafé mit Außer-Haus-Verkauf vorbei, habe mich aber dagegen entschieden.

    Ich habe es satt, die Menschen zu durchschauen. Es ist so leicht, und es führt zu nichts.

    Elias Canetti

  • Ich habe es ehrlich gesagt nicht als Forderung empfunden, mehr als eine Ermunterung. Auf Kommando entspannt sein geht angesichts der Nachrichtenlage ohnehin kaum.

    In Berlin würde es das Wetter durchaus noch hergeben. Ich kam am Donnerstag auch an ein Eiscafé mit Außer-Haus-Verkauf vorbei, habe mich aber dagegen entschieden.

    Forderung war vielleicht nicht der richtige Begriff. Aber ob nun als Ermunterung oder Anregung gemeint, finde ich, dass man mit dem Rat, das Ganze doch als Chance zu sehen, sehr vorsichtig sein sollte, bzw. sich gut überlegen sollte, an wen man diesen Ratschlag richtet. Darum ging es mir eigentlich in erster Linie.


    Außerhaus-Verkauf gibt es bei uns in den Eiscafés glaube ich nicht. Als ich Freitag kurz in der Stadt war, war jedenfalls alles zu.

    Wir wissen wohl, was wir sind, aber nicht, was wir werden können. (William Shakespeare)