Berliner Schloss

  • In diesem Thema hier Architektur: Bauwerke, Wiederaufbauten, Neubauten,... habe ich schon öfter über das Stadtschloss Berlin berichtet. Da wir nun ein Architektur-Unterforum haben, verdient das Berliner Schloss ein eigenes Thema. Ich bin ja von dem Projekt sehr angetan bisher, jedoch gibt es mal wieder leider einen modernen "Bruch", der die Freude an dem Weideraufbau ganz schön nimmt. Bei Facebook hat jemand ein passendes Vergleichsbild eingestellt.


    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Das steht durchaus in der Tradition des preußischen Bauens. Die Rückseite ist "nicht so schön", wenngleich auch nicht so glatt und schlicht wie hier. Es sollte allerdings auch kein einfacher Nachbau werden. Darum wird das Gebäude auch nicht Schloss genannt, sondern Humboldt-Forum. Diese Bauweise war in Preußen durch und durch typisch. So wurden Baukosten eingespart.


    Um das mal an einem anderen Beispiel zu zeigen, habe ich drei Bilder eines Hauses, das ich in Potsdam fotografiert habe. Vorne ist es reich verziert, hinten einfach nur weiß gestrichen. Normalerweise sieht man das auch nicht, aber zu der Zeit war die Umgebung kaum bebaut, man fing erst damit an.

  • Ja ganz nach dem Motto "Der Rohbau is fertig, wat solljn jetzt für'n stil ran" (man liese es in Berliner Dialekt) ;-)


    Das findet man auch in Böhmen, da sind bei vielen Kleinstädten am Marktplatz die Häuser vorne schön, hinten hässlich.


    Das was man aber im historischen Foto ganz oben sieht ist sogar noch schöner als das historischer Stadtschloss selbst - zumindest in dieser Ecke - das wirkt dann schon fast mittelalterlich. Das zu rekonstruieren, wäre ne ganz große Nummer gewesen.

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    André Gide

  • Das stimmt, aber ich könnte mir vorstellen - ich weiß es natürlich nicht - dass man damals schon die Rückseite des Schlosses als hässlich empfand. 100 Jahre später sieht es natürlich toll aus, weil es aus einer anderen Zeit stammt.


    Was das Bild nicht zeigt: Die glatte Fassade wird nur von wenigen gesehen. Dahinter ist die Spree, und dann kommt der Fernsehturm. Es hat also auch nie einer einen "schlimmen Anblick" erleiden müssen. ;) Zumindest nicht dauerhaft.

    Eine Diskussion ist ein Austausch von Gedanken, bei dem immer die Gefahr besteht, dass man überzeugt wird.

    Hans Moser

  • Ja denooch stört es im Gesamtbild. Und Geschmäcker gibts viele unterschiedliche. Aber ich kriege überall mit dass die meisten Leute die "schöne" alte Architektur bevorzugen.

    Und früher hat man das sicher anders gesehen, gerade weil es auch nichts anderes gab. Und als es andere Standarts gab - da hat man mit verwinkelt und alt auch eher mit schlechter Hygiene, Schimmel usw. in Verbindung gebracht als mit "Romantisch" und "Hübsch". Das fällt heute in den meisten Fällen weg.


    Ist gegenüber der spree dann nichts mehr? Eine Brücke oder so? Oder eine Wiese? Irgendwer wird schon drauf blicken dürfen/müssen. Aber ja, immerhin ist es nicht die Hauptfassade.

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    André Gide

  • Ja, durch Brücken sind beide Seiten miteinander verbunden.


    Ich stelle gerade fest, früher haben hier doch Menschen gewohnt. Auf der "Rückseite" des Schlosses befand sich das Heilig-Geist-Viertel, das im 2. Weltkrieg zerstört und dann abgerissen wurde. In den 1970er Jahren entstand hier das Marx-Engels-Forum, eine Grünanlage mit Bronzeplastiken verdienter Menschen, darunter eben auch Marx und Engels. Über den Wiederaufbau des Viertels wird offenbar noch diskutiert. Dahinter wiederum befindet sich der Alexanderplatz mit dem Fernsehturm.


    Wenn ich mal dahinkomme, mache ich gerne Fotos, wenn's gewünscht wird. Einige wenige habe ich zwar schon gemacht, aber vom Schloss war da noch nicht viel zu sehen.

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    Hans Moser