30 Jahre Mauerfall - 9.11.89

  • Am 9.11. liegt es genau 30 Jahre zurück, als die Mauer fiel

    Was für eine lange Zeit - einen aufregenden Zeitraum vom November 89 bis zum 3.Oktober 1990 - den ich nicht missen möchte.

    Die Langzeitwirkung aber um so erschreckender - die Spaltung ist tiefer geworden und das liegt in erster Linie am Westen.

    Und zahlreiche SED-Mitglieder sind heute wieder im Amt und auf verantwortungsvollen Posten.

    Eine Republik unter der Führung von SED und Westlinken ist entstanden.


    Darum meine Frage:

    Feiern wir in diesem Jahr 30 Jahre Mauerfall oder 70 Jahre DDR?

    Allseitiger Unbeliebtheit erfreuen sich Deutsche, die über ein Gedächtnis verfügen und Geschichtskenntnisse besitzen.


    © Wilhelm Schwöbel (1920 - 2008), deutscher Zoologe und Aphoristiker

    Edited once, last by Bruno ().

  • Wenn das ein Gemälde wäre, hätte ich jetzt gesagt: Ein echter Bruno. :thumbup:


    Da die DDR nicht mehr existiert, könnte man bestenfalls die Gründung vor 70 Jahren begehen. Und Egon Krenz wird dann sicher eine Schweigeminute einlegen. 8o


    Denn auch wenn der eine oder andere Genosse heute in Gesamtdeutschland in Amt und Würden sitzt - mit der DDR habe sie nichts mehr am Hut. Die, die damals das Sagen hatten, waren so alt, dass sie ohnehin nur noch als Sprecher im Seniorenheim geeignet gewesen wären. :S Es muss irgendwann im März 1989 gewesen sein, als das jüngste Politbüromitglied verstarb. Er war 60 Jahre alt.


    Gregor Gysi, damals 41, wurde also zum Hoffnungsträger der SED. Für die Linke war er letztlich wegen seines rhetorischen Talents ein Glücksfall. Man sieht ja, wo es mit denen ohne ihn und Bisky hingeht.


    Als Berliner habe ich natürlich genau wie du hautnah Geschichte miterlebt. Überall Trabbis, Menschen und Freude. Nur am 22. November war es ruhig, damals Buß- und Bettag. Über Verkehrsfunk wurde verbreitet, dass an dem Tag nirgendwo Begrüßungsgeld ausgezahlt würde.


    Dafür durften wir an jenem Tag zum ersten Mal in die DDR. Der Fernsehturm auf dem Alexanderplatz blieb mir allerdings verborgen. Der in der Nacht gefallene und schnell schmelzende Schnee ließ Nebel aufkommen.


    Als am 22. Dezember am Brandenburger Tor ein Grenzübergang eröffnet wurde, war ich dabei. :)


    Ich persönlich empfinde keine Spaltung. Schon damals, wegen der überfüllten Züge zum Laufen gezwungen, entdeckte für mich die Leidenschaft es Laufens und des Wanderns. Ich war schon so ziemlich in jeder Ecke Berlins und des Umlands. Komme ich irgendwo hin, ist es mir dort meistens schon vertraut, und ich fühle mich zu Hause. Ich kenne Kollegen, die in West-Berlin nur ihren Arbeitsplatz und den Weg dorthin kennen. Sehr schade!


    Auch mein Freundeskreis ist gut gemischt. So manch einer ist auch "grenzübergreifend" umgezogen. Ich freue mich immer, wenn junge Leute nicht wissen, in welcher Ex-Hälfte sie sich gerade befinden.


    Wir müssen die Mauer in den Köpfen selbst einreißen, das kann die Politik nicht für uns tun. Meine Kopfmauer ist nur noch Ruine. :):thumbup:

    Eine Diskussion ist ein Austausch von Gedanken, bei dem immer die Gefahr besteht, dass man überzeugt wird.

    Hans Moser

  • Ich selbst habe ab 10.11.89 das Begrüßungsgeld mit ausgezahlt - nach offiziellen Dienstschluß an diesem Freitag.

    Alle meine Kollegen hatten begeistert mitgemacht

    Diese Begeisterung aber schwand nach wenigen Tagen, weil niemand auf seinen Feierabend verzichten wollte.

    Unangenehm wurde es erst wieder ab dem 18.Dezember, wo Helmut Kohl in Dresden war.

    Meine linken Arbeitskollegen hatten gehofft, daß er dort gellend ausgepfiffen wurde

    Und die politischen Schweinereien von Gysi werden dir auch noch in Erinnerung sein. (Normannenstraße) , das sogenannte sowjetische Ehrenmal im Treptower Park.

    Das alles war sogar politisch hoch gefährlich und für meine Begriffe bewußt von der SED angezettelt.

    Allseitiger Unbeliebtheit erfreuen sich Deutsche, die über ein Gedächtnis verfügen und Geschichtskenntnisse besitzen.


    © Wilhelm Schwöbel (1920 - 2008), deutscher Zoologe und Aphoristiker