Kolorierung deutscher s/w Spielfilme

  • Technisch ist dies heutzutage kein Problem mehr. Ich habe z.B. viele Laurel & Hardy Filme gesehen die koloriert wurden. Bei deutschen Spielfilmen aus den Jahren 1929 – 1945 wurde das soweit in weiß noch nicht durchgeführt. Ich fände es eigentlich interessant Filmklassiker wie „Die Drei von der Tankstelle“ oder „Die Feuerzangenbowle“ einmal in Farbe zusehen.

  • Da bin ich völlig anderer Meinung. Einer der größten Reize (zumindest für mich) bei diesen alten Filmen ist es, daß sie sozusagen die Erfahrung einer 'Zeitreise' in eine völlig andere (Kino-)Welt vermitteln, und diese andere Welt ist eben in den allermeisten Fällen eine schwarz-weiße gewesen. Ich denke auch, daß die Regisseure /Kameramänner der damaligen Zeit die Filme eben auch so ausgelegt haben, daß sie in schwarz-weiß wirken können. Farbe dagegen verlangt eventuell andere Prioritäten, hat andere Gestaltungsmöglichkeiten, die dann aber auch wieder in Regie-Entscheidungen einfließen dürften. Und gerade die Laurel und Hardy-Filme fand ich koloriert ziemlich ihres Charmes beraubt...


    Ich gebe zu, daß da sicherlich auch Sehgewohnheiten eine Rolle spielen, insbesondere bei Stummfilmen, die man zuerst schwarz-weiß gesehen hat und die dann neu mit Virage restauriert worden sind. Ich kann mich immer noch nicht mit den orangenen "Nibelungen" anfreunden, und auch bei "Der müde Tod" oder "Scherben" dreh' ich die Farbe raus bei den neuen DVD-Fassungen... Andererseits ist die Viragierung bei einem Film wie "Caligari" dann doch ein absolutes Muss; aber da gehe ich dann eben davon aus, daß die Einfärbungen beim Dreh schon mit eingeplant worden sind als künstlerisches Element.


    Aber wie dem auch sei: ich möchte einen Film im Prinzip immer so sehen, wie er ursprünglich geplant war. Und deswegen geht für mich die "Tankstelle" in Farbe überhaupt nicht....

  • Über dieses Thema lässt sich ja vortrefflich streiten.

    Ich persönlich brauche keine Kolorierung. Ich meine aber, dass man diese nicht grundsätzlich ablehnen sollte. Schwarzweiß wird vom Menschen nicht als natürlich wahrgenommen. Man braucht nur in ein Museum zu gehen. Mir fällt spontan kein Werk in der Geschichte der Malerei, aus der Zeit vor der Erfindung der Fotografie, ein welches in Schwarzweiß gemalt ist. Alle Künstler versuchen die Farben möglichst originalgetreu wiederzugeben.

  • Technisch ist dies heutzutage kein Problem mehr. Ich habe z.B. viele Laurel & Hardy Filme gesehen die koloriert wurden. Bei deutschen Spielfilmen aus den Jahren 1929 – 1945 wurde das soweit in weiß noch nicht durchgeführt. Ich fände es eigentlich interessant Filmklassiker wie „Die Drei von der Tankstelle“ oder „Die Feuerzangenbowle“ einmal in Farbe zusehen.

    Ich stimme da @ Carry Klips zu und hoffe das wird nie passieren.

  • Brauch ich auch nicht. Der US- Film "San Francisco" mit Clark Gable wurde mal koloriert und dann zurückgezogen. Von "Maria Walewska" mit Greta Garbo gibt es auch so einen Versuch. Sowas kann gut gemacht sein, aber eben auch komplett künstlich wirken und völlig daneben gehen..

  • Als Spielerei und zusätzliche Option finde ich das mit der Colorierung ganz interessant und nett. Solange dann der colorierte Film das Original verdrängt bin ich dem sehr aufgeschlossen gegenüber eingestellt.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Grundsätzlich stimme ich Carry Klips, Mathias77 und ALEXA zu. Ich glaube auch, dass Farbgebung oder fehlende Farbgebung Teil des Gesamtkunstwerks ist und nicht verändert werden kann, ohne dem Gesamtkunstwerk auf irgendeine Weise zu schaden.


    Eine kleine Ausnahme möchte ich aber machen. In William K. Eversons "Klassiker des Horrorfilms" habe ich gelesen, dass der amerikanische Regisseur Rex Ingram (1892-1950) Farben, die alle nicht mehr erhalten sind, bewusst in das Filmbild eingebaut hat. Wenn man die durch so eine Nachcolorierung wiederherstellen könnte, wäre das natürlich ein Gewinn für die Filme. Leider weiß niemand mehr, wie diese Farben ausgesehen haben - weswegen viele seine Filme langweilig finden, eben weil die ursprüngliche Bildgestaltung verlorengegangen ist.

  • Selbst eine "Restaurierung" kann den "Originalfilm" für mich in Mitleidenschaft ziehen. Das betrifft nicht nur die Filme der 30er bis 50er Jahre, sondern auch nachträgliche Synchonisierungen..Einerseits ist das natürlich subjektiv, aber andererseits sollte das Werk immer der jeweiligen Dekade gerecht werden...

  • Wenn es colorierte Fassungen gibt will ich aber schon gerne mal rein schauen. So neugierig bin ich schon, wie die Wirkung ist - ggf. würde ich den Film sogar ganz schauen. Nur wie gesagt - das Original soll unangetastet bleiben. Nachdem in den 90er Jahren "Krieg der Sterne" überarbeitet wurde, kam man auch kaum noch an die originalen Filme der 70er und 80er Jahre. Ich glaube das hat sich inzwischen wieder geändert. Aber sowas wäre schlimm als Folge einer Colorierung.

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    André Gide

  • Mathias77 Das sehe ich genauso. Ich mag es auch nicht, wenn Filme überrestauriert werden. (Ich nehme an, dass das das ist, was du meinst.) Aber leider gibt es viele, die das anders sehen. Ich habe so eine Aussage mal im Forum goldensilents.com gemacht (Gibt's schon lang nicht mehr), und dort wurde mir vehement widersprochen. Die Filme hätten so "gut" auszusehen wie möglich, auch wenn das "besser" sei als bei ihrer Uraufführung.

  • Grundsätzlich stimme ich Carry Klips, Mathias77 und ALEXA zu. Ich glaube auch, dass Farbgebung oder fehlende Farbgebung Teil des Gesamtkunstwerks ist und nicht verändert werden kann, ohne dem Gesamtkunstwerk auf irgendeine Weise zu schaden.


    Eine kleine Ausnahme möchte ich aber machen. In William K. Eversons "Klassiker des Horrorfilms" habe ich gelesen, dass der amerikanische Regisseur Rex Ingram (1892-1950) Farben, die alle nicht mehr erhalten sind, bewusst in das Filmbild eingebaut hat. Wenn man die durch so eine Nachcolorierung wiederherstellen könnte, wäre das natürlich ein Gewinn für die Filme. Leider weiß niemand mehr, wie diese Farben ausgesehen haben - weswegen viele seine Filme langweilig finden, eben weil die ursprüngliche Bildgestaltung verlorengegangen ist.

    Das wäre ja auch in Ordnung , aber Schwarz-Weiss Filme auf Biegen und Brechen nachcolorieren ist ein Unding . Es verändert den Charakter des Filmes und damit entsteht ein " neuer " Film .

  • ...ist für mich auch bei TV-Serien zum Teil so. Zu "gut" gemeint oder so ähnlich. Die Restaurierung der "Sissi" Filme ist für mich auch ein Unding. Die Farben wirken auf mich total künstlich. Der Ton wurde dort zB auch komplett vermurkst. Das ist noch schlimmer. Versteh ich bist heute nicht, dass man das so veröffentlicht hat.. :rolleyes::rolleyes:

  • Ich habe so eine Aussage mal im Forum goldensilents.com gemacht (Gibt's schon lang nicht mehr), und dort wurde mir vehement widersprochen. Die Filme hätten so "gut" auszusehen wie möglich, auch wenn das "besser" sei als bei ihrer Uraufführung.

    Der Punkt ist eigentlich, daß vermutlich die Filme bei ihrer Uraufführung alle tatsächlich so aussahen wie ein heutzutage auf Celluloid neu gedrehter Film. Die wenigen Beispiele, in denen tatsächlich noch die Originalnegative der alten Filme in sehr guter Qualität vorliegen, machen das ganz klar. Beste Beispiele sind Fritz Langs "Spione" und Murnaus "Schloss Vogelöd", die beide spektakulär aussehen obwohl sie 90 Jahre alt sind. Da kann man auch nicht mehr ernsthaft etwas verbessern wollen.


    Allerdings sind das leider die Ausnahmen, und wenn man dann bei einer Restaurierung versucht, beispielsweise das Filmkorn zu reduzieren oder Kratzer etc. übermäßig zu beseitigen, dann entsteht leider der so häufig beklagte 'überrestaurierte Look'. Nur ist der dann ganz sicher nicht besser als bei der Uraufführung. Und von den grauslichen Versuchen, den Ton zu 'verbessern', unter denen so viele deutsche Filme der 30er Jahre leiden, will ich gar nicht erst wieder anfangen...

  • , dann entsteht leider der so häufig beklagte 'überrestaurierte Look'. Nur ist der dann ganz sicher nicht besser als bei der Uraufführung. Und von den grauslichen Versuchen, den Ton zu 'verbessern', unter denen so viele deutsche Filme der 30er Jahre leiden, will ich gar nicht erst wieder anfangen...

    Du sprichst mir aus der Seele. Das ist genau das Thema. Wobei ich mal sagen würde, dass das mit den DVD-Veröffentlichungen ca. 2008 insgesamt noch besser war (da kümmerten sich "Eingeweihte" um die Materie?) und dann zunehmend abgedriftet ist..

  • Würde ich nicht unbedingt sagen. Die tontechnisch wirklich schlimmen Sachen von BlackHill/Universum/Murnau Stiftung sind eigentlich alles DVDs aus den frühen 2000ern. Bei den neueren Veröffentlichungen war der Ton eigentlich immer zumindest ordentlich; dafür hat man dann allerdings häufiger mal einen optisch überrestaurierten Look (zum Beispiel die Filme in der Murnau-Jubiliäumsbox oder auch die TV-Ausstrahlung von "Quick").


    Aber im großen und ganzen kriegen sie's mittlerweile doch um einiges besser hin als vor 10 oder 15 Jahren. Ich habe keinerlei Einwände hinsichtlich der relativ neuen Veröffentlichungen von "Gold", "Walzerkrieg", "Münchhausen", "Immensee" und "Opfergang".

  • Vor ein paar Jahren, nach dem ich die colorierten Fassungen von den alten John-Wayne-Western (Lone-Star-Western 1933-1936) gesehen habe, habe ich mir auch mal die Frage gestellt, ob es eventuell eine gute Idee wäre, alte deutsche Filme zu colorieren, um das öffentliche Interesse an den Filmen zu verstärken. Manche Menschen fühlen sich ja auch durch Schwarz-Weiß-Filme abgeschreckt. Ich persönlich bin auch mit den Original-Schwarz-Weiß-Filmen sehr zufrieden. Filme, wie "Die Feuerzangenbowle" (1944) oder "Die drei von der Tankstelle" (1930) zu colorieren, würde denke ich nicht so viel bringen, da diese Filme auch heutzutage noch sehr bekannt sind und sich als Schwarz-Weiß-Klassiker gehalten haben.


    Eine Zeit lang habe ich mich auch mal zu dem Thema "Film-Colorierung informiert. Unbekanntere Filme zu colorieren, würde vielleicht das Interesse an den Filmen erhöhen, aber einen Film zu colorieren ist ein sehr zeitaufwändiger und teurer Prozess, der sich nur bei Filmen lohnt, die bereits bekannter sind. Aber selbst da zweifle ich daran, dass sich Colorierungen lohnen. Die Laurel und Hardy Filme stehen für viele Menschen stellvertretend für den Schwarz-Weiß-Film der damaligen Zeit und werden auch von vielen Menschen gerne in Schwarz-Weiß gesehen.


    Dies schließt natürlich nicht aus, dass durch Colorierungen noch ein bisher unerreichtes Publikum erreicht werden kann, aber in welchem Verhältnis dies zueinander steht, ist, jedenfalls für mich, schwer zu sagen

  • Brauch ich auch nicht. Der US- Film "San Francisco" mit Clark Gable wurde mal koloriert und dann zurückgezogen. Von "Maria Walewska" mit Greta Garbo gibt es auch so einen Versuch. Sowas kann gut gemacht sein, aber eben auch komplett künstlich wirken und völlig daneben gehen..

    Bei "Tarzan der Affenmensch" von 1932 wirkt es ganz gut - wegen der Tiere und der Landschaft

  • Ich fände es eigentlich interessant Filmklassiker wie „Die Drei von der Tankstelle“ oder „Die Feuerzangenbowle“ einmal in Farbe zusehen.

    Ja das würde ich absolut befürworten. Das wäre mal ein netter Anblick diese Klassiker in Farbe sehen zu können... In den USA werden schon viele alte historische Fotos und Filmaufnahmen nachcoloriert, und das recht gut und geschickt. z.B: diese Hitler-Doku wurde komplett coloriert. Mir gehts hier nur um die Technik der Einfärbung zu zeigen und nicht um den Inhalt!




    "Wer mit seinem Volk nicht Not und Tod teilen will,
    der ist nicht wert, dass er mit ihm lebe."

    (Jean Paul, 1763-1825, deutscher Schriftsteller)