Auf der Suche nach Angehörigen von Fritz Schulz

  • Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin ein Student aus Kassel, der schon seit langem Vorkriegsfilme und Schellackplatten sammelt. Ein besonderer Filmliebling von mir, von dem ich inzwischen auch drei Platten mit seinen Tonfilmschlagern habe, ist Fritz Schulz, geboren 1896 in Karlsbad, gestorben 1972 in Zürich. Inzwischen habe ich eine ganz beachtliche Schulz Sammlung. Er ist heute nahezu vergessen, allerdings unter Plattensammlern und Filmkennern durchaus noch ein Begriff, wenn auch die meisten seiner Filme nach wie vor als verschollen gelten. 1919 war er unter anderem in Oswalds "Anders als die anderen" zu sehen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere verließ er 1933 Deutschland, trat aber vereinzelt nach dem Krieg wieder in Nebenrollen auf. Über seinen Werdegang, seine kurzzeitige Inhaftierung im KZ und alles weitere, was man so herausfinden kann, weiß ich eigentlich recht detailliert bescheid. Ich suche nun schon seit Jahren nach irgendwelchen Nachkommen von Schulz, oder Leuten, die ihn noch persönlich kennengelernt haben. Verheiratet war er mit der Schauspielerin Gräfin Agnes Esterhazy. Leider war diese Familie nicht besonders hilfsbereit, bei der Suche. Daher wende ich mich nun an euch. Nach dem Krieg lebte Schulz übrigens zeitweilig in Porto Ronco in der Schweiz, wohl zur Pension bei einer Familie "von Mautner", zumindest habe ich einen Durchschlag eines Briefes, in dem Schulz 1962 ein Engagement in Zürich bestätigt wird, aus dem Porto Ronco als Wohnsitz hervorgeht. Ich würde mich über Infos freuen! LG Thomas

  • Wen suchst Du denn genau? Verwandte, Kinder, Freunde oder „nur“ Filmpartner? Weil - Darsteller der letzten TV-Serie hast Du sicher bereits durch, oder...? Sascha Hehn und so leben ja noch.


    Auf welchem Friedhof liegt er denn? Hat er ein Ehrengrab bzw. wer kümmert sich um das Grab?

  • Das ist eben das Problem, aus der Literatur kenne ich nur sein Todesdatum, weiß aber nicht, wo er begraben wurde, bzw. wer sich um das Grab kümmert. Solche Informationen sind auch nicht so leicht zu erhalten, zumindest wurde ich von den Stadtverwaltungen immer recht schroff abgewürgt, wenn ich mich nach Verwandten erkundigen wollte. Ob er Kinder hatte, weiß ich nicht, aber so ein Stammbaum läuft ja für gewöhnlich nicht nach dem Tod eines Menschen einfach ins Leere. In der Regel gibt es ja zumindest noch Cousinen, Nichten, Neffen etc. Ich befürchte, dass die Filmpartner der späten 60er und 70er Jahre wenig zu ihm zu sagen hätten, da er ja nur ein besserer Komparse in den Filmen war, daher habe ich diese Spur noch nicht verfolgt, aber von den alten Filmpartnern dürfte keiner mehr leben. Luise Rainer (Film: Sehnsucht 202) ist vor einigen Jahren gestorben und Petra Unkel, die 1932 in "Ja, treu ist die Soldatenliebe" mit ihm spielte (damals allerdings erst 7 Jahre alt), soll Gerüchten zufolge auch nicht mehr leben. Daher ist meine Suche breit gefächert, Nachbarn, Freunde, Verwandte etc. Vermutlich ist die Suche sinnlos, aber vielleicht stößt ja mal jemand zufällig auf diesen Beitrag, der ihn tatsächlich noch kannte.

  • Hättest du diese Anfrage 2011 gestellt, wäre ich höchstwahrscheinlich nach einer kurzen Suche mit wenigstens etwas Nützlichem auffindend hier in Antwort gekommen. So bleiben jedoch nur jene, die direkt etwas wissen oder sich persönlich an was erinnern. Ich denke, du wirst viel Geduld brauchen. Und nicht aufgeben. Es ist ja zu deinem Steckenpferd geworden.


    Der einzige Rat, den ich vor Augen habe, in der Tschechischen Republik herum zu forschen. Da er dort geboren wurde. Und andere um Rat zu fragen, die z.B. seine Autogrammkarten verkaufen.

    https://picclick.de/Fritz-Schu…togramm-333037518148.html


    (Für mich ist in der aktuellen gesperrten personalisierten Wahnphase nicht viel zu wollen)

    "Als Kind, wo mir sehr viel privat verboten wurde,

    durfte ich trotzdem weit mehr als ich heute mit über 40 Jahren darf."


    (Der Kunde ist nicht mehr König und dies ist nicht mehr meine Welt)

  • Ich möchte tatsächlich versuchen dieses Jahr nach Tschechien zu fahren, mit einem Freund, der tschechisch spricht. Karlsbad ist eine Station, vielleicht wird man im Stadtarchiv einpaar Dokumente einsehen können. Was wäre denn vor 2011 anders gewesen als jetzt? Insgesamt Forsche ich schon seit über 10 Jahren zu dem Thema, aber je mehr Jahre vergehen, desto schwieriger wird es natürich entsprechende Zeitzeugen zu finden.

  • Willkommen in unserem Forum und auf eine gute Zeit! Ich finde es wirklich bemerkenswert, dass es immer mehr junge Leute gibt die sich für das alte Film- und Musikerbe interessieren. Unser Nostalgie Fan gehört auch dazu und er forscht gerade auch sehr ausführlich, er hat als Steckenpferd die Kinder- und Jugenddarsteller des deutschen Films bis 1950.


    Ich selbst kann heir aktuell leider nicht helfen. Hätte ich in meiner Sammulng zu zu Fritz Schulz, hätte ich es mal irgendwo erwähnt, dann wärst Du schon auf den Beitrag gestoßen. Wenn ich mal was finde oder Tipps habe, gebe ich Bescheid!

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Was wäre denn vor 2011 anders gewesen als jetzt?

    Ich konnte damals bis weit in die Antike was finden, doch mittlerweile wurden viele Seiten gesperrt, in den Untergrund verlegt, blockiert und noch vieles mehr. Heute ist es ein Einheitsbrei. Nur noch für den was zu finden, der gar nix sucht.


    Nur ein kleines Beispiel von vielen Google Untümern. In eigenem Thema wäre das dann besser zu ordnen. Doch da du nachgefragt hast.


    Quote

    Allein die Tatsache, dass Google dafür ein Update definiert, lässt vermuten, wie stark Google die Anfrage des Suchenden bisher „gebeugt“ hat.


    https://www.omsag.de/online-ma…thmus-anderungen-im-marz/


    2012 gab es tatsächlich einen Weltuntergang (und der fand im Internet statt)

    "Als Kind, wo mir sehr viel privat verboten wurde,

    durfte ich trotzdem weit mehr als ich heute mit über 40 Jahren darf."


    (Der Kunde ist nicht mehr König und dies ist nicht mehr meine Welt)

  • Da ist es wohl besser direkt den Verlauf des Nachlsses nachzuvollziehen bzw. zu suchen (soweit noch vorhanden / oder ging der an eine Institution?).

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Gute Idee! Ich vermute mal nicht, dass er an eine Institution ging. Auch wenn Schulz in der Weimarer Zeit zweifelsfrei zu den beliebtesten Schauspielern zählte, war er ja nach dem Krieg schon zu Lebzeiten eigentlich vergessen. Aber da müsste ich mich vielleicht wirklich mal mit dem Nachlassgericht von Zürich in Verbindung setzen, wobei ich fast befürchte, dass die Akten schon aufgrund Verjährung geschreddert sind :-(

  • Fritz Schulz

    Willkommen im Forum! :)

    Freut mich sehr, dass Du Dich mit Deinem Anliegen an uns wendest


    Entschuldige, dass ich mich erst jetzt melde, aber ich war in den letzten Tagen verreist (ebenfalls für Nachforschungen zu Film-Persönlichkeiten) und war zeitlich leider sehr eingeschränkt.


    Ich forsche ja auch zu Film-Persönlichkeiten, wie Vogel Specht schon geschrieben hat, und nachdem ich bisher all Deine Beiträge hier im Thema durchgelesen habe, kann ich erst einmal nur sagen: Respekt vor Deiner Forschungstätigkeit! :)


    Der Schauspieler Fritz Schulz ist mir durchaus bekannt. Ich habe ihn vor einiger Zeit mal in dem Film "Die schwebende Jungfrau" (1931) gesehen, in dem er die Hauptrolle spielte.


    Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass sich Deine Suche nach weiteren Angehörigen von Fritz Schulz sowie weitere Nachforschungen zu Fritz Schulz auf jeden Fall lohnen werden. Ich kann Dir natürlich nicht versprechen, dass Du die Kinder von Fritz Schulz noch lebend antreffen wirst, aber falls diese jetzt, wie E.W.Emo gesagt hat, 90-100 Jahre alt wären, könnten sich weitere Nachforschungen auf jeden Fall noch lohnen. Ein Alter von 100 Jahren erreichen natürlich sehr wenige Menschen, aber 90 , 91, 92, 93 Jahre alt zu werden, ist heutzutage auf jeden Fall möglich. Außerdem bin ich mir sicher, dass auch die Enkel einiges zu Fritz Schulz erzählen könnten, was sie dann wahrscheinlich von ihren Eltern, den Kindern von Fritz Schulz erfahren haben.


    Angehörige von Filmschaffenden zu finden ist leider wirklich nicht immer so einfach. Ich habe da auch einige Schauspieler, bei denen sich das als gar nicht so einfach herausgestellt hat, aber möglich ist das auf jeden Fall. Es gibt ja auch einige Forscher, denen das schon gelungen ist, die einzelnen Vorgehensweisen sind mir da leider auch nicht bekannt, aber es gibt sicher viele Möglichkeiten.


    Dass Du hier im Forum ein Thema zu der Suche nach Angehörigen von Fritz Schulz eröffnet hast, ist auf jeden Fall sehr wertvoll. Es ist nämlich durchaus schon öfter vorgekommen, dass Angehörige der Schauspieler die Beiträge im Forum entdeckt haben und sich über das Forum gemeldet haben, wie z.B in diesem Thema: Das Ferienkind (D,1943) mit Hans Moser


    Falls ich im Rahmen meiner Nachforschungen auch auf Material zu Fritz Schulz stoße (beispielsweise bei der Recherche in Film-Zeitungen, oder in den Akten des Bundesarchivs, wenn ich mal wieder in Berlin bin), melde ich mich bei Dir


    Viel Erfolg!

  • Ob er Kinder hatte, weiß ich nicht, aber so ein Stammbaum läuft ja für gewöhnlich nicht nach dem Tod eines Menschen einfach ins Leere.

    Warum hat die Esterhazy-Familie denn abgeblockt bzw. waren nicht hilfreich? Sie haben doch bestimmt noch das meiste Material aus der Zeit oder nicht? Wenn die Oma Schauspielerin war, sowas hebt man doch auf. Wobei - damit geht ja jeder anders um. „Meine“ erforschte Fritsch-Familie hatte auch nicht soviel aufgehoben bzw. das meiste an Archive gegeben.


    Ich würde an Deiner Stelle, Fritz Schulz , tatsächlich intensiver im Bundesarchiv und eben rund um Buchenwald forschen. Gerade die Nazis haben doch jeden Krümel dokumentiert, da müsste man doch fündig werden?

  • Warum hat die Esterhazy-Familie denn abgeblockt bzw. waren nicht hilfreich? Sie haben doch bestimmt noch das meiste Material aus der Zeit oder nicht? Wenn die Oma Schauspielerin war, sowas hebt man doch auf

    Naja, erstmal war es nicht so einfach herauszufinden, welchem Zweig dieses Adelsgeschlechtes Agnes Esterhazy angehörte, also fing ich an Briefe zu schreiben, an alle Esterhazys, die ich durch Internet und Telefonbuchrecherche ausfindig machen konnte. Die meisten antworteten nicht, also ging ich dazu über auch direkt telefonisch zu "nerven", man muss ja leider manchmal aufdringlich sein. Meistens landete ich telefonisch nur in irgendeinem Vorzimmer und wurde garnicht erst mit dem ach so wichtigen Fürsten verbunden. Nur zu einer Dame bin ich dann doch vorgedrungen, schilderte ihr höflich und kurz mein Anliegen, woraufhin sie mit unhöflicher Intonation "In unserer Familie gibts keine Schauspieler!" sagte und bevor ich was erwidern konnte, auflegte... Danach hab ich mir gedacht, mit dieser bornierten Familie will ich nichts mehr zu tun haben...

    Der Schauspieler Fritz Schulz ist mir durchaus bekannt. Ich habe ihn vor einiger Zeit mal in dem Film "Die schwebende Jungfrau" (1931) gesehen, in dem er die Hauptrolle spielte.

    Erstmal danke für die ermutigenden Worte :-) "Die schwebende Jungfrau" kenne ich natürlich auch und das ist auch einer meiner Lieblingsfilme mit Schulz, zumal ja auch Szöke Szakall mitspielt, irgendwie zumindest optisch der Heinz Erhardt der Weimarer Zeit :-D Neulich hab ich sogar die originalen Orchesternoten des Filmschlagers "Einbisschen Mondschein, einbisschen Liebe", wird demnächst auch ins Repertoire meiner kleinen 20er Jahre Tanzkapelle aufgenommen ;-) Bitte halt mich auf dem Laufenden, wenn du interessante Neuigkeiten zu Schulz hast, ich bin über jede Hilfe dankbar :-)

  • Das sie sich 1936 scheiden ließen, wusste ich noch nicht. Woher hast du die Information?

    Von Agnes Esterhazy. In einem Interview im September 1936 plauderte sie über Pointen:

    „Aber die allerbeste ist wohl die, daß mir der Kobold Zufall meinen ehemaligen Gatten Fritz Schulz, ohne daß wir beide davon wußten, in die Nachbargarderobe geweht hat."

  • Danke für die Information, das Interview kenne ich garnicht. Stammt es aus einer Filmzeitschrift?

    Aus "Neues Wiener Journal" vom Sonntag, 27. September 1936.


    Künstlerinnen halb privat: Wiener Lieblinge in der Theatergarderobe


    Agnes Esterhazy


    Es ist etwas eigenes um Künstlergarderoben. Sie vermitteln einen Hauch jener Persönlichkeiten, die zwischen ihren Wänden Freud und Leid, Zagen und Jubel des Theaterdaseins erlebt haben. In dieser undefinierbaren Atmosphäre von Puder und Schminke liegt ein seltsamer Zauber, der auch den Fremden gefangennimmt und ihn so manches Theaterschicksal Miterleben läßt. Wie sehen sie aus, diese zehnmal geheiligten Räume, die für jeden Star die Eintrittspforte zu den weltbedeutenden Brettern bilden?


    Zarah Leander ...


    Maria Eis ...


    Rosette Anday ...


    Sprühendes Temperament: Agnes Esterhazy.


    In der Scala herrscht ein frischer Luftzug, der, ein Kavalier, der weiß was sich gehört, eine lustige, temperamentvolle Dame bis zu ihrer Garderobetür begleitet. Die hochgewachsene, schlanke Schauspielerin Agnes Esterhazy, die da lachend herein ­wirbelt, um sich für den nächsten Akt umzuziehen, ist von ihrer Garderobe ungemein entzückt. Während sie die schimmernden Brillantreifen über ihre Arme streift — der „Aberglaube" gebietet, daß man den echten Schmuck auf die Bühne mitnimmt, und die Imitationen aus dem Schminktisch verbleiben —, erzählt sie von den heiteren Dialogen, die sich da von Zwischentür zu Zwischentür entspinnen, und bei denen ihre Kollegen das große Wort führen. „Glauben Sie mir, so gute Pointen kommen in keinem Stück vor!" versichert sie strahlend. „Aber die allerbeste ist wohl die, daß mir der Kobold Zufall meinen ehemaligen Gatten Fritz Schulz, ohne daß wir beide davon wußten, in die Nachbargarderobe geweht hat."

  • Kleine Anmerkung noch zum eventuellen Nachlass. Wenn der sich im Besitz von Personen befindet, mit denen Du schon Kontakt hattest und die kein sonderliches Interesse an Fritz Schulz haben, wäre das doppelt gut. Dann sind sie (soweit sie es noch haben) die Sachen schnell los und freuen sich noch was dran verdienen zu können - und Du hast unter Umständen die einmalige Möglichkeit den Nachlass zu erhalten. Wobei natürlich die Gefahr besteht, dass der Nachlass dann sowieso schon längst "weg" ist, wenn es bei den Personen kein Interesse gab in Bezug auf Fritz Schulz.


    In München habe ich mal einen kleinen Teil des Nachlasses des Regisseus Franz Josef Gottlieb erworben (der Großteil ging leider andere Wege). Die Händlerin hat berichtet, dass sie es von einem Nachbarn erworben hat. Der hat beobachtet, wie die Geliebte des Regisseurs, nachdem er verstorben war, das alles einfach in den Müllcontainer geschmissen hat.... :-(

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide