Schellackplatten und dazugehörige Abspielgeräte

  • Ist von Euch jemand Schellacksammler? Ich würde mich gerne mit dem Thema ein wenig beschäftigen. Ein paar Schellackplatten habe ich sogar hier (zum Zwecke des Weiterverkaufs).


    Mich reizt das Thema.


    Gibt es moderne Abspielgeräte die für alte Schellackplatten ausgerichtet sind oder muss man originale Stücke der Zeit erwerben (am besten reparierte und gewartete)? Wenn es neue Geräte gibtwäre es natürlich ideal, wenn sie die entsprechenden Anschlüsse haben um die Sachen dann auch digitalisieren zu können.


    Aber normale Plattenspieler spielen Schellack nicht ab, soweit ich weiss. Das ist ja korrekt oder?


    Ich würde das Thema insofern gerne vertiefen:


    - Handel mit den Platten (auch hier im kommenden Shop, das passt ja thematisch sehr gut)

    - In der Artikel-Rubrik könnte man bei den Rezensionen auch Schellack-Platten "besprechen"


    Dieser Themenbereich ist ja sicher ein eigenes Universum, da muss es ja unendlich viel Material geben, alte Aufnahmen, Raritäten, schöne Klassiker usw.


    Ich freue mich über Rückmeldungen!

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Hier wird alles gut erklärt:



    Also wenn ich mal Geld übrig habe und Platz auf den Nebenschreibtisch geschafft habe, werde ich mich ggf. mal um das Thema kümmern :)


    Wir hatten jedenfalls beide Recht: 2 Punkte sind wichtig:


    - 78 Umdrehungen
    - Die passende Nadel

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    André Gide

  • Genau! Ich habe einige Schellackplatten und auch ein Grammophon. Um Schellackplatten auf einem normalen ( elektrischen) Plattenspieler abspielen zu können, muss der erstmal 78 upm können ( nur ältere Modelle können das, bei den ganz neuen weiß ich es nicht), und man braucht eine spezielle Nadel, denn die modernen Platten haben eine sogenannte "Mikrorille", die nur mit entsprechenden Nadeln abspielbar ist. Schellackplatten haben keine Mikrorille und benötigen daher eine Art Stift zum abspielen.

  • Ich glaube wenn ich mir entsprechende Technik zulege werde ich eine eher kleineren Fachhändler kontaktieren, der sich damit auch auskennt und mich im Zweifel etwas beraten kann, damit ich auch wirklich die richtigen Nadeln am Ende benutze.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Lidl verkauft exklusiv online einen USB-Plattenspieler mit 33/45/78 upm, mit dem man Schallplatten digitalisieren kann. Ob das Teil etwas taugt, weiß ich nicht:


    Zum Draufschauen


    Eventuell gibt's noch mehr. Der teuerste in der oberen Reihe von Conrad kann allerdings keine 78.

    Das Ding läuft zwar bei 78 UpM, aber es gibt keine Nadel für Schellackplatten. Schellackplatten haben Normalrille, für die benötigt man eine Nadel mit 75 µm Spitzenverrundung.


    Für Platten mit Microrille Singles / LPs ist das Ding aber auch nicht besonders geeignet, da das Gerät ein Keramiksystem hat.

  • Ich glaube wenn ich mir entsprechende Technik zulege werde ich eine eher kleineren Fachhändler kontaktieren, der sich damit auch auskennt und mich im Zweifel etwas beraten kann, damit ich auch wirklich die richtigen Nadeln am Ende benutze.

    Schellackplatten haben Normalrille. Für das Abspielen mit dem Schallplattenspieler benötigt man eine Nadel mit 75 µm Spitzenverrundung. Um es aber komplizierter zu machen muss man wissen, das es früher keine Norm gab. Eine Nadel mit 75 µm Spitzenverrundung passt für fast alle Platten ab ca. 1935. Für die Zeit davor benötigt man gegebenenfalls dickere Nadeln. Für Platten aus der Kaiserzeit sollte man eine zweite Nadel mit ca. 95 µm Spitzenverrundung haben. Die zwei genügen in der Regel für normale Ansprüche.


    Spezalisten haben verschiedene Nadeln mit 75 µm bis 120 µm Spitzenverrundung. Um es dann noch zu steigern gibt es Nadeln mit elliptischen und sphärischem Schliff. Diamantnadeln und Safirnadeln. Für jeden Spezialfall das Richtige um auch das letzte aus der Rille zu holen. Da ist man dann aber schnell im Profistudio-Bereich und ein Vermögen los.


    Gute, für normal Ansprüche genügende 75 µm Nadeln gibt es ab ca. 20 Euro; mit 95 µm ab ca. 35 Euro

  • Zu den Abspielgeräten:


    Wer es nostalgisch mag kauft sich einen einen Dual- oder Thorensplattenspieler von Ende der 1970er Jahre. Da gibt es damals sehr gute und teure Geräte zu einem heute kleinen Preis. Z.B. Dual 1219

    Wer aber kein 40 Jahre altes Gerät möchte sei der Audio-Technika-LP 120 empfolen. Da bekommt man ein sehr gutes Gerät mit den heutigen Stand der Technik zu einem Optimalen Preis-Leistungsverhältnis.

  • Was vielleicht noch zu ergänzen wäre: Schellackplatten entsprechen nicht der RIAA-Norm. Bei der Wiedergabe ist darauf zu achten, dass der Schallplattenspieler nicht an den Phonoeingang des Verstärkers angeschlossen ist, sondern an den Mikrophoneingang oder Line-In-Eingang. Die Aufnahmen werden sonst verzerrt wiedegegeben. (Man hört die Musik schon "normal", aber die Bässe sind sehr kräftig)

  • . Schellackplatten haben keine Mikrorille und benötigen daher eine Art Stift zum abspielen.

    Das waren etwas dickere Stahstifte, die Saphirstifte konnten die Schellackplatten nimmer gescheit abspielen, die waren einfach zu fein. Allerdings war bei Schellackplatten die Gefahr einen "Sprung" durch einen wegrutschenden Abspielarm zu erzielen, wesentlich geringer, da hier die Rillen grober und tiefer waren.

  • Bei Facebook habe ich gerade gelesen, dass jemand für 211 EUR 2000 Schellackplatten erworben hat. Also für Sammler und Händler lassen sich da einige Schnäppchen machen.


    Ein Kommentator bei Facebook: "wenn ich mit 2000 schellacks ankomme..darf ich in der garage wohnen..sagte meine frau grad.."


    Aber bei diesen Mengen, die man sicher nur für Selbstabholer anbieten kann, darf man auch wirklich keine großen Preise erwarten. Händler kaufen sich damit in erster Linie auch erstmal nur Lagerkosten und Arbeit ein.

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    André Gide

  • In Indien sind Grammophone in den Regionen ohne Strom noch immer in Gebrauch - ein sehr interessanter Beitrag!


    Video: Der letzte Grammophon-Mechaniker

    Quote

    04.02.20 | 01:39 Min. | Verfügbar bis 04.02.2021

    Grammophone haben längst ausgedient? Nicht in Indien, wo es in vielen Regionen keinen Strom gibt. Rais Ahmad in Old Dehli ist Grammophon-Mechaniker, der letzte seiner Zunft.


    https://www.daserste.de/inform…mophonreparateur-100.html

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Wie konnte es mir nur entgehen, dass wir einen Schellack-Thread haben?????


    Ich habe im letzten Jahr angefangen zu sammeln. Meine erste Schellackplatte habe ich mir gekauft, da hatte ich noch gar keinen Plattenspieler! Ich wollte sie nur "aus sentimentalen Gründen" (die letzte Platte der Original-Comedian Harmonists).


    Tja, famous last words :D.


    Mittlerweile habe ich zwei Plattenspieler, beides Dual aus den späten 60ern, einer davon ein Kofferplattenspieler mit eingebautem Lautsprecher, der andere ein Komplettsystem mit Verstärker und Lautsprechern. Erstaunlicherweise klingen die Schellacks, besonders die älteren, auf dem schlichten Kofferplattenspieler besser, und zwar weil das Auflagegewicht des Tonarms höher ist. Der Tonarm ist nämlich aus Metall. Beim anderen, etwas jüngeren Dreher, kann man das Auflagegewicht verstellen - für Schellacks hoch, für Vinyl niedrig. Aber trotzdem klingt der Kofferplattenspieler besser!


    Es gibt sehr viele Plattenspieler zu kaufen (neu oder alt) die 78 rpm "können", aber das Problem ist die Nadel, bzw. der Tonabnehmer. Bei Dual kann man sich sicher sein, dass man immer passende Nadeln und Tonabnehmer findet. Idealerweise eine Wendenadel für Schellack und Vinyl.


    Ich sammle nicht nur CH-Schellacks (das wäre mir zu teuer) sondern generell Platten aus der Zeit von ca. 1926 bis 1940, hauptsächlich deutsche Vokalgruppen, Sänger und Tanzorchester. Ältere behalte ich aber auch, wenn ich in einem Konvolut auf sie stoße, einfach aus historischem Interesse. Jüngere nur bei interessanten Interpreten. Es gibt sehr viel Klassik, zum Teil Aufnahmen mit berühmten Komponisten und Dirigenten, die behalte ich auch, denn ich finde eine solche Aufnahme auf dem Originalmedium der damaligen Zeit, ist nochmal eine ganz andere Sache als eine CD!!


    Wie jeder Schellack-Sammler ertrinke ich in Volksmusik, Schlager, Trink- und Stimmungsliedern, und Klassik die keiner will. Für die 50er Jahre Schlager gibt es zum Glück auch Abnehmer, wegwerfen bringe ich nicht übers Herz.


    Ich kaufe noch immer gern günstige Konvolute, darin findet man zum Teil interessante Dinge. Interessant im Sinne von Kurios oder Faszinierend, nicht "wertvoll". Das kommt eher selten vor :D. Ich fand neulich eine in D vollkommen unbekannte Scheibe eines englischen Sängers, der darin eine Fliegerpionierin besingt, und diese Platte begann mit einem Flugzeugmotorengeräusch! Ich dachte zunächst, die Platte hätte einen extremen "rough start" (so nennt man das extreme Rauschen am Anfang bei vielen Platten - hat was mit der Grammophonnadel zu tun) - dann wurde mir klar, dass es sich um special effects handelte! Unglaublich für 1930!


    Ich finde dass ich einige echte Schätzchen in meiner Sammlung habe, ohne Unsummen ausgegeben zu haben.


    Hier:

    kann man sich durch meine Sammlung durchhören (das ist aber noch lange nicht alles, ich habe einen backlog von circa 100 Liedern oder so.... - ohne den Ausschuß, also Volksmusik und 50er Jahre Schlager).


    Einer meiner großen Favoriten ist der "Schöne Gigolo" in der Version von Dajos Bela mit Gesang von Alfred Strauß. Super traurig und sentimental!


    Ich finde es auch super interessant, was man über die Sänger und Orchester herausfindet wenn man ein wenig über sie nachliest. So viele interessante und oft auch tragische Biografien (zeitbedingt....).

  • Echt? Erst jetzt? Wahnsinn? Kanntest du Günther Schifter?



    Hau bitte die Platten raus solange es geht , du bist ja eine Expertin bzgl. des 2. Weltkrieges und der ganz bösen NS-Propagandastreifen...mit meinen paar armseligen Schellacks, kann ich da gerade nicht mithalten..:):(;)

    Wuthe.. Kennst du den noch?


    https://www.swingtime.de/dj_wuthe/dj_wt_dt.html

    "Alkohol in Maßen genossen, schadet auch in größeren Mengen nicht"


    Anderl Heckmair (1906-2005), deutscher Bergführer und Alpinist

  • Nein, Günther Schifter sagt mir nichts - ich sammle ja erst seit letztem Jahr.

    Stefan Wuthe ist auf verschiedenen Facebook-Gruppen sehr aktiv.


    Eigentlich sammle ich ausschließlich deutsch-sprachige Schellacks (wobei ich auch bestimmte ungarische und rumänische Platten suche aber da werde ich wohl noch sehr lange suchen), aber manchmal mache ich auch 'ne Ausnahme. Über Jack Cathcart, einen amerikanischen Swing-Musiker der 1948 bei den Comedian Harmonists dabei war, bin ich zu Artie Shaw gekommen (Cathcart spielte zeitweise in Artie Shaws Band). Hier ist meine kleine Artie-Shaw-Collection:

    Was hast Du denn für Platten?