Onkel Remus' Wunderland (USA, 1946)

  • Kennt Ihr den Film "Onkel Remu's Wunderland" von 1946? Er ist aus dem Jahr 1946 und ist ein Realfilm, jedoch kombiniert mit Zeichentricksequenzen. Schon 1946 wie bei "Marry Poppins" oder "Meister Eder und sein Pumuckl.


    Der Film läuft bei mir gerade im VHS-Spieler.


    Interessant: Der Film ist bisher nicht auf DVD und Blu-ray veröffentlicht worden, wegen angeblichen Rassismus. Ich hab den Film hier nur nebenher stumm laufen und kann dazu nichts sagen. Wisst Ihr näheres? Hierzulande lief er 2001 letztmals im TV. Und es gab eine VHS-veröffentlichung.

    Hier wird das Thema angesprochen, aber ohne dabei konkret zu werden. [Bearbeitet: Ich habe mal kurz rein geschaut und scheinbar geht es nicht um konkrete Ausdrücke, sondern darum, dass der Film auf einer Plantage spielt in der Nach-Sklaven-Ära und sich die Rollenbilder noch nicht geändert haben.]


    Der Film bekam in den 1940ern zwei Oscars.


    Hier ein Ausschnitt daraus bei YouTube:



    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

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  • Vogel Specht

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  • Den Film hab ich zuletzt als Kind gesehen. Schon krass dieser Rassismusvorwurf, v.a. wenn es eine Ausstrahlung oder Veröffentlichung verhindert. Das war mir neu. Mit "Mary Poppins" würde ich persönlich den Film nicht vergleichen.

    "Alkohol in Maßen genossen, schadet auch in größeren Mengen nicht"


    Anderl Heckmair (1906-2005), deutscher Bergführer und Alpinist

  • Also daran habe ich jetzt wirklich nicht gedacht und würde da auch keine Verbindungen herstellen. Ist das der einzige Grund warum Dich der Film nicht so interessiert? Ist vielleicht auch einfach so eine Gefühlssache - wenn man intuitiv den Eindruck hat, dass das nichts für mich ist.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Sehr interessant. Von dem Film habe ich bisher noch nie etwas gehört. Aber sehr interessant, diese Kombination von Zeichentrick und Real-Film, übrigens auch gut gezeichnet und hervorragend aufeinander abgestimmt.


    Was an dem Film rassistisch sein soll, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Immerhin spielen hellhäutige und dunkelhäutige Kinder miteinander, was zur damaligen Zeit sicher nicht in allen Teilen der US-Amerikanischen Gesellschaft der Fall war. Ob das nun seiner Zeit voraus war oder nicht kann ich nicht sicher sagen. Aber es gab auch schon vorher Filme, in denen Kinder unterschiedlicher Hautfarbe befreundet waren, wie z.B in dem Film "The Biscuit Eater" (1940)

  • Das Rassistische ist wohl, dass dort ein Rollenbild gezeichnet wird, wie es zur Sklaverei noch galt, obwohl es nach der Sklaverei-Zeit spielt (und da war ja das Rollenbild schon noch lange so, wie im Film auf den Plantagen usw.). Ich habe den Film noch nicht ganz gesehen, kann aber schon nachvollziehen, dass Disney damit ein Problem hat.
    Es ist wohl halt ein Vorgesetzte/Untergebenen-Rollenbild, dass es auch bei Weiß/Weißen (Vorgesetzter/Untergebener) so gab und im Berufsleben in abgeschwächter Form noch gibt. Nur ist die Unterwürfigkeit (wenn Onkel Remus z.B. "geschimpft" wird und er währenddessen die ganze Zeit auf den Boden schaut) das, was in dem Film noch sehr ausgerpägt gezeigt wird. Aber ich glabue der Fim spielt eben auch noch im späten 19. Jahrhundert und da war es wohl noch so (sicher auch noch in den 20er/30er Jahren auf manchen Plantagen und Herrenhäusern).
    Von daher würde ich es als Bild seiner Zeit sehen und es den Kindern auch so vermitteln. Genauso wie ich viele Kinderfilme mit meinen Kindern sehe, wo die Kinder eine Ohrfeige kriegen - was heute hierzulande verboten ist und was ich von mir aus nie machen würde, aber das gibt es / gab es, und das zu lernen und zu verstehen ist doch das Ziel, nicht das "weglassen" und "totschweigen".

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Ich hab mich zu dem Film nochmals informiert, also Rassistisches kann ich darin jetzt nicht sehen. Es ist schon klar, dass man heute und nachträglich da was anderes hineininterpretieren kann, wenn man das möchte. Für mich stellt sich eher die Frage, wie man den Film wieder von dem, wie ich finde, unberechtigten Rassismusvorwurf befreien kann...

    "Alkohol in Maßen genossen, schadet auch in größeren Mengen nicht"


    Anderl Heckmair (1906-2005), deutscher Bergführer und Alpinist

  • In den USA gibt es im Moment große Umbrüche, gerade was Politische Korrektheit usw. angeht. Selbst große Teile der schwarzen Gemeinschaft wenden sich vom Linken Mainstream ab (viele Nutzen für das Thema den Hashtag "#walkaway" ), ich denke, dass solche Entwicklungen auch auf die Art und Weise wie man mit diesen Film umgeht, Auswirkungen haben wird. Man kann sich die Welt ja schließlich nicht so zurecht wünschen, wie sie nicht ist und nie werden kann (bzw. in dem Fall, da es ein historischer Stoff ist: man kann sich die Vergangenheit nicht so zurecht wünschen, wie sie nicht war).


    Den Film habe ich aber noch nicht gesehen, deswegen kann ich dazu keine Meinung haben. Es sind halt wohl klassische Rollenbilder aus der Zeit in dem der Film spielt. Die hat es zu der Zeit gegeben und dass es das gab und damit umgehen zu lernen, das ist das, was angestrebt werden sollte, nicht das ausblenden dieser historischen Fakten - meiner Meinung nach. Nicht zuletzt ist ja ein schwarzer Symphathieträger Held des Films.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide