Ossi Oswalda (1898-1947)

  • Vorhin ist die Postkarte von Ossi Oswalda angekommen <3 Es ist eine jener Karten, wo ein Filmstar sich für einen vorher erhaltenen Gruß bedankt. Wer dieser Herr König war, wird sich nur schwer herausfinden lassen. Die konkreten Filmpläne könnten aber ein Hinweis auf den Zeitpunkt des Versands liefern. Projekte in Wien hatte sie ja vor allem Ende der 20er Jahre.

  • Vorhin ist die Postkarte von Ossi Oswalda angekommen <3 Es ist eine jener Karten, wo ein Filmstar sich für einen vorher erhaltenen Gruß bedankt. Wer dieser Herr König war, wird sich nur schwer herausfinden lassen. Die konkreten Filmpläne könnten aber ein Hinweis auf den Zeitpunkt des Versands liefern. Projekte in Wien hatte sie ja vor allem Ende der 20er Jahre.

    Möglicherweise war es ein Herr Hönig, wenn man sich das H von "Herr" ansieht.

  • Ossi Oswalda hat jetzt auch einen Platz an meiner Wand gefunden :)

    Ich habe das Foto jetzt auch einmal kunsthistorisch recherchiert und analysiert. Hochspannend, was ich herausgefunden habe. Es war tatsächlich nicht einfach, weil diese Form von Werbung in diesem Format zu jener Zeit noch in den Anfängen steckte und somit sehr selten gemacht wurde. Zudem wurden die meisten Fotos anschließend entsorgt, weshalb sie nur entsprechend vereinzelt erhalten sind.


    Das Foto ist tatsächlich um 1925 bis 1927 entstanden und ist Ausdruck des Optimismus der damaligen Zeit. Ossi Oswalda wird in sachlicher, klarer Inszenierung gezeigt, was typisch für den Stil der "Neuen Sachlichkeit" der 1920er Jahre war. Die nüchterne Beleuchtung und die funktionale Komposition ohne überflüssige Ornamentik etc. rücken sowohl die Schauspielerin, als auch die beworbenen Bemberg-Strümpfe realistisch und unidealisierend ins Zentrum.


    Die Pose, der Blick und die sichtbar getragenen Strümpfe spiegeln das Ideal der "neuen Frau" in der Weimarer Republik wider: selbstbewusst, modern und mobil. Werbung, Prominenz, Lifestyle und Konsum werden hier erstmals miteinander verbunden - ein frühes Beispiel für Celebrity Endorsement. Ossi Oswalda erscheint als Botschafterin der Marke Bemberg, eines führenden Herstellers von Kunstseide-Strümpfen


    Kulturhistorisch erzählt das Bild: Eine Frau definiert sich nicht mehr über Herkunft und Moral, sondern über Körper, Bewegung, Stil und Konsum. Insofern ist das Bild kein bloßes Modefoto, kein reines Starporträt, sondern ein Zeitdokument der Moderne. Das Bild zeigt wie Werbung, Emanzipation und Populärkultur in der Weimarer Republik miteinander verschmolzen.


    Die auf den ersten Blick für mich sehr ärgerlichen Gebrauchsspuren legen in Wahrheit Zeugnis für die Geschichte des Werks ab und sind insofern sogar als Wert anzusehen, da sie zeigen: Dieses Bild hing in einem Schaufenster oder war präsentiert, direkt hinter der Glasplatte und war in Verwendung, kommunizierte mit den Menschen vor dem Fenster und lud sie zum Kauf ein. Die Aussilberung und die Wellen der Pappe entstanden größtenteils während dieser Zeit, weil sich hinter dem Glas Feuchtigkeit sammelte. Deshalb sollten sie auf keinen Fall entfernt werden. Auch die Faksimile-Schrift aus der Repro-Kamera (Autopen wurden erst etwas später erfunden) ist aus kunsthistorischer Sicht wertvoller als ein handschriftlicher Text, weil sie zeigt, wie diese Werbung damals gezeigt wurde.


    Das Bild dürfte einige Monate bis zu einem halben Jahr in Gebrauch gewesen sein. Weshalb es überhaupt erhalten blieb, könnte seinen Grund darin haben, dass es damals recht aufwendig zu erstellen war und auch als Vorbild für spätere Kampagnen gebraucht werden konnte.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

    Edited once, last by Austernprinzessin ().

  • Hier die versprochenen vier Karten der Postkartenserie von Ossi Oswalda. Es spricht viel dafür, dass die Karten tatsächlich schon aus dem Jahr 1914 sind, weil sich 1915 mittlerweile alles auf die Kriegspropaganda konzentrierte und die Motive entsprechend anders ausgesehen hätten.

    Eine kunstgeschichtliche Einordnung folgt :)

  • Quote


    Eine kunstgeschichtliche Einordnung folgt :)


    Es handelt sich hier um symbolistische Kunstpostkarten. Nachdem Ossi Oswalda Tänzerin war, könnte der Hintergrund im Tanz oder auf der Bühne zu suchen sein. Der Ausgangspunkt waren schwarzweiße Atelierfotos, die einmal koloriert und dann reproduziert wurden. Die Farben wurde dort aufgetragen, wo sie dramaturgisch wirkten.


    Ossi Oswalda verkörpert das Ideal eines Naturmenschen, einer Nymphe, die Harmonie von Körper, Geist und Natur, ist Teil der Landschaft, nicht ihr Mittelpunkt.

    Die Farben und Schleier unterstützen diese Bedeutung, betonen das Geistige, Überzeitliche, sind somit Ausdruck der Bedeutung. Das Pferd steht für Reinheit, Naturkraft, Partnerschaft. Der Wald, die Felsen und das Dämmerlicht sind Orte innerer Prozesse.

    Hier befinden wir uns nicht in einer äußeren Handlung, sondern einer symbolistischen, traumartigen Phantasie.

    Es geht nicht um Erotik oder Provokation, erst recht nicht um Skandal, sondern um eine Allegorie auf die Harmonie von Körper, Natur und Geist.


    Zusammengefasst handelt es sich um die Verbindung einer weiblichen Figur mit einem weißen Pferd in einer idealisierten, naturhaften Landschaft, in einem symbolischen Raum zwischen Traum und Wirklichkeit. Der hautfarbene Trikotanzug erzeugt bewusst einen Eindruck von Nacktheit, ohne die damals geltenden moralischen Grenzen zu überschreiten. Es sind keine erotischen Darstellungen im heutigen Sinn, sondern ästhetische Allegorien einer Epoche, die den menschlichen Körper als Teil eines größeren, natürlichen Zusammenhangs verstand.


    Die Bildserie ist Ausdruck einer Zeit, in der Kunst nach neuen Formen jenseits akademischer Traditionen suchte. Die Postkarte diente dabei auch als Medium früher Künstlervermarktung. Die Seriennummerierung zeigt, dass es sich hier um eine bewusst konzipierte Folge handelte. Dass Ossi Oswaldas Name nicht gedruckt wurde, verdeutlicht zudem, dass sie sich noch vor ihrer eigenen Karriere befand.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Insbesondere angesichts der Werbung, die ich analysiert habe, ist mir klargeworden, was Ossi Oswalda über alle anderen Stars der 10er Jahre, einschließlich Asta Nielsen, Henny Porten, und wie sie alle hießen, hinaushebt. Sie war der einzige Star, der es wirklich geschafft hat, ihr Frauenbild der späten 10er Jahre durch das Nadelöhr um 1920 hindurchzutragen und im Frauenbild der 20er Jahre, die "Neue Frau", zur Entfaltung zu bringen. Das war in ihrem Typ, den sie in den späten 10er Jahren weitesgehend verkörperte, schon angelegt, aber zumindest in ihrem Marketing kommt es spätestens in der Mitte der 20er Jahre zur Entfaltung. Das ist noch niemandem aufgefallen, weil sich alle immer nur auf einzelne Filme und ihren Erfolg konzentrieren.

    Man darf dabei auch nicht übersehen, in was für Dimensionen sich das abspielte. Ossi Oswalda war immerhin ein Megastar, in der High Society des deutschen Stummfilms.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Nach einer Woche ist endlich das letzte Autogramm von Ossi Oswalda für dieses Jahr angekommen :) Wenn ich alles richtig notiert habe, müsste es auch das 100. Motiv sein, das ich von ihr habe :)

  • Sehr spannend, zum einen, dass das Museum den von mir recherchierten Sterbeort nennt und dass Ossi Oswalda auch in Argentinien bekannt war :)

    https://www.deutsche-digitale-…k.de/person/gnd/117159778

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Ich habe zwei verschiedene Filmprogramme von "Der Stern von Valencia" gekauft und ein Filmprogramm von "Der keusche Josef", den beiden letzten Filmen von Ossi Oswalda. Ich bin gespannt :)

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Dieses tolle Pressefoto misst 16,5x22cm und zeigt Ossi Oswalda ca. 1927 :)


    Das Foto inszeniert Ossi Oswalda nicht mehr als das freche „Backfisch“-Mädchen ihrer frühen Karriere, sondern als raffinierte, elegante Femme Fatale und Diva. Es verkörpert perfekt die Sehnsucht der späten 1920er Jahre nach Luxus, Extravaganz und moderner Weiblichkeit. Diese Seite in Ossi Oswaldas filmischer Biografie wird heute vollkommen vernachlässigt.