Ossi Oswalda (1898-1947)

  • Interessant für mich als Berliner ist, dass Ossi Oswalda schreibt, sie sei in Berlin geboren. Wenn ihr Geburtsort Niederschönhausen stimmt, dann ist ihre Angabe nicht ganz korrekt, allerdings war Niederschönhausen inzwischen (1928) nach Berlin eingemeindet worden.


    Wäre sie in Spandau geboren, wäre ihr das nicht passiert. ^^

  • Das erlebe ich sehr oft, dass den Künstlern die spätere Eingemeindung ihres Geburtsortes recht willkommen war, weil es natürlich viel "besser" klang, in Berlin geboren zu sein als in Niederschönhausen oder in Wien statt in Unterdöbling... ^^


    Und wenn alles nichts half, ließen die Leute halt ihre Fantasie spielen, so wie Ria Jende, die ihre Wiege kurzerhand von Grünberg in Schlesien nach Brüssel verlegte...

  • oder dieser Text hier, in dem Sie erzählt wie Sie Lubitsch vorgestellt wurde:


    https://www.arthistoricum.net/werkansicht/dlf/77529/27


    Was davon wahr ist, wird man aber leider nie mehr erfahren...


    Interessant ist auch diese Reportage von Ossi's Besuch in Zürich, wenn auch ohne eigene Worte, dafür aber mit einer seltenen Aufnahme von Ossi mit Ihrem damaligen Ehemann:

    https://www.e-periodica.ch/dig…d=ifz-001:1920:0::369#122

  • Man sollte vielleicht auch einmal die Jahre vor Ossi Oswaldas Übersiedlung nach Prag im Blick behalten. Offensichtlich trat sie da ja schon schwerpunktmäßig häufiger auf der Bühne auf als sie auf der Leinwand zu sehen war. "Der Stern von Valencia" war wie gesagt ein kompletter Genrewechsel und keine Komödie. Vielleicht liegt dort ein Ansatz. Mit den Jahren 1930 bis 1933 habe ich mich noch nie beschäftigt.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Ich habe hier vor einigen Monaten geschrieben, bis jetzt hätte ich keinen Hinweis darauf gefunden, dass Ossi Oswalda verarmt gestorben sei - außer eben in den Nachrufen, die gegenseitig kopiert wurden. Leider muss ich diese Aussage zurücknehmen. "Bitterste Armut" ist wohl noch harmlos ausgedrückt, wenn man die Nachkriegsumstände mit der Situation der Exildeutschen in der Tschechoslowakei zusammen sieht. Die Frage kann nur noch lauten, wann ihr "Niedergang" einsetzte ;(;( Ich tendiere dazu, dass der eher schrittweise erfolgte und "La Traviata" ihr letzter ernstzunehmender Bühnenauftritt war :(

    Eigentlich wollte ich demnächst nach Prag fahren, um ihr Grab auf den Friedhöfen Olšany zu besuchen, allerdings handelt es sich bei der Information, dort sei ihr Grab, ganz sicher um ein Phantasieprodukt. Da hat wohl jemand vorschnell Schlussfolgerungen angestellt und von den Nachrufen auf eine Grabstätte in der bekanntesten Nekropole Prags geschlossen. Und ihr ehemaliger Promistatus hat die Person dann dazu verleitet, zu glauben, ihr Grab sei noch erhalten :|

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Ich habe hier vor einigen Monaten geschrieben, bis jetzt hätte ich keinen Hinweis darauf gefunden, dass Ossi Oswalda verarmt gestorben sei - außer eben in den Nachrufen, die gegenseitig kopiert wurden. Leider muss ich diese Aussage zurücknehmen. "Bitterste Armut" ist wohl noch harmlos ausgedrückt, wenn man die Nachkriegsumstände mit der Situation der Exildeutschen in der Tschechoslowakei zusammen sieht. Die Frage kann nur noch lauten, wann ihr "Niedergang" einsetzte ;(;( Ich tendiere dazu, dass der eher schrittweise erfolgte und "La Traviata" ihr letzter ernstzunehmender Bühnenauftritt war :(

    Eigentlich wollte ich demnächst nach Prag fahren, um ihr Grab auf den Friedhöfen Olšany zu besuchen, allerdings handelt es sich bei der Information, dort sei ihr Grab, ganz sicher um ein Phantasieprodukt. Da hat wohl jemand vorschnell Schlussfolgerungen angestellt und von den Nachrufen auf eine Grabstätte in der bekanntesten Nekropole Prags geschlossen. Und ihr ehemaliger Promistatus hat die Person dann dazu verleitet, zu glauben, ihr Grab sei noch erhalten :|

    Hast Du denn zu der Aussage einen neuen Hinweis gefunden ? Das Deutsche in der Nachkriegszeit in der CSSR aus bekannten Gründen nicht wohl gelitten waren, ist ja schon bekannt und nachvollziehbar. Berichte über Vertreibungen oder sogar Massaker gibt es einige. Sie hatte es nach 1945 bestimmt nicht leicht in Prag als Angehörige der ehemaligen Besatzungsmacht, vermute ich.

  • Hast Du denn zu der Aussage einen neuen Hinweis gefunden ?

    Ja, das hab ich. Deshalb bin ich mir da auch ganz sicher. Das ändert aber leider nichts dran, dass Ossi Oswalda eine wirklich harte Nuss zu knacken bleibt und das alles letzten Endes ein Hangeln an ganz dünnen Fäden ist.

    Eigentlich müsste man auch noch einmal Julius Außenberg abklopfen und nachprüfen ob Ossi Oswalda wirklich wegen ihm nach Prag gegangen ist. Das kann sein, muss aber nicht sein. Auffällig ist auf jeden Fall schon, dass sie nach einer Komödie zwei Jahre nicht im Film zu sehen war und dann einen vollkommenen Genrewechsel bei ihrem Comeback hinlegte. Einen Beleg dafür, dass Julius Außenberg der Grund für ihre Übersiedlung nach Prag war, habe ich nicht gefunden, jedoch auch nicht explizit danach gesucht, denn ich möchte im Moment kein neues Fass aufmachen.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Weiß eigentlich jemand von euch ob es schonmal eine Ausstellung oder richtige Retrospektive zu Ossi Oswalda gab, oder war das immer in Zusammenhang mit anderen? Also insbesondere Ernst Lubitsch. Ich meine, immerhin war sie in "Die Austernprinzessin" in einer der besten deutschen Stummfilmkomödien zu sehen. Und dadurch ist sie auch heute noch bekannt, auch wenn man ihren Namen nicht zwangsläufig mit auf dem Schirm hat. Und langsam kommt man ja zunehmend zu der Einsicht, dass man bei Filmen nicht immer nur die prominenteste Person im Zentrum sehen darf. In der Hendrik-Galeen-Retrospektive im Münchner Filmmuseum letztes Jahr wurde explizit betont, dass "Der Golem - wie er in die Welt kam" nicht ausschließlich als Paul-Wegener-Werk betrachtet werden darf.

    Auch wenn man den Fokus jetzt etwas ausgeweitet hat, sehe ich immer noch die Gefahr, dass sich letzten Endes doch immer wieder auf die selben Namen konzentriert wird und aus ihren Filmen interpretativ alles mögliche rausgequetscht wird, und andere, gleichermaßen verdienstvolle Personen, vollkommen außen vor bleiben.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Weiß eigentlich jemand von euch ob es schonmal eine Ausstellung oder richtige Retrospektive zu Ossi Oswalda gab, oder war das immer in Zusammenhang mit anderen? Also insbesondere Ernst Lubitsch. Ich meine, immerhin war sie in "Die Austernprinzessin" in einer der besten deutschen Stummfilmkomödien zu sehen. Und dadurch ist sie auch heute noch bekannt, auch wenn man ihren Namen nicht zwangsläufig mit auf dem Schirm hat. Und langsam kommt man ja zunehmend zu der Einsicht, dass man bei Filmen nicht immer nur die prominenteste Person im Zentrum sehen darf. In der Hendrik-Galeen-Retrospektive im Münchner Filmmuseum letztes Jahr wurde explizit betont, dass "Der Golem - wie er in die Welt kam" nicht ausschließlich als Paul-Wegener-Werk betrachtet werden darf.

    Auch wenn man den Fokus jetzt etwas ausgeweitet hat, sehe ich immer noch die Gefahr, dass sich letzten Endes doch immer wieder auf die selben Namen konzentriert wird und aus ihren Filmen interpretativ alles mögliche rausgequetscht wird, und andere, gleichermaßen verdienstvolle Personen, vollkommen außen vor bleiben.

    Im Frankfurter Filmmuseum gibt es gerade noch die Ausstellung „Weimar Weiblich“ - da ist Ossi Oswalda auch Thema. Leider nicht wahnsinnig ausführlich.

  • Im Frankfurter Filmmuseum gibt es gerade noch die Ausstellung „Weimar Weiblich“ - da ist Ossi Oswalda auch Thema. Leider nicht wahnsinnig ausführlich.

    Immerhin! Aber schade, dass das nicht ausführlich ist! Aber es ist einfach ein Fakt: Wir müssen einfach noch mehr herausfinden. Niemand schaut sich eine Schauspielerin genau an, wenn ihr halbes Leben im Dunklen liegt. Das ist auf Dauer zu unbefriedigend.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Wow! Das klingt sehr spannend! Was hast du denn gefunden?

    Ich lege die Puzzleteilchen, die ich überhaupt habe, immer wieder neu zusammen und schaue, was am besten passt. Sie ist nicht die einzige historische Persönlichkeit, bei der man so vorgehen muss.

    Und ein weiteres Ziel muss sein, auch mal Filmmuseen für sie zu interessieren. Für sie persönlich und nicht nur für sie als Anhängsel von Ernst Lubitsch.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Da gebe ich dir Recht. Hat schon mal jemand die Kinemathek kontaktiert und dort nachgefragt, ob sie Infos zu Ossi Oswalda haben? Das könnte ich sonst mal in Angriff nehmen.

    Da habe ich ganz am Anfang meiner Recherchen vor vielen Jahren mal angerufen. Die haben mir gesagt, man müsse gezielt suchen. Deshalb habe ich das nicht mehr verfolgt. Das war allerdings wie gesagt schon 2015. Die haben jetzt mit Sicherheit viel digitalisiert.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)