Ossi Oswalda (1898-1947)

  • "Ossi Oswalda: Mein Bilderbuch" ist wohlbehalten bei mir angekommen :) Nachdem es durch Ossi Oswaldas Signatur quasi autorisiert wurde, ist es gleichzeitig mein 85. Motiv :) Ich werde es mir in den nächsten Tagen mal in Ruhe anschauen. Ich muss es sehr vorsichtig behandeln. Der Umschlag ist bereits abgefallen. Ein alter Tesafilm konnte das nicht verhindern. Ganz offensichtlich hat jemand mit Begeisterung drin gelesen.

    Unterschrieben hat Ossi Oswalda im Dezember 1920 mit der blauen Tinte, die sie damals häufig verwendete.

    Das Heft hat DIN A5 Maße und insgesamt ca. 5 Seiten Text. Also zusammengerechnet. Da sind ca. 10 Seiten Text, allerdings immer nur knapp eine Hälfte Seite beschrieben. Und natürlich ganz viele Bilder.

  • Die Rückseite sagt einiges über die Wertigkeit der damaligen Filmstars aus. Eine Lya Ley zum Beispiel sucht man vergebens, Fern Andra wird schon seit längerem weitestgehend gebasht.

  • "Ossi Oswalda: Mein Bilderbuch" ist wohlbehalten bei mir angekommen :) Nachdem es durch Ossi Oswaldas Signatur quasi autorisiert wurde, ist es gleichzeitig mein 85. Motiv :) Ich werde es mir in den nächsten Tagen mal in Ruhe anschauen. Ich muss es sehr vorsichtig behandeln. Der Umschlag ist bereits abgefallen. Ein alter Tesafilm konnte das nicht verhindern. Ganz offensichtlich hat jemand mit Begeisterung drin gelesen.

    Unterschrieben hat Ossi Oswalda im Dezember 1920 mit der blauen Tinte, die sie damals häufig verwendete.

    Das Heft hat DIN A5 Maße und insgesamt ca. 5 Seiten Text. Also zusammengerechnet. Da sind ca. 10 Seiten Text, allerdings immer nur knapp eine Hälfte Seite beschrieben. Und natürlich ganz viele Bilder.

    wow! Das sieht toll aus! Wünsche dir viel Spaß beim durchblättern!

  • Ich habe grad ein bisschen reingelesen. Sehr spannend. Sie beginnt mit ihrem frühen Arbeitsbeginn, Autogrammwünsche mit der einen Hand beantwortend, Telefonate mit der anderen Hand führend, Liebesbriefe lesend, die sie bekommt und Heiratsanträge, die sie erhält. Manche wollen Tipps wie man ein Filmstar wird. Sie weist auf die Mühe, die Arbeit und den Ärger, den der Weg verursacht, hin. Manche wollen ein Kleidungsstück, das sie in diesem oder jenem Film getragen hat, Bitten, denen sie allerdings nur in Ausnahmefällen nachkommen kann.

    Sie bemüht sich sehr, sympathisch und freundlich zu wirken, was sie ja vielleicht auch war. Nicht jede Filmschauspielerin muss ja launisch sein. Ernst Lubitsch wurde bis jetzt nicht erwähnt, sondern sie schreibt, dass sie selbst Drehbuchvorschläge liest. Das Ganze wird garniert von vielen Fotos.


    Weiter bin ich noch nicht gekommen. Ich will das ja nicht nur überfliegen :)

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Ossi Oswaldas Originalunterschrift auf Seite 3 - Ossi Oswalda bei der "Morgentoilette" <3 Eine große Nähe zu ihren Fans war Teil ihres Marketings. Das ist offensichtlich. Später hatte sie ja auch ganz offensichtlich ein Sekretariat für ihre Fanpost.

  • So, ich habe es jetzt fertig gelesen.

    Sie beschreibt Bitten, die an sie herangetragen werden, sich zu diesem oder jenem zu äußern, die Sportarten, die sie gerne macht, ihren Lieblingssport Reiten und ihr Lieblingshobby Sticken und erzählt eine Episode von der Filmarbeit, die angeblich übertrieben in die Presse gelangt sei.

    Ernst Lubitsch nennt sie ihren "Freund und Lehrer", der die Höhepunkte ihrer Filmarbeit bis jetzt gedreht habe.

    Sie schreibt, ihr erster Filmauftritt sei ein Sprung ins Wasser gewesen, bei dem sie so lange unter Wasser bleiben musste, bis die Ringe darüber abgedreht waren.

    Das hört sich nicht nach "Schuhpalast Pinkus" an und kann von mir nicht mehr zugeordnet werden.

    Außerdem erzählt sie von vielen Bühnenangeboten, denen sie aus Zeitgründen nicht nachkommen kann und zählt die vielen Länder auf, wo sie ein Star sei. Dabei fällt sogar Japan glaube ich. (Mir ist neulich tatsächlich eine Fanpostkarte aus Spanien untergekommen, wo ein gedruckter Gruß von ihr drauf stand.) Sie war auf jeden Fall ein internationaler Star. Sieht man ja auch jetzt an Nitrateville und ihren Titelfotos von ihr. Und im Netz gibt es ja auch einen Brief auf Serbisch oder Kroatisch und von ihr unterschrieben. Auf ebay wurde auch ein russischer Text über sie angeboten.


    Mein erster Eindruck ist der: Freundlichkeit, Nähe zum Publikum, ihr voller Tag auch unabhängig von der Filmarbeit werden betont. Sie verweist zwar kurz auf ihre Ehe, aber ohne ihren Mann namentlich zu nennen, Viktor Janson als Partner, Ernst Lubitsch als Freund und Lehrer werden genannt. Klischees über "die Frauen" finden auch ihren Platz, zum Beispiel Kleider-Shopping. Ansonsten wird kein Mann genannt. Anfragen, welcher Art auch immer, werden an sie persönlich gerichtet. Als Star steht sie im Mittelpunkt, und sie leitet ihr Leben selbst. Die Filmarbeit selbst wird mit ein paar Sätzen abgehandelt.


    Ich bezweifle, dass sie diesen Text selbst geschrieben hat, aber er ist ein Bild der Zeit selbst und das Bild, das sie von sich in die Öffentlichkeit tragen wollte. Und vor allem ist es der längste Text, der mir über sie bekannt ist. Eine Biografie kenne ich nicht. Aber wer weiß was da noch ans Licht kommt :)

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)



  • Also Fazit: Über ihre Filmarbeit erfährt man fast gar nichts, was natürlich nicht verwundert, denn das Heft wendet sich an ihre Fans, die ja ihre Filme kennen. Sie wollten selbstverständlich einen Eindruck in den Alltag ihres Idols haben. Ich glaube aber, dass genau das den Text interessant für eine genauere sozialwissenschaftliche Untersuchung macht, weil man gerade so einiges über das Frauenbild der damaligen Zeit und den Platz, an dem sich Ossi Oswalda verortete, herauszufinden kann.


    Übrigens wollte sie sich nicht als "Klamauktante" verstanden haben: Ich zitiere: "... und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte lang zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren."

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Vielen Dank für diese wunderbaren Einblicke! Schön, dass so ein umfangreiches autobiographisches Zeugnis erhalten ist – ich gehe eigentlich schon davon aus, dass Ossi Oswalda es selbst verfasst oder zumindest diktiert hat. :)

    Das wäre natürlich richtig toll, wenn sie das selbst verfasst hätte. Die ersten längeren Texte von ihr, von denen ich weiß, stammen aus der Zeit Jahrzehnte nach ihrem Tod. Zeitungsartikel gibt es natürlich.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • oh es für ein wunderbares Zitat! Tausend Dank für die Einblicke!

    Ich teile die gerne mit euch :) Es würde mich freuen, wenn sie so wieder mehr ins Licht der Öffentlichkeit kommt! Vielleicht finde ich ja noch ein paar pointierte Sätze :)

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)

  • Der Zugang zum tschechischen Online-Archiv ist ziemlich kompliziert… man muss ein tschechisches Bankkonto oder einen tschechischen Personalausweis haben. Ich kann die Artikel also auch noch nicht lesen. Aber bleibe dran.
    ich schätze, dass es das Nationaltheater in Prag war. Da hat Pavel Mirov bis 42 la Traviata gespielt. Dann (ich schätze mal kriegsbedingte) Unterbrechung bis 46.


    http://archiv.narodni-divadlo.cz/inscenace/4065


    Auch wenn Ossi Oswalda auf der Internetseite des Theaters nicht aufgeführt ist, scheint es einige Umbesetzungen gegeben zu haben. Ich denke also, dass sie dort zumindest ein paar mal la Traviata gespielt haben muss.

    ich habe inzwischen Zugang zum Archiv - die Aufführung von La Traviata war nicht in Prag, sondern in Pilsen, am Městské divadlo Josefa Kajetána Tyla

  • Solche Texte gibt es natürlich, aber das ist nicht das, was ich als "längeren Text" bezeichnen würde.

    Und immer wieder erkenne ich, daß es viel schwieriger ist, ein Publikum vier Lustspielakte zum Lachen zu bringen, als es in einem sechsaktigen Schauerdrama zu Tränen zu rühren. (Ossi Oswalda, 1920)