Willy Millowitsch

  • Wir haben noch kein Thread über einen der größten Volksschauspieler.


    Er wäre vermutlich nie ins Fernsehen gekommen, wenn er nicht als "Lückenbüßer" hätte herhalten müssen. Am 19. Oktober 1953 fiel, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ein Sportereignis aus, das live übertragen werden sollte. Daraufhin sendete man aus dem Millowitsch-Theater "Der Etappenhase", worauf viele weitere Lustspiele im Fernsehen zu sehen waren. Im Zuge dessen wurde auch das Ohnsorg-Theater überregional bekannt, wo Millowitsch 1968 selbst auftrat.


    Heute habe ich erfahren, dass das traditionsreiche Millowitsch-Theater geschlossen wird. Sohn Peter Millowitsch, Chef des Theater und mittlerweile 69 Jahre alt, konnte keinen Nachfolger mehr finden. :(

  • Ich habe Willy Millowitsch schon mal in dem Film "Vater, Mutter und neun Kinder" (1958) gesehen. Dort war er sehr unterhaltsam. Hat er oft in Komödien gespielt oder hat er später in ein anderes Rollenfach gewechselt?


    Mich wundert ja, dass Peter Millowitsch keinen Nachfolger für das Theater gefunden hat. Chef eines großen Theaters zu sein, ist ja schon eine gehobene gesellschaftliche Stellung?

  • Ich habe Willy Millowitsch schon mal in dem Film "Vater, Mutter und neun Kinder" (1958) gesehen. Dort war er sehr unterhaltsam. Hat er oft in Komödien gespielt oder hat er später in ein anderes Rollenfach gewechselt?


    Seine Heimat waren natürlich die komischen Rollen, doch sein erster Kinofilm war ein Krimi: "Gesucht wird Majora" an der Seite von Heinz Erhardt, für den es ebenfalls der erste Film war, und Hans Müller-Westernhagen, der Vater von Marius. Sie spielten allerdings allesamt Nebenrollen. Weil Millowitsch aus dem komischen Fach kam, musste er auf Drängen des Produzenten seinen Namen ändern, weil sein Name eine Belastung für diese Rolle sei. So hängte er den Namen seiner Mutter an und nannte sich Millowitsch-Plank.


    In seiner späten Schaffensphase spielte er die Hauptrolle in der "Kommissar-Klefisch"-Reihe und kehrte so wieder zum Krimi zurück.


    Quote

    Mich wundert ja, dass Peter Millowitsch keinen Nachfolger für das Theater gefunden hat. Chef eines großen Theaters zu sein, ist ja schon eine gehobene gesellschaftliche Stellung?


    Das schon, aber die Betreibung eines Theaters ist extrem teuer. Wenn du da keine staatliche Unterstützung bekommst, kämpfst du eigentlich immer ums Überleben des Theaters. Das bekam auch Dieter Hallervorden zu spüren, als er 2012 mit dem Schlosspark-Theater kurz vor der Pleite stand. Es sollte das Stück "Der kleine König Dezember" mit Dirk Bach in der Hauptrolle aufgeführt werden. Finanziert wurde es von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin. Doch dann verstarb Bach kurz vor der Premiere und das Projekt drohte ins Wasser zu fallen. Dann hätte das Theater die Fördersumme wieder zurückzahlen müssen, was das Aus bedeutet hätte.


    Aber es ging alles gut. Gustav Peter Wöhler sprang für Dirk Bach ein, die Premiere musste nur um wenige Tage verschoben werden.


    Ein solches Theater kannst du nur mit viel Idealismus und jeder Menge Enthusiasmus betreiben. Und du musst viel Zeit dafür aufbringen.

  • Ich mag Millowitsch sehr.


    Bekannt ist er mir in erster Linie durch den Film:


    - Zum Teufel mit der Penne von 1968 mit Peter Alexander


    Aber auch in vielen aneren Rollen, meist aus den 50er und 60er Jahren.


    Was ich total mag ist die Schallplatte "Jubel, Trubel, Millowitsch" mit Stimmnugsliedern, die durchweg gut ist und Ohrwürmer bietet.


    Vor 17 Jahren ca. habe ich mir auch Spaßhalber mal ein Millowitsch-Witzebuch gekauft, das ich auch nie so richtig gelesen habe.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • (zu einigen vorherigen Beiträgen:)


    Kritisch formuliert könnte man sagen, der Sohn hat das Lebenswerk des Vaters in den Sand gesetzt.

    So richtig mit vollem Herzen war er wohl nie recht dabei ...

    Das Verhältnis zum Vater war oft, sagen wir, suboptimal, und daß er dessen Tun und Treiben nicht immer gut fand, hat er auch nicht verhehlt.

  • Nein, das glaube ich nicht. Das Theater lief ja. Doch wenn du dann irgendwann vor der 70 stehst, musst du überlegen, ob du 1. die Kraft noch hast, oder 2. jemand anders das machen kann. Und dieser Jemand wurde nicht gefunden.


    Gestern wäre Willy Millowitsch übrigens 110 Jahre alt geworden.

  • Das Problem ist das Volkstheater ,so wie es Willy Millowitsch es geprägt hat ,heute nicht mehr gefragt ist . Mariele Millowitsch hat in einer Doku zur Familie es ja auch gesagt : "Die Kritik von Vater an Peter ,war oft auch ungerecht , Er (Willy) hätte es heute mit "seinem " Theater auch schwer gehabt zu bestehen . "

    Der WDR hatte ja den Fernsehvertrag mit dem Millowitsch-Theater in Köln ja auch nicht mehr verlängert.

  • Bei Willy war die Hütte voll. Es war schwer, Karten zu bekommen ...

    Peter hatte bei Übernahme erstmal nichts besseres zu tun als aller Welt zu erzählen daß sich ja nun allerhand ändern müsse, das was Willy gemacht habe ginge ja heute nicht mehr ...

    Mit dem Herzen dabei sein und sein bestes geben wollen für die Sache ist anders. Allein die mäklig / motzige Art seinerzeit ...