• Ich habe grad ein wenig nach dem Buch recherchiert. Ehrlich gesagt, was mich sehr skeptisch werden lässt, ist die Tatsache, dass die Interviews erst in den 90ern geführt wurden.

    Wir haben hier ja schon mehrfach über den Inhalt von Zeitzeugeninterviews diskutiert. Deshalb muss ich das nicht wieder neu aufwärmen, aber an den Wert von Tagebüchern oder Vergleichbarem kommen solche Interviews mit Sicherheit bei weitem nicht ran.


    Dazu kommt, dass diese Zeitzeugen wohl alle eine auf ihre Weise exponierte Stellung vor dem Hintergrund des Dritten Reichs hatten, was noch einmal zusätzlich Einfluss auf die Aussagen gekommen hat.


    Die Konsequenz ist dann, das man alle Aussagen vor dem Hintergrundwissen von Historikern interpretieren und bewerten muss. Wenn ich das richtig gelesen habe, versucht das Buch das auch. Nur, da ist man wieder bei der persönlichen Sichtweise der Historiker, die aber schon vorher bestanden hat.


    Daran, dass das Buch inhaltlich sehr viel weiter bringt, habe ich deshalb meine Zweifel, weil allen Aussagen entsprechende Filter übergelegt werden müssen.

    "Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden." (Martin Luther King)


  • Ich habe grad ein wenig nach dem Buch recherchiert. Ehrlich gesagt, was mich sehr skeptisch werden lässt, ist die Tatsache, dass die Interviews erst in den 90ern geführt wurden...

    Aber wie gesagt, ist nur meine Meinung...

    "Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden." (Martin Luther King)


  • Mal abgesehen von der Stelle mit den Historikern (die auch leider sehr oft einen Zeitgeist und einer gewissen Linie verfangen sind) und dem Filter gebe ich Dir absolut recht.


    Aus Werbetechnischen Gründen wird (ich glaub im Video wars) erwähnt, dass die Zeitzeugen inzwischen den nötigen Abstand zu dieser Zeit hatten. Jedoch bin ich ja gerade deswegen ein Freund von Handschriften (die direkt in der Zeit entstanden sind), weil sie die Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle viel unverfälschter wiedergeben als es im Nachhinein der Fall wäre. Ich merk das ja selbst wie man schon Dinge die nur 2-3 Jahre zurück liegen schon gar nicht mehr so richtig "fassen"/"greifen" kann. Hier war noch ein großer Krieg mit dazwischen der große Auswirkungen hatte, dann Jahre der Besatzung usw. Und dann weitere Jahrzehnte bis dann diese Aussagen getroffen werden.


    Und ja, Leute die Hitler nahe standen werden natürlicih nochmal Dinge anders schildern als andere. Aber gerade das ist auch das Interessante, weil die ja auch tatsächlichen Zugang zur privaten Person (soweit es die gab) hatten. Und die Tatsache dass sie dem Regime nahe standen muss ja ansonsten nicht viel heissen, im Gegenteil - sie haben ab den 50er Jahren keinerlei Repressalien zu befürchten, falls sie negativ über die Protagonisten und das Regime sprechen. Sie sind jedoch deshalb unter Umständen befangen, weil sie eben damals einen gewissen elitären Kern angehörten, aber das liegt ja auf der Hand. Und ich denke das kann man zwischen den Zeilen dann heraus lesen/hören, wenn sie anfangen zu glorifizieren.
    Die Zeitzeugenaussagen von den Personen die dem Regime nahe standen, die ich bisher gehört habe, waren meist wirklich extram interessant, aufschlussreich und eine historisch enorm wertvolle Ergänzung. Unwahrheiten und falsche Deutungen sind natürlich auch immer dabei - das gibtsa ber auch in alten Tagebüchern und Briefen, selbst im persönlichen Gespräch. Das hatte ich erst letztens bei meiner Frau, als ich nen Witz gemacht habe und sie hat ihn akkustisch nicht verstanden und hat etwas ganz anderes interpretiert und da waren 2-3 Stunden die Stimmung etwas komisch bis ich nochmal nachgehakt habe und in dem Rahmen den Witz wiederholt habe - bis sich dann heraus gestellt hat, dass sie mich einfach falsch verstanden hat. Wenn sowas im größeren Maße irgendwo passiert, es nicht aufgelöst wird und irgenwo dann niedergeschrieben wird, dann ist ein falsche Fakt aus der Geschichte in Stein gemeisselt. Deswegen muss man natürlich immer vorsichtig sein.


    Aber so ein Buch hat 100% seine Berechtigung. Nur muss jeder selbst Überlegungen anstellen, wie man damit umgeht. Aber das ist bei jedem Medium und bei jeder historischen Aufarbeitung geboten.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Wieder ein neues Video. Schön, dass bei der AKH nach außen hin wieder mehr passiert :thumbup:

    Quote

    Vor einer Weile ging uns ein Großkonvolut technisch herausragender Flugaufnahmen verschiedener Städte und Regionen des Deutschen Reiches zu. Wir zeigen daraus Ausschnitte eines Fluges über den Bodensee mit Impressionen unter anderem von Konstanz und Friedrichshafen, deren intakte historische Stadtkerne hier aus der Luft dokumentiert wurden.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide