Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

  • Ich eröffne jetzt mal einen eigenen Thread, weil das Thema in anderen Threads, wo es eigentlich nicht hingehört (u.a. Die keusche Geliebte usw) jetzt ein paar Mal aufkam.


    Ich war gerade auf der Seite und bin völlig entsetzt! Habt Ihr das hier gesehen?
    http://www.murnau-stiftung.de/…/kinoprogramm/junge-adler



    Darüber steht: "In Memoriam: Gunnar Möller".


    Also, beim besten Willen: was arbeiten denn dort für Leute?? Gibt es keinen besseren Film in der Karriere von Gunnar Möller als einen bis heute unter Vorbehalt stehende Propagandafilm von 1944 mit dem NS-Prädikat "staatspolitisch wertvoll"? Was ist denn das, bitte, für eine Ehrung?! :huh:


    Arbeiten dort nur noch Praktikanten?

  • Naja es ist ein Film der eben repräsentativ ist für seine Zeit und hat auch deshalb Relevanz, weil z.B. auch Dietmar Schönherr als junger Kerl dort mitgewirkt hat.
    Dieser Film ist in historischer Sicht ideal geeigniet, für Diskussionen usw. Für eine reine Würdigung ist er natürlich nicht so gut, aber die Murnau-Stiftung hat wohl auch eine Art Mission (sag ich jetzt mal), den Leuten nicht einfach nur etwas unterhaltsames/nettes zu zeigen, sondern etwas, was sich eignet die Geschichte und auch Filmgeschichte aufzuarbeiten.

    „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“


    André Gide

  • Ja, ich sage ja auch gar nicht, dass der Film nicht abgebildet sein soll. Aber ich finde es absolut unpassend, wenn man an Gunnar Möller erinnert, dies mit einem NS-Film zu tun. Und es geht ja darum, dass die Seite unter der Überschrift "In Memoriam Gunnar Möller" läuft. Üblicherweise nennt man da doch die größten Erfolge, und da gibt's ja einige. Eigentlich ist er ja als Nachkriegsschauspieler bekannt, und "Junge Adler" war nicht mal sein erster Film.


    "Ich denke oft an Piroschka", "Hunde, wollt Ihr ewig leben", "Nacht fiel über Gotenhafen", "Glasmenagerie" usw - das sind Würdigungen.
    Da muß man nicht auf so einen Film zurückgreifen.


    Aber teilweise ist das sowieso strange, was da auf den Seiten geschrieben ist. Bei Willy Fritsch steht in der Murnau-Biografie, vor den Filmen mit Lilian Harvey habe er überwiegend nur Nebenrollen gespielt, was nicht stimmt Außerdem sprach er den ersten Satz im deutschen Tonfilm "Melodie der Welt"...der Film heißt aber "Melodie des Herzens". Und wenn dann auch noch drunter steht, der Text sei einer Ausstellung entnommen, sträuben sich mir die Nackenhaare. Irgendeiner muß diese Ausstellung ja abgenommen haben, bevor sie eröffnet wurde. Nobody is perfect, aber die machen das beruflich und pflegen das Filmerbe, da dürfen solche Sachen einfach nicht passieren, finde ich.

  • Zitat von Quax:

    Quote

    " Nostalgie Fan . Wieviel kostet denn dieses Ausleihen und welche Qualität haben die Filme? Und was benötigen die von mir wenn ich dort anfrage?"

    Wenn man sich bei der Murnau-Stiftung einen Film als DVD ausleihen möchte, kostet das 25 €.


    Ein Herr von der Murnau-Stiftung erklärte mir am Telefon, dass es sich bei den Verleihkopien um Digitalisate handelt. Dafür werden die Filme mit einem Filmprojektor abgespielt und parallel dazu vom PC eingescannt (ich bin mir aber nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe, aber ungefähr so funktioniert das). Bei dem Film "Jakko" (1941) hat der Film eine Bildqualität, die etwas besser ist, als die Bildqualität von TV-Mitschnitten und diversen Youtube-Kopien anderer Filme. Der Film "Jakko" lag nicht restauriert vor, was mich auch nicht gewundert hat, weil es sich bei "Jakko" um einen Vorbehaltsfilm handelt. Ich weiß es nicht genau, aber ich könnte mir denken, dass die Murnau-Stiftung von manchen Filmen restaurierte Versionen und von anderen Filmen unrestaurierte Versionen besitzt. Immerhin ist ja nur ein Bruchteil der damaligen Filmproduktionen restauriert worden.


    Bei "Jakko" war die Bildqualität ungefähr das Mittelmaß von diesen beiden Qualitätsstufen:


    Qualitätsstufe 1: https://www.youtube.com/watch?v=y3B0NIihJIA


    Qualitätsstufe 2: https://www.youtube.com/watch?v=Nu2uydQmrr0


    Grundsätzlich muss man, wenn man sich einen Film bei der Murnau-Stiftung ausleiht, einen Vertrag unterschreiben, in dem man bestätigt, dass der Film innerhalb der nächsten 4 Wochen (ich weiß nicht, ob die Ausleihfrist variiert) zurückgeschickt wird. Wenn der Film innerhalb der vorgegebenen Frist nicht wieder bei der Murnau-Stiftung eintrifft, muss derjenige, der den Film ausgeliehen hat, eine Strafgebühr bezahlen. Ich weiß nicht, ob es unterschiedliche Strafgebühren gibt, aber nach meinem Vertrag hätte ich, wenn ich den Film nicht rechtzeitig zurückgeschickt hätte, eine Strafgebühr von 1000 € bezahlen müssen.


    Vorbehaltsfilme kann man sich, soweit ich weiß, nur dann ausleihen, wenn man nachweisen kann, dass man die Filme im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit benötigt. Das musste ich auch so machen.


    Bei Filmen, die nicht unter Vorbehalt stehen, ist das meines Wissens nicht nötig


  • Dann muß das aber neu sein. Ich habe schon des öfteren telefoniert, aber daß sie einen Film ohne weiteres (auch nicht unter Vorbehalt stehende) ausleihen, ist mir neu.
    Außerdem: Meinen die vielleicht die Filmrollen?
    Also, daß die Filme so ohne weiteres auf DVD zum Ausleihen überspielt werden, kann ich mir nicht vorstellen

  • Geht das auch wenn ich z.B. so wie Fräulein G. die ein Buch über Willy Fritsch schreibe? Also wenn ich jetzt ein Buch über die NS-Jugend Filme schreiben möchte kann ich dann bei der FWM Stiftung anfragen bzgl. DVD Filmen aus ihrem Bestand?


    "Wer mit seinem Volk nicht Not und Tod teilen will,
    der ist nicht wert, dass er mit ihm lebe."

    (Jean Paul, 1763-1825, deutscher Schriftsteller)


    Edited once, last by Quax ().

  • Moin,


    ich habe heute die Murnau Stiftung angeschrieben und gefragt ob ich:


    a. als Privatperson ein Film aus den Verleihkatalog ausleihen kann (ohne öffentliche Aufführung)?
    b. wenn ja, welche Kosten kommen auf mich zu?


    Jetzt bin ich auf die Antwort gespannt (falls überhaupt eine kommt). :S

  • Bruno
    Die Murnau-Stiftung verleiht ganz sicher DVDs. Ich habe mir ja selbst eine DVD ausgeliehen. Allerdings liegst Du / liegen Sie richtig mit der Annahme, dass die Murnau-Stiftung einem nicht einfach einen Film überspielt. Die Murnau-Stiftung verleiht nur die Filme auf DVD, von denen auch schon ein Digitalisat vorliegt


    Quax
    Das Buch über Willy Fritsch hat nicht Grit Haid, sondern Fräulein G. geschrieben.
    Falls Du ein Buch über die NS-Jugendfilme schreibst, kannst Du die Filme bestimmt für den Zweck ausleihen. Ich habe in meiner Facharbeit ja auch einen Teil über Jugendfilme in der NS-Zeit geschrieben, und bei mir hat das ja auch geklappt


    Vista61
    Ich drücke Dir / ich drücke Ihnen die Daumen, dass Du eine Antwort bekommst / Sie eine Antwort bekommen. Dann haben wir es noch mal ganz aktuell.

  • Ich habe soeben mit der Murnau-Stiftung gesprochen.
    Wie ich schon vermutet habe, ist es nicht möglich, als Privatperson eine Kopie der angebotenen Filme zu bekommen.
    Sie verlangen nach wie vor den Nachweis für eine wissenschaftliche Arbeit und dazu als Beweis ein Schreiben der entsprechenden Hochschule.


    Die Enttäuschung bei mir ist nicht allzu groß, weil ich sowieso nie davon überzeugt war, daß es möglich ist.

  • Bruno


    Danke für deine schnelle Reaktion. :thumbsup:


    Dann werden die mir auch nichts anderes schreiben. :wacko:


    Dort liegen die Filme rum und die Freunde des alten deutschen Tonfilms müssen sich mit teilweise fürchterlichen Qualitäten zufrieden geben. Echt zum Kotzen. X(:cursing:

  • Achso da sind keine VB-Filme dabei in dem Katalögchen... :cursing:
    Was ist dann mit Jakko?
    Und wenn ich ein Buch schreibe dann darf ich mir hier nichts ausleihen oder was???


    "Wer mit seinem Volk nicht Not und Tod teilen will,
    der ist nicht wert, dass er mit ihm lebe."

    (Jean Paul, 1763-1825, deutscher Schriftsteller)


  • Also mir wurde vom Münchener Filmmuseum gesagt, dass man sich Filme aus ihrem Bestand gegen eine Gebühr ansehen darf. Ich weiß auch, dass das beim Filmmuseum Berlin so ist. Von einem Nachweis, dass das nur für wissenschaftliche Zwecke sein darf, wüsste ich nichts. Aber so ein Nachweis sollte ja nicht allzu schwer fallen. Theoretisch sollte dazu ein Aussagesatz ausreichen: "Ich möchte zu wissenschaftlichen Zwecken..."

  • Zitat von Bruno:

    Quote

    "Ich habe soeben mit der Murnau-Stiftung gesprochen.

    Quote

    Wie ich schon vermutet habe, ist es nicht möglich, als Privatperson eine Kopie der angebotenen Filme zu bekommen.

    Quote

    Sie verlangen nach wie vor den Nachweis für eine wissenschaftliche Arbeit und dazu als Beweis ein Schreiben der entsprechenden Hochschule."


    Ach so, dann hatte ich das falsch verstanden. Ich dachte, man benötigt nur für Vorbehaltsfilme einen Nachweis, dass man diese im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit sichtet. Das das auch für die Filme gilt, die bereits von der FSK freigegeben wurden, war mir nicht bekannt.




    Quax
    Wenn Du ein Buch schreibst, in dem Du Dich mit den Filmen beschäftigst, kannst Du Dir die Filme auf jeden Fall ausleihen, das fällt dann unter eine wissenschaftliche Arbeit. Es kann aber sein, dass Du einen schriftlichen Nachweis erbringen musst, dass Du die Filme im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit ansiehst. Bei einem Buch ist das eventuell nicht so einfach, weil da ja meistens keine Institution, wie z.B eine Hochschule, dahintersteht. Aber Möglichkeiten gibt es da bestimmt. Du bist ja nicht der einzige, der ein Buch zu einem filmhistorischen Thema schreibt. Wo Du Dir genau den Nachweis besorgen musst, kann ich Dir leider nicht sagen. Ich könnte mir denken, dass Du den Verlag anschreiben könntest, der Dein Buch veröffentlichen wird, genau kann ich Dir das aber nicht sagen. Aber eventuell kann Fräulein G. Dir weiterhelfen. Sie hat für ihr Buch über Willy Fritsch vielleicht auch einige Filme von der Murnau-Stiftung ausgeliehen

  • @ Nostalgie Fan


    Da ist die Frage ob sich der große Aufwand lohnt ,oder ???
    Privatpersonen haben keine Chance an Filmraritäten aus der Murnau Stiftung zu kommen ,das ist die Realität . Auch der Katalog 2/21018 , siehe Brunos Link ,haut einem nicht vom Hocker .

  • ALEXA
    Da hast Du / haben Sie recht. Es würde sich nicht lohnen, eine wissenschaftliche Arbeit zu verfassen, nur um einen Film / ein paar Filme zu sehen. Wenn man aber gerne ein Buch oder eine andere wissenschaftliche Arbeit erstellen und veröffentlichen möchte, weil man selbst Interesse daran hat, dann ist es ein angenehmer Nebeneffekt, wenn man sich dafür die Filme ansehen kann, die man sonst nicht zu sehen bekommt

  • @ Nostalgie Fan


    Unter Filmfreunden " Du " .


    Wer wirklich ein Buch schreibt fährt bestimmt nach Wiesbaden und schaut sich die Filme vor Ort in Wiesbaden an .
    Die Mehrheit der User hier sind vermutlich Privatleute und haben persönliches Interesse am alten deutschen Film , keinen wissenschaftlichen Bezug . Nur Du und Fräulein G wüsste ich da .