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Beiträge: 1 340

1

Montag, 4. Februar 2013, 21:11

Berlinale 2013 - The Weimar Touch

Die Retrospektive der diesjährigen Berlinale widmet sich nicht etwa der jetzt 80 Jahre zurückliegenden Machtergreifung der Nationalsozialisten, sondern den Traditionen des Weimarer Kinos. Die Pressemitteilung beschreibt den Grundgedanken dieser Retrospektive wie folgt:

Zitat

Die Blütezeit des Weimarer Kinos ist nicht zuletzt der Demokratisierung von Gesellschaft und Kunst zwischen 1918 und 1933 zu verdanken. Das Weimarer Kino ist eines der Vielfalt – erprobte Erzählformen und stilistische Experimentierlust kennzeichnen es gleichermaßen. Es behandelt die soziale Not in den Städten und den subversiven Rollentausch der Geschlechter, kennt Slapstick und Wortwitz, Lachen und Schaudern. Aus der Spannung zwischen Gegensätzen bezog es seine schöpferische Dynamik. Zugleich profitierte das Weimarer Kino schon früh vom internationalen Austausch und den Aktivitäten deutscher
Filmschaffender im Ausland.
http://www.berlinale.de/de/presse/presse…tail_15508.html

Dass der erste Satz Schwachsinn ist, wird jeder einsehen, der einen Seitenblick auf die künstlerische Qualität des sowjetrussischen Kinos jener Jahre wirft. Dort waren gewalttätige Ausschreitungen und soziale Umwälzungen an der Tagesordnung, Massaker der "Roten" an den "Weißen" und umgekehrt - und trotzdem blühte die russische Filmkunst wie nie zuvor.

Aber wir müssen natürlich alle Lobhudeleien über das Weimarer Kino immer als Bezugnahme auf das Dritte Reich lesen. Deswegen wird das Weimarer Kino so gerne gleichgesetzt mit expressionistischer Filmkunst - an die Flut peinlicher früher Tonfilme, mit der diese Filmära in Deutschland zu Ende ging, möchte man sich lieber nicht erinnern!

Als Namen für die diesjährige Retrospektive hat man, ganz dem internationalen Trend folgend, keinen deutschen, sondern einen englischen gewählt - The Weimar Touch! ... Ist das geil? - Das ist geil.

Ausserparlamentarische Opposition
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Carry Klips

Fortgeschrittener

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Beiträge: 388

2

Dienstag, 5. Februar 2013, 12:54

RE: Berlinale 2013 - The Weimar Touch

D Deswegen wird das Weimarer Kino so gerne gleichgesetzt mit expressionistischer Filmkunst - an die Flut peinlicher früher Tonfilme, mit der diese Filmära in Deutschland zu Ende ging, möchte man sich lieber nicht erinnern!


Das Weimarer Kino allein mit 'expressionistischer' (oder welcher Art auch immer) Filmkunst gleichzusetzen, wäre in der Tat Schwachsinn. Aber verglichen mit vielen späteren Tonfilmen waren die Weimarer Tonfilme - im Sinne von 'Unterhaltungsfilmen - nicht nur weitestgehend unpeinlich, sondern vor allem zumeist auch international absolut konkurrenzfähig (was man von so manchen 3. Reich-Produktionen mit Heesters oder Marika Rökk nun wirklich nicht behaupten möchte). Da gibt es so einiges, was sich Hollywood selbst in der Pre-Code Ära nicht getraut hätte. Insofern hätte ich da schon mal gerne ein paar Beispiele für die 'Flut' peinlicher Filme...
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Registrierungsdatum: 1. September 2011

Beiträge: 1 340

3

Dienstag, 5. Februar 2013, 13:08

Das Weimarer Kino allein mit 'expressionistischer' (oder welcher Art auch immer) Filmkunst gleichzusetzen, wäre in der Tat Schwachsinn. Aber verglichen mit vielen späteren Tonfilmen waren die Weimarer Tonfilme - im Sinne von 'Unterhaltungsfilmen - nicht nur weitestgehend unpeinlich, sondern vor allem zumeist auch international absolut konkurrenzfähig (was man von so manchen 3. Reich-Produktionen mit Heesters oder Marika Rökk nun wirklich nicht behaupten möchte). Da gibt es so einiges, was sich Hollywood selbst in der Pre-Code Ära nicht getraut hätte. Insofern hätte ich da schon mal gerne ein paar Beispiele für die 'Flut' peinlicher Filme...

Die Drei von der Tankstelle!

Ich kenne noch andere, deren Titel ich erfolgreich verdrängt hatte.

Heesters & Rökk waren doch Anfang der 40er Jahre international absolut konkurrenzfähig - man beachte die Einspielergebnisse in den neutralen Staaten, z.B. Skandinavien und auf der Iberischen Halbinsel während des Zweiten Weltkrieges.

Go, Weimar, Go!
wäre ein brauchbarer alternativer Name für die Berlinale-Retrospektive. Oder wie wäre es mit: Yes we can Weimar!
Dann können die ganzen internationalen Gäste der Biennale sich freuen und mit Inbrunst verkünden: "Ich bin ein Weimarer!"

Ausserparlamentarische Opposition
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Carry Klips

Fortgeschrittener

Registrierungsdatum: 16. April 2011

Beiträge: 388

4

Dienstag, 5. Februar 2013, 13:22


Die Drei von der Tankstelle![/b]
Ich kenne noch andere, deren Titel ich erfolgreich verdrängt hatte.


Aha. Perfektes Beispiel. Der erste Film überhaupt (auch international), der konsequent Gesangspassagen nicht benutzte, um irgendwelchen Stars was zu singen zu geben, sondern die Handlung voranzutreiben. Das haben die Amerikaner erst mehrere Jahre später hinbekommen. Für die Entwicklung des Filmmusicals (auch wenn du das Genre vermutlich nicht magst) kann man die Tankstelle kaum hoch genug einschätzen. Vom erstklassigen Skript, der Musik und den Schauspielern gar nicht zu reden.

Und wenn ich mir Rökk's Tanzversuche angucke und sehe, wie steif in sowas wie "Hallo Janine" versucht wird, amerikanische Musicals zu imitieren, dann ist das schlicht und einfach zweitklassig. Das braucht man dann nicht mal mit Ginger Rogers vergleichen; auch gegen eine Rosi Barsony hätte Rökk niemals eine Chance gehabt... Einspielergebnisse sind nicht alles.
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Registrierungsdatum: 1. September 2011

Beiträge: 1 340

5

Dienstag, 5. Februar 2013, 13:31

Ich fand den Tankstellen-Film ziemlich übel, muss ich gestehen ;)

Man muss weder Rökk noch Heesters mögen - es geht nur darum, dass es den Neutralen damals anscheinend so gut gefallen hat, dass sie deutsche an Stelle von US-amerikanischen Filmen besucht haben. Diese Tatsache als solche verdient Respekt!
Der nationalsozialistische Versuch, Hollywood als internationales Filmzentrum den Rang streitig zu machen, kann also nicht ganz erfolglos gewesen sein.

Es geht gar nicht darum, dass ich die einen Filme lieber mag als die anderen. (Um ehrlich zu sein, finde ich die alle nicht so besonders prickelnd.) Was mich nervt, ist das Buhei, das um das Weimarer Kino gemacht wird. Was man in der zeitgenössischen Presse aber so an Rezensionen über Schmachtfetzen, Kasernenhof-Klamauk, "Sittenfilme" und sonstiger Ramschware liest, deckt sich nur bedingt mit dem geschichtspolitisch diktierten Bild, im Weimarer Kino sei alles künstlerisch hochwertig und innovativ gewesen - und im Dritten Reich war ja alles soooo schlecht... :D

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