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Vogel Specht

Erleuchteter

Registrierungsdatum: 13. April 2002

Beiträge: 49 133

1

Dienstag, 9. Januar 2018, 02:04

Anzahl der Spielfilme: UFA/NS-Zeit <-> DEFA

Wie ist denn zu erklären, dass in der NS-Zeit von 1933 bis 1945 (also in 12 Jahren inkl. Kriegszeit) über 1000 Spielfilme (also richtige Filme, keine Wochenschauen, Dokumentarfilme usw) gedreht wurden und in 40 Jahren DEFA "nur" 700 Spielfilme produziert wurden.

Quelle zur NS-Zeit: http://www.filmportal.de/thema/film-im-ns-staat
Quelle zu DEFA: https://de.wikipedia.org/wiki/DEFA (ja, ich weiss, wikipedia ist keine Quelle :-) - aber wird in dem Fall schon stimmen...?)
„Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“

André Gide
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Conrad

Profi

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2

Dienstag, 9. Januar 2018, 12:02

Über die DEFA hab ich keine besonderen Infos, aber im Dritten Reich wurde die Filmindustrie ziemlich gepusht. Häufig wird genannt, dass Goebbels und Hitler ziemliche Filmnarren waren. Andere weisen auch darauf hin, dass Filme gedreht wurden, um Menschen von der Wirklichkeit abzulenken - gerade während des Zweiten Weltkriegs. Andere betonen unterschwellige Propaganda... Das ist alles ziemliche Glaubenssache. Aber um Antworten wurde zeitweise sehr gerungen...
Tatsache ist aber auf jeden Fall, dass die Filmindustrie im Dritten Reich sehr angekurbelt wurde.
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Registrierungsdatum: 5. Juni 2017

Beiträge: 537

3

Dienstag, 9. Januar 2018, 17:37

Da stimme ich Ihnen zu, Conrad. Die Nationalsozialisten haben die Filmindustrie extrem angekurbelt.
Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das die große Anzahl an Filmproduktionen zu dieser Zeit erklärt. Die Filmindustrie wurde zwar stark angekurbelt, aber das könnte auch daran liegen, dass die Filmindustrie durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten viele Filmschaffende verloren hat: Bis 1933 haben beim Film sehr viele jüdische Filmschaffende gearbeitet, die nun vor den Nazis fliehen mussten. Wie die Nationalsozialisten diesen künstlerischen Verlust wieder ausgeglichen haben, ist mir ehrlich gesagt auch noch nicht so ganz klar.

Folgender Unterschied fällt mir aber zu dem Thema auf: Die Filmindustrie in der NS Zeit hat überwiegend auf leichte Unterhaltung gesetzt. Außerdem wurden in der NS Zeit auch viele Kurzfilme produziert. Für beide Genre werden nicht wirklich aufwändige oder außergewöhnliche Sets oder Kulissen benötigt. Die DEFA, die Traumfabrik der DDR hatte den Anspruch, eine ähnlich breite Palette an Filmproduktionen anzubieten, wie deren Klassenfeind im Westen: die Traumfabrik Hollywood. Die DEFA hat sogar amerikanische Genre wie z.B den Western/Indianerfilm, bedient. Für solche Filmproduktionen braucht man natürlich ganz andere Kulissen und Kostüme, die man eventuell extra anfertigen muss. Die Kleidung oder die Set-Ausstattung einer Komödie in den 1930er Jahren konnte man vielleicht noch in den regulären Geschäften besorgen, und in den Studios konnte man dann einzelne Zimmer gestalten. Außenaufnahmen konnte man direkt vor Ort oder in der Stadt machen. Eine Westernstadt oder das Lager eines Indianerstammes hingegen, waren in der DDR nicht so einfach zu finden
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Vogel Specht

Erleuchteter

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4

Dienstag, 9. Januar 2018, 18:02

Vielen Dank für Eure Ausführungen.

Dass wichtige Teile der NS-Führung cineastern waren und die Filmunterhaltung fürr Goebbels einen hohen Stellenwert hatte, ist soweit bekannt. Damals war das Kino auch wichtig für die Menschen. Es war erschwinglich und hat das vorab ersetzt was ab den 50er Jahren das Fernsehen war. Aber das wird wohl schon ein Grund sein...? Denn meine Grundfrage wäre, wieso in der DDR das Kino dann keinen so hohen stellenwert mehr hatte, nicht nur politisch, sondern auch im Alltag.

Und da ist wohl die Antwort, weil in der DDR-Zeit eben das Fernsehen schon vorhanden war.

Hier ist aber auch die Frage, ob bei den 700 genannten DEFA-Filme auch TV-Filme mit einberechnet sind oder sich das hier nur um Kinofilme handelt. Wenn TV-Filme NICHT mit einberechnet sind, würde das den Unterschied zur in der NS-Zeit gedrehten Filme erklären. Denn ab den 50er Jahren hat sich natürlich viel ins Fernsehen verlagert.
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André Gide
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Conrad

Profi

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5

Dienstag, 9. Januar 2018, 18:16

Ab wann hat denn das Fernsehen so eine große Rolle gespielt? War das nicht erst Anfang der 60er Jahre? Ich meine so etwas gelesen zu haben.
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Vogel Specht

Erleuchteter

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6

Dienstag, 9. Januar 2018, 18:37

Würde ich auch sagen, dass es in den 60er Jahren steilnach oben ging, was die Wichtigkeit des Fernsehens angeht. Und 60er bis 1989 ist ja noch eine lange Zeit.

Wenn man es politisch betrachtet, war in der NS-Zeit neben Druck das Radio und Kino die wichtigsten Propagandamittel.

In der Zeit der 60er Jahre wurde das Kino und auch das Radio immer mehr vom TV abgelöst. Das ist so geblieben, außer, dass in der jüngsten Zeit das Internet noch dazu kam.
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André Gide
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Volker

Anfänger

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Beiträge: 43

7

Dienstag, 9. Januar 2018, 19:26

Man vergleiche mal die territoriale Größe des Deutschen Reiches vor 1945 mit seinen verschiedenen Filmproduktionsfirmen und Standorten mit der kleinen DDR, die nur die Produktionsgesellschaft DEFA hatte. Zu den DEFA-Filmen zählt man auch meist die sogenannten Auftragsproduktionen - meist für das Fernsehen realisiert, ab und an auch für ausländische Firmen. Der Deutsche Fernsehfunk / später: Fernsehen der DDR hat ab 1952 natürlich auch viele Eigenproduktionen (Fernsehfilme, Fernsehspiele, Serien) hergestellt. Das Kino war in der DDR durchaus wichtig und erfolgreich - neben diesem oder jenem DEFA-Film natürlich die international erworbenen Filme.
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Vogel Specht

Erleuchteter

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Beiträge: 49 133

8

Dienstag, 9. Januar 2018, 19:31

Stimmt, das hatte ich auch nicht berücksichtigt. Vielen Dank für den Hinweis. Und man muss ja auch sagen, dass man im ersten Moment denkt, dass man im Krieg sich nicht so auf den Film konzentrieren kann. Doch neben der "Ablenkung" und der Propaganda, für die der Film im 2. Weltkrieg geeignet war, war es schließlich auch so, dass man die Filme viel besser vermarkten konnte. 1. weil die Soldaten überall stationiert waren und neben den Kampfhandlungen und dem Organisatorischen auch - in den ruhigeren Phasen - viel Zeit fürs Kino hatten. 2. Weil man in den besetzten Gebieten die Filme gezeigt hat. Nicht umsonst ist "Die große Liebe" der unschlagbar erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten.
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Conrad

Profi

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9

Mittwoch, 10. Januar 2018, 18:04

Vielleicht wäre es in dem Zusammenhang mal interessant zu schauen wie groß die Filmproduktion von den Anfängen der zwanziger Jahre bis 1933 im Vergleich zur NS-Zeit war. Das würde mit Sicherheit auch sehr viel aussagen inwieweit die Filmproduktion im Dritten Reich hochgefahren wurde.

Zum dem, was Nostalgie Fan gesagt hat, ist mir noch etwas eingefallen: Hat der der Exodus der ganzen Filmschaffenden tatsächlich Lücken in Deutschen Filmen hinterlassen? Waren die wirklich so groß? Es waren bekannte Namen, die Deutschland verließen, aber die Anzahl war trotzdem überschaubar. Außerdem sind nicht alle 1933 gegangen. Manche kamen wieder zurück. Man konnte es sich außerdem leisten, Leute ins Abseits zu stellen. Diese Namen vermisst heute niemand. Der Unterschied zu Emigranten ist lediglich, dass sie passiv handelten und somit Opfer waren, die einem allenfalls leid tun, während Emigranten aktiv handeln und damit spektakulärer sind.
Junge Stars werden zwangsläufig älter und müssen ersetzt werden. Dazu kommt, dass Karrieren nur in Ausnahmefällen länger als ein paar Filme dauern - wenn überhaupt so lang. Das gilt auch für die Karriere von Regisseuren usw.
Leute für Massenware findet man immer.
Die Umstellung von Stummfilm auf Tonfilm war viel gravierender und einschneidender, aber wo Stars Platz machen mussten, sind neue nachgekommen.

Wenn ich mir diese Überlegungen anschaue, kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass der Einschnitt heute weit überschätzt wird. Man sieht es sind große Namen, die gegangen sind und denkt, dass das ein furchtbarer Verlust war, und dann zieht man Rückschlüsse. Aber wer ohne dieses Hintergrundwissen an die Filme rangehen würde, würde bestimmt zu einem anderen Ergebnis kommen und 1933 keinen großen Einschnitt erkennen - auch nicht, was die Namen betrifft. Es gab auch im Dritten Reich sehr kreative Filmschaffende und tolle Schauspieler. Manche wurden früher bekannt, andere später. Bekannte Filmschaffende kamen und gingen wieder. Nur in Ausnahmefällen dauerten diese Karrieren über viele Jahre. Es war ständig alles im Fluss. Es wurde einfach eine andere Art von Film erwartet, und auf die reagieren heutzutage eben viele distanziert. Aber auch diese Veränderung hat sich über eine gewisse Zeit hingezogen und ist nicht spektakulärer als andere Entwicklungen. Das wird sie erst, wenn man unser Wissen über das Dritte Reich und seine Konsequenzen dazunimmt. Außerdem haftet jedem Film aus der Zeit das Stigma an, in der NS-Zeit gedreht worden zu sein, und auch das macht es heute solchen Produktionen schwerer, angenommen zu werden. Bzw. sie werden aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und als Teil eines festen und starren Blocks gesehen, den es so nie gegeben hat.

Dieser Beitrag wurde bereits 10 mal editiert, zuletzt von »Conrad« (10. Januar 2018, 21:29)

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Conrad

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10

Mittwoch, 10. Januar 2018, 19:28

Zum Antisemitismus muss man auch noch etwas sagen: Harald Welzer und Sönke Neitzel haben 2011 gezeigt, dass sich die Veränderung viel schleichender vollzogen hat als man heute glaubt. Man kennt die Geschichte der NS-Zeit und ihre Konsequenzen, und aus diesem Wissen zieht man Rückschlüsse, die oft auch die Erinnerung der Beteiligten beeinflussen. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war für die Deutschen kein einschneidendes Ereignis. Die vielen Berichte von Personen, die später sagten, sie oder Verwandte hätten sofort gewusst: 'Hitler bedeutet Krieg!' 'Ab jetzt hat sich in Deutschland alles verändert!' oder Ähnliches, sind von diesem Wissen nachträglich beeinflusst.Viele, auch regimekritische Menschen, haben diesen Prozess nicht oder zu spät erkannt.
Es ist also auch nicht so, dass Hitler Reichskanzler wurde und sofort alle Juden fliehen mussten. Das war ein viel langsamerer Prozess.
Und wie gesagt, die jüdischen, kommunistischen etc. Filmschaffenden, die von den Nazis ausgebootet wurden, vermisst heute niemand. Ich glaube, weil wir uns im Nachhinein der Konsequenzen des NS-Regimes bewusst sind, freuen wir uns über jeden Filmschaffenden, der auf eine Weise reagiert hat, die wir heute gut finden und bewerten die Wirkung dieses Handelns als viel gravierender als sie tatsächlich war.

Unter Historikern hat nach dem Extrembeispiel Daniel Goldhagen ein deutliches Umdenken stattgefunden, und Filmhistoriker werden da nachziehen müssen. In der Filmgeschichte ist man einfach noch zu sehr von Ansätzen wie dem von Siegfried Kracauer beeinflusst, die die Filmgeschichte zu rückwärtsgewandt, aus der Perspektive der jeweiligen Gegenwart, betrachten und vergessen, dass das Ende des Dritten Reichs damals noch die Zukunft war.

Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Conrad« (10. Januar 2018, 20:51)

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Conrad

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11

Mittwoch, 10. Januar 2018, 22:11

Man kann diesen Schluss auch andersrum ziehen: Filme werden schließlich für das Publikum gemacht und damit Leute ins Kino gehen. Dass Hitlers Kanzlerschaft für die Bevölkerung erst schrittweise etwas verändert hat, wird in der Geschichte nicht mehr angezweifelt.
Wäre das im Film anders gewesen und aus irgendeinem Grund hätten die Filmschaffenden sofort die Zeichen der Zeit erkannt, und hätte es mit Hitlers Kanzlerschaft eine einschneidende Veränderung in der Filmindustrie gegeben, wären die Leute ins Kino gegangen und hätten gesagt: "Huch! Der deutsche Film ist ja plötzlich ganz anders!" "Wir sehen auf einmal ganz andere Darsteller!" oder "Um Gottes Willen! Die Filme sind auf einmal viel schlechter geworden!"
Genau das war aber nicht der Fall. Daraus kann man nur die Konsequenz ziehen, dass 1933 für den Film eben keine einschneidende Veränderung bedeutet hat.

Man könnte sich auch mal die Namen der emigrierten Filmschaffenden ansehen (wobei die auch zu unterschiedlicen Zeiten emigriert sind) und sich anschauen, wann sie ihre letzten wichtigen Filme gedreht hatten und ob das überhaupt aufgefallen sein kann, dass sie emigriert sind: Fritz Lang hatte zum Beispiel vorher nur zwei Tonflme gedreht, wobei die auch noch zwei Jahre auseinander lagen. Dass er danach keine mehr gedreht hat, ist also niemandem aufgefallen. Marlene Dietrich hatte 1930 nur einen deutschen Tonfilm gedreht. Ihre Emigration hat also auch keine Bedeutung gehabt. Max Reinhardt hat überhaupt keinen wichtigen Film gedreht. Leopold Jessner nur zwei und der letzte war 1923 usw.
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Vogel Specht

Erleuchteter

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12

Mittwoch, 10. Januar 2018, 22:33

Der Exodus war wenn dann in den individuellen Handschriften zu sehen, die fehlten - wie die von Fritz Lang z.B. - aber die Plätze wurden halt neu besetzt, manchmal ggf. gut, manchmal eher nicht gut, das müsste man individuell beurteilen.

Zitat

dass sich die Veränderung viel schleichender vollzogen hat als man heute glaubt.

Glaube ich auch.

Zitat

Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war für die Deutschen kein einschneidendes Ereignis. Die vielen Berichte von Personen, die später sagten, sie oder Verwandte hätten sofort gewusst: 'Hitler bedeutet Krieg!' 'Ab jetzt hat sich in Deutschland alles verändert!' oder Ähnliches, sind von diesem Wissen nachträglich beeinflusst.

Ganz genau so ist es. Das ist übrigens ein Grund wieso ich Briefe und Tagebücher so schätze, weil sie aus der Zeit heraus erzählen und nicht nachträglich verfälscht sind. Die Erinnerungen von Fritz Lang, der behauptet hat, einen Tag nach (oder wars seiner Behauptung nach noch am selben Tag?) seiner Vorladung bei Goebbels das Land verlassen zu haben, ist das beste Beispiel. Inzwischen konnte man Belegen, dass Fritz Lang noch lange im Land war, bevor er ausreiste.
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André Gide
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Conrad

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13

Mittwoch, 10. Januar 2018, 22:44

Also kann man Nostalgie Fans Frage ja ganz einfach beantworten: Die Frage, wie die Nazis den künstlerischen Verlust ausgleichen konnten, stellt sich gar nicht, weil es diesen künstlerischen Verlust in dieser Form nicht gab.
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Vogel Specht

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14

Mittwoch, 10. Januar 2018, 22:56

Zumindest nicht von der Quantität. Die Qualität müsste man im Detail durchkauen. Aber dei Grundfrage in dem Thema bezieht sich ja auf die Quantität. Aber ich finde das schon gut beantwortet, gerade der Faktor der Größe des Staates / Menge der Einwohner / Veränderung der Medienwelt. Was noch ein wenig offen bleibt ist die Frage, wie wichtig Kinofilme für die jeweiligen politischen Systeme waren. Die waren in der DEFA-Zeit schon auch noch wichtig, bis 1945 aber wohl noch wichtiger, eben weil es auch neben dem Radio und den Druckerzeugnissen das Hauptmedium war, was die Propaganda angeht.
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André Gide
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Conrad

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15

Mittwoch, 10. Januar 2018, 22:59

Zumindest nicht von der Quantität. Die Qualität müsste man im Detail durchkauen.

Wobei sich dann auch die Frage stellen muss, wie weit man diese Details überhaupt trennen kann, nachdem Filme von so vielen Eimzelpersonen gemacht werden und kein Regisseur etc. einen festen Platz besetzt, der nachher von einem Regisseur etc. neu besetzt werden muss.

Aber was deine Frage zur Bedeutung des Faktors Film für ein jeweiliges System angeht, bin ich absolut deiner Ansicht.
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Vogel Specht

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16

Mittwoch, 10. Januar 2018, 23:02

Auch das ist eine individuelle Frage. Es gibt Filme, die mehr die Arbeit einer Gruppe sind (oft hat der Kameramann z.B. viel Einfluss), andere Filme sind Werke von Diktatoren/Sklaventreiber, wie eben Fritz Lang, Helmut Dietl und co. Und die hinterlassen dann oft ihre eigene individuelle Handschrift.
Aber mit der ganz trockenen Frage nach der Anzahl der Filme hat das doch wenig zu tun? Was nicht heisst, dass wir das hier nicht besprechen dürfen. Ich habe nur den Eindruck, dass Du das direkt in Verbindung bringst. Was man bei genaurer Betrachtung schon tun kann: Wenn eine Filmfirma einen Film wie "Metropolis" stemmen muss, fehlen die Mittel für X andere Filme, die dann ggf. erst garnicht produziert werden.
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Conrad

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17

Mittwoch, 10. Januar 2018, 23:04

Mir ging es hier konkret um die Frage von Nostalgie Fan, wie die Nazis den künstlerischen Verlust ausgleichen konnten. Ich habe dazu einen "Unterthread" aufgemacht ;) , weil ich das Thema sehr spannend finde. Wer sich mit Filmen aus dem Dritten Reich beschäftigt, wird von dieser Frage ja permanent "verfolgt".

Die Frage nach der Anzahl der Filme finde ich schon sehr gut beantwortet worden. Für Tiefergehendes müssten wir genauere Zahlen haben. Ich habe mich darauf nur in meiner Bemerkung bezogen, dass man sich auch die Anzahl der Filme in der Weimarer Republik anschauen müsste.
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Vogel Specht

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18

Mittwoch, 10. Januar 2018, 23:12

Zitat

dass man sich auch die Anzahl der Filme in der Weimarer Republik anschauen müsste.

Ja das wäre noch interessant. Ansonsten finde ich die Grundfrage auch ganz gut beantwortet.

Zitat

Mir ging es hier konkret um die Frage von Nostalgie Fan, wie die Nazis den künstlerischen Verlust ausgleichen konnten.

An Talenten mangelt es ja nicht. Die Zahl der Exilanten aus der Filmbranche war natürlich groß, aber Ersatzpersonal war genug da. Man kann dann natürlich diskutieren wieviel gute Leute darunter waren und wieviele (was man im Mainstream dann gerne bringt) Leute, die dann einfach nur seichte Massenware für das Publikum produzierten. Ein Helmut Käutner ist ja z.B. ein Beweis dafür, dass es schon auch Talente gab, die zum Zuge gekommen sind.
Ich für meinen Teil bin immer wieder fasziniert wieviel Grundqualität in der Filmbranche vorhanden war zu jener Zeit. Buerteilt nach eigenen Beobachtungen. Aber dann kann man das auch prüfen, in dem man einfach mal bei imdb.com die Bewertungen der Filme aus der Zeit durchgeht. Meist findet man 6 von 10 bis 7,5 von 10 Punkten.
Das übrigens nicht nur in den fimlen der 30er/40er Jahre - auch bei den DEFA-Filmen ist eine bemerkenswerte Qualität vorhanden, wenn man nach den Bewertungen des Publikums geht.
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André Gide
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Conrad

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19

Donnerstag, 11. Januar 2018, 06:32

An Talenten mangelt es ja nicht. Die Zahl der Exilanten aus der Filmbranche war natürlich groß,


Ich glaube, dass die Wirkung der Exilanten maßlos überschätzt wird. Sie haben de facto kaum bemerktbare Lücken im deutschen Film hinterlassen. Oder diese sind erst im Rückblick auf lange Sicht bemerkbar, wie du das am Beispiel Fritz Lang gezeigt hast. Erstens sind bei weitem nicht alle 1933 gegangen, sondern viele schon vorher und viele nachher, zweitens waren sie alle nicht pausenlos aktiv, und außerdem gibt es sowieso eine ständige Fluktuation in der Filmbranche. In meinen Beiträgen gestern habe ich ja versucht das deutlich zu machen.

Außerdem war das Ziel vieler Filmschaffenden sowieso Hollywood. Deshalb ist auch Marlene Dietrich in die USA gegangen oder Wilhelm Dieterle. Detlef Sierck blieb in Deutschland obwohl er Nazigegner war und emigrierte erst 1937.
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Conrad

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20

Donnerstag, 11. Januar 2018, 06:34

auch bei den DEFA-Filmen ist eine bemerkenswerte Qualität vorhanden, wenn man nach den Bewertungen des Publikums geht

Konrad Wolfs Sterne (1959) gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Das, was ich von Konrad Wolf kenne, macht ihn für mich zu einem der besten Regisseure, die Deutschland je hatte.
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