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sisterandi

Anfänger

Registrierungsdatum: 30. September 2012

Beiträge: 24

21

Donnerstag, 11. Januar 2018, 09:37





An Talenten mangelt es ja nicht. Die Zahl der Exilanten aus der Filmbranche war natürlich groß,


Ich glaube, dass die Wirkung der Exilanten maßlos überschätzt wird. Sie haben de facto kaum bemerktbare Lücken im deutschen Film hinterlassen. Oder diese sind erst im Rückblick auf lange Sicht bemerkbar, wie du das am Beispiel Fritz Lang gezeigt hast. Erstens sind bei weitem nicht alle 1933 gegangen, sondern viele schon vorher und viele nachher, zweitens waren sie alle nicht pausenlos aktiv, und außerdem gibt es sowieso eine ständige Fluktuation in der Filmbranche. In meinen Beiträgen gestern habe ich ja versucht das deutlich zu machen.

Außerdem war das Ziel vieler Filmschaffenden sowieso Hollywood. Deshalb ist auch Marlene Dietrich in die USA gegangen oder Wilhelm Dieterle. Detlef Sierck blieb in Deutschland obwohl er Nazigegner war und emigrierte erst 1937.
Das sehe ich anders. Vielleicht auch schon deshalb, weil ich mich mehr mit dem Kino der Weimarer Republik (inkl der Stummfilme) beschäftige, als mit dem Kino des 3. Reichs. Ich stimme überein, dass es ein schleichender Prozess war, und dass 1933 nach Hitlers Ernennung noch viele sich die Konsequenzen nicht ausmalen konnten, und Hitler unterschätzten. Aber nach dem im März 1933 die NSDAP auf einmal die absolute Mehrheit verfehlte, machte die NSDAP Ernst mit einschneidenen Maßnahmen, wie dem Ermächtigungsgesetz, dem Verbot bzw Auflösung aller anderen Parteien außer der NSDAP, usw. Spätestens nach dem Tode von Reichspräsident Hindenburg 1934 und die Übernahme dieses Amtes auch durch Hitler wurde der Nationalsozialismus Alltag. Über 1500 Filmschaffende verließen Deutschland bis 1939. Das war schon eine Menge. Man darf nicht vergessen, welchen internationalen Stellenwert das Weimarer Kino vor 1933 hatte. Es war international fast auf einer Stufe mit Hollywood. Deutsche Filme liefen in allen Teilen der Welt. Stars wie Lilian Harvey, Brigitte Helm, Willy Fritsch, Harry Piel, Asta Nielsen, usw waren in Rußland oder Südamerika und selbst beim Erzfeind Frankreich ebenso bekannt und Stars wie Charlie Chaplin, Douglas Fairbanks, Greta Garbo oder Mary Pickford. Wenn ich mir ausmale, wie es gewesen wäre wenn Koryphäen und Talente vor und hinter der Kamera, wie Billy Wilder, Robert Siodmak, E.A. Dupont, Fritz Lang, Max Ophüls, Walter Reisch, Henry Koster, Robert Wiene, Joe May, Richard Oswald, Erich Pommer, Otto Preminger, Fritz Kortner, Peter Lorre, Conrad Veidt, Elisabeth Bergner, Gitta Alpar, Martha Eggerth, Otto Wallburg, Kurt Gerron, usw, usw. in Deutschland geblieben wären, dann hätte das deutsche Kino Hollywood vielleicht irgendwann den Rang abgelaufen. Aber so kehrten diese internationalen Superstars des deutschen Kinos Deutschland den Rücken, und halfen dabei den Ruf und die Macht Hollywoods weiter auszubauen. Leider nicht alle der vorher genannten, denn gerade die beiden letztgenannten Otto Wallburg und Kurt Gerron wurden von den Nazis im holländischen Exil gefaßt und danach im KZ ermordet. Man bemerkt schon einen Unterschied der Filme der Weimarer Republik und der des 3.Reichs. Bis ca 1934 waren die Filme noch sehr vom Weimarer Kino beeinflußt, spätestens ab 1935 wurden die Filme anders. Ich kann es nicht im Detail sagen, was anders ist, aber die Leichtigkeit und Unbekümmertheit, manchmal auch die Naivität des Weimarer Kinos ist weg. Ob, das an dem Verlust der Exilanten liegt, oder am Zeitgeist oder an der zunehmenden Einmischung Goebbels in alle Belange der Filmproduktion ist schwer festzumachen, und am ehesten eine Mischung aus all diesen Gründen. Deshalb denke ich, dass der Verlust der Exilanten schon ein einschneidener Verlust für das deutsche Kino war. Es ging daran nicht zu Grunde, aber es wurde anders, und meiner Meinung nach nicht besser. Hollywood wurde aber besser, dadurch dass auf einmal Billy Wilder, Fritz Lang, Henry Koster, Otto Preminger usw Ihr Talent in dessen Dienst stellten.
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Conrad

Profi

Registrierungsdatum: 25. Mai 2011

Beiträge: 1 605

22

Donnerstag, 11. Januar 2018, 15:40

Bis ca 1934 waren die Filme noch sehr vom Weimarer Kino beeinflußt, spätestens ab 1935 wurden die Filme anders.


Das ist genau der Punkt, den ich meine: Du nennst die Jahre 1934 und 1935. Hitler wurde aber schon am 30. Januar 1933 Reichskanzler. Das bedeutet, dass du mindestens eine Zeitspanne von zwei Jahren abdeckst. Nachdem das Dritte Reich aber nur insgesamt 12 Jahre dauerte, ist das sehr wohl ein Prozess, der einiges an Zeit in Anspruch nahm.
Das bestätigt also meine Aussage.

Und was die Bedeutung der Filmschaffenden betrifft, hier nur ein paar Beispiele: Robert Wiene hatte seit 1924 mit Orlacs Hände nichts Bedeutendes mehr auf die Reihe bekommen. Richard Oswalds letzter einigermaßen wichtiger Beitrag vor 1933 war allenfalls Der Hauptmann von Köpenick (1931). Er hat viel Massenwirksames produziert, war ein guter Handwerker, aber nicht mehr. Fritz Lang versuchte sich ganz offensichtlich mit Goebbels zu arrangieren. Das hat nicht funktioniert. Insofern ist die Frage, ob man ihn nicht doch zu den 'Abgelehnten' zählen sollte. Elisabeth Bergner ging auf die 40 zu, Joe Mays letzter halbwegs wichtiger Beitrag war 1929 Asphalt. Auch er gehört nicht zu den bedeutendsten deutschen Regisseuren, sondern war zeitweise einer der erfolgreichen Handwerker. In Hollywood hat er kein Bein auf den Boden gebracht. Asta Nielsen hat den Übergang zum Tonfilm nicht geschafft. Willy Fritsch, Lilian Harvey, Harry Piel und Brigitte Helm, die du als Beispiele nennst, blieben in Deutschland und sind nicht emigriert usw.

Man darf sich nicht zu sehr darauf konzentrieren, wer Deutschland verlassen hat, sondern wen das Kino in den dreißiger Jahren vorzuweisen hatte: Marianne Hoppe, Ilse Werner, Brigitte Helm, Zarah Leander, Hilde Krahl, Lizzy Waldmüller, Käthe von Nagy, Brigitte Horney, Jenny Jugo, Angela Salloker, Hertha Feiler, Anny Ondra, Dorothea Wieck, La Jana, Kristina Söderbaum usw. usw.
Hans Albers, Heinz Rühmann, Paul Kemp, Oskar Sima, Heinrich George, Emil Jannings, Ferdinand Marian, Willy Fritsch, Karl Valentin usw.
Regisseure wie Gustav Gründgens, Curt Goetz, Reinhold Schünzel, Paul Martin, Karl Hartl, Helmut Käutner, Leni Riefenstahl, Willi Forst, Harry Piel usw.

Lilian Harvey ist übrigens ein Beispiel für das, was ich damit meine, dass alles im Fluss ist. Sie wurde für ihr Rollenprofil einfach zu alt und wurde ausgemustert.

Ich sage ja, dass sich die Filme verändert haben. Dass ihnen die Leichtigkeit fehlt und dass das tatsächlich an fehlendem Talent der Filmschaffenden liegt, muss erst einmal belegt werden. Ich persönlich sehe den Grund im Zeitgeist, der sich änderte. Keiner von uns kann irgendwas belegen. 'Was wäre gewesen, wenn...' ist reine Spekulation.

Was meine Äußerungen darüber betrifft, inwieweit das Jahr 1933 einschneidend war oder nicht, empfehle ich dir Soldaten: Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben (2011), in dem Harald Welzer und Sönke Neitzel Material ausgewertet haben, das erst vor gut zehn Jahren entdeckt wurde und die Sicht auf den Alltag des Dritten Reichs grundlegend verändert hat.

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Conrad« (11. Januar 2018, 17:33)

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Conrad

Profi

Registrierungsdatum: 25. Mai 2011

Beiträge: 1 605

23

Donnerstag, 11. Januar 2018, 16:22

Was deine Aussage betrifft, dass Deutschlands Kino Hollywood den Rang abgelaufen hätte, musst du bedenken, dass von 1935 bis 1939 nur vier Jahre waren, also nur zwei mehr als die zwei Jahre, die zwischen 1933 und 1935 waren, die du für die Übergangsphase mindestens ansetzt. Und der Beginn des Zweiten Weltkriegs war sehr wohl ein einschneidendes Ereignis.

Die Beispiele, die du anführst, stammen aus den Jahren 1918 bis 1933, also fünfzehn Jahre. In dieser Zeit musste der deutsche Film übrigens auch den Weggang von Ernst Lubitsch und F. W. Murnau verkraften. Auch das hat man geschafft. Die Zeit des Weimarer Kinos ist genausowenig ein fester Block wie die Zeit von 1933 bis 1945. Auch da gab es viele Veränderungen. Und ohne Otto Wallburg und Kurt Gerron zu nahe zu treten: Komiker von Weltrang waren sie definitiv keine. Exportiert wurden sie genausowenig wie andere deutsche Komiker.

Außerdem darfst du nicht vergessen, dass viele der Namen, die du genannt hast, ihre Blütezeit erst in Hollywood erfahren haben. Das heißt aber im Umkehrschluss auch, dass sie in Deutschland noch keine oder wenn, dann nur eine sehr kleine Lücke gelassen haben. Den Erfolg in Hollywood kannst du aber nicht eins zu eins auf das Deutsche Reich übertragen. Auf Grund der ganz anderen Bedingungen wäre ihre Karriere im Deutschen Reich anders verlaufen. Ihre Referenzrahmen wären dann vollkommen andere gewesen. Das lässt sich auch sehr gut an den Untersuchungen von Harald Welzer und Sönke Neitzel belegen.

Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von »Conrad« (11. Januar 2018, 17:50)

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Vogel Specht

Erleuchteter

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Beiträge: 49 124

24

Donnerstag, 11. Januar 2018, 23:17

Vielen Dank für den Beitrag sisterandi

Ich kenne mich im Detail zugegebenermaßen nicht so gut aus, aber war es nicht so, dass Ende der 20er Jahre die UFA pleite war und schon Verträge gemacht hat, so und soviel Filme aus Hollywood zu zeigen, um sich über Wasser hatlen zu können (irgendwie so). Also auch ohne den NS-Staat wären doch auch aus finanziellen Gründen weiterhin viele viele Filmschaffende in die USA gegangen, sicher nicht soviele wie es dann auch der Fall war, aber auch eine große Anzahl. Und besonders die Größten und Talentiertesten werden gerne abgeworben. Deswegen würd eich nicht sagen, dass das deutsche Kino den Weltrang Nr. 1 hätte erreicht wenn die NS-Zeit nicht gekommen wäre, weil Hollywood einfach besser aufgestellt war. Oder irre ich mich hier?

Ansonsten finde ich die Filme der 30er Jahre, besonders die Unterhaltungsfilme, extrem erfüllt von Leichtigkeit (ob authentisch oder gestellt lasse ich mal offen). Ich kenne nicht sehr viele Filme aus der Zeit - zugegeben - die die ich aber kenne, finde ich wirklich fasiznierend, 1. wegen der Grundqualität die die Filme besitzen und 2. wegen eben dieser Leichtigkeit und beschwingtheit. Dazu gehören Filme mit Heinz Rühmann, Moser, Lingen, Fritsch, ich denke da aber auch an Filme wie "Herz modern möbliert", "Heinz im Mond", "13 Stühle", "Der Mann, von dem man spricht", "Der Optimist", "Kleine Residenz" (ein herrlicher Film!), "Knock Out", "Die Feuerzangenbowle", aber auch Propagandafilme wie "Feind hört mit" oder "Über alles in der Welt". Besonders letztgenannter ist sehr faszinierend, weil er eben Propaganda und diese Leichtigkeit und das Selbstverständnis, das die Nationalsozialisten (nicht die Führung, sondern die breite Masse), verspürten, übermittelt.

Conrad spricht einige sehr gute Punkte an, finde ich.

Einerseits: Für manche war "ihre Zeit" unabhängig von der politischen Lage schon vorbei. Es ist ja auch heute so, dass es lebende Legenden gibt (wie z.B. Werner Herzog), deren neuste Werke höchsten noch einen Hauch der Genialität ihrer frühen Werke haben. Die Zeit ist einfach vorbei. Das lag damals ggf. auch am Wandel vom Stummfilm zum Tonfilm - aber auch andere Faktoren spielen mit rein - nicht selten persönliche faktoren. Manche Künstler haben ihr "hoch" im hohen Alter, manche in ihrer sturm-und-drang-phase usw.

Zitat

Man darf sich nicht zu sehr darauf konzentrieren, wer Deutschland verlassen hat, sondern wen das Kino in den dreißiger Jahren vorzuweisen hatte

Auch ein guter Punkt (ich bin begeistert, wie oft ich mit Conrad im Moment einer Meinung bin :-D )

Zitat

Ich sage ja, dass sich die Filme verändert haben. Dass ihnen die Leichtigkeit fehlt und dass das tatsächlich an fehlendem Talent der Filmschaffenden liegt, muss erst einmal belegt werden.

Meine Rede!

Ich habe auch den Eindruck, dass viele es einfach nciht schaffen unvoreingenommen Filme aus der "heißen NS-Phase" anzuschauen, weil sie einfach zu sehr den NS-Staat im Kopf haben, aber nicht beachten, dass Filme individuelle Werke sind (Käutner hat es ja wunderbar geschafft, eigene Aspekte einzubringen in seinen Filmen und seine Filme schon fast als Widerstandsmittel zu konzipieren). Und dabei die Qualitäten usw. dieser Filmjahre übersehen oder nicht sehen wollen.
Dokumentationen zur deutschen Filmgeschichte belegen das ja. Da geht es ewig um die Anfänge und um die Stummfilmäre (berechtigt natürlich), dann 2 Minuten über die NS-Filme (Runtergebrochen auf Propaganda und seichte Untehraltung, wenn man GLÜCK hat, wird mal Käutner angesprochen z.B.), dann gehts ewig um die Trümmerfilme, DEFA und Westfilme, Autorenfilme usw. Und das wars. Alle Themen haben ihre Berechtigung, aber die Fimle aus der NS-Zeit werden - egal welchen Hintergrund sie haben - einfach mal über einen Kamm geschert und punkt.
„Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“

André Gide
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Conrad

Profi

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Beiträge: 1 605

25

Samstag, 13. Januar 2018, 10:57

Ich habe auch den Eindruck, dass viele es einfach nciht schaffen unvoreingenommen Filme aus der "heißen NS-Phase" anzuschauen, weil sie einfach zu sehr den NS-Staat im Kopf haben, aber nicht beachten, dass Filme individuelle Werke sind

Genau den Punkt habe ich erst vorgestern deutlich gemerkt als ich mir mal wieder Glückskinder angesehen habe. Allerdings passt das ja eigentlich gar nicht mehr in dieses Thema hier. Deshalb habe ich meine Beobachtungen dazu in den alten Thread zu dem Film, den wir vor vielen Jahren mal aufgemacht haben, gestellt.
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Beiträge: 537

26

Samstag, 13. Januar 2018, 14:55

Zitat von Conrad:

Zitat

"Also kann man Nostalgie Fans Frage ja ganz einfach beantworten: Die Frage, wie die Nazis den künstlerischen Verlust ausgleichen konnten, stellt sich gar nicht, weil es diesen künstlerischen Verlust in dieser Form nicht gab."

Ich glaube auch, dass ich den künstlerischen Verlust durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten überschätzt habe. Künstlerische Verluste hat es aber definitiv gegeben. Auch viele bekannte Schauspieler, die bis 1933 im deutschen Film aktiv waren, mussten Deutschland verlassen. Diejenigen, die mir spontan einfallen, liste ich hier mal auf:

Richard Tauber
Szöke Szakall
Peter Lorre
Fritz Grünbaum
Ernst Verebes
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Vogel Specht

Erleuchteter

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Beiträge: 49 124

27

Samstag, 13. Januar 2018, 20:31

Definitiv gab es einen Verlust im individuellen Bereich. In der Breite wurde der aber in gewisser Weise ausgeglichen.

Ich hätte Peter Lorre auch gerne noch in deutschen Filmen gesehen (wobei - was Conrad ja gut ausgeführt hat in anderen Fällen - wir ja nicht wissen, ob er nach seiner Rolle in "M" nicht sowieso in die USA gegangen wäre). Auch weitere deutsche Werke von Fritz Lang hätte ich gerne gesehen. Wobei wir auch nicht wissen, ob er seinen Stil so beibehalten hätte. Sein 1960er Jahre "Mabuse" ("Die 1000 Augen des D.r Mabuse") finde ich z.B. recht langweilig (ich hab ihn schon länger nicht mehr gesehen, ggf. würde ich es jetzt anders sehen).
„Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“

André Gide
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Conrad

Profi

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Beiträge: 1 605

28

Sonntag, 14. Januar 2018, 12:08

Richard Tauber
Szöke Szakall
Peter Lorre
Fritz Grünbaum
Ernst Verebes

All das sind aber keine Schauspieler, die international von Belang waren - mit Ausnahme vielleicht von Peter Lorre in den USA. Und wie erfolgreich seine spätere Karriere in Hollywood war, wird sehr unterschiedlich beurteilt. Meiner Meinung nach war er sehr erfolgreich - aber eben als Nebendarsteller oder als Hauptdarsteller in B-Movies. Aber er hatte in Deutschland lediglich mit M 1930 eine richtige "Duftmarke" gesetzt, obwohl das nicht sein einziger deutscher Film war. Wenn man daran interessiert ist, wie sich diese Darsteller in deutschen Filmen nach 1933 gemacht hätten, ist das natürlich absolut legitim, aber trotzdem konnten sie problemlos ersetzt werden. Eine prägende Wirkung auf den deutschen Film hatten sie allesamt nicht.
Und einen Aspekt lässt man leicht unter den Tisch fallen: Stars sowohl der Weimarer Republik, als auch des Dritten Reichs, waren "One-Hit-Wonders", fielen durch ihren frühen Tod aus oder einfach dadurch, dass sie sich vom Film zurückzogen. Die lobt man für ihre Erfolge, aber ich kenne keinen einzigen Fall, in dem es nachher aus solchen Gründen heißt: Hier wird schmerzlich der Darsteller oder die Darstellerin vermisst - und zwar auf längere Zeit durchgängig. Für die Filme, die im Dritten Reich gedreht wurden, hatte man das Personal.
Mein Eindruck ist: Drehten Regisseure in der Weimarer Republik gute, erfolgreiche oder sehr gute Filme, besteht immer die Tendenz, anzunehmen, sie hätten dieses Niveau durchgängig gehalten (ein markantes Beispiel: Robert Wiene). Man erkennt auch andauernde Wirkungen an (zum Beispiel auch den frühen Ernst Lubitsch). Taten das Regisseure im Dritten Reich, ist die Tendenz genau andersrum: Man unterstellt ihnen, das seien Ausrutscher nach oben (zum Beispiel Veit Harlan, der grundsätzlich nur politisch beurteilt wird), oder man ignoriert sie gerne in ihrer Wirkung (zum Beispiel Curt Goetz). Besonders markant finde ich hier den Film Münchhausen: Hat irgendjemand von euch schon einmal gelesen, Josef von Bakys Regie hätte dem Film zum Nachteil gereicht? Reinhold Schünzels Amphitryon ist auch so ein Beispiel.

Eine Nebenbemerkung auch zu Marlene Dietrich und Der blaue Engel. Dessen Erfolg wurde von Hollywood (ich glaube Paramount) unterdrückt, weil Marlene Dietrich mit Morocco (1930) groß herausgebracht werden sollte. Zu glauben, sie wäre nach ihrem Erfolg nach Deutschland zurückgekehrt um dem dortigen Film zu Hollywooddimensionen zu verhelfen und wurde nur durch den Erfolg der Nationalsozialisten davon abgehalten, ist absurd. Wenn man ihr Tränen nachweint, kann man das natürlich machen, aber man darf in diesem Fall nicht den Regierungswechsel 1933 verantwortlich machen.

Und auch Emil Jannings ist in diesem Fall meiner Meinung nach ein interessantes Beispiel: Man ist in Deutschland stolz auf seine Erfolge in den USA. Und er kehrte wieder zurück. Dass er eine Lücke geschlossen haben soll, wird nie gesagt. Man wirft ihm aber im Dritten Reich vor, er hätte schauspielerisch an Format eingebüßt. Die Frage, ob bei diesem Urteil nicht doch politische Gründe mit eine Rolle spielen und dass er die Rollen, die er bekommen hat, nicht doch künstlerisch ausfüllte, darf zumindest gestellt werden.
G. W. Pabst mag zwar ein Verlust gewesen sein, aber auch er kehrte zurück. Nur werden seine Filme nach seiner Rückkehr als eher mittelmäßig eingestuft. Sollte er also auf Jahre hinaus eine Lücke hinterlassen haben, konnte zumindest er selber sie nicht schließen.
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Carry Klips

Fortgeschrittener

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29

Sonntag, 14. Januar 2018, 13:02

Es gibt da durchaus einige Filmschaffende, die nach 1933 nicht oder nur eingeschränkt in Deutschland arbeiten konnten und meiner Ansicht nach dennoch auch international 'von Belang' waren, bloß das international eben nicht unbedingt die USA meint. Ich denke vor allem an viele Künstler, die ihre Karriere in Österreich fortführten, bevor es auch dort nicht mehr möglich war, ohne Schwierigkeiten zu arbeiten. Und in dieser Hinsicht waren etwa Franziska Gaal, Martha Eggerth, Max Hansen oder Rosi Barsony zwar Verluste für den deutschen, aber eben nicht für den deutschsprachigen Film.

Die Filme der östereichischen Emigranten tragen im übrigen nahezu ungebrochen den 'Weimarer' Stil weiter in die Mitte der 30er Jahre, so daß der andere 'Tonfall' in der Produktion des 3. Reiches eventuell doch auch mit der politischen Situation zu tun hat. Und jedes Mal, wenn ich Rosi Barsony tanzen und singen sehe, werde ich daran erinnert, welch ein inadäquater Ersatz Marika Rökk für diese wunderbare ungarische Schauspielerin war... ;)
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Conrad

Profi

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30

Sonntag, 14. Januar 2018, 13:23

Und jedes Mal, wenn ich Rosi Barsony tanzen und singen sehe, werde ich daran erinnert, welch ein inadäquater Ersatz Marika Rökk für diese wunderbare ungarische Schauspielerin war...

Diese Meinung darfst du auf alle Fälle haben. Die will ich überhaupt nicht bestreiten. Auch mir fehlen Schauspieler wie Conrad Veidt. Allerdings sind das eben private Vorlieben, die man nicht generalisieren kann. Bei jedem dieser Namen könnte uns jeder Filmfan ggf. Namen dagegensetzen und sagen "Schau mal, hier!", und in keinem Fall kann man sagen: Diese einzelnen Namen haben dem deutschen Film bei den Filmen, die gedreht wurden, künstlerisch Renomée gekostet.
Keine von diesen Darstellerinnen waren richtige "Schwergewichte" (man beachte die Anführungsstriche ;) ). Gerade Marika Rökk war ein Star, den man gefeiert hat und bei dem man froh war, dass man ihn hatte und nie gejammert hat, dass irgendjemand ihre Rollen noch besser hätte ausfüllen können.

Übrigens möchte ich noch einmal etwas betonen! Ich habe nie bestritten, dass sich deutsche Filme verändert haben, und ich habe auch nie bestritten, dass das mit der politischen Situation zu tun hatte. Das ist aber etwas ganz anderes als die künstlerischen Lücken, von denen ich gesprochen habe. Ich bitte dich, das nicht in einen Topf zu werfen!
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31

Montag, 15. Januar 2018, 01:56


Man könnte sich auch mal die Namen der emigrierten Filmschaffenden ansehen (wobei die auch zu unterschiedlicen Zeiten emigriert sind) und sich anschauen, wann sie ihre letzten wichtigen Filme gedreht hatten und ob das überhaupt aufgefallen sein kann, dass sie emigriert sind.

Wenn man sich die „Leserbriefkästen“ der einzelnen Filmzeitschriften in den Jahren 1933-1936 durchliest, sieht man, dass es den Filmfans damals sehr wohl aufgefallen ist, dass „jemand fehlte“. Bezeichnenderweise sind das tatsächlich oft Namen, die dem durchschnittlich Filminteressierten heute so gut wie nichts mehr sagen, und man kann jetzt mutmaßen, ob das „am Fluss“ lag oder ob ihnen schlicht das Dritte Reich die Karriere versaut hat.
Es fallen sehr oft Namen wie Franz Lederer, Franziska Gaal, Gitta Alpar oder Dolly Haas, wo man jetzt fragen kann: was haben die denn für tolle Filme gedreht, dass man sie damals vermissen konnte. Aber auch diese Wahrnehmung ist ja zeitgenössisch. Wir beurteilen heute, was vermeintlich gute Filme und Darsteller waren und wessen Fehlen es wert war zu bemerken oder auch nicht, aber die Leute damals haben das vielleicht ganz anders gesehen.
Da gab es aufkommende Stars, und plötzlich waren die weg. Damit meine ich nicht notwendigerweise sofort die Emigration, sondern erstmal nur das Verschwinden dieser Stars von der Bildfläche, weil sie nicht mehr filmen durften. Die Filmzeitschriften sind anfangs sogar noch recht ehrlich und beantworten die Nachfragen interessanterweise mit (1933) der Adresse der entsprechenden Darsteller in Deutschland, England oder Übersee, (1934) mit dem Ausdruck „filmt nicht mehr in Deutschland“ oder verschwurbelt „denke nicht, dass dieser Film in Deutschland noch zur Aufführung kommt“ oder aber ab 1935: „ist Nicht-Arier“. Ab 1936 tauchen die Namen nicht mehr auf, wobei man auch hier nicht weiß: wurde nicht mehr gefragt oder wurde es schlicht nicht abgedruckt?

Ich sehe es wie sisterandi: man weiß nicht, welchen Verlauf bestimmte Karrieren genommen hätten, wenn man ihnen die Chance gelassen hätte.

Und ohne Otto Wallburg und Kurt Gerron zu nahe zu treten: Komiker von Weltrang waren sie definitiv keine. Exportiert wurden sie genausowenig wie andere deutsche Komiker.


Ich denke, auch das ist eine zeitabhängige Diskussion. Der eine lacht über Laurel & Hardy, der andere über Siegfried Arno & Kurt Gerron. Letztere verkörperten den deutschen Humor wie er damals angesagt war, und wer weiß, wie wichtig diese Komiker heute wären, wenn es nicht so gekommen wäre wie es gekommen ist. Vielleicht wären sie ja mit dem Fluss geschwommen und irgendwann so gut gewesen, dass man sie synchronisiert hätte. Wobei natürlich Humor insgesamt sehr spezifisch ist.

Otto Wallburg ist meiner Meinung nach ein heute sehr unterschätzter, aber damals doch überaus beliebter Star, was durch sein späteres Schicksal immer ein bißchen in den Hintergrund tritt. Bis 1935 wird auch nach ihm von den Fans noch wirklich überdurchschnittlich oft gefragt. Zunächst gehen die Zeitschriften darauf ein, nach einer bestimmten Zeit antworten sie mit Code, also dass man rauslesen kann, dass der entsprechende Leser wohl nach ihm gefragt hat, und irgendwann wird es zumindest der „Filmwoche“ - dort hab ich‘s nämlich gelesen - zu bunt, und sie beantwortet eine Zuschrift sinngemäß damit, was man denn noch mit diesem „ollen“ Schauspieler, zumal „Nicht-Arier“, wolle, denn es gäbe doch mittlerweile wirklich genug Ersatz. Und mit solchen Äußerungen ist dann auch gleichzeitig bewiesen, dass man damals schon irgendwie einen „Schnitt“ bemerkt hat und es 2-3 Jahre dauerte, bis neue gute Darsteller nachgewachsen waren.

Weder Gerron noch Wallburg konnten übrigens besonders gut englisch und hatten auch deshalb Scheu vor der Emigration in die USA. Deshalb hätte man sie auch mit gutem Willen kaum „exportieren“ können.
Versucht mal, einen Witz in eine Fremdsprache zu übersetzen. Das klappt in den meisten Fällen nicht.
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sisterandi

Anfänger

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Beiträge: 24

32

Montag, 15. Januar 2018, 11:02

Vielen Dank Conrad, für Deine ausführliche Antwort. In einigem stimmen wir ja überein, was z.B. den schleichenden Übergang betrifft ( bis ca 1935).
Robert Wiene hatte seit 1924 mit Orlacs Hände nichts Bedeutendes mehr auf die Reihe bekommen. Richard Oswalds letzter einigermaßen wichtiger Beitrag vor 1933 war allenfalls Der Hauptmann von Köpenick (1931). Er hat viel Massenwirksames produziert, war ein guter Handwerker, aber nicht mehr.
Auch hier stimme ich Dir zu. Dem kann man aber engegen halten, dass diese Regisseure auch wieder zu einem späteren Zeitpunkt einen Erfolg hätten landen können. Die wenigsten lieferten großartige Filme am "laufenden Band" ab.
Fritz Lang versuchte sich ganz offensichtlich mit Goebbels zu arrangieren. Das hat nicht funktioniert. Insofern ist die Frage, ob man ihn nicht doch zu den 'Abgelehnten' zählen sollte.
Fritz Lang war jüdischer Abstammung. Und er duldete keine fremde Einfußnahme auf seine Filme von oben. Er konnte sich vielleicht ausmalen, wie sich die Zukunft in Deutschalnd entwickelt. Natürlich lockte auch Hollywood, mit oder ohne die Nazis. Vor Ihm hatten ja schon Lubitsch und F.W. Murnau erfolgreich über den Atlantik gewechselt, wie Du richtig bemerkst. Insofern ist diese ganze Diskussion sehr hypthetisch, worin wir ja auch wieder übereinstimmen.
Elisabeth Bergner ging auf die 40 zu,
Naja, Sie war 36. Damit genauso alt wie z.B. Lil Dagover oder Käthe Haack. Sogar jünger als Henny Porten. Alle 3 Schauspielerinnen konnten während des 3.Reichs noch erfolgreiche Filme machen. Henny Porten hatte man versucht kalt zu stellen, wegen der Weigerung sich von Ihrem jüdischen Ehemann zu trennen, aber anders als Rühmann und Albers stand Sie zu Ihrer Ehe, und dank Ihrer enormen Popularität konnte Sie sich sogar gegen Goebbels durchsetzen und einige wenige Filme im 3.Reich drehen.
Joe Mays letzter halbwegs wichtiger Beitrag war 1929 Asphalt. Auch er gehört nicht zu den bedeutendsten deutschen Regisseuren, sondern war zeitweise einer der erfolgreichen Handwerker.
Joe May hat 1930 noch "Die letzte Kompagnie" produziert, Regie führte hier zwar Kurt Bernhardt ( ein weiterer Regisseur der in Hollywood seine Karriere erfolgreich fortsetzte), aber er war der Produzent. Und 1933 folgte noch "Ein Lied für Dich" mit Jan Kiepura und Jenny Jugo. Dieser Film wurde im Dezember 1932 gedreht, aber gelangte noch nach der Machtübernahme in die Kino's, obwohl neben Joe May mit Jan Kiepura, Julius Falkenstein und vor allem den Produzenten Rabinowitsch und Pressburger viele Künstler und "Macher" jüdischer Abstammung mitwirkten. Es war jedoch einer der letzten Filme in D mit diesen Künstlern und Produztenten.
Asta Nielsen hat den Übergang zum Tonfilm nicht geschafft.
Asta Nielsen hatte ich als Beispiel für die international bekannten Stars des deutschen Films aufgezählt. Ihr Ruhm rührt aus der Stummfilmzeit, aber wenn man Ihren Tonfilm "Unmögliche Liebe" gesehen hat, weiß man, dass Sie ohne weiteres auch im Tonfilm Erfolg hätte haben können, aber Sie lehnte alle Angebote ab, und zog sich nach der Machtübernahme nach Dänemark zurück. Obwohl Sie Angebote der Nazis hatte, lehnte Sie ab. Das gleiche gilt auch für Brigitte Helm, die noch bis 1935 filmte, aber sich dann zurückzog. Auch hier ist es Spekulation, ob es an den Nazis lag, oder an Ihrem Desinteresse am Filmbusiness insgesamt.
Willy Fritsch, Lilian Harvey, Harry Piel und Brigitte Helm, die du als Beispiele nennst, blieben in Deutschland und sind nicht emigriert usw.
Ja, aber alle diese Namen wurden vor 1933 in Filmen groß die unter Mitwirkung von jüdischen Akteuren entstand. WIlly Fritsch war schon im Stummfilm ein Star, aber seinen Erfolg auch außerhalb Deutschlands hatte er Filmen wie " Die drei von der Tankstelle" und "Der Kongress tanzt" zu verdanken. Ebenso Lilian Harvey. Beide Filme wurden von jüdischen Drehbuchautoren geschrieben. Ersterer Film hatte mit Wilhelm Thiele einen Regisseur jüdischer Abstammung, die Musik stammte in beiden Fällen von Richard Heymann, Lieder die bis heute Klassiker sind. Und mit Oskar Karlweis, Felix Bressart, Kurt Gerron und Otto Wallburg standen auch vor der Kamera in beiden Filmen veritable Schauspieler mit jüdischen Hintergrund vor der Kamera. Nach 1933 konnte der deutsche Film an diese internationalen Erfolge nicht mehr anknüpfen, wenn man mal davon absieht, dass die Proganda Filme in besetzten Gebieten gespielt wurden, und solch ein Erfolg mit dem freien Markt vor 1933 nicht zu vergleichen ist.
Harry Piel war weitgehendst ein self-made Mann, doch wurden einige seiner Filme erfolgreich von Heinrich Nebenzahl produziert, was ihm auch half international zum "europäischen Douglas Fairbanks" aufzusteigen.
Lilian Harvey ist übrigens ein Beispiel für das, was ich damit meine, dass alles im Fluss ist. Sie wurde für ihr Rollenprofil einfach zu alt und wurde ausgemustert.
Naja, ausgemustert ist wohl nicht richtig, bzw wurde das später von den Nazis behauptet. Richtig ist, dass Sie von den Nazis hofiert wurde und diese zunächst dankbar waren, dass Sie aus Hollywood zurückkehrte. Aber da Sie zunehmend auf Konfrontation zu den Nazis ging, indem Sie jüdische Mitarbeiter schützte stand Sie unter Gestapo Beobachtung, und emigrierte schließlich nach Frankreich, wo sie noch zwei Filme drehte, bevor Sie wieder in die USA ging, um den Nazis im besetzten Frankreich zu entgehen.
'Was wäre gewesen, wenn...' ist reine Spekulation.
Da stimme ich Dir zu. Es ist alles Spekulation. Natürlich ist es fragwürdig, ob Billy Wilder, Henry Koster und Otto Preminger auch in Deutschland bzw Österreich so erfolgreich gewesen wären. Das gilt selbst für Marlene Dietrich, die ja wie viele andere vor 1933 nicht aus politischen Gründen nach Hollywood gewechselt ist. Ebenso ist es fragwürdig, ob Joe May, Wilhelm Thiele, aber auch Dolly Haas, Sig Arno, Kurt Gerron, Paul Morgan, Otto Wallburg und etliche andere die in Hollywood gescheitert oder nur bescheidenen Erfolg gehabt haben, in Deutschland Ihre erfolgversprechende Karriere eher hätten fortsetzen können. Wie Fräulein G. richtig bemerkt ist es gerade für Komiker extrem schwer, den Humor in eine andere Sprache zu übertragen.

Es ist natürlich müßig, eine Zarah Leander mit Marlene Dietrich zu vergleichen, oder eine Rosy Barsonny mit Marika Rökk. Aber man hat schon versucht, diese Lücken auszugleichen, und neue Stars aufzubauen. Für das deutsche Publikum ist dies durchaus gelungen, das gebe ich zu. Allerdings hatte das deutsche Publikum auch bald nicht mehr viele Vergleichsmöglichkeiten, denn ausländische Produktionen gab es bald in deutschen Kinos nicht mehr viele, und wenn dann nur ausgewählte, "genehme" Produktionen. International gesehen, aber war das Kino des 3.Reichs auf dem freien Markt nicht mehr so erfolgreich wie zu Weimarer Zeiten. Natürlich war es zugegebenermaßen auch leichter zur Stummfilmzeit als zur Tonfilm Zeit, international Erfolg zu haben, da die Sprachbarriere im Stummfilm wesentlich kleiner ist. Aber zumindest die französischen und englischen Sprachversionen von "Die Drei von der Tankstelle" und "Der Kongress tanzt" hatten immensen Erfolg im europäischen Ausland. Daran konnten man nicht mehr anknüpfen.

Aber alles in allem stimmen wir ja schon in vielen Punkten überein. Die Diskussion kann ja auch nur spekulativ sein. Aber ich bin nach wie vor der Meinung, dass es ein großer Verlust war die vielen Emigranten zu verlieren. Die vielen jüdischen Schauspieler, Drehbuchautioren und Regisseure hatten ein spezifisches Element in den Film gebracht, der das Kino meiner Meinung nach bereicherte. Meinetwegen kann man es ein speziell jüdisches Element nennen. Die Art von Humor, usw. war typisch für die Weimarer Zeit. Das fehlte bewußt im Film des 3. Reichs. Und das fehlt halt auch mir etwas in den Filmen des 3.Reichs, ohne diese Filme schlecht zu machen. Denn Sie sind handwerklich auf einem hohen Niveau, und auch die Qualitäten der vielen Stars, wie Rühmann, Albers, Jannings, George etc sind unbestritten und wurden nach 1933 ja nicht schlechter. Aber für mich fehlte etwas, was ich halt mit dem Verlust der vielen Emigranten in Verbindung bringe.
Für viele andere fehlte halt nichts, und dass ist auch völlig in Ordnung und soll nicht kritisiert werden, ich wollte nur meine Sichtweise darlegen.
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Conrad

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Montag, 15. Januar 2018, 16:08

Puh, das ist schon viel an Antworten. Aber das war ja auch genau der Punkt. Mir geht es darum, das Thema zu erarbeiten und zunächst einmal unabhängig von der politischen Brille zu betrachten. Deshalb habe ich auch parallel über das gleiche Thema mit Frank Noack diskutiert, der das Buch Veit Harlan - "Des Teufels Regisseur" bzw. vor ein paar Jahren Emil Jannings - der erste deutsche Filmstar geschrieben hat. Nachdem er auch Filmhistoriker ist, benutze ich ihn hier auch als Referenzquelle. Das nur vorweg. Ich werde aber nicht bei jeder Aussage darauf hinweisen, ob sie konkret von mir oder Frank Noack ist, nachdem wir weitgehend einer Meinung waren.

Zunächst einmal vorweg: Die Diskussion geht hier vor allem um zwei Fragen. Ich habe den Verdacht, dass wir die ein wenig aus dem Blick verloren haben:

These 1: Hitlers Machtergreifung war ein riesiger Einschnitt im deutschen Film, weil sich auf einen Schlag alles verändert hat.
Antwort: Nein, sondern es war ein Prozess, der sich über mehrere Jahre hingezogen hat.
Den Grund habe ich ja schon ausgeführt. Ich glaube, das können wir so stehenlassen. (Ich habe da auch keinen Widerspruch gefunden. Ich habe diesbezüglich ja auch schon auf Harald Welzer und Sönke Neitzel verwiesen.)

These 2: Die Exilanten haben im deutschen Film Riesenlöcher hinterlassen, die dem Film in Deutschland so schwere Schäden hinterlassen haben, dass er diese nicht ausgleichen konnte und deshalb gewaltig an Niveau verloren hat. Er hätte vielleicht sogar Hollywood verdrängen können.
Antwort: Nein. Die Filme haben sich verändert - vielleicht positiv - vielleicht negativ, aber das lag nicht an den Exilanten, sondern am Zeitgeist, der neuen Denkweise etc. Der deutsche Film konnte die Verluste sehr wohl verkraften, so wie er z.B. auch den Verlust von Ernst Lubitsch und F. W. Murnau in den 20er Jahren verkraften konnte, die beide in die USA gegangen sind.
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Conrad

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Montag, 15. Januar 2018, 16:30

@ Fräulein G:
Die These "Hätte, wäre, könnte" als nicht historisch relevant zu nehmen, habe ich vertreten. Sollte sisterandi dies auch gesagt haben, wären wir an diesem Punkt sogar einer Meinung.

Zu dem ersten Punkt, den du nennst, möchte ich sagen: Wahrscheinlich müsste man da tatsächlich die einzelnen Namen durchgehen. Mir ging es hier um angeblich unersetzbare Leute, die nicht mehr auftauchten und dem deutschen Film irreparablen Schaden zufügten. Ins Schlingern geraten ist der deutsche Film durch die Exilanten mit Sicherheit nicht. Du nennst ja auch eine Zeitspanne, die sich über mehrere Jahre hinzog. Also etwas, auf das man sich einstellen konnte.
Dass die Namen ab 1936 nicht mehr auftauchten, könnte seinen Grund auch darin haben, was Harald Welzer anmerkt: Diesen tiefen Einschnitt gab es nicht, aber einen zunehmenden Antisemitismus, der von den Nationalsozialisten forciert wurde und der sich unter den Deutschen verbreitete, also einen entsprechenden Zeitgeist. Vielleicht müsste man hier noch Antikommunismus oder anderes erwähnen, aber das wäre ein anderes Thema.

Zum zweiten Punkt, Otto Wallburg. Ich glaube, das können wir so stehen lassen. Du sagst ja selber, dass das persönliche Vorlieben sind. Eine Ergänzung noch: Eine These, die sich hartnäckig hält, ist, dass die Nazis alle guten Komiker vertrieben hätten. Und das stimmt definitiv nicht. Und exportiert wurden deutsche Komödien nicht, auch nicht die von Ernst Lubitsch. Dagegen waren Laurel und Hardy international erfolgreich. Vor einigen Jahren hat das Filmmuseum München sogar eine deutsche Komödie von Laurel und Hardy auf DVD herausgebracht.
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Conrad

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Montag, 15. Januar 2018, 16:52

@ sisterandi:

zu Elisabeth Bergner: Ich glaube, das können wir problemlos stehen lassen. Da sehe ich jetzt keine relevanten Meinungsunterschiede zu unserer Diskussion

zu Joe May: Mir ging es hier um wirkliche "Duftmarken", Die hat er nicht hinterlassen. Wie gesagt, er war Handwerker, zeitweise sehr erfolgreich, aber nicht mehr. Manfred Noa, Phil Jutzi oder Paul Leni sind auch früh gestorben, wie andere auch. Ausgerechnet seinen Tod als Katastrophe für den deutschen Film anzunehmen, wäre schon eine steile These. Aber ich glaube, die vertrittst du auch nicht.

zu Otto Wallburg etc.: Da kann ich auf Frank Noack eingehen, mit dem ich das Thema parallel diskutiert habe: Eine der zentralen und falschen Thesen der Filmwissenschaft ist, dass die Nazis alle guten Komiker von internationalem Rang vertrieben hätten. Deutsche Filmkomödien sind schon vor 1933 nicht exportiert worden, auch nicht die von Ernst Lubitsch.
Bzw. zu Welterfolgen des Weimarer Kinos hat er gesagt, dass ein paar wenige Welterfolge des Weimarer Kinos Madame Dubarry, Der letzte Mann und Variete waren. Definitiv nicht Der blaue Engel
Wie gesagt, für seine Bücher hat er sehr genau recherchiert. Und dies hat er erst in den letzten jahren für sein Buch über Emil Jannings gemacht. Ich kenne ihn seit etwa 20 Jahren und weiß wie sorgfältig er arbeitet. Sein Buch über Veit Harlan ist gerade in den USA erschienen.
Dein Argument Harry Piel verstehe ich ehrlich geagt nicht. Das müsstest du noch einmal genauer ausführen.

zu Lilian Harvey möchte ich sagen, dass ich sie als ein Beispiel genannt habe für Darsteller, die zu alt für ihre Rolle geworden sind. Sie hatte ein ähnliches Problem wie Lilo Pulver oder Stan Laurel oder andere. Man muss mit der Zeit neue Rollenprofile entwickeln um das Alter kompensieren zu können. Wer das nicht schafft, bleibt auf der Strecke. Ich habe sie als Beispiel für das natürliche Ende von Filmkarrieren genommen. Direkt mit unserem Thema hat Lilian Harvey nichts zu tun.

Zum internationalen Erfolg des Weimarer Kinos habe ich ja schon etwas geschrieben. Hier darf man nicht Kritikererfolg und Erfolg an der Kinokasse in einen Topf werfen.

Wenn du möchtest, hätte ich für dich eine kleine Aufgabe, die uns etwas voranbringen könnte ;)
Vielleicht wäre es in dem Zusammenhang mal gut, wenn du deine Thesen von der anderen Seite untermauerst, genauso, wie auch ich das schon getan habe: Womit hat man versucht diese Stars zu ersetzen, und wo sind diese Versuche als gescheitert anzusehen?
Darauf bist du nämlich noch gar nicht eingegangen. Du hast gesagt, wer gegangen ist und hast die These aufgestellt, dass sie unersetzbar waren, aber die hast du noch nicht unterfüttert, sodass das bis jetzt nur Theorien geblieben sind.
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sisterandi

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Dienstag, 16. Januar 2018, 13:50

Hallo Conrad,
ich denke da liegt ein Mißverständnis vor. Meine These ist, dass der Verlust der meist jüdischen Emigranten im deutschen Film bemerkbar war und ihn allmählich verändert hat. Ich habe nie eine andere These vertreten. Deine These war, dass der Verlust nicht bemerkbar war. Das wollte ich widerlegen.
Ich dachte eigentlich, dass ich diese in meinem vorigen Post mit Fakten und Widerlegungen Deiner Annahmen gut untermauert hatte, aber das ist wohl nicht angekommen ?

Elisabeth Bergner: Ich sehe schon eine Meinungsverschiedenheit. Ich bin der Meinung Sie war nicht zu alt mit 36. Es gab andere gleichaltrige oder ältere Schauspielerinnen, die Ihre Karrieren erfolgreich fortgesetzt haben, Sie waren nur nicht jüdisch.

Joe May: Du scheinst sein Werk nicht zu kennen. Die von Dir angeführten Regisseure sind nicht mit ihm vergleichbar, was Erfolg und Reputation angeht. Am ehehsten viellecht Paul Leni, aber der ging früh nach Hollywood und hatte große Erfolge ( The Cat and the Canary, The man who laughs) Wer weiss was aus Ihm geworden wäre, wenn er nicht so früh verstorben wäre? Phil Jutzi drehte sich zur Nazizeit vom Sozialisten zum NSDAP Mitglied, aber an seine Erfolge "Berlin - Alexanderplatz " und "Mutter Krausens Fahrt in Glück" konnte er nicht mehr anknüpfen. Er starb unbedeutend 1946.
Joe May war in der Lage sowohl die Kritik zu befriedegen, als auch Publilumserfolge zu produzieren. Joe Mays Film "Heimkehr" von 1928 bekam 1929 in den USA den NBR Award als bester ausländischer Film. Sein beim Publikum sehr erfolgreiches Lustspiel " Seine Majestät die Liebe" von 1931 mit vielen späteren Emigranten vor und hinter der Kamera ( Drehbuch, Musik und Kamera waren komplett von späteren Emigranten) war ein Beispiel eines Films wie er nur zur Weimarer Zeit möglich war. Hier eine aktuelle Kritik, indem der Autor auch den Unterschied zum Film des 3.Reichs beschreibt: #mce_temp_url# Der Film gefiel Wilhelm Dieterle so gut, dass er noch im selben Jahr ein Remake in Hollywood machte (Her Majesty Love)

Komiker: Wie waren uns ja schon einig, dass keine Komödien exportiert wurden. Lubitsch's deutsche Komödien waren international unbedeutend, weil es sehr frühe low-budget Produktionen waren. Lubitsch selbst wurde aber für seinen Humor ( Lubitsch-Touch) in Hollywood zur Legende.

Deine Aufzählung der deutschen Welterfolge beschränkt sich auf Stummfilme, die vor allem in den USA erfolgreich waren. Ich würde übrigens noch Wegeners Golem Filme dazuzählen, die beide erfolgreich in den USA liefen. Die Figur des Golem wie Wegener ihn kreirte, läuft heute noch z.B. in Simpsons Folgen. Und auch "Das Cabinet des Dr. Caligari" hatte dort einigen Erfolg und Aufsehen. Aber als internationale Erfolge werte ich auch die Erfolge der deutschen Tonfilme, bzw ihrer Sprachversionen im europäischen Ausland, Rußland und sogar Japan. Die französische Version von "Die drei von der Tankstelle" spielte z.B. 7 Millionen Francs ein "Der Kongress tanzt" 5,5 Millionen usw. DIe Quellen für die Zahlen : #mce_temp_url# Die französische Version von "Ein Freund, ein guter Freund.." ist bis heute ein populärer Chanson in Frankreich.

Harry Piel habe ich als Beispiel gebracht, für Schauspieler, die zwar im 3.Reich weiter drehten, aber Ihren Erfolg zu Weimarer Zeit begründeten und zwar mit Hilfe vieler späterer Emigranten. Harry Piel war in ganz Europa für seine Actionfilme bekannt. Besonders auch in Rußland. Das hatte er u.a. dem Produzenten Heinrich Nebenzahl (späterer Emigrant) zu verdanken, der seine Filme durch sein Netzwerk erfolgreich in ganz Europa und Rußland verkaufte. Er profitierte also auch noch zur Zeit des 3.Reichs von der Zusammenarbeit mit eben jenen späteren Emigranten.

Ich kenne Frank Noacks Buch zu Emil Jannings und mag es sehr. Was sagt er denn dazu ? Ist der Weggang der Emigranten für Ihn spürbar im deutschen Film?

Zu Lilian Harvey: Wie ich schon im letzten Post geschrieben habe, war Lillian Harveys Karriere nicht auf natürliche Weise aufgrund Ihres Alters zu Ende, wie Du behauptest, sondern weil sie nicht mehr für die UFA und in Deutschland spielen wollte! Mit 33 Jahren war sie bei Ihrem letzten deutschen Film nicht zu alt. Die Söderbaum war bei "Opfergang" oder "Kolberg" gleich alt wie die Harvey 1939. Söderbaum spielte ja auch noch in den 1950er Jahren die Rollen die sie schon seit 1939 für Veit Harlan spielte. Nein, das Alter war zu dem Zeitpunkt nicht das Problem der Harvey. Sie war mit dem Regime nicht mehr einverstanden und floh regelrecht nach dem letzten Drehtag von "Frau am Steuer" aus Deutschland. Den Film wollte Sie eigentlich garnicht mehr machen, und hatte sich schon aus Deutschland zurückgezogen, erst als die UFA Ihr mit einer Konventionalstrafe von 1,5 Millionen Mark drohte kehrte Sie zurück. Sie versuchte sogar noch das Drehbuch zu ändern, was Ihr auch teilweise gestattet wurde, aber an der Endaussage des Films ( Frauen gehören hinter dem Herd bei Mann und Kind) konnte sie nichts mehr ändern. Sofort nach Drehschluß verließ sie Deutschland. In Frankreich machte sie noch zwei passable Filme in dem Rollenklischee welches sie immer bediente ( süße, unschuldige Tänzerin). Der Krieg und die anschließende Besetzung Frankreichs beendeten dann Ihre Filmkarriere, nicht Ihr Alter. Sie floh weiter in die USA, und die Nazis zogen Ihr Vermögen ein, und ihre deutsche Staastbürgeschaft wurde aberkannt. In den USA war sie aber zu unbedeutend, in Europa hätte sie ihre Karriere ohne die Nazis problemlos fortsetzen können. Nach dem Krieg war sie zu anspruchsvoll und lehnte Angebote ab, bis sie dann doch irgendwann zu alt war. Und die Pause von der Leinwand war einfach zu lang. ( siehe auch Ihre Biografie von Hans Borgelt)

Wie gesagt, für mich ist der Wegggang der Emigranten spürbar im deutschen Film gewesen. Das spezielle Flair, die Leichtigkeit, Verschmitzheit, der jüdische Humor und die Anarchie ( ( Filme wie z.B. "Das Kabinett des Dr. Larifari", herrlich) gab es nicht mehr, war vielleicht auch nicht mehr gewollt. Das wurde nicht ersetzt. Ansonsten versuchte man natürlich den Weggang einiger Stars zu kompensieren, bzw neue aufzubauen, so z.B. Zarah Leander als Ersatz für Marlene Dietrich oder Lillian Harvey ( nach Ihrem 1.Wegggang in die USA) , oder Marika Rökk für Rosy Barsonny. Das schrieb ich ja bereits schon. Aber man kann diese Schauspielerinnen nicht miteindander vergleichen wie Dinge, jede ist anders und hat spezielle Seiten, die einem persönlich mehr oder weniger gefallen. Ich kann z.B. weder mit Marlene Dietrich noch mit Zarah Leander etwas anfangen. Dagegen mag ich Lilian Harvey oder Brigitte Helm sehr. Elisbeth Bergner z.B. war meiner Meinung nach unersetzlich. Mir fällt keine ein, die sie hätte ersetzen können. In Ihrem Stummfilm "Fräulein Else" ist sie hinreißend unschuldig und wunderschön, aber wie gesagt .. Geschmackssache!

Ich habe nie behauptet ( wie Du behauptest), dass der Weggang "schwere Schäden" im deutschen Film hinterlassen hat. Das ist nonsense. Aber es hat etwas gefehlt, was u.a. entscheidend zum Erfolg des Weimarer Kinos beigetragen hat.

So ich hoffe Du konntest meiner Argumentation folgen und meine These etwas nachvollziehen. Fakten und Untermauerungen habe ich hoffentlich genug geliefert ;)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »sisterandi« (17. Januar 2018, 09:10)

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Conrad

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Mittwoch, 24. Januar 2018, 19:13

Also, ich habe im Moment keine Zeit das alles noch einmal aufzuarbeiten. Für solche Beiträge sitze ich manchmal nämlich bis zu eineinhalb Stunden, die ich im Moment nicht habe. Deshalb gehe ich nur die wichtigsten Punkte durch ;)
Zunächst einmal zu deiner These, ich hätte dich falsch verstanden: Lies einfach mal deine Nachrichten in Ruhe von Anfang bis zum Ende durch und dann meine Antworten auf dich. Dann wird dir klar, auf was ich reagiere. Noch einmal zähle ich das nicht alles auf.
Also, dann zu Joe May: Der Stummfilm in der Weimarer Republik gehört auch zu meinen Spezialgebieten. Insofern kenne ich Joe May sehr wohl. Seine künstlerische Bedeutung übertreibst du maßlos, bzw. du spielst die Bedeutung der anderen Regisseure teilweise ungerechtfertigterweise runter. Wie gesagt, selbst wenn er finanziell erfolgreich war, künstlerisch hat er kein Loch hinterlassen. Das habe ich aber bereits zweimal geschrieben. Wenn du mir das nicht glaubst, dann lies einfach mal in deiner Literatur nach. Da steht das mit Sicherheit auch drin bzw. wirst du so eine künstlerische Bedeutung nicht finden - zumindest nicht, wenn die Autoren auch nur halbwegs kompetent sind.
Zu Harry Piel: Ich habe nie gesagt, dass der Nationalsozialismus die deutsche Filmindustrie zerschlagen hat und komplett neu aufgebaut hat. Insofern gab es hier auch keine Lücke aufzufüllen.
Marlene Dietrichs Weggang hatte nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun. Auch wenn das immer wieder behauptet wird, ist die Behauptung schlichtweg Unsinn. Selbst wenn sie eine Lücke hinterlassen haben sollte, lag das nicht an den Nationalsozialisten.
Soweit ganz kurz zu deinen Nachrichten. Auf die anderen Punkte gehe ich aus Zeitgründen hier nicht extra ein, weil sie mit unserer Diskussion nur am Rande etwas zu tun haben, dbzgl nicht so relevant sind oder wie du selber geschrieben hast, Geschmackssache sind, was sich nicht verifizieren lässt. Wenn dir eine jüdische Verschmitztheit und Leichtigkeit fehlt, ist das bedauerlich, aber filmhistorisch irrelevant - eben reine Geschmackssache.

Zu Phil Jutzi: Stimmt, da habe ich seinen Namen mit Lupu Pick (+1931) verwechselt. Arthur von Gerlach hätte ich auch nehmen können. Es ging mir um künstlerisch bedeutsame bzw. zumindest interessante Regisseure, die nach ihrem Ausfall problemlos ersetzbar waren. G.W.Pabst wäre auch ein Beispiel gewesen. Auch wenn er nicht gestorben ist, ist er doch gegangen und erst später wieder zurückgekehrt. Und er war eine ganz andere Hausnummer als Joe May.
Frank Noack ist übrigens genau meiner Meinung. Deshalb konnte ich mit ihm auch so ein fruchtbares Gespräch führen, weil ich die hier vorgebrachten zentralen Äußerungen gleich mit ihm besprechen konnte. Insofern hätte ich hier theoretisch sogar seine Nachrichten an mich einfach reinkopieren können. Nachdem ich ihn allerdings nicht darauf angesprochen habe, habe ich das selbstverständlich nicht getan.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Conrad« (24. Januar 2018, 23:30)

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Conrad

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Donnerstag, 25. Januar 2018, 08:26

Ach ja, noch eine kleine "Hausaufgabe" ;) Wenn du meine Nachrichten durchliest, konzentriere dich bitte nicht nur auf meine Thesen und kontrolliere nach, ob du wirklich verstanden hast, was ich sage, sondern schau auch nach, welche Äußerungen aus deiner letzten Nachricht sich dann von selber erledigen. Wie gesagt, noch einmal kaue ich das nicht durch.

Das Zitat gebe ich dir zur Hilfe mit - mit dem entsprechenden Abschnitt markiert:

"Wie gesagt, für mich ist der Wegggang der Emigranten spürbar im deutschen Film gewesen. Das spezielle Flair, die Leichtigkeit, Verschmitzheit, der jüdische Humor und die Anarchie ( ( Filme wie z.B. "Das Kabinett des Dr. Larifari", herrlich) gab es nicht mehr, war vielleicht auch nicht mehr gewollt. Das wurde nicht ersetzt."

So eine Bemerkung erledigt sich dann auch von selbst:

"Ich habe nie behauptet ( wie Du behauptest), dass der Weggang "schwere Schäden" im deutschen Film hinterlassen hat. Das ist nonsense. Aber es hat etwas gefehlt, was u.a. entscheidend zum Erfolg des Weimarer Kinos beigetragen hat."

Ich musste nämlich schon bei meiner letzten Nachricht einige Dinge zum zweiten oder dritten Mal monoton wiederholen. Das können wir uns dann auch ersparen.
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Conrad

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Donnerstag, 25. Januar 2018, 11:39

Deine These war, dass der Verlust nicht bemerkbar war. Das wollte ich widerlegen.


Das habe ich übrigens auch noch einmal konkret Frank Noack gefragt. Wobei der mir auch recht gegeben hat.

Die Emigration jüdischer Künstler konnte man damit schönreden, dass sie aus Karrieregründen dorthin gegangen sind. Das gab es ja auch schon z.B. bei Wilhelm Dieterle oder Marlene Dietrich. Wie ich schon gesagt habe: Beim Film verschwinden ständig Talente und neue kommen nach. Das war übrigens auch bei Zarah Leander so, die 1943 ihre Karriere beendet hat. Auch da gab es keinen Aufschrei. Vergessen darf man auch nicht, dass Joseph Goebbels viele Kompromisse eingegangen ist, um eben keinen Bruch entstehen zu lassen. Kurt Bernhard drehte 1933 Der Tunnel und wurde aus Hollywood dafür zurückgeholt. Dass auch Reinhold Schünzel nach der Vorstellung der Nationalsozialisten nicht arisch war, wird gerne vergessen. Er drehte aber noch 1937 Land der Liebe.

Eher aufgefallen ist es im Theater. Da gehört auch Elisabeth Bergner hin. Oder auch Fritz Kortner. Aber wir reden ja vom Film und nicht vom Theater. Das möchte ich hier noch einmal ganz deutlich klarstellen.

Zu Joe May: Sein wichtigster Film könnte Asphalt gewesen sein, aber das lag eben vor allem an der Ausstattung, nicht am Regisseur. Das war aber schon 1929, und danach spielte er keine Rolle mehr.
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