Laurel & Hardy The Diamond Collection 3

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Datum: 05.08.2009 | VÖ: 16.07.2009 | Herausgeber: KNM Home Entertainment GmbH | Kategorie: Film

"His Day Out" ("Gefängnisfrei", 1918): Wer den Film sieht, glaubt zuerst an einen Charlie-Chaplin-Film, der irrtümlich auf die DVD kopiert wurde. Der Darsteller des Vagabunden (ich vermeide bewusst das Wort "Tramp") ist aber nicht Charlie, sondern Billy West, der nahezu beste Chaplin-Imitator seiner Zeit. Chaplin war damals der beliebteste Komiker der Welt und viele wollten an diesem Erfolg finanziell teilhaben. Die meisten Chaplin-Imitatoren ahmten nur die Bewegungen nach, West kopierte aber exakt auch das Outfit, die Haare und das Bärtchen. Und zwar so gut, dass kriminelle Händler seine Filme tatsächlich als Charlie-Chaplin-Filme verkauften. Der Unterschied war nur an der Besetzung festzustellen: Während Chaplin seinen Freund Mark Swain als bulligen Gegner besetzte, spielte West oft mit Oliver Hardy als Bösewicht und Hardy hatte zeitlebens nie mit Chaplin zusammengearbeitet. Obwohl es sich um ein Chaplin-Plagiat handelt, ist der Streifen, der auch unter "The Barber" vertrieben wurde, dank Wests wirklich erstklassiger Imitation absolut sehenswert. Oliver Hardy war zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre alt.

"Hop To It" ("Aufruhr im Hotel", 1925): Ollie und Bobby sind Pagen im Hotel Bilkmore und nicht gerade das, was man als hochintelligent bezeichnen könnte. Sie verursachen ein Chaos nacheinander. Erst öffnen sie einer Dame den Koffer mit einer Axt, der nächste Gast wird dank Tinte zu einem Schwarzen, Zimmernummern drehen sich auf den Kopf, die falschen Gäste werden gebadet... Wer hier an Erholung denkt, ist wirklich im falschen Film. Einer der wenigen Filme des Teams Oliver Hardy/Bobby Ray. Hardy war nun mit 33 Jahren immer noch relativ unbekannt. Bobby Ray gab nach dem vierten Film mit Oliver Hardy die Schauspielerei auf und wirkte nur noch als Regieassistent. Ein knappes Jahr später traf er mit Stand Laurel zusammen.

"Battle Royal" ("Königliche Schlacht", 1916): Die Familien Plump und Runt stehen sich seit langer Zeit verfeindet gegenüber. Eines Tages tauchen ein paar Beamte der Finanzbehörde auf. Die beiden Familien schließen sich nun gegen den gemeinsamen "Feind" zusammen. Mit 24 verdiente sich Oliver Hardy seinen Lebensunterhalt durch Rollen wie hier in "The Battle Royal". Bis zu seiner dauerhaften Zusammenarbeit mit Stan Laurel und dem damit verbundenen Erfolgen sollte es noch 10 Jahre dauern.

"Sawmill" ("Der Dicke im Holzsägewerk", 1922): Der fleißige Holzfäller Larry verliebt sich in die Tochter des Sägewerk-Besitzers, doch der gewalttätige Vorarbeiter Ollie hat sich ebenfalls in das Mädchen verguckt. Widersacher Larry soll das Feld räumen, doch Larry ist hartnäckig und geht nicht freiwillig. Also versucht Ollie mit Fäusten, Larry zum Weggehen zu motivieren... Der Film hält den Rekord als teuerste Kurz-Stummfilmkomödie, die je produziert wurde. Die gesamte 75köpfige Crew inklusive Darsteller lebte während der Dreharbeiten in einer extra gebauten Bunkeranlage. Der 30jährige Hardy ist hier in seiner typischen Rolle als Bösewicht zu sehen, der gerne handgreiflich wird. Der Film zeigt die von Semon bekannten Stunts wie Stürze von Gebäuden oder enorme Weitsprünge, die er aber selten selbst ausführte.

Bei dieser DVD steht Oliver Hardy im Vordergrund, denn die Filme stammen alle aus seiner Zeit vor der Zusammenarbeit mit Stan Laurel, als er noch als "Babe Hardy" auftrat in Anlehnung an den berühmten Baseballspieler George Herman "Babe" Ruth, dessen Glanzzeit reichte von 1914 bis 1933. Stan Laurel ist leider ausschließlich in dem als Extra enthaltenen Privatfilm von 1932 zu sehen. Stan und Oliver spielten zwar beide schon 1919 im Kurzfilm "The Lucky Dog" mit, doch war Stan der Star, während Oliver eine Nebenrolle innehatte. Erst 1926 wurden die beiden das bekannte Komiker-Duo, nachdem sie eher zufällig beide bei Hal Roach unter Vertrag genommen wurden.. Als weitere Extras sind eine Super 8 Fassung von "Tumult im Sägewerk", der Buster Keaton-Kurzfilm "Geisterbahn", Infos zu Larry Semon sowie Infos zu Stan Laurel und seiner deutschen Stimme Walter Bluhm enthalten.

Die Schärfe liegt entsprechend der damaligen Technik erwartungsgemäß im unteren Bereich, ist aber noch ausreichend. Eine digitale Bearbeitung hätte bestimmt einiges herausholen können, aber dann wäre wohl auch der Charme der damaligen Stummfilm-Ära verloren gegangen. Weil es sich hier ausschließlich um Stummfilme handelt, gibt es auch nur eine einzige Tonspur, die der Musikuntermalung dient. Die englischen Texttafeln werden durch deutsche Untertitel übersetzt. Nur im Kurzfilm mit Buster Keaton werden die englischen Schilder zeitweise von deutschsprachigen Schildern überdeckt. Die Texte in den Extras sind ebenfalls in deutsch gehalten. Aus der überaus erfolgreichen "Laurel & Hardy"-Zeit des Komiker-Duos ist trotz des DVD- und Collections-Titels leider kein einziger Film vorhanden. Für Sammler und Fans mag diese DVD zwar ein kleines Schätzchen sein, zeigen diese Raritäten doch, wie Oliver Hardy vor der erfolgreichen Teamarbeit auftrat und sich entwickelte. Ich habe die Filme von Stan & Oli (in Deutschland früher als "Dick & Doof" bezeichnet) immer gerne gesehen und tue das auch heute noch. Und so sehenswert diese kleinen Juwelen auch sein mögen, war ich angesichts des Themas und des DVD-Titels über diesen Inhalt doch etwas enttäuscht, denn ich hatte Komödien mit beiden Darstellern erwartet. Wenigstens eine! Die hier gezeigten Filme hätten stattdessen besser in einer separaten "Oliver Hardy"-Kollektion gepasst. Weil nur die Hälfte des angekündigten Duos in den Spielfilmen zu sehen ist, gibt es auch nur die Hälfte der möglichen Punkte. Fazit: Thema knapp aber dennoch verfehlt, setzen, Fünf (Punkte)! (gh)

Wertung: 5 von 10 Punkten (5 von 10 Punkten)

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