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Datum: 30.07.2012 | VÖ: 11.05.2012 | Herausgeber: Edel Germany GmbH | Kategorie: Serie
Erst Anfang Juli legte "Berlin Tag & Nacht" einen Quotenrekord mit 15,4% bei der jüngeren Zielgruppe hin, doch schon seit Mai können Fans sich die RTL2-Hauptstadt-Soap auf DVD sichern und ohne Wartezeit zwischen den Folgen die WG-Ereignisse verfolgen.
Zentrum der Serie ist die WG von KfZ-Mechaniker Joe und seinen Untermietern Ceylan, Alina, Sofi, Marcel, Ole und Meike. Letztere zieht in der ersten Folge von Hamburg frisch nach Berlin, um ihr leicht verkorkstes Leben hinter sich zu lassen und in Berlin ganz neu anzufangen: sie träumt vom eigenen Tattoo-Studio und will sich in der Hauptstadt langsam hoch arbeiten. Marcel, der schon bei Joe wohnt, hat ihr das aktuell noch freistehende WG-Zimmer versprochen – eine Gefälligkeit unter Ex-Liebhabern. Als Meike einzugbereit in der WG aufschlägt, reagiert der Rest der Mannschaft irritiert, denn für sie ist das Zimmer überhaupt noch nicht vergeben und eine ganze Reihe von Interessenten hat sich auch schon angekündigt. Erster WG-Stress für Meike. Ganz besonders die leicht impulsive Ceylan scheint Meike gefressen zu haben. Dass Marcels Ex-Freundin einziehen soll, gefällt der Hals über Kopf in Marcel verschossenen Ceylan gar nicht. Ole ist wiederum sehr für Meike als Mitbewohnerin, denn er ist ein vergnügungssüchtiger Hedonist vor dem Herrn und kann nicht genug Frauen um sich haben.
So hat jeder der WG-Freunde seine eigene Einstellung zur Welt und ganz individuelle Probleme. Joe will eigentlich nur, dass alles sauber abläuft, jeder seine Miete zahlt und er den Kopf frei hat, sich mit seiner Tochter Hannah, die bei ihrer Mutter lebt, zusammen zu raufen. Marcel will nicht mehr im Fitness-Center jobben müssen, sondern als Künstler durchstarten, ebenso Sofi, die von einer Gesangskarriere träumt, sich aber vom Ober-Macho Carlos um den Finger wickeln lässt. Derweil bemüht sich Alina, die WG zusammenzuhalten, was ihr nicht leicht gemacht wird: Joe will Ole wegen seiner Mietschulden rausschmeißen, Ceylan zickt Meike an, Marcel checkt nicht, was Ceylan für ihn empfindet und Ole hält die halbe Welt für anstrengende Spaßbremsen.
Langweilig wird es in dieser Bude nie.
Das bereits in "X-Diaries" erprobte Format der Scripted Realitiy findet auch bei "Berlin Tag & Nacht" Anwendung: die Personen und Ereignisse sind erfunden, die Darsteller handeln aber nicht nach exakt vorgeschriebenen Drehbüchern, sondern bieten fast sowas wie eine Improvisations-Performance dar. Um den Effekt einer "Doku" zu unterstützen, kommentiert jede der Figuren die Ereignisse in eingestreuten Monologen, die an eine nicht gezeigte Person neben der Kamera gehen. Dieses Stilmittel soll zeigen, dass die Darsteller sich darüber im Klaren sind, dass sie dokumentiert werden, da sie aber in ihren Rollen bleiben, entsteht ein interessanter Effekt der Imitation einer echten Real Life-Doku. Clever gemacht, das muss man sagen.
Inhaltlich versucht die Serie auch, im Vergleich zu klassischen Soaps auf dem Boden zu bleiben. Mord und Totschlag, einstürzende Imperien oder verschleppte Kinder, die nach 20 Jahren wieder auftauchen, gibt es hier nicht. Die WG-Leutchen haben andere Sorgen: die Miete zusammenbekommen (Ole), die eigene Tochter verstehen (Joe), als Künstler ein paar Aufträge ergattern (Marcel) oder einfach eine Chance auf ein Praktikum im Traumjob bekommen (Meike). Mauscheleien gibt es hier natürlich auch, aber auch dies ist wesentlich gesetzter: ein Flirt mit dem/der Ex, heimliche Gefühle, da mal ein enger Tanz, hier mal ein Ausrutscher vor lauter Alkohol und guter Stimmung.
Alles, was einem Großstädter passieren kann, passiert den WG-Kumpanen, denn schließlich muss die Serie ja was bieten. Alles, bloß keine Langeweile, ist das Motto und dafür handeln die Figuren auch mal kurzentschlossen oder unnötig impulsiv. Würden sie sich vernünftig verhalten, gäbe es ja nichts zu zeigen.
Auch wenn "Berlin Tag & Nacht" keine klassische Soap ist, geht es ihr mit dem Publikum wie den althergebrachten Formaten: entweder lässt man sich als Zuschauer einfangen oder man findet das Gesamtkonzept unnatürlich und bescheuert. Anerkennen muss man allerdings, dass viel Kurzweile herrscht, die nie in Hektik ausartet, die Figuren gut ausbalanciert sind und der Doku-Effekt nett gemacht ist. Alles andere kann man unter unnötiger Fernseh-Matschepampe verbuchen. Es ist halt Soap-Gedöns, aber immerhin versucht es nicht mehr zu sein als es ist, alles bleibt schön im überschaubaren Rahmen, sodass sich niemand mit größeren Sinnzusammenhängen herumschlagen muss.
Satte 900min Material bekommt man auf vier DVDs geboten. Als Extras sind auf jeder Scheibe kurze Trailer mit jeweils einer der Figuren als "Werbeträger" enthalten. (mp)
Wertung:
(5 von 10 Punkten)
Hinweis: Unsere Kritiken geben logischerweise die Meinung des jeweiligen Autors wieder und sind NICHT zwingend identisch mit der Ansicht der gesamten Redaktion.