Nemesis

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Datum: 08.11.2011 | VÖ: 20.09.2011 | Herausgeber: Panini Comics | Kategorie: Comic

Was tut man, wenn man so reich ist, dass man es sich wortwörtlich leisten kann, keine moralische Rücksicht nehmen zu müssen? Genau diesen "Luxus" kann sich Nemesis leisten, denn er hatte stinkreiche Eltern, die ihm zudem auch noch ein Dasein ohne Nächstenliebe vorgelebt haben. Als die Polizei dem Treiben seiner Eltern ein Ende machte, war der verzogenen Bengel noch jung, aber schon sehr angesäuert. So zog er in die Welt, um sich auf seine Rache vorzubereiten.
Nun ist es soweit und der komplett in weiß gewandete Schurke Nemesis tritt auf den Plan und nimmt Rache: ein Polizei-Chef nach dem anderen fällt ihm zum Opfer. Nemesis tötet seine Zielpersonen nicht einfach, er spielt mit ihnen, kündigt sich an und führt sie vor. Stückweise zerstört er das Bild von Sicherheit und Kontrolle, das sich die Polizei-Chefs geschaffen haben. Die Morde sind immer Kunstwerke des Sadismus und des Wahnsinns. Je mehr Todesopfer "nebenbei" erzeugt werden können, umso besser.
Zunächst tobt sich Nemesis nur in Asien aus, doch es wird Zeit, nach Hause zu kommen und seine Eltern zu rächen. Somit erhält der Polizeichef von Washington D.C. sein von Nemesis gesetztes Fristdatum und das Spiel beginnt, wobei sich der Racheengel selbst übertrifft, was Irrsinn und Perversion angeht. Dieses Mal ist es wirklich persönlich.

Mark Millar, der auch schon "Kick-Ass" geschrieben hatte, dreht hier mal wieder voll auf und lässt einen spektakulären Knalleffekt nach dem anderen vom Stapel. Die Grundkonstellation erscheint hierbei nur als Vehikel für die "Action", aber das stört nicht wirklich, denn Millar kann über sehr lange Strecken hinweg mit viel Originalität überzeugen. Zeichner McNiven ("Civil War", "Old Man Logan") setzt den Irrsinn Millars sehr gekonnt und herrlich dynamisch um. Hier arbeiten zwei zusammen, die hervorragend zusammen passen.
Hat man sich als Leser an die aggressive und unberechenbare Grundstimmung von "Nemesis" gewöhnt, fallen einem immer wieder kleine Ungereimtheiten auf. Ab und an werden Logik und Wahrscheinlichkeit schon arg gebogen, damit die Entwicklungen den gewünschten Weg gehen. Das kann man Millar verzeihen, denn "Nemesis" soll ja auch ein Gewaltspektakel sein und für eine wirksame Pointe muss eben auch Vorarbeit geleistet werden. Trotz aller zurecht gebogener Wege, die auf die Knalleffekte hinleiten, verhalten sich die Figuren doch ihren Rollen entsprechend. Das hat Millar ihnen immerhin gegönnt.
Tiefgang sucht man hier vergeblich, ein paar interessante Konzepte werden mal angerissen, aber wirklich nur marginal. Es geht vorrangig um den Exzess aus Gewalt und Zerstörung. Ein wenig erinnert das Spiel des Schurken Nemesis an den Thriller "Se7en" mit Pitt, Freeman und Spacey dort gab es auch einen pervers-genialen Drahtzieher, der sich nicht überrumpeln ließ.
"Nemesis" ist ein komprimierter Kick, ein Rausch aus Wahnwitz, mehr aber auch nicht. Effektvoll, aber inhaltlich nicht nachhaltig. Die Ausgeburten des Autorenhirns bleiben vielleicht hängen, aber der Handlungsverlauf weniger.
Und dennoch ist "Nemesis" irgendwie liebenswert, weil so schnörkellos und ohne jede geheuchelte Intention, etwas Bedeutendes sein zu wollen. Hier soll das Comic einfach nur Synapsen zum Knistern bringen und das klappt auch. (mp)

Wertung: 7 von 10 Punkten (7 von 10 Punkten)

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