Flyabout

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Datum: 05.07.2010 | VÖ: 21.03.2006 | Herausgeber: Mighty Ity Films | Kategorie: Dokumentation

"You don't need to be a pilot to love this one", schreibt Autor Rinker Buck über "Flyabout". Ich kann ihm nur zustimmen: Ich bin kein Pilot und bin auch bisher noch nie in einer so kleinen Maschine geflogen. Dennoch hat mir selten zuvor je ein Film so sehr aus dem Herzen gesprochen wie dieser.

In "Flyabout" dokumentiert Monika Petrillo ihre Reise mit dem Flugzeug rund um den australischen Kontinent. Das Besondere ist hierbei, dass es nicht nur eine Dokumentation ÜBER diese Reise ist, sondern dass Monika Petrillo den Film selbst erzählt. Ganz persönlich schildert sie aus ihrer Sichtweise den Trip, ihre Gedanken und Gefühle dabei. Sie öffnet sich dabei total und gibt so dem Zuschauer eine echte Chance, die Reise mit ihr zusammen zu erleben,

Monika zieht los, um eine erleuchtende Erkenntnis zu bekommen – ganz so wie ein echter "Walkabout" das vorsieht. Ein Walkabout ist eine Tradition der Aborigines: Eine Reise durch ihr Land, die hilft, Gedanken zu sortieren, ein bisschen erwachsener zu werden oder das Leben zu ordnen. Es ist eine spirituelle Wanderschaft, ein wenig wie das Pilgern auf dem Jakobsweg.

Was mich an diesem Film so fasziniert, sind die vielen Aspekte, die mir persönlich aus dem Herzen sprachen: Zum einen hat Monika Petrillo keine Furcht, einfach loszuziehen, alles stehen und liegen zu lassen und einfach mal etwas zu tun, was sich viele Bürger der westlichen Welt nicht einfach so trauen würden. Das ist nicht nur auf diesen Trip beschränkt, sondern zieht sich durch ihr Leben und fängt für mich schon damit an, dass sie einen Pilotenschein macht.

Zum anderen sucht sie mit ihren damals 24 Jahren nach einer Erkenntnis, dem großen "Bang", der sie emotional oder auch spirituell weiterführt und vielleicht auch zeigt, wie das Leben verlaufen soll, damit sie nicht mit 82 Jahren aufwacht und denkt: "War's das jetzt schon? Habe ich mein Leben richtig gelebt?"

Diese große Erkenntnis bleibt aus, da Monika viel zu beschäftigt ist, alles unter einen Hut zu bekommen, zu fliegen, zu filmen und dabei nebenher noch den Konflikt mit ihrem Vater auszutragen, der sie auf dieser Reise als Co-Pilot begleitet. Dieser Teil der Dokumentation war für mich der bewegenste, als Monika die Beziehung zu ihrem Vater neu definieren muss.

Nebenbei schafft es die Autorin, Regisseurin und Produzentin des Filmes auch noch, dem Zuschauer Australien und deren Bewohner näher zu bringen – auch wenn sie nicht die Chance bekommt (oder wahrnimmt), sich mit Aborigines über die Grundidee, den Walkabout, zu unterhalten.

Dennoch kann verraten werden, dass es am Ende eine Moral von der Geschicht' gibt: Nämlich, dass man einfach wagen sollte, wovon man träumt.

Wie fantastisch wäre es, wäre der Film mit einer hochauflösenden Kamera aufgenommen worden, schon alleine, um diese atemberaubenden Landschaften Australiens richtig erfassen zu können. So wirken die Bilder insgesamt etwas verwackelt und auch pixelig, der Ton ist vor allem bei den Außenaufnahmen schlecht, so dass man manchmal nicht immer alles versteht – die Sprachbarriere kommt hier noch hinzu, da der Film komplett auf Englisch ist. Doch genau dies macht den Film so authentisch: Er ist voll und ganz Monika Petrillo.

Der Film berührt, reißt mit und macht Mut, selbst etwas zu wagen. In mir hat Monika Petrillo auf jeden Fall die Sehnsucht wieder geweckt.

Ein ausführliches Gespräch mit Monika Petrillo finden Sie in unserer Interview-Rubrik. Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten gibt es auf www.flyaboutmovie.com. (sak)

Wertung: 9 von 10 Punkten (9 von 10 Punkten)

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