James Bond 007 - Casino Royale

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Datum: 03.04.2010 | VÖ: 23.03.2007 | Herausgeber: Sony Pictures Home Entertainment | Kategorie: Film

James Bond, die Ikone des massenverträglichen Agenten-Genres, kann auf eine beachtlich lange Filmografie und eine Riege namhafter Schauspieler, die ihn verkörperten, zurückblicken. Der 2006 in den Kinos erschienene Bond-Film "Casino Royale" positioniert sich der langen Tradition seiner Vorgänger gegenüber auf völlig neue Weise. An Stelle der einfach nur "nächsten" Bond-Erzählung tritt mit diesem Streifen eine neue Verfilmung der ersten Geschichte um den smarten Agenten. Bereits 1953 veröffentlichte der Schriftsteller und Ex-Agent Ian Fleming "Casino Royale" und präsentierte darin den britischen Spion James Bond erstmals der Welt.
Die (Neu-) Verfilmung dieses ersten Bond-Romans transportiert die Handlung in die Gegenwart unser Zeit und erzählt James Bonds Anfänge als Agent mit 00-Status neu. Zur Unterstreichung des neuen Zuganges zum Bond-Stoff wurde mit Daniel Craig auch ein unverbrauchter Darsteller für Bond gewählt, um so den Willen, die Figur zu entstauben, zu unterstreichen.

Die Handlung beginnt mit Bond, der auf Madagaskar einen Bombenleger unschädlich macht, ihm aber nur das Codewort "ELLIPSIS" entlocken kann. Der Spur des Auftraggebers für den gescheiterten Anschlag folgend, gelangt Bond nach Nassau, wo ihm aber die Drahtzieher immer einen Schritt voraus sind. Dennoch findet er weitere Hinweise und folgt einem Verdächtigen nach Miami. Dort vereitelt Bond erneut einen Anschlag: am Flughafen sollte der Prototyp einer neuen Passagiermaschine kurz vor ihrem Jungfernflug zerstört werden, denn dieses Fiasko hätte dem Spekulanten Le Chiffre (Mads Mikkelsen) einen Gewinn von über einhundert Millionen Dollar beschert. Le Chiffre ist ein Mathegenie und jongliert gern mit großen Zahlen, daher ist er auch der Banker aller Terroristen weltweit. Er spekuliert mit ihrem Geld, doch er garantiert ihnen dafür 100%ig weltweiten Zugriff auf ihre Finanzen.
Der von Bond verursachte Verlust an der Börse setzt Le Chiffre unter erheblichen Druck, sodass er schnell viel Geld benötigt. Er organisiert daher ein Poker-Turnier im Casino Royale in Montenegro. Bond wird zu diesem Turnier entsandt, um die Schlinge um Le Chiffres Hals enger zu ziehen. Zur Verwaltung des Geldes, mit dem sich Bond beim Turnier einkauft, wird ihm Vesper Lynd (Eva Green) zur Seite gestellt. Die schlagfertige und selbstbewusste Frau erweist sich als ebenbürtige Gegnerin für Bonds unantastbare Art im Umgang mit Menschen und schon ist die Mission für Bond etwas interessanter.
Das Turnier selbst verläuft wie eine Achterbahnfahrt: Siege, Verluste, Mord und Totschlag. Bond muss sich mit Le Chiffres Gerissenheit, Macheten schwingenden Söldnern, vergifteten Drinks und Vespers Kontern herumschlagen - und mit harten Erkenntnissen: in der Welt der Agenten ist jeder Kontakt eine potentielle Schwachstelle und Vertrauen ein Gut, das man wohl dosiert einsetzen sollte.

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Der neue Bond ist ganz klar mehr als nur ein Film für sich, er ist eine Aussage, die im Kontext der vielen Filme vor ihm gesehen werden sollte. Während sich die Reihe der Bond-Filme immer weiter fortsetzte, schlich sich ein Trott ein. Die Parameter waren klar abgesteckt und innerhalb dieser legte man den nächsten Stein an die immer homogener werdende Filme-Reihe.
"Casino Royale" bricht hier klar aus. Einen radikaleren Schritt als den bedingungslosen Rückgriff auf den ersten Bond-Roman überhaupt hätte es kaum geben können. Craigs Bond ist stärker als eine wirkliche Verfilmung der Romanfigur gedacht: ein Mann, der in einem belastenden, harten Geschäft immer über die eigene Schulter blicken muss. Dank ist selten, Sicherheit ein fast unbekanntes Gefühl. Dennoch scheint es Lichtblicke zu geben und somit auch einen Grund, auf ein besseres, anderes Leben zu hoffen.
Dennoch ist dieser Bond auch ein echter Bond: kompromissloses Vorgehen im Sinne der Mission, niemals zögern, immer kontrolliert das Ziel im Auge. Hinzu kommt der Zuckerguss, ohne den ein 007 nicht auskommen kann: schöne Autos, noch schönere Frauen und ein charismatisch-kühler Gegenspieler. Diese Zutaten werden gekonnt mit einer neuen Bodenständigkeit gepaart: Le Chiffre ist kein verrückter Professor, der die Welt beherrschen will, er ist ein Finanzhai, der sich selbst auf einmal in der Schusslinie befindet und daher angreifbar wird - und unberechenbar. Craig und Mikkelsen sind einfach ein toll anzusehendes Paar von Widersachern.
Die Dynamik, die sich zwischen Bond und Lynd entspinnt, ist leider immer wieder mit unglaublich stumpfen und/oder kitschigen Phrasen und Dialogen verwoben, sodass man sich leider etwas Hochglanz-Seifenoper antun muss, aber immerhin ist die Dosierung noch relativ gnädig ausgefallen.
Technisch und optisch ist der Film dann doch ganz traditionell seinen Vorgängern verhaftet: keine Bescheidenheit! Stattliche Schlitten, herrschaftliche Suiten, die schönsten Hotels, die malerischsten Plätze, die pompösesten Kameraeinstellungen, die wuchtigsten Musiken - hier ist Bond einfach Bond und jeder muss sich eingestehen: anders will man ihn nicht haben. Im Bereich der Kampfhandlungen beschreitet Craigs Bond dann doch neue Wege: keine übertriebenen Spielzeuge, dank derer man sich nicht die Hände schmutzig machen muss. In "Casino Royale" kämpft der Chef noch selbst, d.h. schweißtreibender Nahkampf, schnörkellose Schießereien und eine der rasantesten Verfolgungsjagden zu Fuß, die man bislang bewundern konnte: ausgefeiltes Parkour (auch als Houserunning bekannt) trifft auf britische Sachlichkeit.


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Was unterm Strich bleibt ist ein neuer Bond mit frischem Wind, der genau weiß, an welchen Stellen Staub weggeweht werden muss, um die Reihe wieder richtig attraktiv und zeitgemäß erscheinen zu lassen. "Casino Royale" ist keines dieser Prequels, die sich verbiegen, um möglichst "stimmig" den nachfolgenden Erzählungen gerecht zu werden. Zwar ist man weit davon entfernt, das Genre neu zu definieren, aber die Bond-Reihe selbst erfährt hier durchaus markante Veränderungen. Auch wenn die Figuren nach wie vor eher Schablonen sind, gönnt man ihnen dennoch die Aussicht auf eine charakterliche Tiefe - auch wenn sie dann doch eher ein Versprechen bleibt. Die Erforschung der Seele wird nur im benötigten Maße betrieben, aber immerhin gibt es diesen Ansatz.
"Casino Royale" ist einer der sehenswertesten Bond-Filme, schon allein deswegen, weil er den Mut hat, sich neu auszurichten, statt sich brav einzureihen.

Die Single-DVD-Ausgabe kommt leider ziemlich mager daher: lediglich zwei Tonspuren (englisch, deutsch) und drei Untertitel-Spuren (deutsch, englisch, türkisch). Extras sucht man vergeblich. Hier wird der Verdacht sehr stark, dass auf die Bereitschaft der Fans gesetzt wird, sich eine Sonderausgabe anzuschaffen. Immerhin bedeutet eine schlanke DVD auch einen schlanken Preis. (mp)

Wertung: 7 von 10 Punkten (7 von 10 Punkten)

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