Der Judas von Tirol

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Datum: 28.03.2010 | VÖ: 15.05.2006 | Herausgeber: Pixel 101 | Kategorie: Film

Anders als die privaten Fernsehsender schafft es der Bayrische Rundfunk seit Jahrzehnten hochwertige, ernstzunehmende und weitgreifende Fernsehfilme zu produzieren. Während es in den 70er Jahren Meilensteine des baiuwarischen Films wie "Sachrang" waren, begibt man sich in den letzten zehn Jahren immer mehr in die südlichen Gefilde der Baiuwaren. Nachdem man mit "1809 Andreas Hofer - Die Freiheit des Adlers" im Jahr 2002 dem Südtiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer ein filmisches Denkmal setzte, legte man mit "Der Judas von Tirol" im Jahr 2005 einen weiteren Fernsehfilm zu diesem Thema nach, weitergeführt wird die Thematik des Tiroler Freiheitskampfes aktuell im Kino mit dem Epos "Bergblut".

Während "Die Freiheit des Adlers" von Andreas Hofer und seinem Widerstand gegen die Franzosen im frühen 19. Jahrhundert erzählt, handelt "Der Judas von Tirol" von Franz Raffl, der im Jahr 1810 Hofer, der sich damals vor den Franzosen versteckt hielt, verraten hat. Der Film schildert sehr eindringlich die damalige Situation in Tirol und die Lebensumstände der Bevölkerung zu dieser Zeit. Ich bin zwar kein Geschichtsexperte und auch kein Tiroler, doch soweit ich das beurteilen kann, wurde der Film sehr authentisch inszeniert. Lediglich bei den Dialekten meine ich an ein paar wenigen Stellen ein paar Unstimmigkeiten heraus zu hören. Aber dies fällt natürlich kaum ins Gewicht.

In den Hauptrollen sind Dietmar Schönherr, Monika Baumgartner und Hans Schuler zu sehen, was mir sehr gut gefällt. Denn hier handelt es sich um drei hervorragende Schauspieler. Während Monika Baumgartner sehr eindringlich eine umtriebige und zwielichtige Frau reiferen Alters spielt, sticht gerade Hans Schuler als der Judas Franz Raffl aus der Masse heraus. Bei Schuler ist dies besonders toll, weil gerade er ein sehr markanter Schauspieler mit viel Potential ist, der jedoch oftmals nur für kleinere Rollen besetzt wird. Hierfür mussten diesmal andere Gesichter herhalten, die aber auch allesamt hervorragend in den Film passen. Neben Dieter Fischer, der im Bayrischen Rundfunk im Moment die Titelrolle in "Der Kaiser von Schexing" spielt, sind das unter anderem Erich Hallhuber senior und Peter Mitterrutzner. Der bayrische Volksschauspieler Werner Asam hat nicht nur das Drehbuch zu diesem Film verfasst, sondern auch Regie geführt. Produziert wurde das Projekt von der traditionsreichen Münchner Firma Infafilm, die nicht nur derzeit mit der bayrischen Serie "Franzi" großen Erfolg feiert, sondern bereits in den 70er und 80er Jahren Fernsehklassiker wie "Meister Eder und sein Pumuckl" auf die Beine stellen konnte.

Der knapp 90-minütige Film wurde nach seiner Erstausstrahlung im Jahr 2006 direkt bei der Firma Pixel 101 in Form einer 2-DVD-Edition erstmals veröffentlicht. Die beiden Scheiben der Edition sind in einer DVD-Hülle untergebracht, die sich wiederum in einem Schuber befindet. Während bei vielen anderen Produktionen Schuber und Hülle gleichermaßen bedruckt sind, hat man ich hier die Mühe gemacht, die beiden Verpackungselemente individuell zu gestalten. So bekommt man auf dem Schuber ein anderes Titelbild zu sehen als auf dem Cover der Hülle. Lediglich die Inhaltsangaben auf den Rückseiten sind jeweils gleich. Hier hätte man den vorhandenen Platz nutzen können, um weitere Informationen preis zu geben. Alternativ bietet sich für so etwas auch ein Beiheft an, worauf man leider verzichtet hat.
Dafür liegt dieser 2-DVD-Edition ein ganz besonderes Extra mit bei: Die zweite Disc beinhaltet den 44-minütigen BR-Dokumentarfilm "Napoleon und Bayern", der wunderbar zur Thematik passt und allen Interessierten ein umfassendes Bild über die damalige politische Lage in Bayern und Tirol vermittelt. Neben zwei ansprechenden Menüs, die die Stimmung der jeweiligen Filme gut widerspiegeln, findet man auf den DVDs eine Bildergalerie zum Film, Informationen zur DVD-Herstellungsfirma sowie eine ausführliche Trailerschau. Das Artwork der DVD-Edition ist einfach, aber ansprechend gestaltet.

"Der Judas von Tirol" ist ein empfehlenswerter Epos, den man allen Geschichts- und Bayerninteressierten empfehlen kann. Die Handlung ist packend und authentisch inszeniert und steht Filmen wie "Die Freiheit des Adlers" in nichts nach im Gegenteil - "Der Judas von Tirol" ist eine wunderbare thematische Ergänzung, die durch den auf der zweiten Disc vorhandenen Dokumentarfilm abermals abgerundet wird. Die DVD-Edition serviert dem Kunden einen erheblichen Mehrwert, kann sich aber optisch und inhaltlich nur bedingt mit den Veröffentlichungen großer Firmen bzw. großer Blockbuster messen. Untertitel für Hörgeschädigte oder ein Beiheft hätten die DVD-Edition noch einmal ordentlich aufgewertet, aber da es sich hier um ein kleines DVD-Label handelt, sollte man so etwas nicht überbewerten. Im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten hat man hier einiges raus holen können und das Ergebnis wurde zu einem sehr fairen Preis veröffentlicht. (sk)

Wertung: 8 von 10 Punkten (8 von 10 Punkten)

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