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Datum: 01.01.2010 | VÖ: 13.11.2009 | Herausgeber: Sony Music Entertainment GmbH | Kategorie: Kabarett & Komik
Mundstuhl – Seit über 10 Jahren kennt man inzwischen die hessischen Komiker Lars Niedereichholz und Ande Werner unter diesem Namen. Das Duo wurde besonders in den Rollen als "Dragan und Alder" bekannt. Auf der DVD mit dem neuen Programm sind sie aber nicht nur in dieser Rolle zu sehen, sondern auch als "Peggy und Sandy" – gelegentlich aber auch gemischt als "Sandy und Alder", "Peggy und Alder" oder als "Peggy und Sandy". Zwischenzeitlich erscheinen sie auch als jugendliche Band "No Pressure".
Im Gegensatz zu den Darstellern Lars und Ande scheinen ihre gespielten Alter Egos jedoch nicht vom Baum der Intelligenz gegessen zu haben – von der Erkenntnis ganz zu schweigen. Dabei überspitzen sie die Unterbelichtung der Charaktere durchaus – obwohl man manchmal den Eindruck hat, sie hätten vielen nur "aufs Maul geschaut" und reale Situationen nachgespielt. Traurigerweise ist es aber leider tatsächlich so, dass die Realität das Kabarett schon fast eingeholt hat. Denn wenn man in der richtigen Gegend wohnt, hat man mit solchen Typen tatsächlich zu tun. So bleibt einem manchmal das Lachen im Halse stecken, weil man diese Situationen schon aus dem persönlichen Alltag kennt. Da kommt oft schon Mitleid auf mit diesen Protagonisten...
Lars und Ande haben sich hier nach ihrem Programm "Sonderschüler" mal wieder sehr gründlich auf die Intelligenzverweigerer eingeschossen, denn sie spielen all diese Dumpfbacken mit einer Natürlichkeit, dass man oft nur den Kopf schütteln kann. Wenn Peggy stolz von ihrem 13jährigen neonazi-angehauchtem Sohn Justin berichtet, der keine Pickel mehr bekommen kann, weil kein Platz mehr da ist, und der trotz Geldmangels immer wieder einen anderen Wagen fährt, oder Sandy von Alder kein LSD kaufen will, weil sie zuhause schon überall Laminat hat, bleibt einfach kein Auge mehr trocken. Und wenn Ande als "No Pressure"-Bandmitglied das Harmonium bespielt und gleichzeitig die Saiten an der Gitarre bedient, während Lars das Harmonium hält und die Gitarre anschlägt, sitzt man sogar mit offenem Mund da und staunt, warum dabei sogar hörbare Melodien erklingen.
Die Sketche als auch die gespielten Typen durchqueren rücksichtslos alle charakterlichen Adjektive, die man im Duden finden kann, solange sie nicht zu positiv sind: rotzfrech, selbstgerecht, eingebildet, cholerisch, disharmonisch, harmoniesüchtig, dumm, egoistisch, dreist, blöd, bescheuert, uneinsichtig, neurotisch, kurzsichtig, unterbelichtet, hypochondrisch, hirnlos, narzistisch, etc. In allen Fällen aber immer weitab von "politisch korrekt".
Der Humor der beiden Hessen ist halt gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Geschmack, aber sie übertreiben die alltäglichen Banalitäten, die jeder von uns kennt, derart, dass man einfach nicht mehr ernst bleiben kann. Wenn Dragan die "schwedischen Gardinen" mit "dänischem Bettenlager" ersetzt, kann man durchaus verstehen, warum das Bühnenbild die Außenmauer einer Nervenheilanstalt darstellt. Obwohl – bei Typen wie Dragan wäre es manchmal wirklich zutreffender gewesen, wenn die Sketche eher innerhalb der Anstalt gespielt hätten. Die Komiker schlüpfen in ihre Rollen, die wie maßgeschneiderte Anzüge sitzen. Dass sie zudem noch akzeptabel singen und Musikinstrumente spielen können, ist absolut kein Standard in der Komikerszene. Ihre Vielseitigkeit zeigt das Duo aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch als Synchronsprecher in verschiedensten Kinofilmen (u. a. "Isnogud, der bitterböse Großwesir", "Tinkerbell – Auf der Suche nach dem verlorenen Schatz") oder als Darsteller in TV-Serien ("Bewegte Männer", "Angie").
Auf der Rückseite der SuperJewel-Box sind insgesamt 27 Sktech-Themen aufgeführt, wobei diese oft fließend ineinander übergehen. Als Zugabe gibt es noch einen 28. Sketch namens "Die Stürme" mit einer Länge von 250 Sekunden. Das Programm wurde im Februar 2009 im 16:9-Format aufgezeichnet, aufgenommen wurde dabei im Bonner Haus der Springmaus e.V. Die Kameraführung ist sehr gut, das Bild selbst ausreichend scharf, wenn auch nicht erstklassig. Farben und Kontrast bewegen sich ebenfalls im Durchschnitt. Der PCM-Stereoton ist klar verständlich und ohne Beanstandung. Auf zusätzliche Sprachen oder auch Untertitel muss man hier verzichten. Der Einleger zeigt lediglich die Credits und "Peggy und Sandy". Für Fans des Komedyduos ist die DVD ein Muss, da das gezeigte Programm den bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere bildet. Man kann sagen, was man will, Mundstuhl nehmen in der Comedyszene eine Ausnahmerolle ein, hier jedenfalls ausnehmend gut. (gh)
Wertung:
(8 von 10 Punkten)
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