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TV-KULT | Interview: Monika Petrillo



Monika Petrillo

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Einst war Monika Petrillo Kinderdarstellerin in Fernsehserien wie "Das feuerrote Spielmobil" oder "Meister Eder und sein Pumuckl". In den 90er Jahren begann sie ihre Arbeit hinter der Kamera, wo sie bis heute noch in Hollywood tätig ist. Im Jahr 2006 feierte ihr erster eigener Film namens "Flyabout" Premiere und erfreut sich großer Beliebtheit bei Filmfreunden. Sebastian Kuboth von TV-Kult hat sich am 29. Juni 2010 im Cafè Münchner Freiheit in Schwabing mit Monika Petrillo getroffen und hat mit ihr über ihren Film, über ihren bisherigen Werdegang und über ihre Pläne gesprochen. Eine Rezension zu "Flyabout" finden Sie in unserer Kritiken-Rubrik.

Redaktion: Wie bist Du auf die Tradition des "Walkabouts" der Aboriginies gekommen und wie entstand daraus die Idee zu einem Flyabout?

Da muss ich umgekehrt anfangen. Ich wollte schon immer einen eigenen Film machen, hatte aber noch nie die richtige Idee dazu gefunden. Drehbücher hatte ich schon geschrieben, doch etwas Konkretes hat sich nie ergeben. Unabhängig von diesen Plänen habe ich dann meinen Flugschein gemacht und geplant nach Australien zu fliegen. Ungefähr zwei Wochen bevor wir abgeflogen sind, habe ich gepackt, hatte meinen Fotoapparat in der Hand und hatte dann die göttliche Eingebung: "Das ist die erste Geschichte, die ich erzählen muss. Das ist mein erster Film". Ich bin dann los gezogen und habe mir eine ganz einfache digitale Videokamera gekauft und habe auch noch drei Dokumentarfilme ausgeliehen, um ein paar Ideen zu bekommen, wie man so einen Dokumentarfilm überhaupt macht. Ein Film, den ich mir ausgeliehen habe, hieß "Walkabout", es handelte sich hierbei um einen Spielfilm. Durch diesen Film habe ich dann erstmals über den "Walkabout" gelernt. Ich war davon sehr fasziniert und dachte mir, so eine Erfahrung möchte ich auch erleben. Es lag dann natürlich nahe, dass ich keinen "Walkabout", sondern einen "Flyabout" machen würde. Es war also erst die Idee da, den Film zu machen und später kam dann erst die Idee mit dem "Walkabout" dazu.

Redaktion: Du warst die einzige Pilotin bei diesem Abenteuer, zudem noch die jüngste Teilnehmerin. Musstest Du Dich gegen die männlichen Kollegen durchsetzen oder wurdest Du sofort akzeptiert?

Ich wurde sofort akzeptiert. Ich glaube, die anderen Piloten fanden das toll, dass da auch eine verhältnismäßig junge Frau mit dabei war. Die waren sehr unterstützend. Piloten konkurrieren sowieso nicht sehr untereinander. Das ist eine sehr nette Gruppe von Leuten bei denen man sehr schnell akzeptiert wird.

Redaktion: Du engagierst Dich auch dafür, dass mehr Frauen sich hinter das Steuer eines Flugzeuges trauen. Du hast zum Beispiel mit Deiner kleinen Tochter an einem Weltrekordversuch teilgenommen. Wie kam es dazu?

Meine siebenjährige Tochter wollte schon lange einmal mit mir fliegen gehen, seitdem sie jetzt begriffen hat, dass ihre Mami Flugzeuge fliegt. Ich war zunächst noch sehr zögerlich und nicht sicher, wann sie alt genug ist und dann habe ich gehört, dass am 8. März diesen Jahres in Amerika das 100-jährige Jubiläum gefeiert wurde, an dem eine Frau erstmals lizensiert als Pilot geflogen ist. Eine kanadische Frau hatte die Idee, zu diesem Ereignis einen Weltrekord aufzustellen. Alle Pilotinnen der Welt wurden dazu aufgerufen am 8. März möglichst viele andere Frauen zum Fliegen mitzunehmen, in der Hoffnung, diese auch zum Fliegen zu ermuntern. Ich dachte mir dann, das ist ein Zeichen, eine gute Möglichkeit, endlich meine eigene Tochter zum Fliegen mitzunehmen. Es hat sich dann auch noch so ergeben, dass ich ihre Freundin, die an diesem Tag Geburtstag hatte, und die Mutter der Freundin zu dem Event mitgenommen habe. Also habe ich an diesem Tag im Grunde drei Frauen zum Fliegen mitgebracht.

Redaktion: Warum ist es für Dich wichtig, dass auch Frauen Flugzeuge fliegen?

Ich finde es einfach wichtig, dass Frauen wissen, dass sie alles machen können, was auch Männer machen. Generell ist mir wichtig, dass Leute das Gefühl haben, alles in ihrem Leben machen zu können, was sie wollen. Man lebt nur einmal und wir begrenzen uns immer selbst mit Ausreden, Befürchtungen und jeder sagt: "Ach, dafür habe ich keine Zeit und kein Geld. Nächstes Jahr vielleicht...". Und das finde ich so traurig! Das ist eines der wichtigsten Dinge für mich. Ich habe ja am Anfang meines Filmes schon gesagt, dass ich nicht alt werden will und mir sagen muss, dass ich etwas verpasst habe. Mir ist es einfach wichtig auch andere Leute dazu zu inspirieren, ihre Träume zu erfüllen. Das ist mir auch schon einige Male gelungen. Mir ist es schon ein paar mal passiert, dass Leute nach der Aufführung meines Filmes zu mir gekommen sind und gesagt haben, dass sie jetzt auch ihren Pilotenschein machen wollen, oder ihren Tauchschein jeder hat ja andere Träume, egal was es ist. Ich finde es nur wichtig, dass man nicht das Leben an sich vorbei ziehen lässt.
Viele Mädchen wissen auch gar nicht, dass man als Frau Pilot sein kann. Wenn man Mädchen fragt, die sechs, sieben oder acht Jahre alt sind, ob sie Pilot werden wollen, sind sie oft sehr erstaunt, weil sie glauben, dass das nur Männer können. Ich finde es einfach wichtig, dass man etwas gegen dieses Denken unternimmt..

Redaktion: Du beschreibst im Film selbst, was Du für Dich gelernt hast in den vier Wochen des "Flyabouts". Was, würdest Du sagen, war die Erkenntnis oder das Erlebnis, das Dich für Dein späteres Leben am meisten geprägt hat?

Das wichtigste war wahrscheinlich das, was ich gerade gesagt habe: Wenn man einen Traum hat, soll man sich den auch erfüllen. Egal wie schwer oder anspruchsvoll das ist: Es lohnt sich immer! Das zweite was ich gelernt habe: Wenn man es tatsächlich schafft, sich seinen Traum zu erfüllen, so muss man das dann aber auch wirklich in dem Moment genießen. Das war auch mein Problem, dass ich dann zwar um Australien herum geflogen bin, jedoch durch so viele andere Faktoren abgelenkt wurde. Ich hatte die längste Zeit das Gefühl, dass ich noch gar nicht richtig da war. Deswegen muss man sehr darauf achten, dass man es nicht verpasst, die Erfüllung eines Traumes zu genießen.

Redaktion: In Deinem Fall war es sicher auch schön, dass Du dieses Erlebnis in Form des Filmes festgehalten hast. Weil oft wirken solche Erfahrungen im Nachhinein sehr unecht, als hätten diese nicht stattgefunden, ein bisschen so als wäre es ein Traum gewesen...

Ja. Ich habe mich sieben Jahre lang damit beschäftigt, den Film zu schneiden. Viele Dinge, die ich erlebt und gelernt habe, sind mir erst im Nachhinein klar geworden. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass man auch mit Leuten sehr gut befreundet sein kann, die doppelt so alt sind wie du. Und das nur weil du die gleiche Lebenseinstellung hast oder die gleichen Vorlieben teilst. Da ist das Alter total egal.

Redaktion: Du hast gerade gesagt, dass Du sieben Jahre lang an der Fertigstellung des Filmes gearbeitet hast. Für alle die es nicht wissen: Wann fand Deine Reise statt und wann wurde der Film uraufgeführt?

Der "Flyabout" war 1998 und 2006 hatte der Film Premiere beim South By Southwest Film Festival in Austin, Texas.

Redaktion: Der Film wird immer wieder auf verschiedenen Filmfesten oder auch Flugshows gezeigt. Nimmst Du an solchen Veranstaltungen noch teil oder ist das inzwischen zu viel geworden?

Wenn ich kann, bin ich bei den meisten Aufführungen dabei. Mir macht das natürlich Spaß den Film zu präsentieren, die Leute kennenzulernen und Fragen zu beantworten. Meistens bin ich schon dabei.
Vor kurzem hat mich eine Frau angeschrieben, eine Lehrerin aus Florida. Das fand ich besonders nett. Sie wollte mit ihrer Schulklasse, alles Zwölfjährige, den Film anschauen. Ich habe mich dann entschuldigt und erklärt, dass es sich um eine kleine Produktion handelt und ich das nicht einfach irgendwo aufführen lassen kann. Ich habe ihr dann vorgeschlagen, dass sie den Film auf DVD schauen könnten und anschließend mit mir über Skype darüber sprechen. Dann hat sie das tatsächlich gemacht, die Kinder haben mich anschließend angerufen und wir haben uns über den Film unterhalten.

Redaktion: Das ist ja toll!

Ja, das war ganz süß. Die haben sich dann Fragen aufgeschrieben und jeder kam dann einmal dran und durfte eine Frage stellen. Das war super! Ich bin zwar ein sehr kleiner Fisch, aber es ist einfach schön, wenn Reaktionen auf den Film direkt zu mir zurückkommen. Wenn man einen großen Film macht, der weltweit in den Kinos läuft, bekommt man solche Reaktionen ja nie mit. Dadurch, dass ich den Verleih meines Filmes alleine mache, kriege ich E-Mails und Reaktionen aus der ganzen Welt. Aus Malaysia, aus Frankreich und von überall her Menschen, mit denen du auch persönliche Kontakte aufbaust...

Redaktion: Wurde der Film schon oft in Deutschland gezeigt?

Am 10. Juli an einem Flughafen in Tannheim findet eine "Open Air Movie Night" statt und dort wird der Film das erste Mal in Deutschland gezeigt. Dort kommen viele Piloten aus der Schweiz, aus Frankfurt und Berlin. Die fliegen dann dort hin und machen sich ein schönes Wochenende, packen ihren Liegestuhl aus und schauen sich unter freiem Himmel den Film dann an.

Redaktion: Diese Deutschlandpremiere wird dann auch noch einmal etwas ganz besonderes für Dich werden...

Ja, da freue ich mich sehr darauf. Mein Vater wird auch kommen, was sehr gut ist, weil wir dann ein richtig schönes Q & A [Anmerkung der Redaktion: Q & A steht für Frage und Antwort] machen können.

Redaktion: Was liebst Du am Fliegen besonders?

Am meisten gefällt mir am Fliegen die absolute Unabhängigkeit. Wenn Du das Flugzeug fliegst und 2000 Fuß über der Erde fliegst und runter schaust, alles erkennst und dir klar wird, dass du in dem Moment ein Flugzeug fliegst. Auch wenn es für mich seit Jahren schon der Fall ist, ist es immer wieder ein faszinierendes Gefühl, dass ich selber ein Flugzeug fliegen kann und diese Kontrolle habe. Für mich bedeutet Fliegen totale Freiheit, totale Unabhängigkeit und natürlich Abenteuer. Manchmal fahre ich, nachdem ich die Kinder zur Schule gebracht habe, morgens um acht heimlich zum Flughafen, miete mir eine Maschine für eine Stunde und fliege dann ganz alleine über Pasadena oder Los Angeles. Wenn du mit der Maschine und dem Himmel dann ganz alleine bist, das ist wie in die Kirche gehen. Du hängst da irgendwie zwischen Leben und Tod und irgendwie ist das total heilig für mich.

Redaktion: Du hast nicht nur den australischen Kontinent umflogen, sondern warst auch in Namibia, Japan und Vietnam. Du hast für Dich entschieden, das Haifischbecken Hollywood zu erkunden und dort zu arbeiten. Würdest Du das auch als Abenteurer bezeichnen?

Ja, auf alle Fälle! Das ist schon ein sehr abenteuerliches Leben.

Redaktion: Ursprünglich warst Du als Schauspielerin tätig. Wie kamst Du zu der Tätigkeit als Script Supervisor?

Meine Eltern haben während meiner gesamten Kindheit über gesagt, dass ich erst Schauspielerin werden dürfte, wenn ich etwas "Anständiges" gelernt hätte. Nach der Schule habe ich mich dann halt dazu entschlossen zu lernen, wie man hinter der Kamera arbeitet. Ich bekam ein Praktikum bei "Forsthaus Falkenau" in der Regieabteilung. Dort habe ich alles gelernt, was man für den Job als Skript Girl alles braucht. Dort bekam ich dann einen Anruf, dass bei "Der Alte" die zuständige Frau für das Skript krank geworden war und dann wurde ich als Praktikantin dahin geschickt, weil ich das inzwischen ein wenig konnte. Dann habe ich dort angefangen und bin gleich für drei Folgen geblieben.

Redaktion: Bei "Forsthaus Falkenau" bist Du aber auch vor der Kamera zu sehen?

Ach ja! Das hab ich auch schon wieder vergessen. Ja, stimmt! Der Regisseur, von dem ich gelernt hatte, der wusste, dass ich schon als Kind geschauspielert hatte. Der hat mir dann eine kleine Rolle gegeben, damit ich ein bisschen was dazu verdienen konnte, weil man als Praktikant natürlich nicht viel verdient. Deswegen hatte ich dort diese kleine Rolle.

Redaktion: War die Schauspielerei für Dich nicht mehr interessant? Es war ja schließlich ursprünglich ein Wunsch von dir...?

Ja, es war ein Wunsch von mir. Ich wollte, wie gesagt, als Kind immer Schauspielerin werden. Ich glaube, als ich angefangen habe, hinter der Kamera zu arbeiten, hat mich das dann aber sehr fasziniert. Dort gab es viel zu lernen. Und ich habe dann irgendwann für mich beschlossen, dass es hinter der Kamera mehr Spaß macht. Man kann regelmäßiger arbeiten. Schauspieler verbringen eigentlich eh die meiste Zeit damit, sich um Rollen zu bewerben und das ist schon ein sehr harter Job. Oft hängt es dann auch von deinem Aussehen ab... Ich finde, dass es hinter der Kamera einfacher ist, kreativ zu sein.

Redaktion: Als Schauspieler macht man sich auch komplett abhängig.

Ja genau. Als Schauspieler ist es einfach schon wichtig, dass man richtig ausschaut. Mag ja sein, dass du der beste Schauspieler bist, aber wenn du halt nicht so aussiehst, wie der Regisseur das will.... Ich finde es schon sehr hart.

Redaktion: Gehen wir einen weiteren Schritt zurück: Wie kamst Du zur Filmbranche? War das familiär schon vorgegeben?

Nein. Ich war mit sechs Jahren in Unterföhring im Ballett. Da kam eines Tages eine Frau rein, deren Tochter auch im Ballett war. Die suchte zwei kleine Mädchen, die in "Erkennen Sie die Melodie?" als Komparsen im Hintergrund herum hüpfen sollten. Da hat sie mich ausgesucht und ihre eigene Tochter war auch mit dabei. Das war damals meine erste Erfahrung mit dem Fernsehen. Das hat mir damals wahnsinnig viel Spaß gemacht. Diese Frau, die Frau Goosmann, die hat dann kurz danach speziell für Kinder ihre eigene Agentur aufgemacht. Ich war dann zusammen mit vielen anderen Kinder aus Unterföhring dort in ihrer Kartei. Sie hat dann regelmäßig bei uns angerufen und gesagt, dass Kinder für "Das feuerrote Spielmobil" gesucht werden, oder bei "Pumuckl" und so weiter.

Redaktion: Du hast das dann auch gerne gemacht?

Klar. Ich fand das super! Mir hat das total Spaß gemacht. Ich bin dann nach der Schule abgeholt worden meine Eltern waren sehr strikt, das durfte nicht während der Schule sein da hat mich dann der blaue Bus vom Bayrischen Rundfunk abgeholt und ist mit mir z.B. für "Das feuerrote Spielmobil" nach Haag raus gefahren und dann haben mir die Elektriker dort bei meiner Mathe-Hausaufgabe geholfen. Es hat wahnsinnigen Spaß gemacht als Kind auf so einem Drehort zu sein, es war sehr spannend!

Redaktion: Deine Eltern haben es also unterstützt, haben aber auch darauf geachtet, dass Du weiterhin Deine Schule machst?

Ja, ich habe ja auch noch zwei Geschwister. Die haben auch ein bisschen beim Fernsehen mitgemacht, hatten aber Schwierigkeiten in der Schule, da haben meine Eltern dann ganz den Schlussstrich darunter gezogen. Bei mir konnten sie das noch nicht so richtig machen, weil ich in der Schule noch ganz gut war. Ich hab das gemacht bis ich so 12 oder 13 war und dann hat meine Mutter auch bei mir dafür gesorgt, dass die Schule wieder an der ersten Stelle steht.

Redaktion: Deine bekannteste Rolle als Kind dürfte die der Bärbel gewesen sein in der Folge "Eder bekommt Besuch" der Serie "Meister Eder und sein Pumuckl". Wurdest Du auf diese Rolle oder auf andere schon öfters angesprochen und wurdest Du vielleicht sogar auf der Straße erkannt?

Ich wurde einmal als Kind an der S-Bahn angesprochen. Das war aber in Bezug auf die Rolle in "Das feuerrote Spielmobil". Witzigerweise bin ich auf meine Rolle in "Pumuckl" erst jetzt als Erwachsene mehrfach angesprochen worden. Von Dir und zwei oder dreimal von Leuten, die mich über das Internet gefunden und angeschrieben haben. Vor zwei Jahren hat mich sogar ein "tz"-Journalist angeschrieben, weil er mit mir als "Ex-Freundin" vom "Pumuckl" ein Interview haben wollte.

Redaktion: Kannst Du Dich an die "Pumuckl"-Dreharbeiten noch gut erinnern?

Ja

Redaktion: Wie waren die Dreharbeiten für Dich?

Das hat auch super Spaß gemacht. Der Bayrhammer war sehr nett und auch der Regisseur war sehr nett.

Redaktion: Ulrich König. Der war damals noch sehr jung.

Ja. Der hat damals die Stimme vom "Pumuckl" am Drehort selbst gesprochen und der war super lustig. Ich fand es faszinierend zu zugucken. In einer Szene springt der "Pumuckl" auf eine schwarze Lampe, wenn er unsichtbar ist. Und wenn man genau hin schaut, sieht man seinen Fußabdruck. Ich kann mich noch genau erinnern, wie der Requisiteur den Fußabdruck dahin gemalt hat. Man hat mir dann erklärt, dass man ihn ja nicht sieht und dass die Lampe dann wackeln muss. Ich kann mich auch noch erinnern, dass sie so durchsichtige Fäden an die Holzplatten hinter der Tür fest gemacht haben und wenn ich meine Tasche suche, dann fallen die um. Der ganze Zauber mit dem unsichtbaren Kobold, das war sehr spannend. Ich fand es auch sehr toll, dass ich alles mit Kleister einschmieren durfte, das durfte ich ja zu Hause auch nicht...

Redaktion: Die Stimmung war beim Dreh auch sehr locker?

Ja, auf alle Fälle!

Redaktion: Hast Du dann auch oft gewartet, oder warst Du nur für Deine Szenen vor Ort?

Hin und wieder habe ich auch schon mal gewartet, aber da war auch eine Kinderbetreuung dabei.

Redaktion: Wer das war, weißt Du nicht zufällig?

Ich weiß nur noch wie die aussah. Die war auch aus Unterföhring.

Redaktion: Wurdest Du in dieser Folge von jemand anderen gesprochen?

Ja, meine Rolle wurde von Martina Zöttl synchronisiert, weil ich kein Bayerisch sprechen konnte.

Redaktion: Gab es für Deine Rolle ein Vorsprechen? Wie lief das ab?

Ja, das gab es jedes Mal. Da saßen dann zwei, drei Leute dort, unter anderem der Regisseur, und dann musste man dort vorsprechen. Ich weiß noch, wir haben damals 15 Mark für jedes Vorsprechen bekommen. Wir haben dann die Seiten bekommen, die mussten wir vorlesen, und die Frau Goosmann hat uns dann immer erinnert, dass das noch nichts heißt und dass man sich nicht zu große Hoffnungen machen soll.

Redaktion: Weißt Du noch wann ungefähr die Dreharbeiten für diese Folge waren?

Ich habe erst "Das feuerrote Spielmobil" gemacht. Das war 1978/79. "Pumuckl" müsste 1980 gewesen sein.

Redaktion: Ist Dir als Kind der schlechte Zustand der Werkstatt aufgefallen?

Der schlechte Zustand?

Redaktion: Ja, in der Werkstatt soll es sehr geschimmelt haben, was auch ein Grund war, warum sie abgerissen wurde.

Nein, davon habe ich überhaupt keine Ahnung. Auch nicht, dass sie abgerissen wurde.

Redaktion: Welche Rolle als Kind hat Dir am meisten Spaß gemacht und was schaust Du Dir heute als Erwachsener am liebsten von den Produktionen an?

Meine Kinder finden den "Pumuckl" natürlich am tollsten. Das war natürlich auch am aufregendsten zu drehen. Aus heutiger Sicht bin ich stolzer auf die Geschichte mit dem "Pumuckl". In Bezug darauf wo ich damals mehr Spaß hatte, war es "Das feuerrote Spielmobil". Das waren ja acht Folgen und immer das gleiche Team. Die Schauspieler waren auch alle sehr nett, das war wie eine große Familie. Es hat großen Spaß gemacht! Woran ich mich noch gut erinnern kann: In der Folge "Hilfe, die Haie kommen" gibt es zum Beispiel eine Szene wo ich ins Wasser falle. Da mussten wir zwei Kinder auf den See raus paddeln und ich bin dann ins Wasser fallen und musste um Hilfe schreien. Nur ich hatte beim Dreh meine Uhr an und der Regieassistent sagte dann, dass ich die Uhr auch anhaben muss, wenn ich ins Wasser falle. Aber es war meine eigene Uhr und die war nicht wasserfest. Mir wurde dann versprochen, dass mir das Team eine neue Uhr kauft, wenn die alte kaputt geht. Das fand ich natürlich das Coolste. Aber mein Vater hat dann leider am Abend die Uhr aufgemacht und auf die Herdplatte gelegt und dann ging sie leider wieder.

Redaktion: Hast Du trotzdem eine neue gekriegt?

Nein.

Redaktion: Schade. Wie lange war der Zeitraum der Dreharbeiten jeweils? Ging das immer von Schulschluss bis abends?

Ich weiß nicht, ob es da eine Zeitbegrenzung gab, aber so etwas muss es ja gegeben haben. Ich weiß noch von einer Folge aus "Das feuerrote Spielmobil Felix und Bruder Tom", wo ich nachts auf einen Baum klettere und dann versuche oben auf dem Baum zu schlafen, so wie es der Bruder Tom vorgemacht hat. Dann verheddere ich mich in der Strickleiter, komme nicht mehr runter und muss gerettet werden. Das musste natürlich nachts gedreht werden. Da musste die Filmproduktion bei meinen Eltern extra um Erlaubnis bitten, und ich bin erst um halb Eins nach Hause gekommen, was natürlich total spät war.

Redaktion: Als Schauspieler warst Du in den Serien "Polizeiinspektion 1", "Das feuerrote Spielmobil", "Meister Eder und sein Pumuckl" und später noch in "Forsthaus Falkenau" zu sehen. Gab es noch mehr Produktionen wo man dich vor der Kamera sehen kann? Gerade wurde ja die Fernsehshow "Erkennen Sie die Melodie?" erwähnt.

Ja es gab einen Fernsehfilm, der hieß "Der Archivar" vom Bayrischen Rundfunk. Es ging da um einen Archivar beim Bayrischen Rundfunk, der von seiner Nichte Besuch bekommt und ihr "Dinner For One" zeigt.
Ich habe auch bei "Aktenzeichen XY... ungelöst" mitgespielt und ich glaube auch mal bei "Der Alte".

Redaktion: Der Rest muss erst noch entdeckt werden?

Ja, ich habe schon öfter was gemacht, aber vieles hab' ich wohl vergessen. Es gab noch eine Fernsehsendung, die hieß "Menschen müssen wohnen", das war so etwas wie "Die Sendung mit der Maus". Das war eine Kindersendung, wo die Kinder was dabei lernen können. Da ging es darum, wie verschieden Menschen leben können, zum Beispiel in Hochhäusern, auf dem Bauernhof etc.

Redaktion: In der 1. Staffel von "Meister Eder und sein Pumuckl" und in der Serie "Das feuerrote Spielmobil Felix und Bruder Tom", die jeweils um das Jahr 1980 herum gedreht wurden, sind einige Kinderdarsteller zu sehen, die man jeweils auch in der anderen Serie zu Gesicht bekommt. Liegt das daran dass die Kinder damals über die selbe Agentur vermittelt wurden?

Ja, das war alles die Agentur Goosmann.

Redaktion: Eines dieser Kinder war Kerstin Goosmann. War sie die Tochter der Agentin?

Ja, genau.

Redaktion: Haben sich die Kinder damals gut gekannt oder waren das nur kurze Begegnungen bei dem einen oder anderen Dreh?

Also manche Kinder habe ich immer wieder gesehen. Viele Kinder waren eben aus Unterföhring. Manche der Kinder sind mit mir in die Schule gegangen und manche, wie die Zwillinge zum Beispiel (Anm. d. Red.: Rainer und Ralf-Dieter Weiß, unter anderem in "Pumuckl macht Ferien" zu sehen), die habe ich immer wieder bei Fernsehproduktionen getroffen.

Redaktion: Die waren sicher auch sehr begehrt. Zwillinge zu kriegen ist ja sicher nicht sehr einfach. Sagt Dir Helga Fleischhacker etwas? Ihr ward offenbar zusammen an der selben Schule.

Ja, die war in Unterföhring bei meiner Schwester in der Klasse.

Redaktion: "Meister Eder und sein Pumuckl" gab es ja schon vorher als Hörspiel und "Das feuerrote Spielmobil" gab es vor den Folgen mit Dir auch schon...

Ja, das war "Das Haus mit der Nummer 30"

Redaktion: Kanntest Du die Produktionen jeweils?

"Pumuckl" kannte ich vorher nicht, aber das "Haus mit der Nummer 30" kannte ich, da habe ich in einer Folge selbst schon einmal mitgespielt. In der Folge ging es um Maulwürfe. Da wohnten vier Familien in dem Haus und der, der ganz unten wohnte, versuchte dann mit der fünften Symphonie von Beethoven und mit dem Motorrad die Tiere zu vertreiben. Da habe ich auch die Nichte gespielt, die zu Besuch kommt.

Redaktion: Warum bist du 1991 nach Amerika ausgewandert?

Ich bin durch Zufall in Amerika geboren. Dadurch habe ich beide Staatsbürgerschaften, bin aber in Deutschland aufgewachsen. Ich habe 1990 einen amerikanischen Schauspieler kennengelernt und mich in ihn verliebt und bin dann mit ihm mit gegangen, zumal ich schon einen entsprechenden Pass hatte. Ich dachte mir, dass es auch nicht schaden kann, dort im Filmgeschäft zu arbeiten. Wir sind zunächst nach New York gegangen, was mir aber nicht so sehr gefallen hat. Danach sind wir dann nach Kalifornien umgezogen und da finde ich es klasse und fühle mich sehr wohl.

Redaktion: München vermisst Du aber trotzdem ein bisschen?

Ja, natürlich. Ich wohne am Rand von Los Angeles in South Pasadena, das ist so das Unterföhring von Los Angeles. Ich habe auch zwei kleine Kinder und da kann man sehr gut leben. Solange ich jedes Jahr im Sommer nach München kommen kann, mich in den Biergarten setzen oder am Cafè Münchner Freiheit frühstücken (lacht), dann habe ich das Beste von beidem und so ist das wunderbar für mich.

Redaktion: Die Kinder kommen auch ab und zu mit?

Ja, die kommen immer mit! Die lieben Brezen und gucken "Pumuckl".

Redaktion: Willst Du weiterhin als Script Supervisor arbeiten oder willst Du in Zukunft auch gerne anderen Tätigkeiten im Filmgeschäft nachgehen?

Im Moment ist es so, dass die Tätigkeit als Script Supervisor mein Hauptberuf ist. Ich habe in diesem Zusammenhang auch an vielen, tollen, großen Filmen mitgearbeitet. Trotzdem würde ich sehr gerne selbst als Regisseurin weiterhin tätig sein. Das wäre mir natürlich lieber, wenn ich dies hauptberuflich machen könnte, aber so etwas kann man nur begrenzt planen.

Redaktion: Hat Deine Tochter schon Ambitionen, in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten, und möchte auch schon in jungen Jahren vor die Kamera?

Bisher hat sie solche Ambitionen noch nicht geäussert, aber wer weiss, vielleicht kommt das noch? Genau wie sie plötzlich den Wunsch geäussert hat, mit mir fliegen zu gehen, als sie begriffen hatte, dass ich Pilotin bin.

Redaktion: Haben Dir Deine Erfahrungen in der Filmbranche bei der Herstellung von Flyabout sehr geholfen?

Auf jeden Fall! Aber eher unbewusst oder indirekt. Ich habe mich von Kindheit an am Drehort wohl gefühlt und von klein auf eine Vorliebe dafür entwickelt. Das hat dann dazu geführt, dass ich als Script Supervisor bzw. Continuity an Filmen gearbeitet habe und da habe ich natürlich sehr viel über das Filmemachen gelernt. Und das wiederum hat mir dann bei "Flyabout" geholfen.

Redaktion: Bleibt Flyabout Dein einziges Filmprojekt, oder hast Du vor, in Zukunft noch etwas anderes in dieser Richtung zu produzieren?

Ich möchte auf jeden Fall noch einmal einen Film machen. Ich weiß nur noch nicht genau, ob es ein Dokumentarfilm werden soll oder lieber eine fiktive Geschichte...

Redaktion: Vielen Dank für das Interview!

Der Beitrag wurde am 29.06.2010 von sk verfasst.

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