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Quax

Erleuchteter

Registrierungsdatum: 13. Mai 2010

Beiträge: 3 508

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Freitag, 3. September 2010, 12:03

Mordprozeß Dr. Jordan (D, 1949/50) - Erstmals auf DVD erhältlich !!!

Seit dem 19. August 2010 ist dieser interessante und auch sehr spannende Kriminalfilm (erster deutscher Nachkriegsfilm) erstmals auf DVD erhältlich. Hierbei handelt es sich um eine Produktion der Comedia-Filmgesellschaft, die Heinz Rühmann mit Alf Teichs nach dem Krieg 1947 gründete, und leider 1953 in Konkurs ging.

Es agierten sehr viele bekannte Schauspieler wie Rudolf Fernau, Maria Holst, Dorothea Wieck, Hubert von Meyerinck, Rolf Weih, Theodor Loos und viele andere...
Auch der Regisseur Erich Engels und nochdazu Heinz Rühmann als Produzent waren ja alte und auch altbewerte Bekannte.
Der Film erlebte am 05.01.1950 in Berlin/West seine Erstaufführung.


Inhalt:

Ein rätselhafter Kriminalfall, der sich 1912 ereignete, erfährt 16 Jahre später seine Auflösung:
Trotz heftigen Leugnens wird der Tropenarzt Dr. Jordan aufgrund eines Indizienprozesses wegen Mordes an seiner Schwiegermutter zu lebenslanger Haft verurteilt. 15 Jahre später wird er begnadigt, doch sein Leben gleicht einem Trümmerfeld. Er veröffentlicht nach seiner vorzeitigen Entlassung sensationelle Artikel über den Justizirrtum.

Grundlage dieses Falls ist ein echter Kriminalfall, der allerdings in Baden Baden vorfiel. Der Rechtsanwalt Hau soll am 6. November 1906 in Baden-Baden seine Schwiegermutter, erschossen haben. Er wurde 1907 in einem Indizienprozeß zum Tode verurteilt. Die wohlhabende Medizinalratswitwe Josefine Molitor ging mit ihrer Tochter Olga in Richtung Kurpromenade, als aus dem Busch ein Schuß fiel, der die Mutter tötet. Die Tochter sah einen Mann in einem langen dunklen Mantel davonlaufen. Der mit der zweiten Tochter Lina verheiratete Schwiegersohn Carl Hau hatte 1901 seine Schwiegermutter mit ihren Töchtern in Korsika kennen gelernt. Die Mutter erlaubte jedoch die Heirat mit Lina nicht, die beiden flohen in die Schweiz, wo Hau Lina bei einem Selbstmordversuch verletzte.

Die Mutter willigte schließlich in die Heirat ein, unter der Bedingung daß die beiden Deutschland verlassen. Sie gingen in die USA, wo Hau in besten Kreisen verkehrte. Er wurd Rechtsprofessor und reiste nach Frankreich, in die Schweiz und nach Konstantinopel, wo er ein ausschweifendes Leben führte. Er lebte verschwenderisch. Nach dem Mord wurde er in London festgenommen. Zeugen sahen ihn mit falschem Bart und Perücke in der Nähe des Tatortes, und er soll seine Schwiegermutter unter einem Vorwand aufs Postamt gelockt haben. Der Prozeß vor dem Großherzoglichen Badischen Schwurgericht in Karlsruhe erweckte das Interesse der Weltpresse. Hau war inzwischen amerikanischer Staatsbürger.

Hau schien in idealer Täter: prahlerisch, verschwenderisch, seine heimliche Reise nach Baden Baden, Geldmangel - aber es gab keine Beweise. Sein Revolver war seit Jahren nicht mehr benutzt worden, und - es gab kein Motiv. Trotzdem wurde er zu Tode verurteilt. Man sprach von Justizmord, der Staatsanwalt wurde kurze später suspendiert, die Strafe in Lebenslang umgwandelt. 1924, 17 Jahre später, wurde Carl Hau entlassen. Er schrieb das Buch "Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses." welches ihm 100 000 Mark einbrachte. Mit diesem Geld floh er nach Italien. Dort beginn er 1926 in den Ruinen der Hadrianvilla Selbstmord.

(Quelle der Inhaltsangabe: Wiesbadener Tagblatt und http://www.heidecker.eu/Ruehmann/Ruehmann_DDrJordan.htm)


Die Frage, ob man nur aufgrund von Indizien ein Todesurteil fällen darf, würde auch heute noch viele Diskussionen auslösen. 1949 - vier Jahre nach dem Ende des Naziregimes - war diese Frage noch viel mehr im Bewußtsein der Menschen. Der Film wurde in Wiesbaden in den Studios Unter den Eichen gedreht, wo auch die Firma Comedia etabliert war. Außenaufnahmen wurden im Nerotal, der Parkstraße, dem Hauptbahnhof und der Altstadt gemacht. Wiesbadener Schauspieler traten in Nebenrollen auf. In den ersten drei Wochen gingen 50 000 Wiesbadener in diesen Kinofilm.

(Quelle: http://www.heidecker.eu/Ruehmann/Ruehmann_DDrJordan.htm)



(Fotoquelle: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51dL-UNR2yL.jpg)


(Fotoquelle: http://medien.filmreporter.de/images/27299.jpg)


(Fotoquelle: http://www-e.uni-magdeburg.de/tschukal/i…rdan_banner.jpg)


(Fotoquelle: http://www.deutsches-filminstitut.de/caligari/dp2fc4268.jpg)
"Wer mit seinem Volk nicht Not und Tod teilen will,
der ist nicht wert, dass er mit ihm lebe."

(Jean Paul, 1763-1825, deutscher Schriftsteller)

Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von »Quax« (3. September 2010, 13:01)

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Sebastian

Erleuchteter

Registrierungsdatum: 13. April 2002

Beiträge: 48 427

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Freitag, 3. September 2010, 13:54

Ui mit 3L haben wir auch schon zusammengarbeitet. Da muss ich mal schauen dass wir ggf damit bemustert werden. Das ist mit Sicherheit ein interessanter Film, gerade weil er direkt aus der Nachkriegszeit stammt.
„Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“

André Gide
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